the last killer application

Erinnert sich noch wer an das Buzzword „killer application“? Sozusagen der heilige Gral der Dotcom-Hochphase. Als Killerapplikation wurde dabei nicht nur eine neue Anwendung verstanden, die einer bestehenden Technologie zum Durchbruch verhalf, sondern es stand generell für solche Geschäfts- oder Produktideen, die so überragend waren, dass man endlich verstand, wozu bspw. dieses Internet überhaupt nützlich sein könnte. Online-Buchläden die versandkostenfrei lieferten oder eine Suchmaschine, die selbst suchte und nicht den Anwender vor ein Regal von unzähligen Kategorien und Raster stellte und ihm selbst seinem (Such-)Schicksal überließ. Klar, dass jeder Marketing-Fuzzie sein Produkt gern zur Killerapplikation deklarierte und oft genug daneben lag – schlimmer aber noch: Es glaubten ihnen in der Euphorie viel zu viele.

Aber heute? Gibt es noch neue Killerapplikationen der jüngeren Zeit? Ja, die gibt es – und ich meine damit Groupon.

Seit 2010 ist Groupon nun so richtig am deutschen Markt unterwegs und ich kenne nur wenige Online-Angebote, die mir so derart als Tipp aus der Hand gerissen werden. Gerade bei Frauen (so meine subjektive Erfahrung aus dem Umfeld) steht der Rabatt-Anbieter, der täglich von überregional bis zum lokalen City-Deal Leistungen, Produkte oder Gutscheine vergünstigt anbietet, hoch im Kurs und ich kenne keinen „Newsletter“ (und das bisweilen mehrmals täglich), der so begierig erwartet wird. Zu euphorisch? Ich kann nur beschreiben, was ich erlebe. Groupon hat die Schnäppchenmentalität der Deutschen, die im Übrigen auch dafür verantwortlich ist, dass Home-Shopping-TV-Sender so gut funktionieren, auf ein neues Level gehoben.

Wie es geht? Da kann ich aus dem Alltag reden. Nach Anmeldung kann man sich durch die aktuellen regionalen und überregionalen Angebote wühlen oder sich laufend per Mail auf dem neuesten Stand bringen lassen. Sobald was passendes dabei ist, schlägt man zu und holt sich seinen Gutschein, den man dann beim Anbieter vorlegt. Was angeboten wird? Im Prinzip alles mögliche. Vor allem Eintrittsvergünstigungen und Dienstleistungen. Und weil wir noch einen Gutschein von Groupon (von Groupon) hatten, hat sich meine Frau nun ein Winter-Chillout-Special zusammen mit ner Freundin gegönnt, um es sich mal wieder gut gehen zu lassen – immerhin mit 61% Nachlass auf den offiziellen Normalpreis.

Killerapplikationen sind nur solche, die auch auf Dauer funktionieren können. Eine mp3-Tauschbörse, die bisher nur vom Tauschen lebte, ließ sich auch nicht zum Geschäftsmodell ummodeln, und bei einem Dienst, der online Sammelbestellungen koordinierte, erwartete man ja fast schon, dass sich dagegen der gemeine Handel mal auflehnen würde. Bei Groupon hat man aber das Gefühl, dass es auf Dauer funktionieren kann, wenn alle vernünftig bleiben – und damit meine ich vor allem die Anbieter. Neulich bspw. stand ich mitten unter der Woche in der sonst so beschaulichen Main-Taunus-Therme in Hofheim unvermittelt zwischen schieren Menschenmassen im Wasser. Eine Groupon-Gutschein-Aktion liefe gerade, wie ich erfuhr. Ein anderer Anbieter von Massage-Dienstleistungen stöhnte gegenüber meinem Kollegen, dass er aufgrund einer Groupon-Aktion nun viel zu viele Aufträge hätte, die ihn vollkommen überlastete, und ein Dritter beschwerte sich bei mir über ein Restaurant, das seine Gutscheine nur ‚ungern‘ annahm.

Solche Fehler sind vermeidbar, wenn man als Anbieter versteht, was Groupon leisten kann: Akquise! Groupon hat die Kunden, der Anbieter die Leistung – Bingo! Nun macht was draus.

Wer seine Dienstleistung bei Groupon anbietet, der sollte einfach folgende Dinge beherzigen:
1. Der Groupon-Kunde hat sich keine Leistung erschlichen, er hat einfach das Angebot genutzt, das man ihm machte.
2. Es macht keinen guten Eindruck dem Kunden beim Erstkontakt zu vermitteln, man sei auch ohne Gutschein sonst ja immer günstiger als der angegebene Normalpreis – das ist kein Zeichen einer vertrauenserweckenden Preisgestaltung.
3. Der Groupon-Deal ermöglicht es dann am Besten Neukunden zu gewinnen, wenn man sich von seiner besten Seite zeigt.
4. Wenn man einen Groupon-Deal anbietet, sollte man seine Ressourcen auch darauf abstimmen. Der „Erfolg“ eines Deals sollte nicht zum finanziellen oder organisatorischen Genickbruch werden. Damit tut man weder sich noch dem Kunden einen Gefallen.

Im November ging Groupon mit einem Wert von 13 Mrd. Euro (Quelle) an die Börse. Und das in einer Zeit, wo man an Dotcom-Unternehmen längst schon nicht mehr glaubte. Offenbar haben viele Anleger eben auch diese Phantasie, dass sich hier eine echte Killerapplikation abzeichnet – sicher nicht die letzte, aber vorerst.

www.groupon.de

Comments are closed.