Category Archives: Gesellschaft

Von A nach B

Solange eine Gesellschaft es für wertvoller erachtet
wenn einer ein Häufchen Geld von A nach B verschiebt
als wenn einer einen Menschen von A nach B schiebt
hat sie ein größeres Problem
als sie sich eingestehen will.

Eine gute Wahl

Ich bin mit der Bundestagswahl 2013 höchst zufrieden. Und das nicht nur wegen der guten FDP-Witze – und mit dem tatsächlichen Wahlausgang hat das auch insgesamt wenig zu tun.

Ich bin zufrieden, weil ich unglaublich viele Gespräche über Politik in meinen sozialen Medien mitbekommen habe.

Politik, das war lange Zeit ein totales Non-Thema, jetzt wird wieder darüber diskutiert, auch gestritten, gewitzelt oder gerätselt. Wer mit wem? Warum nur so oder so? Haste nicht gesehen? Wer meinste wird? Ich erinnere mich an ganz andere Zeiten.

Vielleicht ist das ja nur so in meiner “Peer-Group” (nicht verwandt oder verschwägert mit gewissen SPD-Politikern), aber ich merke es auch an meinen Kindern. Mein Sohn (10) sitzt mit mir um 18:00 Uhr gespannt vor der ersten Hochrechnung, meiner Tochter (7) muss ich auf dem Weg zur Schule erklären, welche Partei eigentlich was macht … und komm dabei gehörig ins Schwitzen. Und das nicht nur an einem Tag, an vielen Tagen. Wir schauen uns Wahlplakate an, stolpern über komische Aussagen. Meine eigene politische Ansicht wird hinterfragt und es wird um Erklärungen gebeten.

Wir reden wieder über Politik, scheinbar ist das generell wieder in der Gesellschaft angekommen. Und egal ob einen dann die Ergebnisse im Einzelnen in den politischen Kram passen, irgendwie scheint die “Null-Bock-auf-Politik”-Phase vorbei zu sein, man will wieder Politik verstehen, mit beeinflussen, vielleicht auch mit gestalten. 71,5 % Wahlbeteiligung, das ist nach wie vor kein wirklich guter Wert, aber zumindest ist der freie Fall seit 2002 ein wenig gestoppt. Ein Anfang. Immerhin.

Mir gefällt das. Das ist ein guter Weg. Das ist eine gute Wahl.

Geht wählen!

Meint ihr denn, dass ich das gern mache?! Schauste dir die Mischpoke doch nur an, da brauchst du deine Hand nicht rumdrehen. Und ändern wird sich eh nur marginal was. Und woran es gelegen hat, wenn dann wirklich mal was besser (oder schlechter) wurde, weiß man sowieso eh nie so genau. Wenn man ehrlich ist, dann glaubt man doch eh, dass die Verbesserung der Wirtschaftsdaten längst jenseits der politischen Einflussnahme ist und entsprechend es quasi Roulette ist, wer gerade die Arschkarte gezogen hat und sparen muss oder wer den Goldesel kriegte und Geschenke verteilen darf.

Und trotzdem! Geht wählen!

Weil es einfach stimmt, read more »

Vorschlag

Die einen sind das ganze Leben lang bestrebt
endlich so zu sein wie alle anderen,
das zu haben, was alle haben,
einfach dabei zu sein.

Die anderen sind das ganze Leben lang bestrebt
endlich anders zu sein wie alle anderen,
individuell zu sein, weg vom Mainstream,
einfach sich zu unterscheiden.

Vielleicht sollten die einfach tauschen.

Jugendsprache im Schnellkurs

Es ist eigentlich schnell gelernt:

1. Lass Artikel und Präposition weg
2. Subjekt, Prädikat, Objekt reicht
3. Nutze ‘sch’ reichlich
4. Versuche im Präsenz zu bleiben
5. Benenne das Geschlecht vor jedem Satz

So wird schnell aus:
“Hör doch bitte auf andauernd zu spielen und geh mal ein bisschen an die frische Luft”

Das auch für Jugendliche verständliche:
“Junge, mach Handy weg und geh Wiese!”

Vielleicht klappt das ja effizienter in der Ansprache.

Wer es genauer wissen will, kann ja mehr über Ethnolekt nachlesen. Ups, sorry: Junge, Ethnolekt mussu lernen!

Aber nicht solange du deine Füße unter meinen … aber das kennt ihr ja alle.

Warum #Neuland mehr ist als nur ein dummes Wort

Als Angela Merkel in der Rede anlässlich des Besuchs von Barack Obama vom Internet als “Neuland” sprach, war die nächste Meme schon geboren. Hashtag #Neuland eroberte die Charts, Kalauer gaben sich die Klinke und Hohn und Spott ergossen sich über die Kanzlerin aus dem “Und alle so Yeah!”-Medium. “Angela Merkel im #Neuland der Häme” brüskierte sich daraufhin die FAZ und verwies darauf, dass im eigenen Schulterblick (im Agentur-Jargon Hausfrauentest) der Autor erkannte, dass Frau Merkel doch nur die tatsächlichen Gegebenheiten berücksichtige – oder kurz: Dieses Internet, dass ist doch nach wie vor nur was für eine “winzige Minderheit”. So so…

Ha Ha. Dabei hat Merkel recht. Es mögen zwar sehr viele Menschen im Internet sein. Wer sich in seinem Bekanntenkreis aber genauer umhört, wer wie viele Dienste seines neuen Handys wie intensiv nutzt, wer wirklich auf Twitter engagiert ist oder andere Social-Media-Plattformen nutzt, wird feststellen, dass er als (überzeugter) Twitter-Nutzer zu einer winzigen Minderheit gehört. (FAZ)

Als mein Vater mich fragte, was denn “die im Internet” zu einem Produkt meinten, nachdem man von den Möglichkeiten der Recherche im WWW schwadronierte, war das auch noch ein Schenkelklopfer im Bloggersdorf. Doch liegt die Anekdote nun gut und gern auch schon wieder 5-6 Jahre zurück, der Vater hat zwischenzeitlich ein eigenes Laptop, stimmt seine Freizeitaktivitäten im Rentnerdasein via E-Mail ab und schaut sich YouTube-Videos an, wie man bestimmte Produkte effizienter einsetzt. Und Bloggersdorf ist auch schon abgebrannt.

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Flaschensammler

Deutschland im 21. Jahrhundert. Vorne am Parkplatz parken ein Audi Q5, ein Cayenne, zwei Mercedes und diverse Mittelklasselimousinen, hinten kramt ein Mann mittleren Alters in einer Mülltonne nach Flaschenpfand.

Wo genau haben wir eigentlich die Abzweigung verpasst, als wir aus dem Ziel ‘Wohlstand für alle’ wieder eine Separierung von ‘Reichtum und Not’ haben werden lassen? Oder ist das einfach die Natur des Menschen?