Category Archives: Kultur

Warum ich mich vor dem Hobbit fürchte

Weil ich mich sorge, dass Jackson auch diesen Teil zu einem Jackson-Film gemacht haben wird.

Man müsste da zu weit ausholen, daher versuch ich es sehr verkürzt. In den Herr der Ringe-Büchern ging es darum, dass ein Volk, die Auenländer, in eine Weltgeschichte geworfen wurden und darin eine Rolle zu spielen hatten, die für ihr Selbstverständnis zu groß war – in allen Belangen – und die es trotzdem bestanden, weil sie Werte hatten, die größer waren. Dazu hätte man das erst mal herausarbeiten müssen, den Zuschauer hinein versetzen, was im Kino nicht geht, deswegen galt das Buch auch zu Recht als unverfilmbar. Was aber Jackson darüber hinaus machte, war ein Menschheits-Epos zu zimmern, in dem Humanoide die Helden waren, die anderen die netten, mitunter lustigen Helfer (wie man überall seinen Jar Jar Binks braucht) oder bösen Gestalten. Es fehlte die Leichtigkeit der Hobbits, die sich immer wieder gegen das zunehmende Grauen zur Wehr setzte – nicht mit Waffen, sondern aus sich selbst heraus, ihrem Wesen. Und es fehlten elementare Figuren, wie Tom Bombadil. Allein die Hektik der Ents konterkarierte alles, was das Buch auszeichnete. – Es wurde ein Schlachtgemetzel mit ‘schön viel’ Grauen – eben Jackson. Ich hab mir die Filme auch gern angesehen, da gut gemacht, aber mit den Büchern haben sie eben nicht viel gemein. Oder anders: So hätte wohl ein menschlicher Chronist die Ereignisse beschrieben, nicht Tolkien.

Wer sich auf die Bücher einließ, der fand sich erkannt – weil wir Menschen wie die Auenländer in der Regel eben keine Helden sind, sonder kleine Lichter, von denen man nicht mal Notiz nimmt. Und doch werden manche von uns in Ereignisse hineingezogen und müssen dort dann so einen entscheidenden Schmetterlingsflügelschlag für die Geschichte tun, ohne eigentlich in die Gesellschaft der großen Rädchendreher hinein zu passen. Keine „Earthshakers und Historymakers“, weil wir uns still und heimlich lieber auf unseren Fernsehsessel an einem alltäglichen Abend in einer alltäglichen Woche wünschen, als die Geschichte zu beeinflussen.

Diese Geschichte erzählte mir Tolkien. Jackson muss er wohl eine andere erzählt haben.

dA wAREN wIR: dOCUMENTA (13)

Gelebte Tradition von Herrn und Frau Endl: die Documenta – bewährt seit 1997.

Ein schöner Tag, vor allem weil das Wetter mitspielte und die Erkundung der Karlsaue mit all den kleinen Installationen und Pavillions zur Wanderung einlud. Witzig allerdings, dass zeitgleich die Zissel stattfand und im karnevalesken Umzug durch die Stadt zog. Die Mischung aus Umzug, Kirmes, Occupy-Zeltlager und documenta hatte schon was.

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Generationenkonflikt

Hey, natürlich hattet ihr Hendrix, die Stones und die Beatles und auch noch den King, Elvis, das war Hammer, ja!

Aber hey, wir hatten dafür auch AC/DC, Queen, Depeche Mode, The Police, Pixies, Prince, Bowie, Cure und Sisters of Mercy.

Und hey! Heute haben sie auch Lady Gaga, Bushido und … ok, lassen wir das.

Highlanders Schuh

Meine DVD/Blue-ray-Sammlung wächst langsam, auch wenn diese Art Sammelleidenschaft zu entdecken in bevorstehenden Zeiten von Video-on-demand und Cloud-Servern wohl eher anachronistisch sein dürfte. Neu an Bord, nachdem ich meine alte selbst aufgenommene VHS-Kassette partout nicht mehr finden konnte: Highlander – Es kann nur einen geben. Ich liebe diesen Film (allerdings nicht die beiden Fortsetzungen) – und das obwohl ich Christopher Lambert als Schauspieler eigentlich nicht sonderlich schätze und ihn auch (als Mann ist dieses Urteil wohl eher obsolet) für einen der unerotischsten Männer halte. Vielleicht liegt es an Sean Connery, der den Film ähnlich wie Alec Guinness in seiner doch eher überschaubaren Leinwandzeit als Obi-Wan Kenobi in “Krieg der Sterne” einfach auf ein anderes Level heben kann. Und vielleicht - nein, sogar sicher! - liegt es im Falle des Highlander auch an der Musik, dem Soundtrack von Queen, ein Meisterwerk. Highlander hat in mir was berührt, was sicherlich auch mit meiner Liebe zu Schottland zu tun hat.

Um einen Film bei mir aber erst zu einem Klassiker zu machen braucht es noch etwas Stilprägendes für mich darin. Im Falle von Highlander waren das seine Schuhe. Kein Witz. Die Kombination eines Trenchcoat mit Jeans und diesen ausgetretenen weißen Turnschuhen war ab dem Tag des Erscheinens absolut gesellschaftsfähig. Ok, den Trenchcoat hat man dann doch besser weggelassen, aber die Schuhe waren kultig.

Bei Matrix war es übrigens die Brille, bei Mission Impossible das Klapp-Handy, bei Blues Brothers die Ray Ban und der Hut. Und wenn ich länger nachdenke, fällt mir bestimmt noch mehr ein.

90 Minuten Südamerika

Ein Buch. Mit ungewöhnlichem Titel, der Kombination von “90 Minuten”, die man mit dem Fußball assoziiert, und Südamerika, dem Kontinent auf der Südhalbkugel. Aber was ist das für ein Buch? Soll es ein Reiseführer a la Kerstin Gier sein? So ein “witziges” Anekdotenbuch über halb wahre und halb arrangierte Zufälligkeiten einer “verrückten” Reise? Oder ist es doch eher ein Szene-Buch aus dem Fan-Leben? Allein die Kombination “90 Minuten” und “Südamerika” spricht schon mal gegen Letzteres. Weil ein Fußballfan in der Regel nicht von “seinem” Südamerika spricht, wenn er nicht gerade ein zweiter Dettmar Cramer ist und “Weltenbummler” als Beruf hat. Genau so wenig wie man von “90 Minuten Europa” sprechen würde, da würde man eher an eine Power-Rundreise einer japanischen Reisegruppe denken denn an Fußball. Fußball-Fans reden von ihren Teams, von Mannschaften, nicht von Kontinenten. Und es gibt da noch eine (selbst von den “normalen” Vereins-Fans eher argwöhnisch beäugten) Gruppe von “Fans der Nationalmannschaft”, die von einem Land reden würden, aber einem Kontinent?

Was Mark Scheppert in seinen Buch beschreibt, soll wohl in der Tat eine autobiographische Erzählung seines Weges wiedergeben, wie er seine Liebe zum Fußball über seine Liebe zum Reisen nach Südamerika verband. Wie er, indem er möglichst weit weg war, eine Bindung zum deutschen Fußball entwickelte, also so ein “Fan der Nationalmannschaft” wurde. Er beschreibt es als Liebe zum Fußball, aber ganz verstehen kann ich es auch nach Lektüre der 156 Seiten nicht.

Als Blogger kriegt man (je nachdem auf welchen Verteilern man mal landete) ab und an Rezensionsexemplare zugeschickt. Mark Scheppert meinte, dass uns als Blogger von Clubfans United sein Buch vielleicht interessieren könnte – so als Fußball-Fans eben. Aber – und das ist auch der Grund, warum ich hier schreibe und nicht bei Clubfans United – mit Fußball-Fan eines Vereins hat sein Buch eigentlich so gut wie überhaupt nichts zu tun. Was Scheppert beschreibt in seinem – übrigens an manchen Stellen nicht ganz jugendfreien (das sei angemerkt) – Buch, ist eine Liebe zum Event Fußball, zum gesellschaftlich-emotionalen Spektakel, den diese 90 Minuten in einen auslösen können, die Faszination der Verbundenheit von wildfremden Menschen aufgrund einer Solidarisierung mit einer der beiden Protagonisten auf dem grünen Rasen, was soweit führen kann, dass sich wildfremde Menschen fernab des Geschehens als eine Gemeinschaft fühlen können, weil man nun eben bis zum Abpfiff einmal ganz patriotisch “Deutscher”, “Brasilianer” oder “Japaner” ist und auch sein darf und dabei alles hinter sich lassen was einen trennt und was einen persönlich belastet. Um dann nach Abpfiff wieder “normal” und ganz Kosmopolit zu werden. Der Fan eines Vereins ist dagegen mit sich und seinem Verein allein – er sucht eher die Gemeinschaft als Form der Selbsthilfegruppe.

Dass man über diese Erfahrungen eine Liebe zu einer “National”-Mannschaft entwickelt, die diese positiven Emotionen klammert, wird einem im Buch nahe gebracht. “90 Minuten Südamerika” wurde meine Klo-Lektüre – und auch wenn ich weiß, dass das despektierlich klingen kann, ist es so nicht gemeint. Die Anekdoten-hafte Erzählweise eignet sich hervorragende dafür und das Buch ist kurzweilig zu lesen. Man beginnt zu verstehen, was Scheppert beschreibt, wie er für sich selbst versucht drei Dinge auf einen Nenner zu bringen, sein notorischer Hang zu amourösen Erfahrungen (die bemerkenswert ausgeprägt zu sein scheint), sein Drang zu Reisen und die Begeisterung für Fußball, der in seiner Art eigentlich überhaupt nicht zu ihm zu passen scheint. Am Ende gelingt es Scheppert für sich selbst eine Erkenntnis daraus zu gewinnen und diesem Erkenntnisprozess folgt man interessiert und neugierig bis zum Ende. Was nicht bedeuten muss, deswegen die gleichen Schlüsse zu ziehen.

“90 Minuten Südamerika” ist kein Fußball-Buch über Fußball, wie ich ihn kenne, wie ihn wohl am ehesten Nick Hornby in Fever Pitch für immer unübertreffbar auf den Punkt brachte. Dieses Leiden um einen Verein, seine Entwicklung, den Auf- und Abstiegen. Grundlos, bisweilen vollkommen losgelöst vom zugrundeliegenden Sport, einfach notorisch, besessen, berauscht, verflochten. Die Nationalmannschaft mit ihrer jeweils wechselnden Zufallsgemeinschaft, die sich alle paar Monate mal trifft und bei der zusammenkicken muss, was sonst vereinsseitig sich nicht abkann, ist für diese Art Fansein gar nicht geeignet. Aber es ist interessant diese andere Art des Fansein einmal zu entdecken, einen Inneneinblick von jemanden zu bekommen, der einen diese Seite offenherzig gewährt.

Am Ende verabschiedete man sich mit Buchende von seiner Klolektüre mit Bedauern, weil man das Gefühl hatte ein Stück Weges mitgegangen zu sein, auch wenn die zugrundeliegenden Motive des Handelns, die gefällten Entscheidungen und auch die daraus gewonnene Erkenntnisse des Autoren über das Leben, den Fußball und die Liebe, nicht mit dem eigenen Verständnis der Dinge übereinkommen. Aber deswegen liest man ja Bücher. Um Dinge einmal anders zu sehen. Ich danke für das Rezensionsexemplar, Herr Scheppert.

Erhältlich als Taschenbuch 90 Minuten Südamerika oder als Kindle eBook 90 Minuten Südamerika u.a. bei Amazon

Will kommen. Willkommen. Well come. Welcome.

Was soll das eigentlich heißen? Wer will kommen? Will er kommen? Wer? Warum die Frage? Jemanden willkommen heißen? Das führt einem ja auch nicht weiter. Oder doch vom Englischen für “Gutes Ankommen”?

Laufend benutzt man Wörter und keiner macht sich Gedanken. Aber echt jetzt.

Und komm mir jetzt keiner mit spätalthochdeutsch oder so nem Scheiß.

Mimimi

Das Netz ist was für harte Männer.
Subjektivität galore!
Je derber und unsachlicher, desto mehr macht es Klick.
Klick Klick Klick, das die neue Währung.

Von RTL lernen heißt Siegen lernen. Von BILD sowieso.
Und wer aufmuckt, wird niedergebügelt.
Wozu argumentieren, wenn man den Gegner auch diskreditieren kann.
Und wird dann gemault, kommt das Mimimi.
Klick Klick Klick, auch die Mimose macht nen PI.
Das Netz braucht Eier.

Und weil es funktioniert, muss man auch verstehen,
dass es halt klickt, auch wenn man es verteufelt.
Aber klickt halt, das muss man verstehen.
Klick Klick Klick, dann klickt auch der Werbepartner,
damit die Münzen klingen.

Und jeder Klick,
so ist es eben,
gibt Recht.
Klick ist relevant.
Klick macht relevant.

Mimimi.