6. Juli 2010

Es ist so einer der Momente, in dem du dich nach Netzer und Delling in der Halbzeit zu sehnen beginnst …
22. Juni 2010
Ein Kommentar zur WM in Südafrika
“So schön kann Fußball sein” titelt Mr. Fachmagazin Kicker himself, Rainer Holzschuh, seine WM-Kolumne. Der Grund für seine Euphorie, die aber wohl mehr ein Ausdruck der Hoffnung sein dürfte, waren die Spiele der beiden Teams der iberischen Halbinsel vom gestrigen Tage. Trotz aller Freude kommt Holzschuh aber schnell vom Thema “schöner Fußball” ab und hin zu den fast schon skandalösen Misstönen (womit mal ausnahmsweise nicht die Tröten namens Vuvuzela gemeint sind) dieser WM. Es sind die offen geführten Diskrepanzen um Trainer und Teams, allen voran bei den Franzosen.
Aber mal ehrlich, dass was wir hier erleben ist doch nur frei nach dem Zauberlehrling: Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht wieder los.
Holzschuh beklagt (zu Recht!) den respektlosen Umgang mit anerkannten Fußball-Lehrern wie Domenech, Lippi und Capello, aber was ist daran nun wirklich schockierend? Es passt doch eigentlich nur ins Bild.
Seit Jahren ist medial doch längst kein Mittel mehr verboten und eine Ethik nicht mehr vorhanden. Jeder Verantwortliche wird sofort diskrediert, an den Pranger gestellt und bei der ersten Krise gefeuert. Die Spieler auf der anderen Seite werden hofiert, nach nur einer halbwegs passablen Saison als Nationalspieler gefordert, mit Millionen überhäuft und bestehende Verträge gelten nur als Preistreiber – als Verbindlichkeit sind sie längst überholt. Einen abwanderungswilligen Spieler kann man nicht halten, heißt es landläufig – warum eigentlich? Weil längst die Spieler das Zepter übernommen haben, die sportlich Verantwortlichen sind die Zampanos, die als erstes gehen dürfen, und die Vereine können es sich schlicht nicht mehr erlauben ihr Kapital, und das sind nun einmal heute mehr denn je nur die Spieler, zu beschädigen.
Sagte ich “Spieler”? Konkret müsste man sagen: Es ist der Markt- und Medienwert der Spieler, der zu bewahren ist. Und so zeigt diese WM vielleicht in einer nie dagewesenen Schonungslosigkeit auf, dass die sportliche Qualität dem hochgepushten Medienwert einzelner Protagonisten in keinster Weise entspricht.
Müssten ‘auf dem Papier’ hochkarätig besetzte Spitzenteams die Underdogs nicht nur besiegen, sondern sezieren und (taktisch, spielerisch und auch in punkte Fitness dank modernster Leistungsdiagnostik) zerlegen, müht sich die Millionentruppe gegen einfachste sportliche Defensivarbeit, basierend auf laufen und verteidigen. Würde man mancher Mannschaft schlicht eine individuelle Schwächephase oder interne Probleme zugestehen, ist die Häufigkeit der sportlich mehr als enttäuschenden Darbietungen vielleicht mehr als ein Indiz dafür, dass es mit dem “Schein” und dem “Sein” so eine Sache ist.
Vielleicht ist dies auch die eigentliche Wahrheit, die uns Carlos Dunga mit Brasilien vor Augen führt, der sich erst gar nicht auf den Schein einließ und sich eine Mannschaft zusammenstellte, bei denen ein Ronaldinho allen voran gar keinen Platz mehr fand. Die Erkenntnis, dass Fußball trotz aller Hysterie und Marketinggedöns Arbeit ist und auf der ein Marktwert nicht mehr ist, als eine Summe von Medienpräsenz und Vermarktungsgeschick.
Wie konnte es soweit kommen? Indem man den Fußball seit langem nur auf “Show” getrimmt hat. Damit das funktioniert braucht man Stars und Sternchen und eine Bühne. Und damit die Stars dort nicht zu schaden kommen, versucht man sie von der rauhen Realität fern zu halten. Die FIFA tut das bei der WM, indem sie mit einer mehr als zweifelhaften Direktive an ihre Schiedsrichter ausgab den “Kampfsport” Fußball zu vertreiben, damit nur noch die Hacke-Spitze-Fraktion ihr Ballett veranstaltet.
Doch selbst das reicht nicht aus, um die Unzulänglichkeiten zu übertünchen, die durch jahrelange Fußball-Entfremdung entstanden ist. Dazu zählt, dass man seit Jahren die Spreu vom Weizen sorgfältig zu trennen beginnt, indem man auf Regelungen (Stichwort: Salary Cap) verzichtet, die eine gleichmäßige Verteilung der Reichtümer aus dem Fußballgeschäft bedeuten würden. Statt dessen lässt man den nackten Kapitalismus wüten und manifestiert die Fußball-Upper-Class in einer eigens geschaffenen Operettenliga namens Champions-League. Statt ausgewogene Mannschaften in einer Mischung aus Kampfkraft und Kunst zu fördern, sammeln die wenigen Top-Mannschaften die Talente gleich en gros und lassen sie maximal auf Leihbasis auf Abruf ein wenig anderweitig üben, bis sie durch Spielpraxis heranreifen und dann wieder abgezogen werden.
So eine WM offenbart, was die fußballerische Inzucht der Ligen vertuscht, und nicht einmal Blatter und seine Schiedsrichter können dies kaschieren: Der Fußball ist von seiner Natur entwurzelt und die freie Zusammenstellung von Künstlern trifft auf schnöde Handwerksarbeit (in dem Falle: Fußwerksarbeit). Und die fehlende Übung im Liga-Alltag gegen Teams ähnlichen Strickmusters wie Hondoras oder Neuseeland, die fehlende Qualität mit schnöder Fitness und Leidenschaft für ihr Land kompensieren, macht sich eben bemerkbar. Und dazu kommt noch oben drauf, dass in den wenigen Top-Ligen nur noch selten auch die heimischen Top-Spieler zur Top-Qualität reifen, sondern eine Ansammlung gut vermarktbarer internationaler Zeitarbeiter, allen voran das Mutterland des Fußballs. Ein Wunder also, dass die vielleicht beste Liga der Welt nicht auch die beste Nationalmannschadt gebiert? Nicht wirklich.
Das Ergebnis ist das, was wir zu sehen bekommen: Sportliche Hilflosigkeit, überhebliche und respektlose Spieler (vor Vorgesetzten wie auch dem eigenen Land), Marionetten im Schiedsrichtergewand einer falschen Sportpolitik und ein paar Gastgeber-Fans, deren Getröte alle nervt, denen dies aber aus folkloristischer Sicht gebilligt wird, denn das ist ja auch deren einzige zugedachte Aufgabe: Buntes Beiwerk eines Spektakels, das allerdings den angekündigten Versprechungen nicht standhalten kann.
So ist das 7:0 Portugals gegen eine Mannschaft aus Nordkorea, von denen man immer noch nicht sicher weiß, ob ihnen Spieler “abhanden gekommen” sind und unter welchem Druck sie standen, nicht ‘das’ fußballerische Highlight, sondern ein Armutszeugnis einer nach Star-Sensationen heischenden Welt. Und nicht anders kam die fast euphorische Erwartung Klinsmanns an, der – selbst ein Kind des Star-Rummels – sich vor dem Spiel nicht mehr erhoffte als eine Deklassierung des Gegners aus Honduras. Doch trotz aller hochjubelnden Nachberichterstattung wird auch dieses 2:0 kein sportlicher Leckerbissen und wie sehr der Frust über die Konfrontation mit der rauhen Wirklichkeit außerhalb des fast inszenierten Fußball-Show-Biz ist, zeigen die Aussetzer und Unsportlichkeiten eines Kaka oder Villa, wobei letztere noch deutlich gravierender und in Anbetracht zweier bereits geschossener Tore noch bezeichnender ist.
Der Fußball ist vielleicht noch nicht so am Ende, wie es hier anklingen mag, aber doch auf einem schlechten Wege. Und die Spirale nach unten ist im Prinzip die gleiche wie in unserer Gesellschaft und Wirtschaft: Immer höhere Erwartungen werden geschürt und aufgepusht, immer schneller muss das Rad drehen, immer noch mehr, noch gigantischer, noch spektakulärer – und was nicht ist, wird dazu gemacht. Doch Fußball ist in einem Sinn noch unbeeinflussbar von Marketing und Medienhype: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und bei dieser WM kann man sich in großer Häufigkeit in jeweils 90 Minuten vom wahren Status Quo des Fußballs überzeugen.
10. Juni 2010

Endlich! Der hanuta-/duplo-/kinder riegel-WM 2010-Teamsticker-Generator!
Jogi! Ich stehe für Nachberufungen zur Verfügung!
6. Juni 2010

Wie man sieht, sieht man nix.
Weiß nicht, was man sich so durch die Medien von der Verabschiedung der DFB-Elf für ein Bild macht, die Realität jedenfalls ist brotlangweilig und maximal mit einer Neigung zur Ironie zu goutieren. Heute sind wir kurzentschlossen zum Fraport-Event losgetigert, Sohnemann und Nachbarsjunge. Vielleicht kriegt man ja einen Nationalspieler zu sehen. Tatsächlich wird man in den Terminal 2 gelotst und dort von einer Menschenmasse erwartet. Die Schlange für einen (kostenpflichtigen) Besuch der Dachterasse ging quer durch die Halle, direkt vorne an der (kostenfreien) Glaswand hatte man die Hälfte des Platzes freundlicherweise für einen Bühnenaufbau verbaut.
Ich weigerte mich schlicht ohne weitere Erklärungen gegenüber den Begleitern mich anzustellen und verbrachte die fehlende Stunde mehr gelangweilt, bis die Sache doch noch eine gewisse Ironie bekam. Nicht, dass der Abflug dann verspätet sein sollte, das war ja fast klar. Witzig war, dass man die Dachterasse sperrte wegen des Wetters und alle Anstehenden wegschickte und die bereits außen im Regen seit quälenden Minuten vielleicht sogar eine Stunde Wartenden “entfernte”. *gngngn
Tatsächlich hätte man eh maximal eine Schwanzflosse des A380 zu sehen bekommen. Die verwunderten Fragen meiner Begleiter, ob die nicht durch die Menge irgendwie durchlaufen würden, quittierte ich mit einem mitleidigen: Schon mal geflogen? Oh, Check-In und so. Genau.
Wir fuhren dann, immerhin ist morgen Schule. 12 Euro Parkgebühr für knapp über 2 Stunden ist ja auch genug für so ein Hammer-Event.
2. Juni 2010
Johannesburg 11.07.2010 – Autokorsos in allen deutschen Städten. Bundespräsidentin Ursula von der Leyen hob zur Feier des Tages die IP-Sperren für deutsche Fußball-Blogs für 24 Stunden auf und feierte ausgelassen mit Angela Merkel und Wolfgang Schäuble im Kanzleramt. Die überraschend für das aus politischen Gründen (siehe Artikel: “Vuvuzela und der diplomatische Misston”) einen Tag vor dem ersten Spiel abgereiste Team der Nordkoreaner nachnommierte Mannschaft “Deutschland II” bezwingt in einem an Dramaturgie kaum zu überbietenen Endspiel die Mannschaft aus Griechenland. Außenminister Westerwelle ließ es sich nicht nehmen, der Mannschaft persönlich mit den Worten “Take that golden thing from me! That was the hammer and I outside me before joy!” den Pokal zu überreichen, nachdem er den Pokal dem überraschten FIFA-Präsidenten Blatter aus den Händen gerissen hatte. Beckenbauer tröstete Blatter später mit den Worten: “Ja, so isser halt, der Guido”
Die Mannschaft der Aussortierten, wie die Boulevardpresse höhnisch am Anfang die Nachnomminierung kommentierte, um Kapitän Frings, zeigte eine außergewöhnliche Energieleistung, die WM-Torschützenkönig Kuranyi augenzwinkernd auf den übermäßigen Genuß einer alternativen Nuss-Nougat-Creme zurückführte. Sein kongenialer Sturmpartner Thurk sowie die Offensivkräfte Neuville und Asamoah knackten spät aber verdient die griechische Euro-Festung mit zwei Toren in der Nachspielzeit, nachdem Charisteas früh zur 1:0 Führung nach feinem Solo cool am bisher nahezu unüberwindbaren Torwart-Titan Lehmann einnetzte und schon wie der sichere Sieger aussah.
Doch der eigentliche Garant des Erfolgs war der Defensivverbund von Deutschland II um ein überragendes Innenverteidiger-Duo Metzelder/Hummels, den Defensivstrategen Hitzlsperger und Frings, sowie den Außenverteidigern Beck und der etwas überraschend nomminierte Juri Judt vom 1. FC Nürnberg, da dieser sich zufällig in der Gegend aufhielt. Der Schachzug von Teamchef Christoph Daum, der nach seiner Entlassung in der Türkei das Publikumsvoting unter der Organisation von Raab “Deutschland sucht den zweiten Anzug” (DSDZA) gewann, Judt, der den bis dahin überragenden Goalgetter Charisteas aus Nürnberger Trainingseinheiten kennt, als direkten Gegenspieler auf die Außenbahn zu stellen, erwies sich bis auf den Geniestreich in der 8. Minute als absoluten Volltreffer.
Kuranyis Dank auch aus diesem Grund an Judt, konnte er so mit seinen beiden Treffern im letzten Moment noch an Charisteas vorbeiziehen, dem nach dieser Leistung ein Millionenangebot von Manchester City vorliegt. Nürnbergs Manager winkte aber bereits ab: “Wir wollen ein Team um Charisteas aufbauen, jetzt wo endlich der Knoten bei ihm geplatzt ist!” (Gerüchte, dass es nach Baders Interview Ausschreitungen an der FCN-Zentrale am Valznerweiher gegeben habe, konnten bisher nicht bestätigt werden).
Die bereits im Achtelfinale gegen Algerien ausgeschiedene Mannschaft Deutschland I zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte den Weltmeistern. Nur der ehemalige Capitano blieb untröstlich: “Dieses eine Mal wäre ich gern bei den Zweiten gewesen…”. Doch der überraschend genesene Ballack hatte sich bei Raabs DSDZA dem Konkurrenz-Team unter der Führung von Lothar Matthäus zur Verfügung gestellt, die aber bereits in der Vorentscheidung in Bochum gegen das Jürgen Klinsmann-Team (Matthäus: “Ein Skandal! Das ist Betrug sowas aber echt!” ausschieden. Daum kündigte noch nach der Siegerehrung an, die wiedervereinigte gesamtdeutsche Nationalmannschaft zu übernehmen. Bayern-Präsident Hoeneß erklärte daraufhin, dass der FC Bayern München nicht mehr am Spielbetrieb in Deutschland teilnehmen und gemäß der europäischen Richtlinien für unternehmerische Freizügigkeit einen Antrag für die Teilnahme an der Serie A gestellt habe.
17. Februar 2010

… und Erwachsne ebenso.
25. November 2009
Tja, kann natürlich passieren, so in der Hitze des Gefechts und wenn man mal so ein Interview zu einem höchstbrisanten Thema gibt. Da sagt man sowas schon mal so dahin und irrt sich. Happens!
“Der DFB-Präsident hat mir gegenüber in einem Telefongespräch erklärt, dass er seine Äußerungen so getätigt und autorisiert habe. Ihm sei jedoch erst später bewusst geworden, dass er sich geirrt habe”, so Rauball.
Zudem war seine Aussage auch nicht so wirklich zwingend eindeutig.
Bereits am vergangenen Samstag hatte der 64-Jährige DFB-Präsident bekannt, von den Entwicklungen nicht überrumpelt worden zu sein. “Das ist ja gar nichts Neues. Wir wussten, dass die Staatsanwaltschaft sich einem Ergebnis nähert”, hatte der gelernte Jurist geäußert.
Klar, dass jedem anderen ein Strick draus gedreht würde. Auch klar, dass das nicht so zwingend dazu beiträgt, dass man an die Unerschütterbarkeit der Aussagen unserer sportpolitischen Leitfiguren zukünftig mehr glaubt als eh schon.
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