Rommel, der Wüstenfuchs

Als mein Vater mir von Rommel, den Wüstenfuchs, erzählte, war das mindestens so spannend wie die Geschichten von Kara Ben Nemsi. Der kluge Heerführer mit nobler Gesinnung und taktischer Brillianz. Man konnte sich dem kaum entziehen. 30 Jahre später schaue ich mir den Film Rommel in der ARD an und am Ende bleibt mir dieser Spagat im Kopf, der Spagat aus Geschichtsaufarbeitung ohne Schere im Kopf und klarem Kopf. Selten hat mein klarer Kopf so gesiegt, sogar gegen meine ureignen Dämonen der Kindheit, denn ich hab was gegen Heldenverehrung von “Kriegsverbrechern”, ganz egal ob man diesen Begriff nun dogmatisch anders belegt als ich das emotional tue. Kriegsverbrechen definieren eine Eskalation des Kriegs – oder des Verbrechens – so genau ist mir das noch nicht klar. Doch für mich bleibt Krieg stets ein Verbrechen, so dass das Wort “Kriegsverbrechen” keine Steigerung, sondern dem einen wie dem anderen immanent ist.

Im historisch wahrscheinlich lückenlos aufgearbeiteten Film “Rommel” gewinnt man Sympathie für diesen Menschen, wie auch den anderen Personen – natürlich auch Graf von Stauffenberg. Dabei wird quasi unterschwellig suggeriert, dass alle diese Personen stets nur heere Gedanken hatten, den Krieg als schicksalhaft hinnahmen, ihren Dienst an Volk und Vaterland taten. Ich kann nur mit all dem nichts anfangen. Und ich glaube all dem nicht. Glaube nicht, dass Personen dieser Stellung im Apparat keine Ahnung von den Gräueltaten hatten (oder hätten haben müssen!). Ich sehe sie als Kommandierende von Tod und Verderben, von Leid und Schrecken. Dass sie an irgendeinem Punkt ihres Lebens erkannt haben mögen, dass sie oder ihr Gewissen oder ihre Vernunft ein anderes Verhalten für opportuner hielten, ist eine gute Erkenntnis, sie macht die Taten, die sie auch (kraft Legat des Krieges) legitim verantworteten, aber für mich nicht menschlicher.

Rommel war mein Held der Kindheit. Er hat diesen Status längst verloren und ich tu mir schwer mit dem deutschen Amerikanismus wie im Film der ARD.