Category Archives: Kultur

90 Minuten Südamerika

Ein Buch. Mit ungewöhnlichem Titel, der Kombination von “90 Minuten”, die man mit dem Fußball assoziiert, und Südamerika, dem Kontinent auf der Südhalbkugel. Aber was ist das für ein Buch? Soll es ein Reiseführer a la Kerstin Gier sein? So ein “witziges” Anekdotenbuch über halb wahre und halb arrangierte Zufälligkeiten einer “verrückten” Reise? Oder ist es doch eher ein Szene-Buch aus dem Fan-Leben? Allein die Kombination “90 Minuten” und “Südamerika” spricht schon mal gegen Letzteres. Weil ein Fußballfan in der Regel nicht von “seinem” Südamerika spricht, wenn er nicht gerade ein zweiter Dettmar Cramer ist und “Weltenbummler” als Beruf hat. Genau so wenig wie man von “90 Minuten Europa” sprechen würde, da würde man eher an eine Power-Rundreise einer japanischen Reisegruppe denken denn an Fußball. Fußball-Fans reden von ihren Teams, von Mannschaften, nicht von Kontinenten. Und es gibt da noch eine (selbst von den “normalen” Vereins-Fans eher argwöhnisch beäugten) Gruppe von “Fans der Nationalmannschaft”, die von einem Land reden würden, aber einem Kontinent?

Was Mark Scheppert in seinen Buch beschreibt, soll wohl in der Tat eine autobiographische Erzählung seines Weges wiedergeben, wie er seine Liebe zum Fußball über seine Liebe zum Reisen nach Südamerika verband. Wie er, indem er möglichst weit weg war, eine Bindung zum deutschen Fußball entwickelte, also so ein “Fan der Nationalmannschaft” wurde. Er beschreibt es als Liebe zum Fußball, aber ganz verstehen kann ich es auch nach Lektüre der 156 Seiten nicht.

Als Blogger kriegt man (je nachdem auf welchen Verteilern man mal landete) ab und an Rezensionsexemplare zugeschickt. Mark Scheppert meinte, dass uns als Blogger von Clubfans United sein Buch vielleicht interessieren könnte – so als Fußball-Fans eben. Aber – und das ist auch der Grund, warum ich hier schreibe und nicht bei Clubfans United – mit Fußball-Fan eines Vereins hat sein Buch eigentlich so gut wie überhaupt nichts zu tun. Was Scheppert beschreibt in seinem – übrigens an manchen Stellen nicht ganz jugendfreien (das sei angemerkt) – Buch, ist eine Liebe zum Event Fußball, zum gesellschaftlich-emotionalen Spektakel, den diese 90 Minuten in einen auslösen können, die Faszination der Verbundenheit von wildfremden Menschen aufgrund einer Solidarisierung mit einer der beiden Protagonisten auf dem grünen Rasen, was soweit führen kann, dass sich wildfremde Menschen fernab des Geschehens als eine Gemeinschaft fühlen können, weil man nun eben bis zum Abpfiff einmal ganz patriotisch “Deutscher”, “Brasilianer” oder “Japaner” ist und auch sein darf und dabei alles hinter sich lassen was einen trennt und was einen persönlich belastet. Um dann nach Abpfiff wieder “normal” und ganz Kosmopolit zu werden. Der Fan eines Vereins ist dagegen mit sich und seinem Verein allein – er sucht eher die Gemeinschaft als Form der Selbsthilfegruppe.

Dass man über diese Erfahrungen eine Liebe zu einer “National”-Mannschaft entwickelt, die diese positiven Emotionen klammert, wird einem im Buch nahe gebracht. “90 Minuten Südamerika” wurde meine Klo-Lektüre – und auch wenn ich weiß, dass das despektierlich klingen kann, ist es so nicht gemeint. Die Anekdoten-hafte Erzählweise eignet sich hervorragende dafür und das Buch ist kurzweilig zu lesen. Man beginnt zu verstehen, was Scheppert beschreibt, wie er für sich selbst versucht drei Dinge auf einen Nenner zu bringen, sein notorischer Hang zu amourösen Erfahrungen (die bemerkenswert ausgeprägt zu sein scheint), sein Drang zu Reisen und die Begeisterung für Fußball, der in seiner Art eigentlich überhaupt nicht zu ihm zu passen scheint. Am Ende gelingt es Scheppert für sich selbst eine Erkenntnis daraus zu gewinnen und diesem Erkenntnisprozess folgt man interessiert und neugierig bis zum Ende. Was nicht bedeuten muss, deswegen die gleichen Schlüsse zu ziehen.

“90 Minuten Südamerika” ist kein Fußball-Buch über Fußball, wie ich ihn kenne, wie ihn wohl am ehesten Nick Hornby in Fever Pitch für immer unübertreffbar auf den Punkt brachte. Dieses Leiden um einen Verein, seine Entwicklung, den Auf- und Abstiegen. Grundlos, bisweilen vollkommen losgelöst vom zugrundeliegenden Sport, einfach notorisch, besessen, berauscht, verflochten. Die Nationalmannschaft mit ihrer jeweils wechselnden Zufallsgemeinschaft, die sich alle paar Monate mal trifft und bei der zusammenkicken muss, was sonst vereinsseitig sich nicht abkann, ist für diese Art Fansein gar nicht geeignet. Aber es ist interessant diese andere Art des Fansein einmal zu entdecken, einen Inneneinblick von jemanden zu bekommen, der einen diese Seite offenherzig gewährt.

Am Ende verabschiedete man sich mit Buchende von seiner Klolektüre mit Bedauern, weil man das Gefühl hatte ein Stück Weges mitgegangen zu sein, auch wenn die zugrundeliegenden Motive des Handelns, die gefällten Entscheidungen und auch die daraus gewonnene Erkenntnisse des Autoren über das Leben, den Fußball und die Liebe, nicht mit dem eigenen Verständnis der Dinge übereinkommen. Aber deswegen liest man ja Bücher. Um Dinge einmal anders zu sehen. Ich danke für das Rezensionsexemplar, Herr Scheppert.

Erhältlich als Taschenbuch 90 Minuten Südamerika oder als Kindle eBook 90 Minuten Südamerika u.a. bei Amazon

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Will kommen. Willkommen. Well come. Welcome.

Was soll das eigentlich heißen? Wer will kommen? Will er kommen? Wer? Warum die Frage? Jemanden willkommen heißen? Das führt einem ja auch nicht weiter. Oder doch vom Englischen für “Gutes Ankommen”?

Laufend benutzt man Wörter und keiner macht sich Gedanken. Aber echt jetzt.

Und komm mir jetzt keiner mit spätalthochdeutsch oder so nem Scheiß.

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Mimimi

Das Netz ist was für harte Männer.
Subjektivität galore!
Je derber und unsachlicher, desto mehr macht es Klick.
Klick Klick Klick, das die neue Währung.

Von RTL lernen heißt Siegen lernen. Von BILD sowieso.
Und wer aufmuckt, wird niedergebügelt.
Wozu argumentieren, wenn man den Gegner auch diskreditieren kann.
Und wird dann gemault, kommt das Mimimi.
Klick Klick Klick, auch die Mimose macht nen PI.
Das Netz braucht Eier.

Und weil es funktioniert, muss man auch verstehen,
dass es halt klickt, auch wenn man es verteufelt.
Aber klickt halt, das muss man verstehen.
Klick Klick Klick, dann klickt auch der Werbepartner,
damit die Münzen klingen.

Und jeder Klick,
so ist es eben,
gibt Recht.
Klick ist relevant.
Klick macht relevant.

Mimimi.

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Harry Potter – Ich nehme Abschied

Als ich gestern mit der besten Ehefrau aus dem Kino kam, wussten wir, dass mit “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2” für uns eine Ära zu Ende geht. Nun hab ich den letzten Teil von Potter also auch im Kino gesehen. Das war’s.

Komisch, dass wir uns beide noch so genau daran erinnern konnten, wo wir die ersten beiden Bände erstanden haben, in einem kleinen Buchladen irgendwo an der Ostsee, nachdem uns eine Bekannte davor aus einem Schulunterricht ein paar kopierte Seiten als Leseproben mit auf dem Weg gegeben hatte. Als meine Frau längst bei Band 2 war, übernahm ich die Nachhut mit Band 1. Natürlich in English als “Harry Potter and the Philosopher’s Stone“, das war sogar damals ein Running Gag von Harald Schmidt – der Klassiker der Entschuldigung, warum man als Erwachsener ein Kinderbuch liest: Zum Englisch lernen/verfestigen. Später hat keiner über 20 mehr Entschuldigungen gebraucht, wer mit Potter unter dem Arm zur Strandliege schlenderte.

Harry Potter war der “Karl May”, der “Herr der Ringe” unserer Generation. Wir erlebten seine Geburt, lernten ihn kennen und lieben und fieberten schon lange vorher dem nächsten Erscheinungstag entgegen. Wir versuchten uns virtuell die Augen und Ohren zuzustopfen um der groben Unsitte der Spoiler zu entkommen. Ja, damals starteten wir sogar Gegen-Spoiler-Aktionen um den Spaßvögeln den Spaß auszutreiben.

Potter war vielleicht nicht mal ein literarisches Meisterwerk (wer immer das beurteilen mag, ich bin kein Ranicki), aber hatte eine wunderbare Phantasie, eine mitreißende Story und schaffte eines, was es dann doch zu einem Meisterwerk machte, dass eine Story bis zum Ende eine Linie behält und gerade am Ende man entdeckt, wie genial sich nun alle Puzzle-Teile sich noch einmal zu einem großen Ganzen zusammenfügen: 7 Puzzle, die sich am Ende zu einem Gesamtwerk zusammenfügen. Chapeau, J.K. Rowling!

Es tat gut, gestern den letzten Teil nun auch im Kino zu sehen. Es war toll, spannend (obwohl man die Story ja kannte) und wieder einmal gut umgesetzt. Auch dass zeichnete die Reihe aus, dass die filmische Umsetzung gelang. Sicher waren sie keine 1:1 Buchverfilmungen, das ist auch dem Format gar nicht gerecht, aber man schaffte es eine eigene Linie zu verfolgen, Schwerpunkte zu setzen und so einfach einen anderen Blick auf die Story zu geben, ohne sie zu verkaufen.

Ich werde es vermissen, auf einen “neuen Potter” zu warten. Und ich beneide sogar ein wenig meine Kinder, die alle Teile noch neu entdecken können, auch wenn ich kaum vermeiden kann, dass sie sie vielleicht auf einem eBook wie dem Kindle lesen werden, statt die wunderbaren gebundenen Ausgaben in den Händen zu halten, oder sich gar zuerst die Filme reinziehen wollen – was definitiv ein Verlust wäre und ich werde versuchen werde die Magie des Buchs so zu vermitteln, dass sie es auch verstehen.

Ob wir alle noch eine weitere Geburt einer solchen Reihe in unserem Leben mitverfolgen dürfen?


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Warum es so wichtig ist, nicht gesehen zu werden

Aus gegebenen Anlass und nach den schockierenden Enthüllungen der Gesichtserkennung in Facebook (formally known as Biometrie about 2005 or so and so …) muss man wieder einmal erkennen, dass Monty Python schon immer seiner Zeit voraus war!

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Rio Reiser – Hör- und Songbuch

Das hab ich mir von der Bücherei ausgeliehen und bin sehr gespannt. Vor allem auf die Interpretationen der Reiser-Songs durch die Band FLUT bin ich neugierig. Rio ist sicher einer der Musiker, die meinen Musikgeschmack mit am nachhaltigsten geprägt hat, viele seiner Texte sind für mich Meisterwerke.

Nachgetragen: Also die ersten Kapitel sind sehr fein – aus der Kindheit von Rio. Dazu ne gefällige Interpretation von “Der Junge am Fluss” von FLUT.

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Bloguzius sagt

Manche Dinge erledigen sich von selbst.
Manche nicht.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

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