WWW – Wiederholen Wiederkäuen Weitertratschen

Wenn ein Konzern wie Google seinen Reader einstellt, dann wahrscheinlich frei nach der Erkenntnis des römischen Dichters: „Bis repetita non placent“ („Wiederholungen gefallen nicht.“)

Wozu einen Feedreader erhalten, der zu 90% aus wiedergekautem und überflüssigen Müll ist. Das Big Data der frühen Evolutionsstufe digitaler Natives wird in die Geschichte als die Abschaffung von Vielfalt und weltmeisterlich im wiederholen, wiederkäuen und weitertratschen der Dinge eingehen, die wiederum irgendeiner gesagt hat oder die eine Masse gut findet oder der Peer Group pläsiert.

Wo ist die Pluralität geblieben? Kreative Blogs und Postings sind direkt proportional zum Wachstum der Postingfrequenz gesunken – und eifern damit trefflich der versammelten Journaille nach. Übertraf man sich in der Frühphase des Bloggens noch in Ideenreichtum um in den Fokus und Gunst der A-Blogs zu kommen, begnügt man sich heute mit dem sharen und liken von Artikeln aus Magazinen, die eh jeder auch kennt. Ein Reich der Schulterklopfer und Bekunden der gegenseitigen Interessensschnittmengen, während man vor lauter Social Media Anteilnahme ja gar keine Zeit und Muße mehr hat das gesehene, gehörte und erlebte jenseits eines Instagrams in Worte zu kleiden oder zum Ausdruck zu bringen. Wozu noch selbst sich Gedanken machen, wenn man durch Verweis auf drei Artikel doch im Wesentlichen schon seinen Dienst verrichtet hat.

Auch im Sport ist das nicht anders. Wozu soll man sich das 134te Fanmagazin seiner Lieblingsballtreter antun, die doch nur wieder haarklein das wiedergeben, was eh jeder gesehen hat, was eh jeder gelesen hat oder was von einer Nachrichtenagentur bereits durch das Dorf getrieben wurde.

Wo sind eigentlich die eigenen Ideen? Was hat man selbst erlebt? Oder ereilt den Ideen schon der präventiven Sekundentod, weil man lieber erstmal die andere Meinung liest bevor man sich seine eigene macht und danach keine mehr vorfindet, weil sie dann bereits ein Konglomerat ist, bevor je etwas eigenes entstehen konnte?

Fangt wieder an zu denken, bevor aus euren Gedanken im Schmelztiegel der Masse nur noch ein „Share & Like“ geworden ist. Schaut euch ein Spiel, schaut euch einen Film oder hört euch ein Lied an, und schreibt, bevor ihr die Rezensionen der anderen gelesen habt. So entsteht eine kreative Masse, so wird Vielfalt bunt – und nicht wie in der Pfütze im Malkasten eine grau-braune undefinierbare Soße.