Category Archives: Netzwelt

Experiment beendet

Erkläre den Test “Einbindung von Facebook-Comments” für beendet und kehre zurück zu den Wurzeln. Dazu gleich noch einen draufgesetzt und den Empfehlungen von Heise gefolgt: “2 Klicks für mehr Datenschutz

Hat auch nicht mehr Kommentare gebracht, die Einbindung ist bisschen quer und die Benachrichtigung über neue Kommentare unhandlich.

re:publica 12 – Tag 3: Abschied nehmen

Die Zyklen eines re:publica-Aufenthalts wiederholen sich, vielleicht aber auch nur bei mir… Nach dem Erkundungs-, Entdecker- und Akklimatisierer-Tag 1 folgt der Mittendrin-, Eindrückeaufsauger- und Heimischfühl-Tag 2, der dann unweigerlich auf den Vorzeitig-Resümee-Formulierer-, Informations-Overflow-Tributzoller- und Abschied-Pathos-Tag 3 zuläuft. Und Überraschung! So war es auch wieder. Jedenfalls meistens.

Dieser Tag 3 hatte an sich programmtechnisch keine großen Erwartungen auf Lager, punktete dann aber doch gleich doppelt. Angefangen mit einem Panel über “Copyriots”, das einem gleich mal den Glauben zurückgab. Auch ein Thema wie Urheberrecht in der Musik, das einem zum Hals raushängt, kann also durch gute Gäste und eine formidable Moderation von Johnny sehr kurzweilig sein. Dass im Anschluss Felix Schwenzel wieder mal einen seiner bekannt (man/ich hatte es nur vergessen…) launig wie scharfsinnig (man muss fast sagen:) ‘komponierten’ Vorträge über die Frage nach der Realität und dem Mensch und dem Internet hielt, machte den Vormitag zu einem so nicht erwarteten Genuss.

Im Nachmittagsprogramm dann ein echtes Highlight: Der @RegSprecher im Interview. Wer da nun nicht gleich Aha ruft, dem sei erklärt, dass sich hinter dem Twitter-Account Steffen Seibert “verbirgt” und wem das noch immer nix sagt: Der Regierungssprecher (also so in echt mit Merkel und so). Auch wenn es manchem nicht schmeckte: er machte es richtig gut – also nicht nur das Twittern, sondern auch das Interview. Ohne sich anzubiedern gelang ihm die Mischung aus Seriosität und Authentizität und das in einem humorvoll, lockerem, aber nie zu jovialen Stil. Zweifellos ein Höhepunkt, dazu einer mit Signalcharakter, denn so jemand hier zu haben adelt die Veranstaltung, da braucht man kein Freund der aktuellen Regierung zu sein.
Dass im Folgeprogramm Mercedes Bunz und danach Kathrin Passig es auf Stage 1 (= großer Saal) nicht einfach haben würden, war klar, allerdings löste es Kathrin Passig deutlich besser. Mercedes Bunz gelang es nicht die (vermeintliche) Nervosität abzuschütteln und stolperte verbal zu oft am bösen Äh. Dazu kam ihr (thematisch mich eigentlich ansprechender) Vortrag ueber das Internet der Dinge nie zum Punkt und (nicht nur) durch die erneute Einblendung eines viel zu langen Videos kamen schale Erinnerungen an das uninspirierte Sixtus-Panel uebermorgen.tv auf (vielleicht hatte sie sich ja da angesteckt…).
Kathrin Passig wirkte da zwar auch nicht tiefenentspannt vor so einem Auditorium, ihr gelang dies aber gut zu kaschieren und hatte durch einen mit Pointen versetzten Vortrag zu den groessten Fehlprognosen in Sachen Technologie-Entwicklung, und was man daraus lernen sollte, ein gewogenes Publikum.

Danach kam es zum Unvermeidlichen: Die Verabschiedung. Ohne Johnny-Show, ohne Bohemian Rapsody, ohne den ganz großen Pathos. ENDE.

Ging dann natürlich noch weiter zur After-Show-Party im Innenhof der Station mit Musik und reichlich Berauschendem (Bier!). Und da kam es dann doch noch zum kleinen Pathos-Moment: Bohemian Rapsody-Flashmop. Und da war es für einen Moment wieder, das alte Gefühl des Klassentreffen.

Man nahm Abschied, aber es war eine re:publica der Abschiede und Neuanfänge. Abschied von der Kalkscheune, von alten Traditionen und Gewohnheiten, Abschied von chronischen Platzproblemen und damit verbundenen Chaos. Aber auch Abschied von Gesichtern, die man vergeblich unter den 4.000 Besuchern suchte, und Gesichtern, die man wiedererkannte, aber nicht mehr die Person dahinter. Pathos kann viel überlagern, den Blick verklären und sogar etwas blockieren.

Die re:publica hat sich verändert, hat sich von manchem getrennt (oder befreit) und scheint nun auf dem Weg in die Zukunft zu sein. In den Medien jedenfalls, wenn man die Präsenz zumindest als Maßstab nimmt, ist man nun angekommen und damit in der Lage in Zukunft Themen zu setzen und zu besetzen. Das wird wohl eine der Aufgaben sein, ob man s überhaupt will und wenn ja, wie man diese Verantwortung dann inhaltlich ausfüllt. Das diesjährige Motto “ACT!ON” war in dem Zusammenhang (man erlaube das Wortspiel) eher Motto-”Actionismus”, denn einen wirklichen thematisch-konzeptionellen Leitfaden suchte man vergeblich – was auch nicht schadete, aber eben auch den Raum für Größeres lässt (um doch nochmal Pathos zu bemühen).

Auf Wiedersehen auf der rp13? Könnte ich heute noch nicht unterschreiben. Und das liegt nicht an der Unzufriedenheit an der Veranstaltung und erst Recht nicht an meinem Freund und Konferenz-Begleiter Tobias (Wenn, dann wieder mit Dir!!), sondern eher am Gefühl, dass man manchmal Abschied nehmen muss, um offen für neues zu werden. Aber das Jahr bis dahin ist lang.

Bleibt mein Schlußakkord: Macht’s gut und Danke für den Fisch. Auch dieses Mal hab ich viel viel mitgenommen, ich hab aber auch viel da gelassen. Vielleicht sag ich dann ja mal: Ich hab noch einen Koffer in Berlin.


Händisch ergänzt: Geschrieben mit meinem iPad. Und als Erklärung für manche krude Wortkomposition der Autokorrektur und meine fehlende Lust mit der Usability großes Redigieren zu betreiben…

re:publica 12, Tag 2 – “Ois Chicago”

Alles prima, alles klar, alles läuft (aber jetzt keine Scherze wegen WLAN), alles tutti – eben alles “Ois Chicago”. Die rp12, das kann man schon am zweiten Tag konstatieren, ist angekommen und heimisch. Die wenigsten weinen hinterher, eher nickt jeder verständnisvoll im Chor “War ja auch wirklich zu klein geworden und so”. Die Location passt und die Orga hat einen guten Job bis dato gemacht. Man ist nun eben im NowHere.

Es ist kein Klassentreffen mehr, dazu fehlen einfah zu viele Gesichter … mir fehlen zu viele Gesichter. Und das “man läuft sich übern Weg” ist auch bei den Anwesenden viel schwieriger geworden.
Einer sagte gestern sehr treffend (sinngemäß wiedergegeben): Die re:publica besteht heute aus einem Drittel originären Bloggern und zwei Dritteln aus Leuten, die sich das eine Drittel mal ansehen will und spüren will, wie sich das alles anfühlt.

Die Vorträge pendelten zwischen informativ und – heute auch dabei -”unmotiviert”, immer aber vor großem Publikum jetzt. Vielleicht bezeichnend dabei, dass gerade die Beiträge der alten Hasen da abfallen. Mein schwächstes Panel bisher eine Zukunftsdiskussion mit Mario Sixtus. Ein Abspielen von eigenen Filmchen und plaudern über Gemeinplätze ohne Konzept und mit dem Gefühl, dass sich keiner ( außer vielleicht Frau Bunz) groß vorbereitet hatte, genügt nicht. Besser machen es da bezeichnenderweise die Medienprofis, die bisher von Social Media keine Ahnung hatten, wie z.B. die ARD. Man war personell bestens vertreten, fand die richtige Ansprache und hatte auch auf kritische Fragen immer eine Antwort. Eben 1a vorbereitet. Die nehmen das alles offenbar nun ernst, was man ihnen so lange predigte. Und die Prediger von damals werden müde…

Erfrischend dann der Abendauskang mit der Verleihung des silbernen Sellerie für miese Webvidoes und atürlich die Royal Revue mit dem unvergleichlichen Duo Herm und Nilzensburger – oder wo kann man sonst noch so geil Bingo um einen Justin Bieber-Radiergummi spielen. Und dann danach das Meet & Greet am Hof … Das war sogar aufgrund der re:fill-Bar direkt am Ort fast besser als frueher, als sich doch meist alles schnell verlief.

Gooooood Morning Berlin!

re:publica 12 “ACTION” oder doch: “Das Leben geht weiter”

Sascha Lobo verzichtete gestern auf den üblichen Rant (wobei mir der Vergleich fehlte, immerhin mein erster Lobo nach x Jahren republica), aber da will ich mich anschließen und auf das uebliche Gemotze verzichten, so über WLAN und so, und außerdem bin ich als verschmäter Speaker auch prädestiniert für Motzerei. Aber das passt zu dem ersten Tag nicht.

Die re:publica in Berlin ist einfach erwachsen geworden, das hatte man ja 2011 schon gemerkt, und hat sich nun auch der letzten Berufsjugendlicher-Klamotten entledigt. Die Location am Gleisdreieck ist gut gewählt, der Umstieg von der Kalkscheune hierher ist in etwa so wie der Umzug aus der WG ins Studio-Loft. Alles ist natürlich cool und hält Berlin, gleichzeitig hat man aber die Räume zum Abhängen (80er-Speech)/Chillen (90er)/Meet&Greet geschaffen. Club Mate gibt es natürlich auch und irgendwo stand auch die Winkekatze.

Das Leben geht weiter. Die Gesichter scheinen die selben zu sein, auch wenn die Reihen der Altvorderen dünner werden und die Nachrücker aus den Rekruiting-Datenbanken der Consulting-Agenturen stammen könnten. Man bloggt nicht mehr naiv aus Leidenschaft, man bloggt nun (oder wieder) um seinen Kunden ein authentisches Bild zu geben, aus Praxiserfahrung zu schöpfen oder zur Schaffung oder Untermauerung des eigenen Portfolios. Das soll wertfrei rüberkommen.

Die Vorträge waren gewohnt in Stil (wie Lobo, so hab ich mir sagen lassen), souverän (Vetter), charmant staksig unterhaltsam (Jojo) oder wissenschaftlich fundiert und entsprechend sperrig (virales Lernverhalten bei Computerspielen), also alles wie gehabt, nur in größeren Räumen ohne Platzangst (dafür zumindest oben mit Akustikproblemen durch Überlagerung). Dass man das große Motto “action” eher kleinschreibt und nur mit Mühe wiederfindet … auch wie gehabt.

Sie fühlt sich gut an, die neue #rp12, man freut sich auf mehr, auch wenn die Schmetterlinge und Flugzeuge und Hummeln aus Bauch und Hintern fehlen. Aber so isses eben, fast wie im echten Leben eben, Dinge verändern sich, man gewöhnt sich, das unbekannte Neue wird vertraut, dann irgendwann selbstvertändlich, mit allen schönen und unschönen Seiten, oder wie der Hesse in meiner Wahlheimat sagt: Des Lebbe gehd weider.

Auf geht’s zum Frühstück, Tag 2. Goooood Morning Berlin!

Hier läuft nix Sturm

Irritiert verfolge ich schon seit gestern zunehmend vermehrt auftauchende (und zumeist sich dann gern wiederholende) Anti-Gauck-Stimmen – aber noch irritierter lese ich dann bei “Der Westen”: “Twitter- und Facebook-Nutzer laufen Sturm gegen Joachim Gauck“. Vor allem der Satz “Einst von der Netzgemeinde geliebt, hat sich das Blatt für den designierten Bundespräsidenten gewendet.” stößt so doof auf, dass er offenbar nicht nur mir hochkam.

There is no such thing like “Netzgemeinde”. Get used to it.
(Wobei ich ja zugebe, dass der Glaube an die Existenz einer ominösen “Netzgemeinde” naheliegender ist als – sagen wir – der Glaube an Gott.)
Wenn wir Menschen danach sortieren, ob sie das Internet nutzen, können wir auch gleich die Hautfarbe nehmen.
https://twitter.com/#!/ennomane u.v.a.

Was der Autor und Vertreter der klassischen Medien uns wohl sagen wollte, wenn er denn wirklich was sagen wollte, ist, dass sich einer ehemals euphorischen Grundstimmung, die sich in der Netzwelt und insbesondere im Social Web wiederspiegelte, nun eine kritische Auseinandersetzung mit der Personalie des designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck gegenüberstellt. Aber das ist keine Sache einer “Netzgemeinde”, sondern eine Sache der Gesellschaft.

Wenn man meine Meinung zu der Sache hören will, dann verweise ich doch erstmal auf meine Verwunderung, warum man den neuen Präsidentenkandidaten so schnell und auf Biegen und Brechen benennen musste. Hat nicht gerade die Causa Wulff gezeigt, dass es vielleicht lohnt, sich auch öffentlich mit einer Personalie auseinanderzusetzen? Wenn man schon meint, einen “Mann des Volkes” präsentieren zu müssen, sollte man die Diskussion (wenn schon nicht die Wahl) des Volks auch zulassen.

Aber davon ganz unabhängig: Wer hier jetzt die aufkommende Diskussion mit der Wulff-Diskussion gleich setzt, der sollte schon differenzieren, dass es bei Gauck um dessen Ansichten zu bestimmten Themen gerade geht und nicht, wie bei Wulff, um im weitesten Sinne “Fehlverhalten”, die Reaktionen darauf und deren Bewertung. Wenn ich den Rücktritt Wulffs begrüßte, dann weil ich diese Kombination für nicht mehr tragbar hielt, im Schwerpunkt aber die im Umgang damit zu Tage getretene moralische Wertvorstellung des nun Ex-Präsidenten – nicht aber seine Ansichten zu Sachthemen. Und wie ich an anderer Stelle schon mal schrieb: Einige “von Gauck vertretenen Positionen schmeckten mir auch nicht, aber ich brauch keinen Präsidenten nach meinem Geschmack, sondern einen, der sich des Amts würdig erweist. Und da bin ich guter Dinge.“

Dennoch hätte ich mir gewunschen, dass man “Land und Leute” etwas mehr Zeit gegeben hätte.

Mimimi

Das Netz ist was für harte Männer.
Subjektivität galore!
Je derber und unsachlicher, desto mehr macht es Klick.
Klick Klick Klick, das die neue Währung.

Von RTL lernen heißt Siegen lernen. Von BILD sowieso.
Und wer aufmuckt, wird niedergebügelt.
Wozu argumentieren, wenn man den Gegner auch diskreditieren kann.
Und wird dann gemault, kommt das Mimimi.
Klick Klick Klick, auch die Mimose macht nen PI.
Das Netz braucht Eier.

Und weil es funktioniert, muss man auch verstehen,
dass es halt klickt, auch wenn man es verteufelt.
Aber klickt halt, das muss man verstehen.
Klick Klick Klick, dann klickt auch der Werbepartner,
damit die Münzen klingen.

Und jeder Klick,
so ist es eben,
gibt Recht.
Klick ist relevant.
Klick macht relevant.

Mimimi.

Warum es so wichtig ist, nicht gesehen zu werden

Aus gegebenen Anlass und nach den schockierenden Enthüllungen der Gesichtserkennung in Facebook (formally known as Biometrie about 2005 or so and so …) muss man wieder einmal erkennen, dass Monty Python schon immer seiner Zeit voraus war!