Eine subjektiv unbrisante Meinung vom
15.04.2010 um 15:31 Uhr
Schon in der Vorbereitung auf die re:publica’10 war es schon schwer genug Außenstehenden den Sinn und Zweck einer re:pulica-Konferenz zu erklären. Schwierig, weil es eben Außenstehende sind und Hände ringend nach etwas suchen, was sie verstehen und einsortieren können. “Blogger” als Schlagwort ist da dankbar, das kennt man, das hat ne Schublade, die hat noch Platz. Blogger sind die Spinner, die über ihr Frühstück schreiben und dass ihnen der Kino-Besuch gestern dolle Spass gemacht hat. Irrelevantes Zeug eben, dass nur die aus welchen Gründen auch immer interessant fanden, die selbst über ihr Frühstück und ihren Kino-Besuch gern schreiben. Die sind das dann also, die sich in Berlin treffen um sich auszutauschen, wie man noch besser über das Frühstück schreiben kann, welche Probleme man dabei hat und wie man sie lösen kann. Dabei machen sie sich auch noch Kopf über Datenschutz und das Frühstück-Bloggen in andern Ländern. Witzig, kurios, leider aber irgendwie der Hype von gestern, warum man sich also fragt, was die denn da immer noch machen, gerade weil doch nach bisschen Querlesen schon klar ist, dass die Szene ihre eigene Grabeshymne schon schreibt und sich zu Twitter und Facebook und Co. zersplittert.
So oder ähnlich hat man den Radio-Beitrag bei Fritz hier in Berlin verstehen können, die gleich öffentlich-rundfunkartig beschreibt: Blogger sind die, die so ein Internet-Tagebuch führen.
Es ist wohl müßig gegen diese Windmühlen in einem Blog zu schreiben wie diesem, das bestätigt ja nur das Vorurteil: Und da schreiben dann die Blogger über das Bloggen. Dennoch sollte es nicht oft genug gesagt werden: Der Umstand, dass wohl die meisten der Teilnehmenden den Begriff “Blogger-Konferenz” gemieden haben ist nicht, dass es einem peinlich wäre, der Begriff ist nur mittlerweile so falsch konnotiert, dass es müßig ist dagegen anzudiskutieren. Tatsächlich geht es um den Wandel der digitalen Gesellschaft, der auch vor dem letzten Print-Konservativen nicht vorüberziehen wird – spästens wenn er sein neues Auto startet und mit dem Internet konnektiert wird. Bloggen war und ist nur eine Facette, eine Ausdrucksform, ein Einstieg in eine neuer Form der digitalen Kommunikation. Nicht mehr, nicht weniger. Und diese Konferenz beschäftigt sich auch noch mit dieser Form, nicht mehr, nicht weniger.
Nach den ersten beiden Tagen sieht man durchaus, auch wie im SPON beschrieben, eine heterogene Themenvielfalt – ja bisweilen auch absolut gegensätzlich in Herangehensweise und Auffassung. Aber das ist eben kein Ausdruck einer “zersplitterten” Netzwelt, sondern ein Abbild einer normalen Entwicklung. Am Anfang nahm man sich dessen an, was populär war, was ins Auge sprang, was Aufsehen erregte, dann kommt man ans Eingemachte, man wendet sich den wichtigen Dingen zu, den Grundlagen, dem Sinn, den Grenzen. An diesem Punkt ist man und statt mit Polemik diese Diskussion zu begleiten wäre es ein guter Zeitpunkt diese Diskussion, die nicht erst mittelfristig alle beschäftigen wird, gerade die aufwachsende Generation steckt nämlich schon mitten drin, zu begleiten und mitzugestalten. Dazu müsste man aber auch bereit sein, seine Schubladen mal neu zu beschriften.
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