opfer? hier!

Liebe Evangelische Kirche

ich bin selbst getauft evangelisch und bezeichne mich als gläubigen Menschen. Ostern ist für meinen Glauben wichtiger als Weihnachten, Karfreitag ein besonderer Tag, wenngleich im Lichte dessen zu sehen, was zwei Tage später folgt, dem Osterfest. Ich halte meine persönliche Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag. Mit meinen Kindern setze ich mich offen über Fragen der Religion und im Besonderen der christlichen Feste auseinander. Das vorweg.

Aber die Kampagne „opfer?“ mit einem Victory-Zeichen und einer durchbohrten Hand ist geschmacklos. Und nicht nur das, sie ist auch eklig. Meine Kinder laufen täglich daran vorbei und die Kleine hat deswegen Albträume und muss beim Vorbeifahren immer die Augen zumachen. Jeder Versuch, es in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Osterfest und einer vermeintlich guten Botschaft zu bringen, ging bisher vollkommen daneben.

Was auch immer man für gute Absichten bei der Kampagne „www.karfreitag.de“ gehabt haben mag – mein guter Rat und meine Bitte: Hängt die Plakate ab. Besser heute als morgen.

Vielleicht mag es zu manchen kontroversen Diskussionen führen und man hat im Werber-Einmaleins schon mal vorbeugend das Sprüchlein „Jede erzielte Aufmerksamkeit ist ein Erfolg!“ bereitgelegt. Aber im Sinne derer, die sich auch jenseits von Hoppelhäschen noch mit dem Thema Karfreitag/Ostern vernünftig auseinandersetzen wollen, ohne auch noch gegen Traumatisierungen durch klerikale Schock-Konfrontation kämpfen zu müssen, sollte man sich in der Kommunikation an anderen Leitbildern orientieren als eine Mischung aus Anti-Kriegs-Kampagnen der 70er und 80er Jahren und Werbemotiven für einen neuen Egoshooter auf Playstation.

In dem Sinne: Noch eine schöne Fastenzeit und dann bis Ostern.

Ihr Alexander Endl