Category Archives: Essentials

Ich kann das schon alleine

Krieg das allein hin, bin ja schon ein Großer. Brauch niemand, will niemand zu Last fallen, bin ja genügsam und irgendwie wird’s schon gehen. Mach dir keine Mühe, kein Kopf, das schon gut so wie es ist. Danke der Nachfrage, aber alles ok. Komme klar, wirklich.

Von wegen selbstlos – am Arsch ist das. Mehr Egoismus geht nicht. Bedürfnisse zeigen, schwach sein, mal schreien, wenn man verzweifelt – und damit dem anderen das Gefühl geben gebraucht zu werden. Hilfe zu benötigen und die auch anzunehmen, das verbindet, das macht beide stärker, jeden für sich und alle zusammen.

Wer den ganzen Tag rumläuft und jedem das Gefühl gibt, dass nix was der andere tut wichtig ist und alles schon genügt wie man es selbst so eben hinkriegt, der ist kein Lebenskünstler sondern vereinsamt. Vereinsamt sich und die, die ihn mögen.

Ich bin 42 und Projektmanager

Seit nun einiger Zeit bin ich schon 42. Eigentlich Zeit für eine schöne Midlifecrisis, aber 42 ist ja kein Grund zur Panik. Im Gegenteil: Ich fand das immer ganz witzig 42 zu werden, immerhin verheißt Per Anhalter durch die Galaxis mit der Zahl 42 nichts geringeres als die Antwort auf alle Fragen. Und irgendwie hat man das Gefühl, wenn man 42 ist, dass da schon was wahres dran ist. Irgendwer sagte mal: “Die erste Hälfte des Lebens suchst du nach Antworten. In der zweiten Hälfte suchst du nach den richtigen Fragen.” So in etwa ja auch die Sache mit der 42 als Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ („life, the universe and everything“). Doch was das genau bedeutet, das bleibt offen.

„Als ich jung war, hat man mir gesagt: Warte nur, bis du vierzig bist, dann wirst du schon sehen. Jetzt bin ich vierzig und sehe absolut nichts.“
(frei nach Erik Satie)

Tiefere Bedeutung maß Douglas Adams im Übrigen der konkreten Zahl 42 nicht bei: „Es war ein Scherz. Es musste eine Zahl sein, eine gewöhnliche, relativ kleine Zahl, und ich entschied mich für diese. Binäre Darstellungen, Basis 13, Tibetische Mönche, das ist alles kompletter Unsinn. Ich saß an meinem Schreibtisch, blickte in den Garten hinaus und dachte ‚42 wird gehen‘. Ich schrieb es hin. Ende der Geschichte.“ Und genau so wenig will ich auch nicht weiter darauf eingehen, ob mein Lebensalter nun genau eine Art Mitte darstelle oder eine tiefere Bedeutung habe – es war nur wegen des Buchs und dem Running Gag/Sketch von Badesalz (“Mein Bub du bist 42 Jahr und Elektroingenieur”) eben immer einfach so eine Zahl.

Gerade las ich das Buch Angerichtet von Herman Koch - pardon: “hörte” das Buch - und blieb an einer Passage hängen. Frei wiedergegeben: “Einmal geboren, bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als dieses Leben eben zu Ende zu leben.” Keiner hat einen gefragt, man wurde gezeugt und hineingeworfen, ob es nun gefällt oder nicht.

Ist es nicht verwunderlich, dass wir als vernunftsbegabte Wesen, die sich mit etwas Nachdenken nahezu alles erklären können, bis heute - jenseits von religiösen Hoffnungen auf ein Jenseits - keinerlei schlüssige Erklärung geben können, wofür das Ganze eigentlich gut sein soll? Sicher kann man im Einzelnen gute und schlechte Tage haben, sinnvollere oder unsinnigere Leben führen, bedeutende oder furchtbare Zeitalter erleben, aber am Ende läuft alles darauf hinaus, dass Nichts bleibt.

Ist das nicht höchst merkwürdig? Und ist das nicht auch total deprimierend, desillusionierend und auch demotivierend? Aber vor allem auch irritierend. Keine Antwort auf die Frage nach dem “Sinn des Lebens”. Im Grunde ist man mit zunehmender “Ent-Religionisierung” ja weiter von einer Antwort entfernt denn je zuvor. Oder begnügt man sich damit, dass man halt am Ende wirklich nicht mehr ist als eine kleine biologische Komponente im Ganzen. Eine Komponente die kommt und geht wie eben alles andere auch – und nur eben eine, bei der sich die Natur eine gewisse Ironie erlaubte hat dergestalt, dass die Komponente sich als vielleicht einzige im Universum über diesen Punkt auch noch Gedanken machen kann, bevor es vorbei ist? Wie eben der Pottwal im “Anhalter durch die Galaxis”, der durch den Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive aus einer Atomrakete in der Luft geschaffen wurde und sich im freien Fall seiner Selbst bewusst wird, während er sich unaufhaltsam der Schwerkraft folgendem seinem sicheren Ende zubewegt.

Ich bin 42 und Projektmanager – und wenn das die Antwort ist, dass alles vergänglich ist, dass das eben das Leben ist, dann mache ich mich dann mal auf und suche nach den passenden Fragen.

Aus Liebe – zur Distanz

Für Freundschaft, Beziehung, Liebe scheint es immer nur ein Ziel zu geben: Immer größere Nähe, Vertrautheit, Intimität. Der Wunsch danach wird deutlich, wenn man sich die ganzen Kontaktanzeigen durchliest und sieht, wonach die Menschen suchen.

Es gibt aber in Wirklichkeit nur wenige Menschen, die man - zumindest auf Dauer - in seine bedingungslose Nähe lassen will oder auch kann. Das ist nicht nur auf körperliche Nähe beschränkt, im Gegenteil: Es gilt auch für die verbale Nähe, ja sogar auf eine rein geistige Ebene.

Nähe ist anstrengend. Weil man nur bei ganz wenigen Menschen sich komplett fallen lassen kann ohne nachzudenken – sein kann, wie man ist. Das ist wenigen Menschen vorbehalten – wenn man jung ist gibt es das manchmal zwischen Eltern und Kindern.

Man will das manchmal gar nicht, so zu sein ‘wie man ist’, weil man sich gar nicht immer mag, wie man ist. Man ist nicht immer, wie man sich gern hätte. Und so ist man in der Nähe gefordert, gefordert das zu sein, was man dem anderen, der nun so nahe ist, gern gegenüber sein will. Sei es auch nur “interessant” oder “lässig”, “witzig” oder “sensibel”, “stark” oder “schwach”. Man will dem anderen, den man aus guten Grund so in seine Nahe ließ, genau so wenig wie sich selbst enttäuschen. Will ihm nicht das Gefühl geben “Aha, also doch er/sie doch nur eine Rolle gespielt und nun fällt die Maske”. Man möchte, dass der andere in dieser Nähe bestätigt wird in der guten Meinung, die einen ja zu einer so intensiven Beziehung brachte – sei es als Partner, als Liebhaber oder eben auch nur als Freund. Und manchmal möchte man auch dem anderen das Gefühl erhalten, dass er in der Nähe immer willkommen sei, auch wenn es einem gerade gar nicht danach ist. Das zu leisten ist einem Menschen gar nicht immer möglich und für etwas Illusion bedarf es der Distanz. Kein Zaubertrick funktioniert, wenn der Künstler keinen Freiraum hat.

Natürlich will man Nähe, wenn eine Beziehung zu einem Menschen mehr ist als eine Bekanntschaft. Aber das Spiel zwischen Nähe und Distanz ist schwierig.

Eine Tür, die gestern auf war, heute zuzumachen, das kann als falsches Signal verstanden werden. Bedauere man vielleicht sie je aufgemacht zu haben? Habe man vom anderen vielleicht schon genug? Hatte man am Ende alles nur missverstanden? Oder war man gar einen Schritt ‘zu weit’ gegangen?

Wie dieses Spiel zwischen Nähe und Distanz zu balancieren ist, kann man nicht pauschal beantwortet – aber es ist wichtig, danach zu suchen.

Bei Ehen, die lange halten, war die Suche nach einer Balance zwischen “Individuum sein” und “Paar sein” meist erfolgreich – dabei das Wir-Gefühl genau so zu schätzen wie den Freiraum, die Privatsphäre. Bei Verliebten ist dieses Spiel zwischen Nähe und Distanz der Flirt, der die Schmetterlinge bringt. Ohne Distanz fehlt das Interessante, das Erzählenswerte, das Überraschende. Und das Unbekannte und Fremde am anderen erhält den Reiz erkundet zu werden. Deswegen zieht man sich beim romantischen Abend auch etwas Besonderes an und sitzt nicht gleich zweckmäßig im Bademantel am Tisch um dann wenig Arbeit beim Auspacken zu haben.

Freunde, die ohne Limits sich immer näher kommen und alle Lebensräume füreinander euphorisch öffnen, knallen meist über kurz oder lang auf den Boden der Tatsachen. Vielleicht weil einer der beiden einen Partner findet, der nun Grenzen einfordert, vielleicht weil es einem der beiden doch zu weit geht und er nur nicht mehr wusste, wie er die Handbremse ziehen konnte, ohne den anderen dabei zurückzustoßen.

Ohne Distanz fällt es schwer sich oder eine Beziehung selbst zu hinterfragen, weil allein die Frage den anderen verletzt.
Ohne Distanz fällt es schwer sich selbst zu verändern, weil man sich dazu gar nicht immer erklären möchte – weil man es vielleicht auch gar nicht kann.

Vielleicht ist das einer der Schlüssel für das Miteinander: Distanz zu wahren – aus Liebe, aus Respekt, aus Freundschaft.

Falsch Geld

Wer mit Geld bezahlen will, wird scheitern.
Man kann damit das, was man kaufen will, gar nicht bezahlen.
Denn der Preis für Zufriedenheit ist nicht in Geld bemessen.

Ihr sät viel und bringt wenig ein;
ihr esst und werdet nicht satt;
ihr trinkt und werdet nicht einmal betrunken. *

Geld ist falsch, weil es die falsche Währung ist.
Es kauft nur Dinge, die Zufriedenheit nach Außen zeigen soll.

Glück ist sich selbst genug und braucht keine Zeugen. *

Geld kauft ein Placebo
und manche wissen gar nicht mehr,
wie Zufriedenheit wirklich schmeckt.

Und sie merken es erst,
wenn Geld nicht mehr da ist
und andere reich bleiben
obwohl sie nie welches hatten.

Du dumme Kuh

Warum ist eine Kuh dumm?

Wenn sie so auf der Weide stehen, den ganzen Tag kauen, mit ihren großen Augen durch die Welt gucken und sich auch von laut rufenden Kindern nicht beeindrucken lassen, dann machen Kühe nicht den intelligentesten Eindruck. Dabei sind sie einfach nur sehr ruhige Tiere – auch in Stresssituationen schütten sie wenig Adrenalin aus. Kühe haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten: Untereinander schließen die Tiere Freundschaften. Außerdem können sie sich gut orientieren. Zum Stall finden sie immer zurück.
rp-online.de

Jeden Tag auf seiner Weide rumstehen, essen, seine täglichen Dinge tun, durch die Welt gucken, Freundschaften pflegen, wieder nach Hause kommen auch in schwierigen Situationen (*hicks*) und sich möglichst keinen Stress machen – das ja nicht den Kühen vorbehalten.

Dumm ist die Kuh, nicht weil sie nicht lebensfähig wäre ohne Hilfe, sondern weil ihr ein höheres Maß an Intelligenz fehlt. Was Intelligenz ist, darüber scheiden sich die Geister, kognitive Fähigkeiten deuten aber darauf hin – also die Fähigeit etwas Abstraktem Aufmerksamkeit zu schenken, sich zu erinnern, zu lernen, Kreativität zu entwickeln, Planen, Orientieren, die Vorstellungskraft, zu argumentieren, sich selbst zu hinterfragen, eigenen Wille zu haben und an etwas zu glauben.

Die Kuh steht im Stall oder auf der Wiese, wird gemolken und irgendwann entsorgt oder schlicht zur Schlachtung gemästet. Dass sich dies mal rumsprechen könnte unter den Kühen und was dagegen unternommen wird, scheint nicht so zu sein. Wer weiß, vielleicht tauschen sich die Tiere sogar über das seltsame Verschwinden von Kollegen aus, aber Schlüsse daraus scheint man nicht zu ziehen. Größere Solidarisierungen und Zusammenschlüsse von Kühen zur eigenen Befreiung aus dem Joch sind jedenfalls nicht bekannt.

Den Tag rumkriegen (am Besten einen wie den anderen), immer genug zu Essen haben, bisschen was erledigen ohne sich zu überanstrengen, paar Freundschaften pflegen und immer ein Dach über dem Kopf – solange das halbwegs stressfrei läuft, lässt man das Schicksal auf sich zukommen und darüber andere entscheiden. Dinge zu hinterfragen, sich zu engagieren, etwas investieren und dann für sich oder die Gemeinschaft was riskieren – das nicht so das Ding einer Kuh.

Mal ehrlich und ohne Häme: Soweit weg ist da ein Großteil der Menschheit nun nicht.

Willkommen im Club der Neujahrsvorsatzversager

Auch bereits am 6. Tag am Boden der Tatsachen angekommen?
Auch schon wieder nix gelernt aus 2011?
Auch nicht mal 6 mickrige Tage das durchgehalten, was man sich vorgenommen hatte, was endlich besser werden sollte?

Willkommen im Club der Neujahrsvorsatzversager!

Aber seh es doch einfach positiv! Es ist kein Versagen nach nur 5 Tagen! Du hast ab morgen noch volle und unglaublich lange 360 Tage Zeit (Dank Schaltjahr) es besser zu machen!

Und akzeptiere einfach, dass gute Vorsätze kein frommer Wunsch eines weinseligen Silvesterabends sind, die man beim ersten Scheitern über Bord wirft, sondern verdammt harte Arbeit, Konsequenz und der Mut, die richtigen Entscheidungen zu treffen und daran auch gemessen zu werden … und auch für manches ein paar Anläufe zu brauchen.

Wir sprechen uns zum Jahresende! ;-)

Bewunderung ist eine Droge

Bewunderung ist eine Droge

Bewunderung
versetzt in Euphorie
lässt Grenzen überwinden
macht glücklich
und ist erotisch.

Bewunderung
verändert die Wahrnehmung
verschleiert die Dinge
und hinterlässt einen Kater

Bewunderung
ist zu Beginn neu, frisch, motivierend,
wird immer wichtiger und schließlich vom Mittel zum Zweck,
um irgendwann nur noch wahrgenommen zu werden, wenn sie fehlt
oder wenn die Angst, sie zu verlieren, immer lauter wird.

Bewunderung ist eine Droge
Am Ende bleibt der Cold Turkey
oder man verliert sich und die Realität.