Das Schweigen der Weblogs

Vielleicht liegt es nur an meinem subjektiven Empfinden, aber die Weblogs leiden im “Mitmach-Web” extrem unter dem fehlenden “Mitmach”.

Nein, es soll keine Neuauflage des allgemeinen Abgesangs auf Weblogs werden. Das Syndrom, dass sich Kommentare nicht wie ein Rasensprenger beständig und unerschöpflich auf das Web 2.0 ergießt (was man vielleicht mal euphorisch annahm), sondern maximal im Gieskannenprinzip ein überschaubares Beet erreicht, ist keine neue Erkenntnis. Schon vor 5 Jahren beklagte man eine signifikante Fokussierung von Kommentarbeteiligung auf einzelne populäre Blogs, frei nach dem Motto: Wo das hellste Licht scheint, fliegen die meisten Motten hin. Doch selbst diese Strahlkraft scheint nun ihren Effekt zu verlieren.

Ein paar Zahlen: Laut Blogoscoop hatte bspw. der Kommentar-Primus Basic Thinking roundabout 1.200 Kommentare in 30 Tagen, Nerdcore 900, Spreeblick “abgeschlagen” 600 (und danach geht es mit den Zahlen steil bergab). Mögen die Zahlen in Anbetracht des eigenen Kommentarmangels eines kleinen Weblog-Anbieters noch imposant wirken, so bedeuten sie doch eine Kommentar-Resonanz von (am Bsp. Nerdcore) 30 Kommentaren pro Tag bei knapp 1 Mio. Page-Impression, das sind 1 Kommentar alle 1.200 Seitenaufrufe, oder drei Kommentare im Schnitt pro Artikel – wobei Nerdcore zugegebenermaßen ziemlich viele Artikel veröffentlicht pro Monat (310) – bei Spreeblick sind es im Vergleich 162 Artikel, dafür aber auch “nur” 600 Kommentare (also knapp 4 Kommentare pro Artikel).

3-4 Kommentare pro Artikel, das ist nicht unbedingt das, was man sich bei Leit-Blogs der Web 2.0-Szene damals vorstellte, als man vom “Mitmachen” und “Interagieren” visionär redete. Das ist im Übrigen vollkommen vorwurfsfrei und ohne Häme zu verstehen. Es ist vielleicht einfach nur eine Erkenntnis wert: Das Format Weblog ist kein Teil des Mitmach-Web mehr. Es ist zwischenzeitlich eher eine Form des “semi-professionellen Online-Magazin” geworden, das Kommentierungen erlaubt, wie aber auch die meisten “professionellen Magazine” längst auch, ohne sich deswegen “Blog” zu nennen. Aber warum haben die “Mitmacher” die Lust am eigenen Wort verloren?

Zum einen muss man das wohl einschränken. Nischen-Themen haben weiterhin ihren festen Kommentarfundus. Im Fußball-Bereich wird weiter fleißig kommentiert, solange das Weblog selbst nicht zu sehr in ein Magazin-Layout geschwenkt ist. “Magazinig” mag zwar ein populäres Modewort im Weblog-Sektor nach wie vor sein, bringt aber im Wesentlichen nur zum Ausdruck, weg vom kalendarischen Blog-Posting hin zu einem thematisch-plakativen Layout zu kommen, um mehrere Themen nach redaktionellen Erwägungen im Fokus zu halten. Das aber zerstreut auch die Besucher und Kommentarkultur lässt sich eben nicht beliebig lenken und streuen. Ein Effekt, der auch bei hohen Posting-Frequenzen beitragen kann, schließlich will auch ein Kommentar gelesen werden und dies tut er nicht, wenn er nach nur wenigen Stunden fast schon ins Archiv gewandert ist.

Aber dies alles sind Zustandsbeschreibungen und auch gute Gründe einer Erklärung, wobei man bei allem nicht immer weiß, was zuerst da war: Henne oder Ei – Neuer Stil oder fehlende Mitmach-Kultur.

Haben die Deutschen (und nur hier habe ich den empirischen Vergleich) die Lust am Kommentieren verloren? Wohl nein, im Gegenteil. Aber eben nicht mehr in freier Wildbahn. Man will zwar über Themen diskutieren, aber nicht mehr irgendwo im WWW, sondern “unter sich”. Der aktuelle Siegeszug (und so darf man das durchaus nennen) von Facebook spiegelt das wieder, was die Gesellschaft offenbar will, wenn sie “mitmachen” soll: die Gemeinschaft/Community. Man will weder irgendwo eine Diskussion beginnen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, noch sich zwischen anonymen Troll-Kommentatoren und sich dabei selbst öffentlich outend in die Massenkommentar-Keilerei eines Populären Forums oder Blogs werfen. Man will “unter seinesgleichen” sein, wo man weiß, wer liest und Reaktionen bekommt von denen, deren Reaktion einen auch interessiert. Die Inhalte haben dazu gefälligst zur Community zu kommen und nicht die Community zum Inhalt – eine solche “gefällige” Lösung ist daher nicht zufällig ein “Gefällt mir”-Button von Facebook, durch den man auch aus dem WWW heraus seine Community informieren kann, welche Inhalte man für beachtlich hält.

Zeigen und Teilen scheint eh zunehmend wichtiger zu werden als eine Diskussion. Kurze Einwürfe, Querverweise, Bezugnahmen – man stückelt sich sein Profil zusammen aus Schnipseln und lässt sich auf ausschweifende Erklärungen seiner Position gar nicht mehr ein. Allein das wäre sicher auch eine eigene Betrachtung wert.

Die Entwicklung mag (vielleicht auch wieder nur) eine Momentaufnahme sein, aber sie erscheint konsequent. Eine Konsequenz aus einem Web 2.0, das nach anfänglicher Geburtseuphorie (leider viel zu schnell) sein Begeisterung verlor und erwachsen wurde, und eine Konsequenz aus der zunehmenden Erkenntnis, dass das offen geschriebene Wort im Internet weit mehr (und längere) Konsequenzen haben kann, als man glauben wollte. Anonymität dagegenzusetzen trifft aber nicht den Kern des Bedürfnisses sich mitteilen zu wollen.

Die Aufgabe der Communities wird also sein, sei es Facebook, Xing oder zukünftig einmal doch auch noch Google, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen, dass das dort gesprochene Wort wenn auch nicht geheim, aber doch nur bei dem ankommen, den man dies auch erlaubt – ob das dann immer vernünftig umgesetzt wird vom Einzelnen, ist ein anderes Thema. Die selektive Steuerung von Informationsweitergabe, wie das von Facebook begonnen wurde, aber noch nicht richtig rund ist, wird diesem Interesse gerecht und wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass so manche Diskussion über einen Blogartikel für den eigentlichen Verfasser unbemerkt geführt wird und die Diskussion emanzipiert sich endgültig vom Initiator.

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Facebook-Kommentare

32 Comments

  • 1
    ml
    5. Juli 2010 - 5. Juli 2010 14:23 | Permalink

    This comments has been intentionaly left blank … :P

    *first*

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  • 2
    5. Juli 2010 - 5. Juli 2010 14:38 | Permalink

    Das Kommentieren in Blogs folgt meiner Beobachtung nach bestimmten Regeln. So wird bei Themen, die keinerlei Einstiegshürden haben, schnell und viel kommentiert. Dazu zählen die Belanglosigkeiten des Alltags, griffige, aktuelle Themen oder auch z. B. Fussball. Hier kann jeder mitreden (oder glaubt es zumindest). Hat der Blog anspruchsvollere Themen oder zum Beispiel Buchbesprechungen, gibt es Hindernisse: Man muss sich mit der Materie befassen oder mindestens eine Ahnung vom Buch haben, usw.

    Der andere, wichtige Punkt wird in Ihrem Artikel angesprochen: In Blogs treffen sehr häufig Gleichgesinnte aufeinander, die Neueinsteiger durchaus auch einmal verbeissen (damit meine ich nicht die üblichen Trolle, die sich allerdings zumeist erst bei sehr bekannten Blogs niederlassen).

    Ein drittes Problem ist die Atomisierung von Diskussionen. Auch das sprechen Sie an. Dabei geht es nicht nur um Facebook oder Xing, sondern auch über Trackbacks, die eine Diskussion verlagern. Da kann dann zwar der Initiator noch mitdiskutieren, aber das wird schnell redundant; die Diskussion zerfasert.

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  • 3
    5. Juli 2010 - 5. Juli 2010 19:00 | Permalink

    Ich denke, man muss da doch stärker differenzieren. Wenn bei Nerdcore ein lustiges Video gepostet wird, dann neigt man doch eher zum Teilen und Zeigen als zur Diskussion. Was soll man auch schreiben? “Finde ich auch gut” – dann kann man genau so gut auf einen Like-Button klicken. In den Blogs, in denen es um kontroverse Themen geht (zuletzt bei mspro oder um die Scroll-Edition der Welt Kompakt oder auch heute um Flattr bei Sascha Lobo) wird doch immer noch reichlich diskutiert.

    Die Fragmentierung der Diskussionen ist in der Tat ein Problem. Ich verstehe, dass man auf Facebook oder Twitter auf Blogbeiträge hinweist. Ich kann allerdings nicht verstehen, warum es sich nicht durchgesetzt hat, inhaltliche Kommentare auch unter dem jeweligen Blogbeitrag zu hinterlassen.

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  • 4
    5. Juli 2010 - 5. Juli 2010 20:10 | Permalink

    Ja, wahrscheinlich muss man differenzieren oder doch einfach präzisieren – ich jedenfalls für meinen Teil.

    Wir (ich) reden in einem Atemzug von Diskussionen und Gefallensbekundungen, das ist alles sicher noch irgendwo da und vielleicht nur verlagert … das was ich vielleicht vermisse ist die “offene weltweite Community”, was ich mir mal vom Web, dann von Weblogs erhoffte und was vielleicht noch mit Twitter am ehesten erreicht wird.

    Es muss ja nicht immer eine kontroverse Diskussion sein, es geht eher einfach um ein Gefühl, dass es nicht nur ein Sendemedium ist. Es geht um Feedback bekommen. Aber eben doch mehr als nur ein “Gefällt mir” oder Flattr klicken, auch wenn das schon mal ne nette Geste ist.

    Vielleicht habe ich immer viel zu viel erwartet. Ein: Jetzt kommen sich Menschen näher und kommunizieren miteinander. Online Gespräche führen, mal plaudernd, mal oberflächlich, mal intensiv. Aber irgendwie wird entweder wirklich heftigst diskutiert (Foren) oder man funkt ins All ohne Antwort zu bekommen.

    Ich würde es auch vielleicht nicht “so streng” sehen, wenn ich nicht z.B. bei “Clubfans United” es anders kennen würde. Dort wird in der Regel nicht andauernd kontrovers diskutiert, noch ist es laufend emotional aufgeladen – man spricht einfach miteinander über das, was entweder vom Autoren als Artikel vorgegeben, oder was sich halt so entwickelt.

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  • 5
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 01:57 | Permalink

    Also Feedback bekomme ich bei meinem Block schon lange nicht mehr durch die Kommentare. Positives Feedback, wenn überhaupt, lässt sich vielleicht noch an der Häufigkeit der “Gefällt mir” Klicks ablesen.

    Das Kommentarfeld wird eigentlich nur noch für 2 Dinge genutzt. Zum einen, wenn es ein Artikel über z.B. Menowin Fröhlich ist, dann freuen sich all die Kiddies ein weiteres “Forum” gefunden zu haben, in dem sie “ey ick lieb dia auch will kind bist ganz tol und da grösse<3" loswerden können, zum anderen wird es gerne zum nachfragen benutzt. Die meisten Kommentare habe ich nämlich bei meinen Tutorials, dort aber eben nicht zum kommentieren, loben oder kritisieren, sondern zum nachfragen. Statt der Möglichkeit mich per Mail zu kontaktieren, wird hier schlicht das schnellste greifbare Medium genommen, und das ist nun mal das Kommentarfeld direkt unter dem Artikel.

    Wobei das SO falsch nun auch nicht ist, immerhin erübrigen sich da die Fragen derer, die das gleiche Problem haben. Wobei, dazu müssten die Kommentare auch gelesen werden. Da Fragen sich aber verdoppeln und verdreifachen gehe ich davon aus, dass das schon wieder zu anstrengend ist.

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  • 6
    Maximilian
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 02:31 | Permalink

    Ich gebe dir weitgehend recht. Kommentare konzentrieren sich meist auf die wenigen großen Blogs. Die Unbekannteren bekommen höchstens mal viele wenn ein einzelne Artikel zufällig größere Bekanntheit erlangt. Aber mit den Lesern ist es genauso: Einige wenige Blogs haben viele Leser, der ganz, ganz große Rest hat nur sehr wenige. Und daher auch keine oder kaum Kommentare.

    Andererseits reichts mir oft auch schon, dass wenigstens der Artikelautor mitdiskutiert. So etwas gibt es bei Artikeln in normalen Webzeitungen fast nie. Ich glaube auch nicht dass die Journalisten die Kommentare zu ihren Artikeln überhaupt lesen. So ist der Informationsfluss eine Einbahnstraße. Bei Blogs hingegen wird sich der Autor meist an Diskussionen beteiligen oder sie zumindest lesen und sich davon irgendwie gedanklich beeinflussen lassen.

    Zumindest in Fällen, in denen Kommentare eingehen, kann man Blogs also durchaus als Teil des “Mitmach-Web” bezeichnen. Anders als kommerzielle Webzeitungen.

    Dass die Leute lieber auf vertrauten Plattformen, also “daheim” diskutieren, ist wahr. Ein Problem ist bei Blogs vielleicht auch, dass sich viele Kommentierer offensichtlich nicht per E-Mail über Antworten benachrichtigten lassen, dies nicht möglich ist bzw. sie sich das Posting nicht bookmarken. Nur zu oft bekommt man nämlich keine Antwort. Vielleicht wäre eine zentrale Verwaltung der Kommentare auch eine Lösung. WordPress.com hat hier bei seinen Blogs schon ein interessantes System. Ob sich aber eines für alle Blogs durchsetzt? Erscheint mir nicht wahrscheinlich.

    Ein anderes Problem sind sicher auch die Kommentarsysteme selbst. Meist kann man nicht direkt auf einen Kommentar antworten, d.h. eine Antwort wird nicht versetzt unter dem beantworteten Posting angezeigt. Es gibt keine “Baumstruktur”. Auch hier ist das so. Bei wenigen Kommentaren ist es egal, aber bei 100 oder mehr Kommentaren ergibt das ein Riesenchaos, weil ~50 Leute chrono-logisch untereinander posten, aber logisch durcheinander plappern. Schade.

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  • 7
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 08:44 | Permalink

    Der Anmerkung von Maximilian: schliesse ich mich an. Daher habe ich in meinem Blog auch die Baumstruktur eingebunden. Anders geht es doch gar nicht.
    Was ich aber auch noch anmerken möchte, ist der Link-Geiz. Dieses blöde No-follow Attribut ist eher kontraproduktiv. Als einigermaßen versiert im Bereich SEO – liebäugel ich immer mit Weblogs, die in Ihren Kommentarbereichen “echte” Backlinks zulassen. Sicher ist dabei nicht immer der größte PageRank zu finden, aber der entwickelt sich ja eh nur über die Zeit. Das MitMachWeb hat sich selber ausgebremmst, denn die Partikularinteressen einzelner sind marginalisiert worden. Ich fave einfach nur noch, so wie hier in diesem Artikel….

    Warum sollte ich auch mich irgendwo einbringen? Selbst wenn es mich interessiert? Ich denke wir sollten uns die Aufmerksamkeit unserer Leser wieder “erkaufen” anstatt auf faving und adding und Co wertzulegen. Erkaufen indem wir Gleichinteressierten einen Zugang und die Aufmerksamkeit zuteilkommen lassen, die wir selber erwarten. Mir bringt es wesentlich mehr eine starke Verlinkung zu realisieren, als ein paar Klicks zu verteilen. Zumal dieses Klickverteilen auch total anonymisiert wird.

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  • 8
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 10:06 | Permalink

    Ich habe schon seit längerem aufgegeben nach Gründen zu suchen, warum bei mir im Blog nicht kommentiert wird. Als mein Blog zum Thema Ausflugsziele online ging, tröpfelten die ersten Kommentare so nach 2-3 Monaten ein. Dann dauerte es nicht mehr lange und niemand schrieb mehr einen Kommentar. Was ich persönlich sehr schade finde, da ein gewisser Teil der Motivation zu bloggen, doch von den eingehenden Kommentaren herrührt.

    Aber um diesem tollen Artikel gerecht zu werden, will ich kurz meine Erfahrungen zum Thema einfließen lassen.

    Zum Internetnutzer ohne eigene Webseite:

    Ich denke, dass es mittlerweile zu viele Möglichkeiten gibt, sich aktiv zu beteiligen und daher nur noch bei wirklichen guten Artikel kommentiert wird, weil einfach sonst die Zeit fehlt. Anderen Artikel werden hingegen nur gelesen und schnell wieder vergessen.

    Zweiter Gedanke ist, dass viele Artikel so geschrieben bzw. formuliert sind, dass man als Leser einfach keinen Kommentar hinterlassen kann. Entweder hat man von der Materie zu wenig Ahnung oder es lohnt sich nicht irgendetwas zu hinterlassen. Stichwort hier: Qualität der Beiträge.

    Zum Nutzer mit eigenem Blog:

    Die deutsche Blogosphäre ist einfach zu schlecht vernetzt bzw. gönnt sich gegenseitig nichts. Es wird vielmehr darauf geachtet, ob der Link, den ich setze, etwas bringt oder nicht. Was mir ebenfalls hierzu aufgefallen ist, dass mittlerweile auch nur noch selten Buttons von diversen Social Networks geklickt werden. Diese ewige Neiddebatte kann ich zwar selbst schon nicht mehr hören, aber leider fällt mir kein besserer Grund ein.

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  • 9
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 11:05 | Permalink

    @Gerrit Jessen: “Was ich aber auch noch anmerken möchte, ist der Link-Geiz. Dieses blöde No-follow Attribut ist eher kontraproduktiv.”

    Leider zieht die Verlockung eines SEO-wertigen Links aber auch solche Kommentare an, die man gar nicht haben will. Und ich denke, die meisten wissen, von was ich rede. Diese gekünstelt Bezug nehmenden und doch sinnfreien Kommentare bei Zufallsfunden aus dem Archiv, die einzig von angeworbenen Link-Sammlern gesucht (und gefunden) wurden, um eben sich des Vorwurfs der Link-Schleuderei in Bauernschläue erwehren zu können. Kommentare, die dann ähnlich lauten wie “Hey, ich hab auch ein Auto und ich fahre echt super gern. Toller Artikel!”, während das Thema des Artikels aus dem Jahr 2006 längst jegliche Aktualität verloren hat.

    Jede Diskussion, die ich verfolge, dreht sich immer darum, was es einem “bringt”. Ob aus SEO-Gesichtspunkten, für einen selbst oder im Gesamtkontext. Das alles ist gut und richtig, aber wo bleibt der “neue Geist” des Internets. Das Verständnis des Ganzen. Dass es eben nicht auf Follower und Kommentare, Backlinks und PIs ankommt, sondern eine Entwicklung beginnt, dass die Gesellschaft ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen beginnt – einfach weil es sie weiter bringt und dies mit diesem Medium zum ersten mal wirklich möglich ist für alle.

    Weblogs offenbarten Persönliches – und wurden fallen gelassen, da man nur bisschen rumspielte, dann sich auskotzte und am Ende nicht mehr wusste, was man sagen sollte. Twitter lebte den Traum des “großen Schwarms” auf, bis man begann die Vögelchen seines Schwarms zählen zu wollen und Verkäufer von Schwarm-Artikeln sich unter die Vögel mischten, bis man nicht mehr wusste, wie viele im Schwarm eigentlich noch echte Vögel sind oder nur in einem schlechten Vogelkostüm stecken. Zudem merkte man auch, dass ein großer Schwarm so viel zwitschert, dass man nicht mehr weiß, ob das nun das Geräusch einer Autobahn neben dem Haus oder vieler (viel zu vieler) Vögel ist. Und auch die Communities werden jetzt schon analysiert, wie man die Erkenntnisse daraus denn verwerten könnte.

    Es geht gar nicht so sehr um Neid, es geht noch nicht mal um Enttäuschung des nicht-beachteten Hobby-Journalisten/-Autoren. Es geht um die Erkenntnis, dass man wohl einfach nur dann was tut, wenn man etwas bekommt. Unsere Gesellschaft ist längst dem Kapitalismus in ihrer Seele verfallen.

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  • 10
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 11:14 | Permalink

    Es funktioniert auch ohne Kommentar-Threads, wenn man ein Blog mit fester Besucherschar hat und tatsächlich eigene Inhalte produziert. Wie oben zu lesen ist: “Im Fußball-Bereich wird weiter fleißig kommentiert.”

    Am meisten kommentiert im deutschsprachigen Raum wird m.W. der HSV-Blogs von Dieter Matz. Über 1200 Kommentare sind zwar auch dort eine Ausnahme, aber 300-500 sind es regelmäßig, in der kälteren Jahreszeit, bzw. wenn die Bundesliga läuft auch gerne mal ein paar mehr.

    AntwortenAntworten

  • 11
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 11:16 | Permalink

    PS: User-generated content wird dort übrigens auch gezielt provoziert, unter anderem durch die “Sommergeschichten”. Ein schönes Fallbeispiel in Sachen Community-Building.

    AntwortenAntworten

  • 12
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 11:36 | Permalink

    @CH – Dass solche Nischen mit klarer Gruppen-Zugehörigkeit funktionieren hatte ich auch gar nicht bestritten. Gerade Fußball hatte ich aus eigener Erfahrung erwähnt, schließlich betreue ich mit Freunden zusammen die Fan-Website Clubfans United und da sind Kommentare zwischen 50 und 100 eigentlich normal während der Saison. Aber wie du selbst schreibst: Hier werden Communities gebildet oder entstehen. Das bestätigt ja eigentlich eher die Vermutung, dass offene “Weblog-Kultur” nicht existieren kann, wenn man keine Community daraus machen konnte.

    Vielleicht ein “deutsches” Phänomen? In Second Life gab es mal einen Running Gag: “Treffen sich zwei Deutsche in Second Life, was machen sie? Sie bilden eine deutsche Gruppe” …

    AntwortenAntworten

  • 13
    Abacus
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 13:49 | Permalink

    Jeder der im Netz etwas schreibt hat doch mittlerweile ein oder zwei eigene Blogs. Warum einen Kommentar absetzten wenn man den gleichen Text auch auf seinem eigenen Blog posten kann?

    AntwortenAntworten

  • 14
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 14:10 | Permalink

    @Abacus – was dazu führt (und ja schon zu sehen ist), dass man bestrebt ist seine Beiträge zu synchronisieren und übertragen (Facebook an Twitter, Twitter an Weblog, Weblog an Facebook).

    Ich bin immer noch der Auffassung, wie damals in meinem Artikel zum Thema Web 3.0 bei Dr. Web, dass es zu einer Entkopplung von einer festen Ablage, einem Datei-/Informationsort spätestens mit IPv6 kommt, man also seine eigenen Beiträge beliebig platzieren, sammeln und aufbereiten (oder auch nachträglich wieder entziehen) kann.

    AntwortenAntworten

  • 15
    Abacus
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 14:54 | Permalink

    @Alexander – Ich bin grade verwirrt. Zuerst dachte ich das es ja recht nett währe wenn wir unsere Texte unabhängig vom Webdesign sehen würden um daraus dann Kommentare, Blogs usw. zu “befeuern” welche wiederum komplett vernetzt von allen kommentiert und in den eigenen Blogs multipliziert werden können.

    Das Problem dabei ist das ich irgendwie das Gefühl habe grade die Grundfunktionen von Facebook zu beschreiben :-)

    AntwortenAntworten

  • 16
    Maximilian
    7. Juli 2010 - 7. Juli 2010 17:37 | Permalink

    @Abacus:

    Jeder der im Netz etwas schreibt hat doch mittlerweile ein oder zwei eigene Blogs.

    Wirklich? Das glaube ich nicht. Ich habe jedenfalls keines.

    Warum einen Kommentar absetzten wenn man den gleichen Text auch auf seinem eigenen Blog posten kann?

    Liest ihn da der Autor? Und vor allem: Lesen ihn die Leser des Original-Artikels? Zumindest Letzteres bezweifle ich. Man sollte die Kommentare nicht unnötig zerreißen. Wenn es eine ausführliche Replik ist, kann man sie natürlich im eigenen Weblog veröffentlichen. Aber meist ist das nicht sinnvoll, imho.

    AntwortenAntworten

  • 17
    8. Juli 2010 - 8. Juli 2010 14:11 | Permalink

    Eine schöne Debatte über Kommentare gibt es noch bei Mikis Pantelouris. Eine, die weniger schön endet, bei mir.

    In beiden, zusammen mit dieser hier, sind alle Argumente zusammengefaßt. Dennoch wird uns das Thema wohl weiter beschäftigen, denn Kommentare sind trotz Kachingle, Flattr und Like-it eine stabile und begehrte Währung.

    AntwortenAntworten

  • 18
    Maximilian
    9. Juli 2010 - 9. Juli 2010 04:17 | Permalink

    @vera: Wer Kommentare als “Währung” sieht hat ihren Sinn gehörig Missverstanden.

    AntwortenAntworten

  • 19
    10. Juli 2010 - 10. Juli 2010 10:39 | Permalink

    ich kommentiere deutlich weniger als früher.
    grund1: mein feedreader ist voller, ich lese mehr, bleibe dadurch seltener an themen hängen. (das versuche ich gerade wieder zu ändern)
    grund2: ich lese zeitlich fragmentierter, hier mal 5 minuten, da mal 7. blogs lesen als pausenfüller. es fehlt die (zusammenhängende) zeit, sich aktiv in eine diskussion zu hängen.
    grund3: ich lese inzwischen 90% unterwegs, auf ipod touch oder handy. und mit den mobilgeräten kommentiert es sich einfach noch zu mühsam.

    AntwortenAntworten

  • 20
    14. Januar 2011 - 14. Januar 2011 04:23 | Permalink

    [Nicht jeder Kommentar, der noch nach Monaten reinkommt, ist Spam ;) , via]

    #13
    Das, finde ich, ist oft ein Problem. Ich sehe aber auch warum. Kommentare, Flattrklicks & Co. hängen oft stark von Frequenz ab. Da ich kein Flattr habe und nur blogge, wenn ich was zu bloggen habe, habe ich unglaublich niedrige Kommentar/Leser-Rate. Und viele fangen dann an Zusammenfassungen o.ä. von anderen Seiten zu bloggen, damit die Frequenz nicht sinkt und sie vielleicht ein paar Kommentare “abgreifen”.

    Als Leser aber finde ich das sehr nervig (denn jetzt muss ich noch x Feeds oder Kommentarbäumen mehr folgen), deswegen mache ich es auch als Autor nicht. Sowieso eine gute Grundregel: Mach als Blogger nur das, was dir auch als Leser gefällt.

    Wenn ich einen extralangen Kommentar geschrieben habe oder eine Diskussion sehr wertvoll ist, dann weise ich darauf mit einem zitierten Kommentar (z.B. meinem ersten oder dem, der die Diskussion provozierte) hin, führe aber die Diskussion unter dem Originalartikel weiter.

    AntwortenAntworten

  • 21
    14. Januar 2011 - 14. Januar 2011 08:59 | Permalink

    Ja, Alex, der VonFernSeher ist ein vorbildlicher Kommentator, da will ich mal nicht meckern. Wir sind manchmal nicht derselben Meinung, aber er steht ein Thema bis zum bitteren Ende durch :)

    AntwortenAntworten

  • 22
    14. Januar 2011 - 14. Januar 2011 09:19 | Permalink

    OT: Warum wird hier auf mich angelegt, wenn ich keinen Avatar habe?

    AntwortenAntworten

  • 23
    14. Januar 2011 - 14. Januar 2011 10:24 | Permalink

    @VonFernSeher: Jeder ist als Zielpublikum von irgendwem im Visier, das soll die Grafik sagen.

    AntwortenAntworten

  • 24
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 00:02 | Permalink

    @Alexander: Wer aber so mit seinem Zielpublikum umgeht, läuft Gefahr mehr Kranzbänder als Beiträge zu schreiben. ;)

    AntwortenAntworten

  • 25
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 09:53 | Permalink

    @VonFernSeher: Es ist mehr ein Gleichnis! :-D

    AntwortenAntworten

  • 26
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 10:33 | Permalink

    Ach so, das Gleichnis vom verlorenen Kopf ;)

    AntwortenAntworten

  • 27
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 10:57 | Permalink

    @VonFernSeher: Um zu der Antwort zu kommen muss man sich fragen, ob man sich in der Position des Anvisierenden oder des Anvisierten sieht …

    AntwortenAntworten

  • 28
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 18:18 | Permalink

    Alex, guckst Du bitte mal in Deinen Spamordner? Ich hatte Marcel dort eine Anleitung verlinkt, wie man einen Avatar anlegt :] Er ist da leider etwas beratungsresistent …

    AntwortenAntworten

  • 29
    15. Januar 2011 - 15. Januar 2011 20:17 | Permalink

    @vera: Hab ich nachgesehen! Nix! Ich hab da keine Kommentare mehr – weder in Spam noch Moderation oder Papierkorb!?

    AntwortenAntworten

  • 30
    16. Januar 2011 - 16. Januar 2011 01:18 | Permalink

    Hm. Hier ist es noch mal: https://opalkatze.wordpress.com/2010/07/05/wie-legt-man-ein-avatar-bild-an/ Danke fürs Nachsehen :)

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    Ich glaub, das war's.