re:publica 12 – Tag 3: Abschied nehmen

Die Zyklen eines re:publica-Aufenthalts wiederholen sich, vielleicht aber auch nur bei mir… Nach dem Erkundungs-, Entdecker- und Akklimatisierer-Tag 1 folgt der Mittendrin-, Eindrückeaufsauger- und Heimischfühl-Tag 2, der dann unweigerlich auf den Vorzeitig-Resümee-Formulierer-, Informations-Overflow-Tributzoller- und Abschied-Pathos-Tag 3 zuläuft. Und Überraschung! So war es auch wieder. Jedenfalls meistens.

Dieser Tag 3 hatte an sich programmtechnisch keine großen Erwartungen auf Lager, punktete dann aber doch gleich doppelt. Angefangen mit einem Panel über „Copyriots“, das einem gleich mal den Glauben zurückgab. Auch ein Thema wie Urheberrecht in der Musik, das einem zum Hals raushängt, kann also durch gute Gäste und eine formidable Moderation von Johnny sehr kurzweilig sein. Dass im Anschluss Felix Schwenzel wieder mal einen seiner bekannt (man/ich hatte es nur vergessen…) launig wie scharfsinnig (man muss fast sagen:) ‚komponierten‘ Vorträge über die Frage nach der Realität und dem Mensch und dem Internet hielt, machte den Vormitag zu einem so nicht erwarteten Genuss.

Im Nachmittagsprogramm dann ein echtes Highlight: Der @RegSprecher im Interview. Wer da nun nicht gleich Aha ruft, dem sei erklärt, dass sich hinter dem Twitter-Account Steffen Seibert „verbirgt“ und wem das noch immer nix sagt: Der Regierungssprecher (also so in echt mit Merkel und so). Auch wenn es manchem nicht schmeckte: er machte es richtig gut – also nicht nur das Twittern, sondern auch das Interview. Ohne sich anzubiedern gelang ihm die Mischung aus Seriosität und Authentizität und das in einem humorvoll, lockerem, aber nie zu jovialen Stil. Zweifellos ein Höhepunkt, dazu einer mit Signalcharakter, denn so jemand hier zu haben adelt die Veranstaltung, da braucht man kein Freund der aktuellen Regierung zu sein.
Dass im Folgeprogramm Mercedes Bunz und danach Kathrin Passig es auf Stage 1 (= großer Saal) nicht einfach haben würden, war klar, allerdings löste es Kathrin Passig deutlich besser. Mercedes Bunz gelang es nicht die (vermeintliche) Nervosität abzuschütteln und stolperte verbal zu oft am bösen Äh. Dazu kam ihr (thematisch mich eigentlich ansprechender) Vortrag ueber das Internet der Dinge nie zum Punkt und (nicht nur) durch die erneute Einblendung eines viel zu langen Videos kamen schale Erinnerungen an das uninspirierte Sixtus-Panel uebermorgen.tv auf (vielleicht hatte sie sich ja da angesteckt…).
Kathrin Passig wirkte da zwar auch nicht tiefenentspannt vor so einem Auditorium, ihr gelang dies aber gut zu kaschieren und hatte durch einen mit Pointen versetzten Vortrag zu den groessten Fehlprognosen in Sachen Technologie-Entwicklung, und was man daraus lernen sollte, ein gewogenes Publikum.

Danach kam es zum Unvermeidlichen: Die Verabschiedung. Ohne Johnny-Show, ohne Bohemian Rapsody, ohne den ganz großen Pathos. ENDE.

Ging dann natürlich noch weiter zur After-Show-Party im Innenhof der Station mit Musik und reichlich Berauschendem (Bier!). Und da kam es dann doch noch zum kleinen Pathos-Moment: Bohemian Rapsody-Flashmop. Und da war es für einen Moment wieder, das alte Gefühl des Klassentreffen.

Man nahm Abschied, aber es war eine re:publica der Abschiede und Neuanfänge. Abschied von der Kalkscheune, von alten Traditionen und Gewohnheiten, Abschied von chronischen Platzproblemen und damit verbundenen Chaos. Aber auch Abschied von Gesichtern, die man vergeblich unter den 4.000 Besuchern suchte, und Gesichtern, die man wiedererkannte, aber nicht mehr die Person dahinter. Pathos kann viel überlagern, den Blick verklären und sogar etwas blockieren.

Die re:publica hat sich verändert, hat sich von manchem getrennt (oder befreit) und scheint nun auf dem Weg in die Zukunft zu sein. In den Medien jedenfalls, wenn man die Präsenz zumindest als Maßstab nimmt, ist man nun angekommen und damit in der Lage in Zukunft Themen zu setzen und zu besetzen. Das wird wohl eine der Aufgaben sein, ob man s überhaupt will und wenn ja, wie man diese Verantwortung dann inhaltlich ausfüllt. Das diesjährige Motto „ACT!ON“ war in dem Zusammenhang (man erlaube das Wortspiel) eher Motto-„Actionismus“, denn einen wirklichen thematisch-konzeptionellen Leitfaden suchte man vergeblich – was auch nicht schadete, aber eben auch den Raum für Größeres lässt (um doch nochmal Pathos zu bemühen).

Auf Wiedersehen auf der rp13? Könnte ich heute noch nicht unterschreiben. Und das liegt nicht an der Unzufriedenheit an der Veranstaltung und erst Recht nicht an meinem Freund und Konferenz-Begleiter Tobias (Wenn, dann wieder mit Dir!!), sondern eher am Gefühl, dass man manchmal Abschied nehmen muss, um offen für neues zu werden. Aber das Jahr bis dahin ist lang.

Bleibt mein Schlußakkord: Macht’s gut und Danke für den Fisch. Auch dieses Mal hab ich viel viel mitgenommen, ich hab aber auch viel da gelassen. Vielleicht sag ich dann ja mal: Ich hab noch einen Koffer in Berlin.


Händisch ergänzt: Geschrieben mit meinem iPad. Und als Erklärung für manche krude Wortkomposition der Autokorrektur und meine fehlende Lust mit der Usability großes Redigieren zu betreiben…