Reiselust

Ich war zu lange nicht mehr im Ausland. Ich spüre das, nicht nur weil die kalten und dunklen Tage wie ein Schatten auf unser Gemüt drücken. Es geht nicht um das Nachjagen der Sonne, auch nicht um fehlende Abwechslung im Leben oder dringenden Erholungsbedarf – es ist dieses Gefühl, dieses Bedürfnis den Geist zu erweitern, neues Leben einzuatmen.

Darf ich eine Geschichte erzählen?

Es war 1991, also aus einer Zeit, die man heute mit gutem Recht als “früher” bezeichnen darf. 1991 reiste ich mit meiner Freundin (und heutigen Frau! Hört! Hört!) nach Abi/Zivildienst und vor dem Studium in die USA. 6 Wochen sollte der Trip dauern, was wir dabei hatten waren Rucksäcke, Walkman mit ner Menge Tapes, ne Minolta x300 mit ausreichend Dia-Filmen, Travellerschecks und ein Ticket für den Hinflug nach New York und Rückflug ab Los Angeles. Wie wir von da nach dort kommen sollten, sollte sich so ergeben. So verrückt wäre ich heute im Traum nicht mehr, mit dem Plan aufzubrechen. Aber dazu vielleicht ein ander Mal.

New York – ich glaub ich werde nie vergessen, wie atemlos mich der erste Eindruck dieser Stadt machte. Stilecht (für die damalige Zeit) in Chucks, Lederjacke und RayBan-Wayfarer (trotz einsetzender Dunkelheit) in einem gelben Taxi vom JFK in die Stadt einfahren. In Häuserschluchten eintauchen, die deine Vorstellung von Größe einfach pulverisieren, den Grundgeräuschpegel mit dem Basiston sonor arbeitender Klimaanlagen und dem bassigen Tröten irgendeines Einsatzfahrzeugs der Feuerwehr, die irgendwie sich immer irgendwo im Einsatz zu befinden schienen. Die erdrückende feuchte sauerstoffarme Luft, die einen erschlug wenn man aus dem vollkommen unterkühlten Taxi ausstieg um sich in ein ebenso unterkühltes Gebäude zu retten.

Dieser erste Tag hat in meinem Kopf etwas verändert, hat eine Tür aufgemacht, eine Insel erobert, Neuland betreten.

Wie wir die Stadt danach in den kommenden Tagen für uns eroberten, das war dann eine ganz andere Sache. Wir hatten nur einen handelsüblchen City-Guide dabei, ob es solche Angebote wie den “New York City Explorer Pass” schon damals gab, weiß ich noch nicht mal, vielleicht hätten wir uns da so manche Meile an Fußmarsch zu vermeintlichen Sehenswürdigkeiten erspart. Aber das Erleben der Stadt und aller dort möglichen Aktivitäten war eh auch noch mal ne andere Geschichte.

Aber diese Sehnsucht nach diesem Gefühl überkommt mich, wohl wissend, dass es für einige Zeit unerreichbar sein wird. Aber davon träumen und in Erinnerung schwelgen kann mir niemand nehmen. Allein deswegen sind solche Erfahrungen auch mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.