Bemerkenswertes rund um Paris

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen. Und damit mein Blog auch wieder bisschen Futter hat, hier ein paar Eindrücke meiner Paris-Reise zusammen mit meiner Frau im Oktober.

Wir wohnten auf Einladung bei einer Freundin im wunderschönen, ja vielleicht sogar dem schönsten Viertel im Pariser Zentrum, dem Marais. Wer die Chance hat, sollte sich unbedingt dort einmal umsehen, es liegt am rechten, nördlichen Seineufer, zwischen dem Place de la République und dem Place de la Bastille. Es ist wohl kein Zufall, dass es ähnlich dem Glockenbach-Viertel in München als ein Kreativen- und zugleich Homosexuellen-Viertel gilt, beides scheint eine gewisse Affinität zueinander zu haben. Daneben ist das Marais aber auch geprägt zu einer ausgeprägten jüdischen Lebenskultur, was sich neben verschiedenen religiösen Einrichtungen auch durch ganze Laden-Ketten zeigt, die koschere Lebensmitteln (Pizza!) anbieten.

Sehenswürdigkeiten und die üblichen Tourismus-Infos sind wie üblich im Netz nur einen Klick entfernt und es wäre entsprechend müßig und redundant sie nochmal wiederzugeben. Beschränken wir uns also auf die Dinge, die mir bemerkenswert erschienen:

Die U-Bahn

Das erste, womit viele nach dem Aussteigen vom Bahnhof konfrontiert werden, wird in der Regel das örtliche ÖPNV-Netz sein. Die Pariser Metro ist ziemlich gut ausgebaut und hervorragend geeignet um in der Innenstadt von A nach B zu kommen. Der Preis für die Einzelfahrt ist dabei erfreulich niedriger als in Frankfurt, wobei man zwischen Einzeltickets (1,70) und Tickets aus einem 10er Carnet (1,20/10) noch deutliche Unterschiede hat. Clevere kleine „Zwischenhändler“ bieten dabei manchmal die Einzeltickets für 1,50 an – das ist wohl dann die klassische „Win-Win“-Situation und ich hatte Riesenrespekt vor dem gezeigten Geschäftssinn.
Zumindest tagsüber hatte ich auch keine Sicherheitsbedenken, das Publikum war durchmischt und man fühlte sich nicht unwohl (wie bspw. in New York). Wer ein Ticket erstanden hat, muss durch die elektrischen Türsperren (also man muss vorher kaufen, an Automaten oder an Kassenhäuschen) und das erfordert doch eine gewisse körperliche „Anpassungsfähigkeit“, denn die Pariser Metro ist offenbar nicht auf beleibte (oder schwer beladene) Menschen zugeschnitten. Kurzum: Es ist eng, sehr eng im Durchgang. Zudem sollte man in Paris gut zu Fuß sein, auch in der Metro. Zwar gibt es viele Eingänge, aber die führen oft nur durch ein schier unendliches Tunnel- und Wegesystem, so dass sich viele Pariser ihre Metro nicht nach Nähe des Eingangs, sondern nach Kürze der unterirdischen Wegstecke aussuchen. Pariser haben offenbar auch keine Kinderwägen – jedenfalls nicht wenn sie Metro nutzen. Es ist schon schwierig durch die Sperren zu kommen, aber vor allem die vielen Treppen sind für den Klassiker „Beladene Mama mit Kind im Buggy“ kaum zu stemmen. Rolltreppen sind wohl in Paris nicht sonderlich en vogue.

Bargeldloses Zahlen

Euro ist prima, das mal wieder festgestellt. Aber auch die muss man erstmal haben. Die hierzulande gängige EC-Karte ist in Paris praktisch wertlos, da seltens akzeptiert, vor allem nicht an Automaten wie bei den Ticket-Automaten der Metro… (also am besten genug Kleingeld mitnehmen, weil auch Scheine nicht angenommen werden!) Gängig ist da die Carte Bleue (CB), die aber die wenigsten Deutschen haben werden. Zwar werden auch die weitverbreiteten gängigen Kreditkarten akzeptiert, aber da ist man in Deutschland noch nicht so weit wie in Frankreich! Während hierzulande die Kreditkarte noch meistens ohne Chip und PIN eingesetzt werden, sind solche Karten in Frankreich nur in Warenhäusern zu gebrauchen. Ohne PIN steht man an viele Stellen genauso „blank“ wie ohne CB.

Man spricht Deutsch

Deutschen-Feindlichkeit spürt man nicht – aber das mag auch individuell unterschiedlich sein. Wohl aber merkt man die nicht allzu dezente Ignoranz gegenüber der deutschen Sprache. Beschilderungen und Informationen sind in der Regel Englisch, Spanisch und sogar Italienisch, während man deutsches Material irgendwo am Dispenser finden kann. Sicher bekommt man Audio-Guides und das Nötige auch in Deutsch, im Gegensatz zu Deutschland, wo Französisch im öffentlichen Raum quasi „gesetzt“ ist. Und wenn dann in der französischen Metro doch ein Info-Text in Deutsch zu lesen ist, strotzt er vor Orthographie- und Interpunktionsfehlern.

Tricks

Die üblichen Taschenspieler-Tricks der fliegenden Händler-Betrügereien sind mal ganz außen vor, das ist mittlerweile international. Interessant fand ich den „ehrlicher Finder“-Trick einer Frau, die man – allerdings erst auf dem zweiten Blick – vielleicht der Volksgruppe „Sinti und Roma“ zuordnen würde. Der Trick geht so: Man schlendert also an der Seine entlang und ist arglos die Gegend bestaunend, als man wie zufällig neben einer Frau zu Stehen kommt, die etwas neben dir vom Boden aufhebt. Aus dem Augenwinkel sieht man sie etwas inspizieren, wenn dann der Blick „zufällig“ sich trifft fragt sie einen, ob man diesen Ring verloren habe. Ein massiver goldener Rundring ist da dann zwischen ihren Fingern. Man verneint, worauf sie den Ring selbst an den Fingern ausprobiert, dann pathetisch überreicht und sowas sagt wie „er passt mir gar nicht, ach dann soll es ihrer sein“. Höflicherweise und etwas am falschen Fuß erwischt lehnt man ab, aber lässt ihn sich dann doch in die Hand drücken und sie verschwindet gönnerhaft winkend und lächelnd. Wir sahen uns ziemlich doof an und gingen wenige Schritte weiter, da sehen wir sie umdrehen und irgendwas sagen – ob wir nicht einen kleinen Finderlohn hätten, nur ein kleines Zeichen unserer Großzügigkeit, wo sie doch uns doch so freimütig bedachte. Da klingelte es bei uns, wir drückten ihr den Ring ohne weitere Erklärungen in die Hand und wandten und lächelnd und winkend um und gingen ohne uns nochmal umzublicken weiter. (Nicht ohne gleich unser Hab&Gut zu kontrollieren.) Hielten wir das noch für einen „vermeintlichen“ Trick, verflogen letzte Zweifel an unserer Vermutung, als keine 500 Meter ein Mann uns antippte und fragte, ob wir diesen goldenen Ring verloren hätten … [Theorie B ist, dass man darauf hofft, der Angesprochene sagt aus Gier gleich „ja, das ist meiner!“ und man zieht dann einen Finderlohn ein.]

Essen

Irgendwo las ich mal, dass Franzosen einen wesentlich größeren Teil ihres Einkommens (1/3?) für reinen Lebensunterhalt ausgeben als Deutsche. Das wundert ehrlich gesagt nicht, bei den Preisen. Im Urlaub nimmt man das ja mehr als Erfahrung mit, schließlich soll es da ja nicht um den Euro gehen, aber es ist doch mehr als eine Randnotiz. Selbst Straßenstände verlangen für ein belegtes Mini-Baguette ihre 5 Euro, ein Milch-Kaffee ist auch ab 4,50 zu kalkulieren. Die äußerst süßen und sehr leckeren kleinen Eclaires gehen auch schnell über die 4 Euro und eine der hierzulande höchsten rund um Weihnachten gesehenen Macarones sind mit 2 Euro im Kleinformat zu schnell verspeist. Abendessen ist dann auch in mittlerer Preisklasse nix für den kleinen Geldbeutel. Wein beginnt bei 30 Euro die Flasche, ein durchaus leckeres „Hühnchen à la Provence“ gestaltete sich am Teller dann als Hühnchenschlegel mit Klecks Kartoffelbrei für stattliche 25 Euro. Mein Bourgogne garnish, sowas wie geschmortes Rindfleisch in Burgundersoße, war auch sehr lecker, hätte man aber auch als Gulaschsuppe in Deutschland (rein von Umfang und Ersteindruck meine ich) durchgehen lassen – der Brotkorb half da über den Hunger, die 19 Euro ließen einen dann noch einmal gewahr werden, dass man hier einen der Klassiker der französischen Küche genoss. Wie gesagt: Kein Gejammer bitte! Man sollte sich in der Urlaubsbugdetierung dessen nur vorab bewusst sein.

Shopping

Essen nimmt auch beim Einkauf eine große Präsenz ein. Überall gibt es wunderbare kleine Läden, die sich mal auf Backwaren, mal auf Schokolade, (z.B. auch koscheres) Fleisch oder Wein konzentrierten. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung der Sinne und der Kultur. Geht hierzulande der Trend zu Groß-Discount-Märkten und Einkaufs-Tempeln, schlendert man in Paris scheinbar durch eine unendliche Fassade von Läden und Geschäften aller Art. Hier Silberwaren, dort eine Boutique, ein Läden mit Stühlen und Möbeln hier, ein Antiquitätenladen da. Es gibt auch Discounter, wie Monoprix, die durchaus gut sortiert sind – da muss man z.T. aber erst mal rauskriegen, dass sich der Lebensmittelbereich im Untergeschoß befand, den man erst nach Durchqueren des Mode- und Drogerie-Bereichs erreichte!
Überall gibt es kleine Cafes und Restaurants, deren Außenbestuhlung übrigens gern in Richtung Straße und nicht wie in Deutschland zueinander aufgestellt ist. Man will eben Sehen und Gesehen werden.
Einen Tempel haben wir aber dann doch besucht: Galeries Lafayette. Ein unglaubliches Einkaufsparadies im Jugendstilbau. In diesem Kaufhaus (eines der ältesten der Stadt) findet man fast alle Marken der Mode und Designer, von Schmuck bis Schuhe. Und wer sich im Foyer als Tourist ausweisen konnte, erhielt einen pauschalen 10%-Rabatt-Schein auf alles – sehr attraktiv. Ob die Aktion noch läuft, sollte man bei einem Besuch unbedingt erfragen.

Die Stadt, Anreise und Anmerkungen

Paris war wieder einmal eine Reise wert. Wir liefen am ersten Tag allein gute 15 km quer durch die Stadt, hatten aber auch Glück mit dem Wetter. Man kann sich an den Fassaden nicht satt sehen und die Schaufenster und kleinen Entdeckungen scheinen kein Ende zu nehmen. Vom Streik, der in den Medien das Thema war, bekam man als Tourist wenig bis nichts mit, allerdings war die Wahl den Zug als Verkehrsmittel zu nutzen da wohl auch die richtige. Generell machte ein Vergleich von Flug zu Zug nicht wirklich die Wahl schwierig, denn von Frankfurt nach Paris sind die 5 Stunden Fahrzeit nur schwer zu toppen, gerade auch, weil der Pariser Flughafen weit außerhalb der Stadt ist und man danach dann doch wieder noch eine lange Wegstrecke zum Zentrum vor sich hat. Man kann Zugtickets übrigens auch über das französische Unternehmen TGV buchen, was sich für uns im Vergleich sogar als günstiger als über die DB erwies. Generell ist Frankreich im Zugfernverkehr auch viel konsequenter: Während man in Deutschland von Frankfurt bis Mannheim bis Kaiserslautern und Saarbrücken tingelte, ist in Frankreich einfach und ergreifend kein Stop mehr bis Paris vorgesehen. Das nenne ich konsequent und macht Zugreisen zu einem echten Renner.

Es ist gar keine Frage, dass man Paris als Reiseziel immer empfehlen kann. Es gibt hier so viel zu sehen und zu erleben, dass man bedenkenlos einfach eintauchen kann. Und selbst wenn man einfach nur an der Seine sitzen will oder zum Montmartre schlendern, Kunst der pompösen Art (Louvre) oder modernen (Centre Pompidou) genießen, die Tage vergehen wie im Flug und die Stadt versprüht ein unverwechselbares Ambiente.

Aber nächstes Mal doch mal London. Dieser weiße Fleck in meinem Reiseführer muss endlich getilgt werden, aber die Gelegenheit war einfach so wunderbar, der sich durch die Einladung ergab. Herzlichen Dank! Merci!

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