Category Archives: Fußball

Über den 1. FC Nürnberg und ein wenig mehr

90 Minuten Südamerika

Ein Buch. Mit ungewöhnlichem Titel, der Kombination von “90 Minuten”, die man mit dem Fußball assoziiert, und Südamerika, dem Kontinent auf der Südhalbkugel. Aber was ist das für ein Buch? Soll es ein Reiseführer a la Kerstin Gier sein? So ein “witziges” Anekdotenbuch über halb wahre und halb arrangierte Zufälligkeiten einer “verrückten” Reise? Oder ist es doch eher ein Szene-Buch aus dem Fan-Leben? Allein die Kombination “90 Minuten” und “Südamerika” spricht schon mal gegen Letzteres. Weil ein Fußballfan in der Regel nicht von “seinem” Südamerika spricht, wenn er nicht gerade ein zweiter Dettmar Cramer ist und “Weltenbummler” als Beruf hat. Genau so wenig wie man von “90 Minuten Europa” sprechen würde, da würde man eher an eine Power-Rundreise einer japanischen Reisegruppe denken denn an Fußball. Fußball-Fans reden von ihren Teams, von Mannschaften, nicht von Kontinenten. Und es gibt da noch eine (selbst von den “normalen” Vereins-Fans eher argwöhnisch beäugten) Gruppe von “Fans der Nationalmannschaft”, die von einem Land reden würden, aber einem Kontinent?

Was Mark Scheppert in seinen Buch beschreibt, soll wohl in der Tat eine autobiographische Erzählung seines Weges wiedergeben, wie er seine Liebe zum Fußball über seine Liebe zum Reisen nach Südamerika verband. Wie er, indem er möglichst weit weg war, eine Bindung zum deutschen Fußball entwickelte, also so ein “Fan der Nationalmannschaft” wurde. Er beschreibt es als Liebe zum Fußball, aber ganz verstehen kann ich es auch nach Lektüre der 156 Seiten nicht.

Als Blogger kriegt man (je nachdem auf welchen Verteilern man mal landete) ab und an Rezensionsexemplare zugeschickt. Mark Scheppert meinte, dass uns als Blogger von Clubfans United sein Buch vielleicht interessieren könnte – so als Fußball-Fans eben. Aber – und das ist auch der Grund, warum ich hier schreibe und nicht bei Clubfans United – mit Fußball-Fan eines Vereins hat sein Buch eigentlich so gut wie überhaupt nichts zu tun. Was Scheppert beschreibt in seinem – übrigens an manchen Stellen nicht ganz jugendfreien (das sei angemerkt) – Buch, ist eine Liebe zum Event Fußball, zum gesellschaftlich-emotionalen Spektakel, den diese 90 Minuten in einen auslösen können, die Faszination der Verbundenheit von wildfremden Menschen aufgrund einer Solidarisierung mit einer der beiden Protagonisten auf dem grünen Rasen, was soweit führen kann, dass sich wildfremde Menschen fernab des Geschehens als eine Gemeinschaft fühlen können, weil man nun eben bis zum Abpfiff einmal ganz patriotisch “Deutscher”, “Brasilianer” oder “Japaner” ist und auch sein darf und dabei alles hinter sich lassen was einen trennt und was einen persönlich belastet. Um dann nach Abpfiff wieder “normal” und ganz Kosmopolit zu werden. Der Fan eines Vereins ist dagegen mit sich und seinem Verein allein – er sucht eher die Gemeinschaft als Form der Selbsthilfegruppe.

Dass man über diese Erfahrungen eine Liebe zu einer “National”-Mannschaft entwickelt, die diese positiven Emotionen klammert, wird einem im Buch nahe gebracht. “90 Minuten Südamerika” wurde meine Klo-Lektüre – und auch wenn ich weiß, dass das despektierlich klingen kann, ist es so nicht gemeint. Die Anekdoten-hafte Erzählweise eignet sich hervorragende dafür und das Buch ist kurzweilig zu lesen. Man beginnt zu verstehen, was Scheppert beschreibt, wie er für sich selbst versucht drei Dinge auf einen Nenner zu bringen, sein notorischer Hang zu amourösen Erfahrungen (die bemerkenswert ausgeprägt zu sein scheint), sein Drang zu Reisen und die Begeisterung für Fußball, der in seiner Art eigentlich überhaupt nicht zu ihm zu passen scheint. Am Ende gelingt es Scheppert für sich selbst eine Erkenntnis daraus zu gewinnen und diesem Erkenntnisprozess folgt man interessiert und neugierig bis zum Ende. Was nicht bedeuten muss, deswegen die gleichen Schlüsse zu ziehen.

“90 Minuten Südamerika” ist kein Fußball-Buch über Fußball, wie ich ihn kenne, wie ihn wohl am ehesten Nick Hornby in Fever Pitch für immer unübertreffbar auf den Punkt brachte. Dieses Leiden um einen Verein, seine Entwicklung, den Auf- und Abstiegen. Grundlos, bisweilen vollkommen losgelöst vom zugrundeliegenden Sport, einfach notorisch, besessen, berauscht, verflochten. Die Nationalmannschaft mit ihrer jeweils wechselnden Zufallsgemeinschaft, die sich alle paar Monate mal trifft und bei der zusammenkicken muss, was sonst vereinsseitig sich nicht abkann, ist für diese Art Fansein gar nicht geeignet. Aber es ist interessant diese andere Art des Fansein einmal zu entdecken, einen Inneneinblick von jemanden zu bekommen, der einen diese Seite offenherzig gewährt.

Am Ende verabschiedete man sich mit Buchende von seiner Klolektüre mit Bedauern, weil man das Gefühl hatte ein Stück Weges mitgegangen zu sein, auch wenn die zugrundeliegenden Motive des Handelns, die gefällten Entscheidungen und auch die daraus gewonnene Erkenntnisse des Autoren über das Leben, den Fußball und die Liebe, nicht mit dem eigenen Verständnis der Dinge übereinkommen. Aber deswegen liest man ja Bücher. Um Dinge einmal anders zu sehen. Ich danke für das Rezensionsexemplar, Herr Scheppert.

Erhältlich als Taschenbuch 90 Minuten Südamerika oder als Kindle eBook 90 Minuten Südamerika u.a. bei Amazon

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Ja, ich gehe zum Frauen-Fußball!

Ich sage Ja zur Frauen-Fussball-WM in Deutschland und werde mir sogar den Klassiker Äquatorialguinea vs. Brasilien im Stadion ansehen.

Für meine Tochter. :-)

Alle Rechte an Tickets und deren Gestaltung gehören natürlich der FIFA.

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Abschiedsspiel

Heute Nachmittag spielt Bremen gegen Nürnberg – für mich kein normales Spiel.

Werder, das war Ronny, das war sein Verein. Und Ronny war mein Freund und Ronny ist nun nicht mehr da, er ist gestorben – mitten aus dem Leben gerissen.

Mit Ronny habe ich oft Fußball gesehen, manchmal am TV, manchmal in Sportsbars und manchmal im Stadion – vor allem in Frankfurt, wenn die Eintracht gegen den Club oder Werder spielte. Mit Ronny sah ich vor dem TV in seinem Wohnzimmer den Pokalsieg des FCN. Mit Ronny war ich im Frankenstadion 2008 (und da auch noch im Schalker Block), während unten auf dem Spielfeld “mein” FCN die letzte Chance verspielte und abstieg. Mit Ronny stand ich oft genug irgendwo, wo man uns gerade mitschleppte, ob im Baumarkt oder Einkaufszentrum, und starrten gemeinsam auf unsere Handys um die Spielstände und den jeweiligen Textticker zu verfolgen. – Nur eines haben wir nie gemacht: Uns Werder gegen den FCN gemeinsam angesehen, das wollten wir uns beide nicht antun.

Ich habe in den letzten Tagen viel gelesen (jetzt mal egal von welcher Seite), über die Relation von Fußball und dem “echten” Leben, ja ich durfte mir sogar anhören, dass ich doch wohl nichts gelernt habe aus dem Tod von Ronny, daraus keinen Bedarf an Korrektur der Bedeutung von Fußball gezogen habe. Ich kann sagen: Nein, das habe ich auch nicht. Denn es war auch gar nicht nötig und Ronny und ich waren vielleicht sogar ein Beleg dafür. – Diese Kritik war aber nicht der Grund für diese Zeilen, aber vielleicht waren sie ein Anstoß, die eigenen Gedanken zu sortieren.

Auch wenn Ronny und ich es mieden, die Partien Werder gegen den FCN gemeinsam zu verfolgen, so doch nur deswegen um uns nicht zu sehr verbiegen zu müssen – aus Rücksicht. Wir wollten uns die peinlichen Kommentare gegenseitig ersparen, wie “eure Niederlage war unverdient, das muss ich zugeben” oder “ihr habt eigentlich gut gespielt” etc. – Aber auch nicht mehr. Und wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte in Nürnberg oder Bremen gemeinsam ins Stadion zu gehen, dann hätten wir das auch gemacht. Warum auch nicht. Es ist doch nur Fußball.

Fußball, das interessierte uns einfach beide, aber es war für unsere Beziehung doch nie maßgeblich welchen Schal wir tragen. Wir fachsimpelten und kommentierten das Tagesgeschehen, gingen gemeinsam zum Public Viewing bei der WM oder besuchten auch mal ein A-Jugendspiel von Mainz gegen Werder. Fußball, weil Fußball ein tolles Thema ist, weil es uns interessierte. Aber die Relation zu dem was wirklich wichtig ist, Freundschaft, Leben, Gesundheit, Kinder und manchmal auch einfach Spaß zusammen zu haben, war nie in Frage gestanden. Wenn alle den Samstag am Baggersee verbringen wollten, dann musste Fußball eben mal ohne uns stattfinden.

Diese Dualität zwischen ‘Fußball ist wichtig’ und ‘Fußball ist aber nicht existenziell’, haben wir beide gleich verstanden und gelebt. Wir litten am Spieltag für unsere Vereine, und manchmal auch miteinander – weil wir Freunde waren.

In dem Jahr seines Todes läuft es für sein Werder gar nicht gut, statt den begeisternden Offensivfußball, den so viele Fußball-Fans in der Republik so anerkennen, rumpelte Werder schon die ganze Saison über den Acker. Es will einfach nicht laufen und so befindet sich Werder sogar bis heute im Abstiegskampf, wenn auch noch nicht in kritischer Lage. Und wenn ich mir für diese Saison noch etwas wünsche, dann dass “sein Werder” nicht absteigt. Das wünschte ich Werder eh nie, aber vor allem nicht in der Saison, in der er von uns ging.

Wenn heute Nürnberg, das ausgerechnet in diesem Jahr die Rollen getauscht zu haben scheint, oben steht, wo man sie unten erwartet hätte, und mit leidenschaftlichem Fußball begeistert, Werder besiegen sollte, wird es für die Bremer sogar noch kritischer.
Würde ich mich denn freuen können, wenn Nürnberg gewinnt? Ja, denn es ist Fußball, es ist Nebensache.
Werde ich traurig wenn ich an das Spiel denke und dabei an Ronny erinnert werde? Ja natürlich, denn das ist das echte Leben.
Fußball ist nie so wichtig gewesen, wie das manchmal nach außen auszusehen scheint. Nur weil man sich mit etwas (nach außen hin) viel beschäftigt, spiegelt das nicht unbedingt die wahre Bedeutung im Leben wieder.

Ein Spiel zu verlieren gehört einfach zum Sport, es gibt immer Gewinner und Verlierer, das ist der Sinn der Sache, das ist nichts dramatisches, da muss man nicht deswegen das Schicksal bemühen und in Pathos verfallen. Verlieren macht höchstens schlechte Laune.

Der Tod gehört zum Leben, aber jemand zu verlieren ist etwas dramatisches, man hadert mit dem Schicksal, man verfällt in Pathos und man fühlt in sich etwas unwiderbringlich verloren, ein Loch, das nie mehr gefüllt werden kann.

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Sieg der Hartplatzhelden vor dem BGH ein Pyrrhussieg?

Ein Kommentar

Das Amateur-Film-Fußballportal “Hartplatzhelden” hat vor dem BGH gesiegt! Das ist die gute Nachricht des Tages. Die Sorge, dass Väter, die die Spiele ihrer Söhne filmten und bei YouTube einstellten könnten künftig belangt werden, sind damit vorerst vom Tisch. Vorerst, doch vorweg die Pressemitteilung im Wortlaut:

Der u.a. für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden, dass ein Fußballverband es hinnehmen muss, wenn kurze Filmausschnitte von Amateurfußballspielen seiner Mitglieder im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden.

Die Beklagte betreibt unter der Internet-Adresse “www.hartplatzhelden.de” ein durch Werbeeinnahmen finanziertes Internetportal, in das Besucher von Amateurfußballspielen selbst aufgenommene Filme einstellen können, die einzelne Szenen des Spielgeschehens von ein- bis eineinhalbminütiger Dauer wiedergeben. Die Filmausschnitte können von anderen Internetnutzern kostenlos aufgerufen und angesehen werden.

Der Kläger, der Württembergische Fußballverband e.V., ist der Ansicht, dass ihm als Veranstalter der Spiele in seinem Verbandsgebiet das ausschließliche Recht zu deren gewerblicher Verwertung zusteht. Er hat daher von der Beklagten unter dem Gesichtspunkt der unzulässigen Leistungsübernahme, der wettbewerbswidrigen Behinderung sowie des Eingriffs in sein Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb Unterlassung verlangt.

Die Klage hatte vor dem Landgericht Stuttgart Erfolg. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte die Berufung zurückgewiesen und die Revision zugelassen.

Der Bundesgerichtshof hat ein ausschließliches Verwertungsrecht des klagenden Verbandes verneint und die Klage dementsprechend abgewiesen. Maßgeblich dafür war, dass die Veröffentlichung der Filmausschnitte entgegen der Ansicht des Oberlandesgerichts keine nach § 4 Nr. 9 Buchst. b UWG* unlautere Nachahmung eines geschützten Leistungsergebnisses darstellt. Die vom Kläger erbrachte Leistung der Organisation und Durchführung der Fußballspiele bedarf im Übrigen nach Ansicht des Bundesgerichtshofs keines solchen Schutzes. Der Kläger kann sich über die ihm angehörigen Vereine eine entsprechende wirtschaftliche Verwertung der Fußballspiele in seinem Verbandsgebiet dadurch hinreichend sichern, dass Besuchern der Fußballspiele Filmaufnahmen unter Berufung auf das Hausrecht untersagt werden. Unter diesen Umständen hat der BGH ein besonderes Ausschließlichkeitsrecht von Sportverbänden auch unter den weiteren vom Kläger herangezogenen Gesichtspunkten verneint.

Pressemitteilung vom 28.10.2010 | 17:17 – Pressefach: Bundesgerichtshof (BGH)

Was sich wie ein Sieg des Amateurfußballers gegen die bösen Verbände liest, wird erst im weiteren Verlauf zeigen müssen, ob man nicht einen Pyrrhussieg erkauft hat. Was am Ende sich zuspitzte war eine Art Schwarz-Weiß-Entscheidung zwischen geldgierigen Verbänden versus kleinem Amateurfussball, den keiner so recht beachtet, man sich aber trotzdem prophylaktisch mal die Rechte vorbehielt, weil man ja irgendwann mal ne Vermarktungsidee daraus entwickeln könnte.

Was mit “ausschließliches Verwertungsrecht” juristisch verklausuliert wird, meinte genau den Sachverhalt, ob denn ein Verband kategorisch einen Allein-Anspruch anmelden konnte, nur weil er die Organisation des Amateurfußballs stemmte – dem schob der BGH nun einen Riegel vor. Der Fußball gehört also nicht den Verbänden – das allein ist eine gute Feststellung! Aber ist sie die allein seeligmachende Erkenntnis? Nein.

Was der BGH deutlich macht, ist, soweit man dies der Pressemitteilung entnehmen kann, dass man ein “ausschließliches Verwertungsrecht des klagenden Verbandes verneint”, aber nur (sic!) weil man ja auf anderen Wegen die “wirtschaftliche Verwertung der Fußballspiele in seinem Verbandsgebiet [...] hinreichend sichern” könne, indem man einfach den “Besuchern der Fußballspiele Filmaufnahmen unter Berufung auf das Hausrecht untersagt”!

Was man nun gern freudestrahlend als Sieg der Hartplatzhelden für den Amateurfußball sehen möchte, könnte sich schon in Kürze in ein viel größeres Problem verwandeln, wenn nämlich die Vereine (evtl. durch die Verbände gedrängt) nun kategorisch (über das Hausrecht) jegliche Filmmitschnitte zu untersagen. Was sich dann gerade eben noch als Streit zwischen der wirtschaftlichen Verwertung eines Internetplattform gegen einen Verband darstellte (und genau genommen ging es eben darum, und nicht um die Rettung des Amateurfussballs, auch wenn es in der Sache fast auf das gleiche hinauszulaufen schien), könnte sich dann zu einem übergreifenden General-Verbot über das Hausrecht für alle Eltern und Hobbyfilmer entwickeln. Das wäre ein wahrlich teuer erkaufter Sieg.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verbände diesem Gedanken nicht folgen, bzw. die Mitglieder der Verbände entsprechend einwirken, dass es gerade im Amateurfußball nicht um Vermarktungsinteressen gehen sollte und erst Recht kein Platz für Eitelkeiten besteht, nur weil man vielleicht durch den BGH eine Niederlage kassierte und man eben auch anders könnte.

“Fair geht vor” ist ein Leitmotiv des Amateursports. Das sollte man auch hier allen Beteiligten ins Gebetbuch schreiben. Fairness bedeutet auch, dass man zwischen den verschiedenen Interessen, wozu neben Vermarktungsinteressen zum Wohle von Verband und Vereinen auch ein Publikationsinteresse der kleinen Medien und Beteiligten gehört, einen gerechten Ausgleich sucht. Erst dann hat dieses Urteil den Charakter eines Sieges für den Amateursport verdient.

Nachtrag: Hoffnung macht diese Aussage des WVF-Vizepräsident Michael Hurler, der nach dem Urteil der einen Schutz der Verwertung über das Hausrecht für unrealistisch hält: “Wir wehren uns ja nicht gegen das Filmen, sondern gegen das Verwerten.” (kicker.de). Hoffentlich mehr als eine Einzelmeinung!


In Ergänzung sei auf diesen Artikel “Wem gehört der Fußball?” bei spox.com verwiesen, sowie die Kommentare dazu.

Zitat aus einem Dialog von mir mit dem Verfasser mit Bezug auf den Artikel oben

Bailey :
@zielpublikum

Hab mir gerade deinen Kommentar den du verlinkt hast durchgelesen.
Auch eine sehr präzise Analyse dessen, was da gestern passiert ist.
In der Tat ist mir, als ich den Blog gestern geschrieben habe auch das Wort “Pyrrussieg” im Kopf herum gegangen.

Ich sehe die Aussage des WFV, es ginge nicht um die Filmerei per se sondern um die Verwertung ein wenig zweischneidig.
Denn zum einen bedeutet das, dass sie im Prinzip nichts dagegen haben, wenn irgendjemand Amateurspiele filmt und das vielleicht auch noch herumzeigt.
Auf der anderen Seite könnte man es freilich auch so interpretieren, dass der WFV Einrichtungen wie “Hartplatzhelden.de” in gewisser Weise “duldet”, und zwar solange, wie sich kein Geld mit dem Amateurfußball verdienen lässt bzw. solange Hartplatzhelden o.ä. nicht gewinnbringend arbeitet und sich da nichts verdienen lässt.
Sollte dies dann aber mal der Fall sein (und der Prozess ist die beste Publicity, die sie bekommen konnten) wäre man dann bereit, auf die Verein einzuwirken um deren Hausrecht in Kraft zu setzen.

Allerdings bleibt auch weiter fraglich, inwieweit dieser Einfluss dann wirklich reichen kann, da sich die betroffenen Vereine schon durch die Bank und auch schon in einem frühen Verfahrensstadium auf die Seite der Hartplatzhelden gestellt haben.
Aber die Sache kann dann 50:50 ausgehen.

Insoweit herrscht im Moment zumindest mal ein Burgfriede, der den Status quo aufrecht erhält.
Aber im Endeffekt stehen weder die Hartplatzhelden noch der WFV besser da als zuvor…

29.10.2010 | 16:23 Uhr 00
Zielpublikum : @bailey
Exakt! Es ist letztendlich keine Entscheidung getroffen, nur festgestellt worden, dass man wie beim Hornberger Schießen mit den gewählten Waffen nichts erreichen konnte. Nun aber kennt der Verband die Waffe der Wahl…

Ob die Vereine mitziehen ist überhaupt nicht absehbar. Die WFV hat aber ja schon im Vorfeld gesagt, dass sie sich als (sic!) Vertreter der Interessen der Vereine sieht, denn man versuche ja nur deren Verwertungsinteresse zu schützen – und hat damit auch so Unrecht nicht …

Man muss auch als Sympathisant der Hartplatzhelden durchaus zugeben, dass man hier eine ganz gefährliche Büchse der Pandorra aufmachte – ähnlich wie das Bosmann-Urteil, das ja auch im Grunde nur das Gute wollte, aber verheerend sich auswirkte. Reduziert man es um jegliche Sympathiewerte, steht sich nämlich hier ein gemeinnütziger Verband als Vertreter der kleinen Vereine und damit auch deren Mitglieder gegen einem kommerziellen Internet-Anbieter gegenüber. Das hört man sicher nicht gern, aber nur weil es die Hartplatzhelden bislang nicht schafften (egal ob gewollt oder nicht) satte Gewinne daraus zu erwirtschaften, heisst das ja nicht, dass es der nächste (dann ganz böööse) Unternehmer tut und sich auf das Feld beruft, das die Hartplatzhelden bereitet haben.

Daher: Ich sehe die Entwicklung nach der Entscheidung mit Argus-Augen…

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Rückblick: Die härtesten Minuten beim Public Viewing gegen England

Es ist so einer der Momente, in dem du dich nach Netzer und Delling in der Halbzeit zu sehnen beginnst …

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So schön kann Fußball sein – eine Mär

Ein Kommentar zur WM in Südafrika

“So schön kann Fußball sein” titelt Mr. Fachmagazin Kicker himself, Rainer Holzschuh, seine WM-Kolumne. Der Grund für seine Euphorie, die aber wohl mehr ein Ausdruck der Hoffnung sein dürfte, waren die Spiele der beiden Teams der iberischen Halbinsel vom gestrigen Tage. Trotz aller Freude kommt Holzschuh aber schnell vom Thema “schöner Fußball” ab und hin zu den fast schon skandalösen Misstönen (womit mal ausnahmsweise nicht die Tröten namens Vuvuzela gemeint sind) dieser WM. Es sind die offen geführten Diskrepanzen um Trainer und Teams, allen voran bei den Franzosen.

Aber mal ehrlich, dass was wir hier erleben ist doch nur frei nach dem Zauberlehrling: Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht wieder los.

Holzschuh beklagt (zu Recht!) den respektlosen Umgang mit anerkannten Fußball-Lehrern wie Domenech, Lippi und Capello, aber was ist daran nun wirklich schockierend? Es passt doch eigentlich nur ins Bild.

Seit Jahren ist medial doch längst kein Mittel mehr verboten und eine Ethik nicht mehr vorhanden. Jeder Verantwortliche wird sofort diskrediert, an den Pranger gestellt und bei der ersten Krise gefeuert. Die Spieler auf der anderen Seite werden hofiert, nach nur einer halbwegs passablen Saison als Nationalspieler gefordert, mit Millionen überhäuft und bestehende Verträge gelten nur als Preistreiber – als Verbindlichkeit sind sie längst überholt. Einen abwanderungswilligen Spieler kann man nicht halten, heißt es landläufig – warum eigentlich? Weil längst die Spieler das Zepter übernommen haben, die sportlich Verantwortlichen sind die Zampanos, die als erstes gehen dürfen, und die Vereine können es sich schlicht nicht mehr erlauben ihr Kapital, und das sind nun einmal heute mehr denn je nur die Spieler, zu beschädigen.

Sagte ich “Spieler”? Konkret müsste man sagen: Es ist der Markt- und Medienwert der Spieler, der zu bewahren ist. Und so zeigt diese WM vielleicht in einer nie dagewesenen Schonungslosigkeit auf, dass die sportliche Qualität dem hochgepushten Medienwert einzelner Protagonisten in keinster Weise entspricht.

Müssten ‘auf dem Papier’ hochkarätig besetzte Spitzenteams die Underdogs nicht nur besiegen, sondern sezieren und (taktisch, spielerisch und auch in punkte Fitness dank modernster Leistungsdiagnostik) zerlegen, müht sich die Millionentruppe gegen einfachste sportliche Defensivarbeit, basierend auf laufen und verteidigen. Würde man mancher Mannschaft schlicht eine individuelle Schwächephase oder interne Probleme zugestehen, ist die Häufigkeit der sportlich mehr als enttäuschenden Darbietungen vielleicht mehr als ein Indiz dafür, dass es mit dem “Schein” und dem “Sein” so eine Sache ist.

Vielleicht ist dies auch die eigentliche Wahrheit, die uns Carlos Dunga mit Brasilien vor Augen führt, der sich erst gar nicht auf den Schein einließ und sich eine Mannschaft zusammenstellte, bei denen ein Ronaldinho allen voran gar keinen Platz mehr fand. Die Erkenntnis, dass Fußball trotz aller Hysterie und Marketinggedöns Arbeit ist und auf der ein Marktwert nicht mehr ist, als eine Summe von Medienpräsenz und Vermarktungsgeschick.

Wie konnte es soweit kommen? Indem man den Fußball seit langem nur auf “Show” getrimmt hat. Damit das funktioniert braucht man Stars und Sternchen und eine Bühne. Und damit die Stars dort nicht zu schaden kommen, versucht man sie von der rauhen Realität fern zu halten. Die FIFA tut das bei der WM, indem sie mit einer mehr als zweifelhaften Direktive an ihre Schiedsrichter ausgab den “Kampfsport” Fußball zu vertreiben, damit nur noch die Hacke-Spitze-Fraktion ihr Ballett veranstaltet.

Doch selbst das reicht nicht aus, um die Unzulänglichkeiten zu übertünchen, die durch jahrelange Fußball-Entfremdung entstanden ist. Dazu zählt, dass man seit Jahren die Spreu vom Weizen sorgfältig zu trennen beginnt, indem man auf Regelungen (Stichwort: Salary Cap) verzichtet, die eine gleichmäßige Verteilung der Reichtümer aus dem Fußballgeschäft bedeuten würden. Statt dessen lässt man den nackten Kapitalismus wüten und manifestiert die Fußball-Upper-Class in einer eigens geschaffenen Operettenliga namens Champions-League. Statt ausgewogene Mannschaften in einer Mischung aus Kampfkraft und Kunst zu fördern, sammeln die wenigen Top-Mannschaften die Talente gleich en gros und lassen sie maximal auf Leihbasis auf Abruf ein wenig anderweitig üben, bis sie durch Spielpraxis heranreifen und dann wieder abgezogen werden.

So eine WM offenbart, was die fußballerische Inzucht der Ligen vertuscht, und nicht einmal Blatter und seine Schiedsrichter können dies kaschieren: Der Fußball ist von seiner Natur entwurzelt und die freie Zusammenstellung von Künstlern trifft auf schnöde Handwerksarbeit (in dem Falle: Fußwerksarbeit). Und die fehlende Übung im Liga-Alltag gegen Teams ähnlichen Strickmusters wie Hondoras oder Neuseeland, die fehlende Qualität mit schnöder Fitness und Leidenschaft für ihr Land kompensieren, macht sich eben bemerkbar. Und dazu kommt noch oben drauf, dass in den wenigen Top-Ligen nur noch selten auch die heimischen Top-Spieler zur Top-Qualität reifen, sondern eine Ansammlung gut vermarktbarer internationaler Zeitarbeiter, allen voran das Mutterland des Fußballs. Ein Wunder also, dass die vielleicht beste Liga der Welt nicht auch die beste Nationalmannschadt gebiert? Nicht wirklich.

Das Ergebnis ist das, was wir zu sehen bekommen: Sportliche Hilflosigkeit, überhebliche und respektlose Spieler (vor Vorgesetzten wie auch dem eigenen Land), Marionetten im Schiedsrichtergewand einer falschen Sportpolitik und ein paar Gastgeber-Fans, deren Getröte alle nervt, denen dies aber aus folkloristischer Sicht gebilligt wird, denn das ist ja auch deren einzige zugedachte Aufgabe: Buntes Beiwerk eines Spektakels, das allerdings den angekündigten Versprechungen nicht standhalten kann.

So ist das 7:0 Portugals gegen eine Mannschaft aus Nordkorea, von denen man immer noch nicht sicher weiß, ob ihnen Spieler “abhanden gekommen” sind und unter welchem Druck sie standen, nicht ‘das’ fußballerische Highlight, sondern ein Armutszeugnis einer nach Star-Sensationen heischenden Welt. Und nicht anders kam die fast euphorische Erwartung Klinsmanns an, der – selbst ein Kind des Star-Rummels – sich vor dem Spiel nicht mehr erhoffte als eine Deklassierung des Gegners aus Honduras. Doch trotz aller hochjubelnden Nachberichterstattung wird auch dieses 2:0 kein sportlicher Leckerbissen und wie sehr der Frust über die Konfrontation mit der rauhen Wirklichkeit außerhalb des fast inszenierten Fußball-Show-Biz ist, zeigen die Aussetzer und Unsportlichkeiten eines Kaka oder Villa, wobei letztere noch deutlich gravierender und in Anbetracht zweier bereits geschossener Tore noch bezeichnender ist.

Der Fußball ist vielleicht noch nicht so am Ende, wie es hier anklingen mag, aber doch auf einem schlechten Wege. Und die Spirale nach unten ist im Prinzip die gleiche wie in unserer Gesellschaft und Wirtschaft: Immer höhere Erwartungen werden geschürt und aufgepusht, immer schneller muss das Rad drehen, immer noch mehr, noch gigantischer, noch spektakulärer – und was nicht ist, wird dazu gemacht. Doch Fußball ist in einem Sinn noch unbeeinflussbar von Marketing und Medienhype: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und bei dieser WM kann man sich in großer Häufigkeit in jeweils 90 Minuten vom wahren Status Quo des Fußballs überzeugen.

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