Der große Bau

Neulich lief ich an einem großen Bau vorbei – eine ganze Reihe von Gebäuden, um genau zu sein, die gerade aus dem Boden gestampft werden.

Hmm, dachte ich mir, das wird die Bauarbeiter freuen, das ne Menge gute Arbeit. Aber wahrscheinlich, dachte ich mir, sind die nicht mal gut bezahlt oder werden gar durch halb Europa hergekarrt, weil woanders jemand noch weniger verlangt als Stundenlohn. Die Bauarbeiter werden vielleicht froh sein überhaupt einen Job zu haben – nicht mehr, nicht weniger.

Aber dann doch wenigstens der Bauunternehmer, dachte ich mir weiter, der wird doch froh sein. Aber dann dachte ich an EU-weite Ausschreibungen, Preisdruck, Lohndumping, Haftungsfragen, Baumängel, die Risiken und ich dachte darüber nach, von wie vielen Baufirmen ich in meinem Leben schon gelesen habe, die pleite gegangen sind. Richtig warm wurde mir bei dem Gedanken an Bauunternehmer da auch nicht.

Da stand ich dann so da und dachte mir: Richtig verdienen daran tun meistens irgendwelche Investoren und Makler. Also im Grunde die, die sich die Hände beim Bauen selbst nie dreckig machen mussten. Denen das Objekt am Ende auch egal ist, sobald der Deal eingefädelt und das Projekt abgeschlossen ist. Und ich dachte mir, dass das irgendwie exemplarisch ist für so vieles heute.

Geld verdient Geld. Arbeit verdient keines. Daher kann nur der, der Geld hat, auch mehr Geld verdienen.

Das ist in sich auch irgendwie logisch und konsequent. Nur warum eine komplette Gesellschaft das so akzeptiert, auch wenn sie selbst davon nicht profitiert, dass man sogar Leuten, die sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern, wie Gesundheit, Erziehung, Sicherheit oder Soziales, weniger gesellschaftlichen Respekt zollt als denen, die einfach nur Geld haben und daraus mehr Geld machen, bleibt mir ein Rätsel.

Geld regiert, so war das ja schon immer irgendwie. Der Unterschied heute ist nur, dass man nicht mal mehr unterdrücken muss, denn die Unterdrückten machen das irgendwie ganz von alleine.