Über Preisfindung und andere Burgerfragen

„Papa“, fragte der beste Sohn mich zwischen Tür und Angel, unserem Lieblingsplatz für komplizierte Fragen. „Ja?“ – „Papa, woher weiß man eigentlich, wann etwas zu viel oder zu wenig kostet? Wann weiß man, ob etwas einen richtigen Preis hat?“ – „Gute Frage“, sagte ich und ‚Gute Frage‘ dachte ich mir, aber wie antwortet man einem Drittklässer pädagogisch wertvoll darauf, so zwischen Zähneputzen und Schulweg? Ohne Rücksprache mit der Followerpower, ohne gutefrage.net und Wikipedia?

„Also wenn du einen Hamburger willst und sagst ‚Ich möchte einen leckeren Hamburger! Was kostet der?‘ und der Mann sagt ’40 Euro‘. Was denkst du dir da?“ – „Boah, 40 Euro für nur einen Burger.“ – „Eben. Aber nochmal. ‚Ich möchte einen leckeren Hamburger! Was kostet der?‘ und man sagt dir ‚2 Cent‘ – was denkst du dir?“ – „2 Cent ist nicht viel“ – „Genau. Aber was wäre, wenn er sagen würde 8 Euro? Oder 4 Euro?“ – „4,50 fände ich ok“ – „Genau. Oder auch mal 8 Euro, wenn er echt lecker aussieht. Aber woher weisst du das nun? Weil du schon einige male Burger gekauft hast. Aber auch, weil du bisschen weisst, wie viel man sich sonst für 2 Cent oder 40 Euro kaufen kann und du dich fragst, ob dir der Burger so viel wert wäre. Oder ob es nicht komisch ist, dass ein Burger so wenig kosten soll. Da müsstest du skeptisch werden.“ – „Vielleicht will mich der betrügen!“ – „Genau. Warum sollte man dir was geben, was ganz bestimmt sonst mehr kostet? Oder man will gar nix von dir, sagt, man könne ihn so haben. Das macht einen bei Fremden skeptisch, vielleicht ist ein Trick dabei“ – „Wie neulich Max, der was schenkte und am nächsten Tag dann forderte, ich müsse ihm auch was schenken.“ – „Genau. Oder was anderes: jemand hat ne dunkle Sonnenbrille und dreht sein Gesicht immer weg und sagt ‚gib mir erst mal das Geld, ich hol dann den Burger‘. Gibst du ihm das Geld?“ – „Neee!“ – „Genau. Im Prinzip hast du eigentlich schon alles, was man wissen muss, um deine Frage zu beantworten. Man braucht ein Gefühl dafür, was etwas kostet und man muss sich gut ansehen, was man kauft und von wem. Anders macht das Mama und Papa auch nicht. Und wenn man es nicht weiß, informiert man sich vorher, fragt Freunde oder schaut ins Internet.“ – „Hm. … Und wie ist wenn ich frage was eine Melone kostet? Papa, eine Melone, eine Melone. Was kostet einen Melone. 80 Euro! Komm, du bist der Verkäufer und ich frage dich nach der Melone“ … Wir kamen dann noch gerade so rechtzeitig los.

Wenn man so drüber nachdenkt, ist es eigentlich ziemlich einfach. Nun muss ich meinem Sohn nur noch erklären, warum sich viele Erwachsene beim Einkaufen im Internet oft dümmer anstellen als ein Kind beim Hamburger-Kauf.

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