Wozu noch schreiben, wenn alle schreien

„Wozu noch schreiben?
Hat doch alles eh keinen Sinn.
Die sind doch unbelehrbar.
Wenn nicht BILD, dann hat spätestens RTL bewiesen, was die Gesellschaft eigentlich braucht …
Die wollen doch gar keine Vernunft.
Und wenn man über die schreibt, dann fühlen sie sich auch noch bestätigt.
Totschweigen. Das das Beste.
Vernunft will doch eh keiner lesen.“

Sehe ich anders.

Ich höre nicht auf daran zu glauben, dass es wichtig ist, dass die Vernunft sich nicht vom Krawall verdrängen lässt. Eben nicht resigniert und zurückzieht. Nicht abwinkt und verabschiedet.

Mag sein, dass die Schreihälse und Brandstifter, die Provokateure und Sensationsmelder am Ende immer mehr Gehör finden werden als die leisen differenzierten Töne, die Abwäger und Didakten.

Mag sein, dass die Hoffnung, das Internet würde dem Pluralismus der Meinungen dienen und nicht auch noch ein Verstärker des Dumpfsinns darstellen, enttäuscht wurde.

Mag sein, dass man mit Kritik am Boulevard genau das erreicht, was man dort wollte, nämlich noch mehr im Fokus zu stehen, noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Weil der Preis dafür egal war, weil das Ziel eben nur Aufmerksamkeit ist, weil es gar keine anderen Ziele hat.

Und dennoch.
Es ist wichtig, dass es geschrieben wird. Auch wenn es untergeht im Lärm.

Deine Stimme ist wichtig.

Weil sie vielleicht eben gerade das Ohr dessen findet, der sonst den Glauben daran verloren hätte, dass es noch andere Stimmen gibt da draußen.