dA wAREN wIR: dOCUMENTA (13)

Gelebte Tradition von Herrn und Frau Endl: die Documenta – bewährt seit 1997.

Ein schöner Tag, vor allem weil das Wetter mitspielte und die Erkundung der Karlsaue mit all den kleinen Installationen und Pavillions zur Wanderung einlud. Witzig allerdings, dass zeitgleich die Zissel stattfand und im karnevalesken Umzug durch die Stadt zog. Die Mischung aus Umzug, Kirmes, Occupy-Zeltlager und documenta hatte schon was.

Das Fridericianum allerdings übersteigt meinen intellektuellen Horizont – bereits nach dem Durchlesen der Tafel zu den aus Stein gehauenen Büchern, die eine Nachbildung zerstörter Bücher darstellten, allerdings aus afghanischem Marmor, der eigentlich eine Buddha-Statue war, die von Taliban … usw. usw. oder so ähnlich … war mein Akku auf 30 % gefallen – und da waren wir gerade erst angekommen. Dann beinahe verirrt in den verschachtelten Räumen retteten wir uns mit Notstrom in die documenta-Halle, wo zumindest meine Technik-Affinität vor den aufgeschnitten Motoren geweckt wurde und mich für einen glückseligen Moment emotional ins Deutsche Museum versetzten, bis mich ein Kaffee wiederbelebte, um eben in den Karlsauen wieder zu alter Frische zu kommen.

Nein, keine Kritik. Die documenta ist keine Consumer-Messe, die gefallen will – wollte sie nie. Wer sich, wie ich, einfach hineinwirft ohne sich vorzubereiten muss seine eigene Unverständnis auch mannhaft hinnehmen. Und Tacita Dean im ehemaligen Finanzamt versöhnte dann auch meine Sinne endgültig mit ihren Kreidezeichnungen und schafft damit das, was mich begeistern kann: Bezug nehmen auf eine subtile Art und dabei Auge und Verstand anregen (3sat: “Afghanistan ohne Krieg“).

Irgendwie erwarte ich einfach das falsche, wenn ich hinfahre, auch wenn ich dann nie enttäuscht zurückkomme. Eigentlich erwarte/erhoffe ich ein “Update”, einen Überblick über den “State of the Art”, ein Querschnitt der aktuellen Kunstszene, was sie bewegt, wohin sie geht, was sie will. Und finde doch mehr und mehr “nur” eine Interpretation der Sicht der Dinge der Kuratoren. Dann ertappe ich mich dabei, dass bspw. doch genau das teilweise passiert, wie mit der Auseinandersetzung mit Afghanistan – dem Thema der dOCUMENTA (13) – die Reflektion von aktuellem Zeitgeschehen mit der Kunst mit Bezügen und Analogien zu Vergangenheit und Philosophie. Und doch sucht mein (laienhaftes) Auge mehr die Darstellung, das künstlerische Handwerk, die Perfektion, die Überraschung, die Emotion von Kunst, die sich mir bisher so nur auf der documenta X (1997) geboten hatte, als ich nach der Rückkehr am liebsten alles auf einmal gemacht hätte: schreiben, malen, Musik machen – so kreativ aufgeladen fühlte ich mich.

Heute hatten wir einfach einen schönen Tag. Eine schöne Zweisamkeit (mal Ausflug ohne Kinder), einen schönen Spaziergang und am Ende Tacita Dean. Finde, das schon ne ganze Menge für einen guten Tag.


P.S.: Wer sich die App dMAPS (auch für Android) ausgedacht hat, sollte mal in sich gehen… Freudig entdeckt und als interaktiven Begleiter durch die d13 erkannt gleich mal über QR-Code im Play-Store geladen. Knapp 30 MB *grmpf*, aber die Kunst fordert Opfer. Dann installiert und halbe Stunde lang ein Drehrädchen beobachtet “Suche nach aktuellen Inhalten”. Nach mindestens 5 bösen Blicken der Frau (ihr wisst schon, DIESE Art Blicke) dann abgebrochen und mal im Play-Store doch genauer nachgelesen. Rezensenten sauer und ich auch, als ich die Zeile las: “(ca. 660 MB)” … Keine Ahnung, ob das Gerät die bei mir gleich mal laden wollte, funktioniert hat die App jedenfalls bis zum Ende nicht und wenn ich die Rezensionen so durchlese, hab ich wohl auch nix verpasst. Gute Idee, im Prinzip, aber das reicht nicht – oder wie ein Rezensent schreibt: “Einer Weltausstellung nicht würdig” – und dabei hatte der die App wohl wenigstens zum Laufen bekommen …