re:publica 12 „ACTION“ oder doch: „Das Leben geht weiter“

Sascha Lobo verzichtete gestern auf den üblichen Rant (wobei mir der Vergleich fehlte, immerhin mein erster Lobo nach x Jahren republica), aber da will ich mich anschließen und auf das uebliche Gemotze verzichten, so über WLAN und so, und außerdem bin ich als verschmäter Speaker auch prädestiniert für Motzerei. Aber das passt zu dem ersten Tag nicht.

Die re:publica in Berlin ist einfach erwachsen geworden, das hatte man ja 2011 schon gemerkt, und hat sich nun auch der letzten Berufsjugendlicher-Klamotten entledigt. Die Location am Gleisdreieck ist gut gewählt, der Umstieg von der Kalkscheune hierher ist in etwa so wie der Umzug aus der WG ins Studio-Loft. Alles ist natürlich cool und hält Berlin, gleichzeitig hat man aber die Räume zum Abhängen (80er-Speech)/Chillen (90er)/Meet&Greet geschaffen. Club Mate gibt es natürlich auch und irgendwo stand auch die Winkekatze.

Das Leben geht weiter. Die Gesichter scheinen die selben zu sein, auch wenn die Reihen der Altvorderen dünner werden und die Nachrücker aus den Rekruiting-Datenbanken der Consulting-Agenturen stammen könnten. Man bloggt nicht mehr naiv aus Leidenschaft, man bloggt nun (oder wieder) um seinen Kunden ein authentisches Bild zu geben, aus Praxiserfahrung zu schöpfen oder zur Schaffung oder Untermauerung des eigenen Portfolios. Das soll wertfrei rüberkommen.

Die Vorträge waren gewohnt in Stil (wie Lobo, so hab ich mir sagen lassen), souverän (Vetter), charmant staksig unterhaltsam (Jojo) oder wissenschaftlich fundiert und entsprechend sperrig (virales Lernverhalten bei Computerspielen), also alles wie gehabt, nur in größeren Räumen ohne Platzangst (dafür zumindest oben mit Akustikproblemen durch Überlagerung). Dass man das große Motto „action“ eher kleinschreibt und nur mit Mühe wiederfindet … auch wie gehabt.

Sie fühlt sich gut an, die neue #rp12, man freut sich auf mehr, auch wenn die Schmetterlinge und Flugzeuge und Hummeln aus Bauch und Hintern fehlen. Aber so isses eben, fast wie im echten Leben eben, Dinge verändern sich, man gewöhnt sich, das unbekannte Neue wird vertraut, dann irgendwann selbstvertändlich, mit allen schönen und unschönen Seiten, oder wie der Hesse in meiner Wahlheimat sagt: Des Lebbe gehd weider.

Auf geht’s zum Frühstück, Tag 2. Goooood Morning Berlin!