Wir brauchen Gehaltsobergrenzen!

„Weltweit schwindet Vertrauen in den Kapitalismus“ resümiert die Auswertung eine Studie bei SPON und Norbert Lammert (Bundestagspräsident) wird zitiert „Gigantische Einkommensunterschiede sind nicht zu rechtfertigen“ (SZ). Für mich ist der ganze Irrsinn bereits viel zu weit gegangen und wird über kurz oder lang genau so wie alle Gesellschaftsformen, die (zum Teil sogar aus heeren Zielen entstammend) sich am Ende in ihrer Gier selbst pervertieren und in das Desaster münden. Ob Napoleon nach der französischen Revolution, Stalin aus den Wurzeln des Kommunismus oder heute der Kapitalismus, der sich erst schleichend, nun explosiv aus der sozialen Marktwirtschaft entfaltet. Die Gier der Menschen ist unersättlich.

Noch kann man vielleicht die Reißleine ziehen, vielleicht ist das aber auch nur eine Illusion. Man kann Gehaltsobergrenzen in die Gesellschaft einziehen. Notfalls entsprechend über Steuern regulieren und so lange erhöhen bis das gewünschte Ergebnis herauskommt. Die Skala ist da ja offen. Es ist eine Lüge, dass Gehalt ein Anreiz für Leistung ist, vielleicht für manche – vielleicht hat man es auch lange genug gepredigt und dabei in Vergessenheit gebracht, dass einst mal ein Arzt um seines Berufs als Berufung Willen tätig war, der Anwalt um seines Standes, der Arbeiter für seine Arbeit als sprichwörtlich redlich galt. Es kann einfach nicht sein, dass sich wenige Menschen Multi-Millionen abgreifen, während unten gekürzt wird. Das hat nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun, dass ist reiner Geld-Feudalismus und Kapitalismus in Reinkultur.

Wir waren hier in Deutschland als „soziale Marktwirtschaft“ angetreten. Nach Art 20 GG: „(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Und „sozial“ bedeutet nicht, die Masse gerade so zu versorgen, dass keine Unruhen entstehen. Nicht nach meinem Verständnis. „Ein Sozialstaat ist ein Staat, der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt, um die Teilhabe aller an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu gewährleisten. Es bezeichnet konkret auch die Gesamtheit staatlicher Einrichtungen, Steuerungsmaßnahmen und Normen, um das Ziel zu erreichen, Lebensrisiken und soziale Folgewirkungen abzufedern. Der Staat verpflichtet sich, in Gesetzgebung und Verwaltung für einen sozialen Ausgleich der Gesellschaft zu sorgen.“ (Sozialstaat, Wikipedia)

Wir haben in Europa die Chance, dies länderübergreifend zu realisieren. Wer dann meint, in Übersee mehr für seine Qualifikationen bekommen zu können, der mag dort auch hingehen und sich vielleicht zukünftig in „private Schutzzonen“ einkaufen, in denen er vor Unruhen sicher sein kann. Dann aber Bitte auch mit keiner Option sich später in ein sicheres Europa auf seine alten Tage zu besinnen.

Man soll gern gut Geld verdienen, vielleicht sogar gern sehr gut. Aber warum ein Mensch im Jahr über eine Million verdienen soll, ist mir ein Rätsel. Welche Leistung für die Gesellschaft ist dieser Betrag wert? Warum sind heute Geld-Geschäfte „wertvoller“ als soziale Tätigkeiten, verdient der Banker mehr als der Arzt? Wir haben unsere Werte auf den Kopf gestellt.

Sorry, wenn ich da manchmal überschäume – aber hier in Frankfurt hat man das Ganze viel zu oft so direkt vor Augen. Und es widert mich an.