Der Neugier fehlt das Prinzip

Menschen sind von Natur aus neugierig, aber es definiert sie nicht, denn dazu müsste es nachhaltig sein.

Die Neugier des Mensches endet in dem Moment, wo er die vier F-Worte zum überleben erlernt hat: Fressen, Fortbewegung, Fortpflanzung, Fernsehen. Ist das erreicht, sind alle weiteren Veränderungen notwendiges Übel. Und zu „notwendig“ gehört bspw. gesellschaftlicher Druck mal was Neues haben zu müssen oder die Erkenntnis, dass das Behalten des Alten anstrengender ist als die Auseinandersetzung mit Neuem – Paradebeispiele sind handwerkliche Reparaturen und persönliche Beziehungen. Es ist auch nicht so, dass der Mensch nicht generell ab und an etwas Neues nicht zu schätzen wüsste, aber was genau und welcher Art, das für ihn herauszufinden überlässt er gern anderen – früher der Werbung, heute den Sozialen Netzwerken.

Entsprechend übersteigt der moderne hochfrequente Produkterneuerungszyklus auch das Trägheitsbedürfnis des gewöhnlichen Homo sapiens und er wird dem über kurz oder lang überdrüssig, auch wenn der Überdruss derzeit noch überlagert wird von Konsumdruck und allgemeiner Verwirrtheit. Vielleicht ist der „Trend zum Traditionsbewusstsein“ oder auch die aufkommende Bewegung zum „Nachhaltigen Leben“ in Form von regionaler und saisonaler Produkte oder fair produzierter Waren dafür Indiz und dahinter könnte als Ursache von allem (neben einer schlicht logisch intelligenten Abwägung von Sinnhaftigkeit des Ganzen) das Bedürfnis stehen, das Sortiment wieder überschaubarer zu machen und alles auf mehr oder minder Bekanntes und Bewährtes zu reduzieren.

Neugier bei Erwachsenen ist immer das Phänomen von Einzelpersonen. Ob man sie dann „Pioniere“, „Forscher“, „Wissenschaftler“, „Trendjäger“ oder „Early Adopters“ nennt. Sie sind diejenigen, die sich aus dem bestehenden Status Quo, dem Establishment oder eben dem bequemen Sofa hinauswagen, testen und bestimmen was nicht nur gut aussieht, sondern auch nützlich ist (und keinen Schaden verursacht) und so gefahrlos zum Konsum geeignet ist.

Und wenn man das bejaht, dann wundert es einen, wie ganze Industrien, ganze Branchen, ja sogar bisweilen die ganze Gesellschaft darauf ausgerichtet zu sein scheint, dass es ewigen Fortschritt gibt. Fortschritt ist ohne Neugier nicht denkbar. Fortschritt ist die Notwendigkeit, wenn man mit dem Status Quo nicht zufrieden ist oder das Bewahren des selbigen einen nicht befriedigt. Das ist der Menschheit auch immanent, aber wirklich der Masse? Oder doch nicht eher Einzelner? Sind es nicht meist Einzelne (und nicht immer aus edlen Motiven…), die Systeme in Frage stellen und dann bei anderen (Einzelnen) Handlungsdruck auslösen die am Ende die ganze Masse in Bewegung setzen, weil die Trägheit der Masse beim Menschen eher mit dem Fluchtverhalten eines Rudel Gnus bei Erscheinen eines Geparden zu vergleichen ist – ob der Gepard nun faktisch erscheint oder auch nur verkündet wird.

Neugier ist aber kein Prinzip, wie es Wikipedia beschreibt als „gegebene Gesetzmäßigkeit, die anderen Gesetzmäßigkeiten übergeordnet ist (wobei der Begriff Gesetzmäßigkeit ersetzbar ist durch die Begriffe Gesetz, Naturgesetz, Regel, Richtlinie, Verhaltensrichtlinie, Grundsatz, Postulat)“, jedenfalls nicht in der Masse. Vielleicht sollte man diesem Gedanken mal nachgehen und das Postulat ständiger Veränderung als Heilsbringer der Gesellschaft (vor allem aus wirtschaftlicher Sicht, wobei diese Sicht heute nahezu ja alles überlagert) mal hinterfragen.

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