Category Archives: Gesellschaft

Flaschensammler

Deutschland im 21. Jahrhundert. Vorne am Parkplatz parken ein Audi Q5, ein Cayenne, zwei Mercedes und diverse Mittelklasselimousinen, hinten kramt ein Mann mittleren Alters in einer Mülltonne nach Flaschenpfand.

Wo genau haben wir eigentlich die Abzweigung verpasst, als wir aus dem Ziel ‘Wohlstand für alle’ wieder eine Separierung von ‘Reichtum und Not’ haben werden lassen? Oder ist das einfach die Natur des Menschen?

Der Neugier fehlt das Prinzip

Menschen sind von Natur aus neugierig, aber es definiert sie nicht, denn dazu müsste es nachhaltig sein.

Die Neugier des Mensches endet in dem Moment, wo er die vier F-Worte zum überleben erlernt hat: Fressen, Fortbewegung, Fortpflanzung, Fernsehen. Ist das erreicht, sind alle weiteren Veränderungen notwendiges Übel. Und zu “notwendig” gehört bspw. gesellschaftlicher Druck mal was Neues haben zu müssen oder die Erkenntnis, dass das Behalten des Alten anstrengender ist als die Auseinandersetzung mit Neuem – Paradebeispiele sind handwerkliche Reparaturen und persönliche Beziehungen. Es ist auch nicht so, dass der Mensch nicht generell ab und an etwas Neues nicht zu schätzen wüsste, aber was genau und welcher Art, das für ihn herauszufinden überlässt er gern anderen – früher der Werbung, heute den Sozialen Netzwerken.

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Herausforderungen

Was ist eigentlich die größere Herausforderung für den Menschen?

Etwas nicht zu können,
etwas nicht zu sollen
oder etwas nicht zu dürfen

was man will,
was einem aber nicht gut tut?

Mir ist jetzt noch schlecht, wenn ich dran denke.

Heute morgen an der Königsteiner Straße/(Schulweg-)Ampel – Müllauto steht auf Straße, kommendes Auto schert schwungvoll aus, sieht wohl auch die vom Müllwagen verdeckte Ampel gar nicht und rast unter Rot drüber. Eine Schulklasse mit 8-10 Kindern stand gerade dort und wollte losgehen… Ein Wimpernschlag und das Leben von vielen wäre jetzt nicht mehr das gleiche.

Leute, leute. Nix auf der Welt kann so dringend sein, dass es das Wert gewesen wäre …

Warum ich mich vor dem Hobbit fürchte

Weil ich mich sorge, dass Jackson auch diesen Teil zu einem Jackson-Film gemacht haben wird.

Man müsste da zu weit ausholen, daher versuch ich es sehr verkürzt. In den Herr der Ringe-Büchern ging es darum, dass ein Volk, die Auenländer, in eine Weltgeschichte geworfen wurden und darin eine Rolle zu spielen hatten, die für ihr Selbstverständnis zu groß war – in allen Belangen – und die es trotzdem bestanden, weil sie Werte hatten, die größer waren. Dazu hätte man das erst mal herausarbeiten müssen, den Zuschauer hinein versetzen, was im Kino nicht geht, deswegen galt das Buch auch zu Recht als unverfilmbar. Was aber Jackson darüber hinaus machte, war ein Menschheits-Epos zu zimmern, in dem Humanoide die Helden waren, die anderen die netten, mitunter lustigen Helfer (wie man überall seinen Jar Jar Binks braucht) oder bösen Gestalten. Es fehlte die Leichtigkeit der Hobbits, die sich immer wieder gegen das zunehmende Grauen zur Wehr setzte – nicht mit Waffen, sondern aus sich selbst heraus, ihrem Wesen. Und es fehlten elementare Figuren, wie Tom Bombadil. Allein die Hektik der Ents konterkarierte alles, was das Buch auszeichnete. – Es wurde ein Schlachtgemetzel mit ‘schön viel’ Grauen – eben Jackson. Ich hab mir die Filme auch gern angesehen, da gut gemacht, aber mit den Büchern haben sie eben nicht viel gemein. Oder anders: So hätte wohl ein menschlicher Chronist die Ereignisse beschrieben, nicht Tolkien.

Wer sich auf die Bücher einließ, der fand sich erkannt – weil wir Menschen wie die Auenländer in der Regel eben keine Helden sind, sonder kleine Lichter, von denen man nicht mal Notiz nimmt. Und doch werden manche von uns in Ereignisse hineingezogen und müssen dort dann so einen entscheidenden Schmetterlingsflügelschlag für die Geschichte tun, ohne eigentlich in die Gesellschaft der großen Rädchendreher hinein zu passen. Keine „Earthshakers und Historymakers“, weil wir uns still und heimlich lieber auf unseren Fernsehsessel an einem alltäglichen Abend in einer alltäglichen Woche wünschen, als die Geschichte zu beeinflussen.

Diese Geschichte erzählte mir Tolkien. Jackson muss er wohl eine andere erzählt haben.

Neulich am Glühweinverkauf

2,80, 3,20, 1,10, 2,90, Grüß Gott!, 2,70, 2 mal 1,20, 1,30, Grüß Gott!, 1,90 macht 18,30 – haben sie 30? – dann die 2 auf die 20 und schönen Tag! Ach Frau Meier, 1,10, 1,90, das sind 3 mal 70, Grüß Gott!, und 1,10 …

Ich wohnte früher über einem kleinen Einkaufsladen in meinem Dorf und in den Zeiten als es noch keine digitalen Scannerkassen gab, da ging das so bei der Chefin an der Kasse den ganzen Tag. Mit der Registrierkasse und zur Not auch im Kopf, während man nebenbei noch Kunden begrüßte und manchmal ein Schwätzchen hielt. Großes Kino!

Daran musste ich denken, als ich am Sonntag am Höchster Weihnachtsmarkt meinen Standdienst für den Schwimmverein beim Glühweinverkauf bezog. Genauer gesagt: Ich musste danach daran denken, davor machte ich mir nicht so viele Gedanken.

Kann ja nicht so schwer sein, so ein Standdienst. Dann ging es los: Zwei einfache Glühwein bestellt – schon versagt. Weil Pfandmarken vergessen. Dann die nächsten Kunden: 1 mal Glühwein, ach nein 2 mal Glühwein – ah sie haben Heidelbeer, dann doch 1 mal Heidelbeer und 1 mal Glühwein – was kostet der? 1,30. Und der Heidelbeer? 2,00. Ok, hier ein Fünfer. Aber da kommt noch Pfand dazu. Ah ok, dann hier noch 50 Cent und das passt dann aufs Wechselgeld. – Äh wie? Verzweiflung. Sie machen das wohl nicht so oft?

Den Zettel neben der Kasse mit den Rechenbeispielen (1×1,30=2,30, 2×1,30=4,60, 3×1,30=6,90, …) hab ich da schon nicht mehr belächelt. Abi mit Mathe-Leistungskurs – und am Glühweinstand gescheitert. Das sind mal die Fakten.

P.S.: Wer hat oben nachgerechnet?

Wann dürfen/dürften Deine Kinder selbst auf Facebook?

Würde mich freuen, wenn ihr mitmacht bei der Umfrage: read more »