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Neulich im Tierheim

Haben Sie schon mal versucht ein Tier ‚zu retten‘? Dann versuchen Sie es besser nicht über ein Tierheim oder ein Tierfreundehaus. Jedenfalls nicht ohne diesen Beitrag gelesen zu haben.

Als ich mit der ganzen Familie durch die Desinfektionswanne im Katzenfreundehaus Unterrad (Name von der Red. geändert) watete, um einen der gestrandeten Insassen in Augenschein zu nehmen, erwartete die untersetzte nickelbebrillte Empfangspatrouille uns mit einem kritisch-ängstlichen Blick. Die Frage nach verfügbaren Katzen hätte man auch mit „Geld her, sonst knallts“ interpretieren können. Nach nur wenigen freundlichen Worten, die unser Anliegen ausdrückte, einen der Gestrandeten in die Arme zu schließen und mitzunehmen, fiel das entscheidende Wort „Freigänger“ (wenn auch „optional“), was der Dame an das Exit-Szenario erinnern ließ und sie uns die Aid-Card „Tierheime mit Freigängern“ überreichte, verbunden mit den Worten, dort werde man fündig (Subtext: und man solle sich nun verpissen resp. vom Acker machen). Ob man sich denn noch umsehen dürfe? Ja! Aber nix anfassen!

Nicht die erste Begegnung dieser Art für uns, die wir irrtümlich annahmen, unser Wunsch nach tierischen Familienzuwachs ‚aus dem Tierheim‘ würde eine gewisse Euphorie dort auslösen und unserem Karma eine besondere Note geben – sowas wie „Herz für Tiere“, oder vergleichbar. Aber schon bei der ersten Station, mit hinterlegtem verbrieften Interesse an einer dort inhaftierten Insassin, waren wir der irrigen Annahme verfallen, unsere Absichten wären mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen worden. Aber ein skeptischer Blick auf den Umstand, das wir weder in idyllischer Landschaft irgendwo im Nirgendwo, wo sich Fuchs und Hase (jeweils attestiert tollwut-frei) Gute Nacht sagen, sondern in der bösen Stadt, und wir zudem die Bereitschaft, die gesamte Liegenschaft in Einverständnis des Vermieters (oder auch gegen) und mit Unterstützung der Mitbewohner katzengerecht umzugestalten, nicht sofort an den Tag legten, führte zu latenter Unbill. Der verbriefte Interessenbogen wurde entgegengenommen (und wohl sofort vernichtet). Nachfragen blieben unbeantwortet. Wahrscheinlich sind wir dort jetzt auf einer Art schwarzen Liste. Vielleicht hätten wir auch ungefragt ein polizeiliches Führungszeugnis mitbringen müssen und div. Empfehlungsschreiben von Arbeitgeber, Pastor der örtlichen Kirchengemeinde und mindestens 5 Freunden/Bekannten, die uns guten Leumund gaben und sich eidesstattlich verpflichteten, im Fall der Fälle, wie Urlaub z.B., höchstpersönlich kümmern zu wollen. Wir wissen es nicht…

Dass man ausgerechnet im Tierheim Frankfurt dann fündig wurde, gerade als man fast schon resignierte, ist bemerkenswert. Dabei war dieses Tierheim fast schon unsere letzte Option, da man nach den Eindrücken der Google Maps-Bilder eher eine Tier-JVA vermuten durfte. Dass man dort dann freundliche Menschen traf, die sich konstruktiv mit der persönlichen Situation auseinandersetzten, gemeinsam die sinnvollen nächsten Schritten planten und mögliche Szenarien besprachen, darf man durchaus als Überraschung bezeichnen. Dass man sich dann davon gern in seinen Vorstellungen korrigieren ließ, nochmal diverse weitere Vorbereitungen traf, gab dem Vorhaben dann ein neues Niveau. Und wenn man dann beim nächsten Besuch nicht nur wiedererkannt, sondern auch weiterführend beraten wird, ist ein weiterer Teil der Geschichte geschrieben, die nun erstmal damit endet, dass nun zwei tierische neue Familienmitglieder sich gerade im Flur spielerisch gegenseitig jagen und sich nach nicht mal 2 Wochen offenbar genauso glücklich wie ihre neuen Dosenöffner schätzen, dass sie ein neues Zuhause haben, bei dem sie nicht nur willkommen, sondern herzlich aufgenommen wurden.

Mit großem Respekt soll an der Stelle das Engagement aller gewürdigt sein, die sich um das Wohl gestrandeter Tiere kümmert. Nur vielleicht ein Hinweis: Man muss auch loslassen können…

Neulich am Glühweinverkauf

2,80, 3,20, 1,10, 2,90, Grüß Gott!, 2,70, 2 mal 1,20, 1,30, Grüß Gott!, 1,90 macht 18,30 – haben sie 30? – dann die 2 auf die 20 und schönen Tag! Ach Frau Meier, 1,10, 1,90, das sind 3 mal 70, Grüß Gott!, und 1,10 …

Ich wohnte früher über einem kleinen Einkaufsladen in meinem Dorf und in den Zeiten als es noch keine digitalen Scannerkassen gab, da ging das so bei der Chefin an der Kasse den ganzen Tag. Mit der Registrierkasse und zur Not auch im Kopf, während man nebenbei noch Kunden begrüßte und manchmal ein Schwätzchen hielt. Großes Kino!

Daran musste ich denken, als ich am Sonntag am Höchster Weihnachtsmarkt meinen Standdienst für den Schwimmverein beim Glühweinverkauf bezog. Genauer gesagt: Ich musste danach daran denken, davor machte ich mir nicht so viele Gedanken.

Kann ja nicht so schwer sein, so ein Standdienst. Dann ging es los: Zwei einfache Glühwein bestellt – schon versagt. Weil Pfandmarken vergessen. Dann die nächsten Kunden: 1 mal Glühwein, ach nein 2 mal Glühwein – ah sie haben Heidelbeer, dann doch 1 mal Heidelbeer und 1 mal Glühwein – was kostet der? 1,30. Und der Heidelbeer? 2,00. Ok, hier ein Fünfer. Aber da kommt noch Pfand dazu. Ah ok, dann hier noch 50 Cent und das passt dann aufs Wechselgeld. – Äh wie? Verzweiflung. Sie machen das wohl nicht so oft?

Den Zettel neben der Kasse mit den Rechenbeispielen (1×1,30=2,30, 2×1,30=4,60, 3×1,30=6,90, …) hab ich da schon nicht mehr belächelt. Abi mit Mathe-Leistungskurs – und am Glühweinstand gescheitert. Das sind mal die Fakten.

P.S.: Wer hat oben nachgerechnet?

Zum Abschluss des Tages

Mit Schneefall begann er, im Vollmond versinkt er.

Advantage Herbst

Blitzlicht-Gewitter über ABC-Schützen

„… und darum bitte ich Sie, liebe Eltern, Verwandte und Freunde, das Fotografieren während des Gottesdienstes zu unterlassen. Es wird danach ausreichend Gelegenheit dazu geben“ – sprach der Herr Pfarrer und fand sich nur kurze Zeit später im Kreis der zu segnenden Schulkinder noch einmal umringt von einer ganzen Battalion von allem was in der Lage ist, Bild und Ton irgendwie festzuhalten. Die Frage, was wohl geschehen würde, würde Herr Pfarrer vor einem Gottesdienst ausdrücklich auffordern alles abzulichten, was der Akku hergibt, mag man sich da gar nicht mehr stellen.

Zum zweiten Mal als Repräsentant des Standes deutscher Familienväter bei der Einschulung seines Erbguts zugegen, und daher wohl auch mit etwas emotionalen Abstand gesegnet, der in der überbordenden Aufregung der Premiere beim älteren Filius noch nicht möglich war, merkt man erst, wie bescheuert wir Eltern uns doch an solchen Tagen aufführen. Als ginge es um die Dokumentation der Papstsegnung, dem Stapellauf eines Jahrhundertschiffes oder die 1. Marslandung, kein Detail des Geschehens darf unfotografiert vergehen, keine Gesangseinlage ungefilmt. Fällt eines Tages einer Außerirdischen Invasion unser gesamtes Datenmaterial in die Hände, sie ersticken in allein sicher 100 GB Fotos und Videomaterial des Einschulungstages am 14.8. einer einzigen Schule im hessischen Frankfurt.

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dA wAREN wIR: dOCUMENTA (13)

Gelebte Tradition von Herrn und Frau Endl: die Documenta – bewährt seit 1997.

Ein schöner Tag, vor allem weil das Wetter mitspielte und die Erkundung der Karlsaue mit all den kleinen Installationen und Pavillions zur Wanderung einlud. Witzig allerdings, dass zeitgleich die Zissel stattfand und im karnevalesken Umzug durch die Stadt zog. Die Mischung aus Umzug, Kirmes, Occupy-Zeltlager und documenta hatte schon was.

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Fast schon Mülldeponie – heute Weltnaturerbe

Gestern mit Kindern einen Ausflug in die Grube Messel, ein UNESCO Weltnaturerbe. Man erfährt dort beeindruckendes über Fossilien und die zweistündige Familienführung ist absolut auch mit jüngeren Kindern zu empfehlen.

Eigentlich unfassbar, dass man bis 1995(!!) noch darum stritt, ob das ganze zu einer riesigen Mülldeponie wird. Heute gilt die Grube Messel als einer der bedeutendsten Fund- und Grabungsstätten für Fossilien in Deutschland. Als trauriges Mahnmal ‚ziert‘ heute noch die fertige Mülldeponie-Zufahrtsstraße in die Senke. Dazu hat ein Baumittelhersteller schon mal prophylaktisch einen Hang vollgemüllt.

Aber schon auf der Hinfahrt wird man dem Irrsinn von Projekten unserer Gesellschaft gewahr. Irgendwo auf freiem Feld stand ein fertiges Brückensegment – ohne Brücke, ohne zugehöriger Straße oder Schiene, ohne Berg, Fluß oder sonstiges zu überwindendes Hindernis.