
[Trigami-Review]
Wenn Männer am Tisch sitzen und penetrant mit etwas rumspielen, muss es aus irgendeinem Grund einen besonderen Reiz ausüben. Und oft ist es dann was mechanisches oder technisches, was diesen Spieltrieb, diese Freude am auseinander- und zusammenschrauben auslöst. Drei Männer saßen in meiner Küche, drei spielten während der Unterhaltung halb unterbewusst an drei Taschenlampen herum. Aber eben keine Taschenlampe wie man sie kennt, sondern drei ganz besondere Taschenlampen, High Tec Taschenlampen, noch genauer gesagt: Hochleistungs-LED-Taschenlampen.
Lassen wir die ganz kleine Zweibrüder LED LENSER K3 (ganz rechts im Bild) wie die größere P7 (links) von Zweibrüder Optoelectronics einmal außen vor und wenden wir uns nur den beiden in der Mitte zu: Zwei Konkurrenten in dem ganz besonderen Marktsegment der Super-Taschenlampen, die LED LENSER M1 und ihr Gegner, die Fenix Pd20.
You never can change your first impression – das wussten schon Menschen vor der Erfindung von Produkten mit Obst als Logo. Der Eindruck von Wertigkeit, Anspruch und Stil wird bereits beim Auspacken beim Käufer geprägt. Und da hat die LED LENSER M1 ganz klar die Nase vorn.
Eine schwarze Edel-Verpackung steht da einer “Baumarkt”-Verpackung mit Regal-Halterungslasche gegenüber. Sicher ist die Verpackung der Fenix informativer, aber ein Produkt mit einem Namen und einem Anspruch braucht keine Anpreisung – dieses Selbstbewusstsein strahlt nur die M1 aus.
Der Inhalt ist ähnlich, neben dem Produkt an sich liegt der Fenix wie der M1 ein Holster bei, die LED LENSER gibt ihren Kunden eine Smart Card zusätzlich zur Hand, die im Scheckkarten-Format im Geldbeutel Platz finden soll. Darauf enthalten die wesentlichen Grundfunktionen – sicher eine gute Sache beim Verleihen oder bis die Funktionalitäten in Fleisch und Blut übergegangen sind. Worauf später noch näher eingegangen wird: So eine Smartcard sollte man vor allem für die Fenix entwickeln, denn deren 6 Modi zu entdecken ist weit schwerer als die 3 der LED LENSER.
Dass - jedenfalls war das so in der vorliegenden Verpackung - nur bei der LED LENSER eine Batterie beilag, ist definitiv ein Abstrich für die Fenix. Nicht nur, dass man das Produkt dann im Normalfall nicht gleich nutzen kann, wenn man auf die Notwendigkeit des Erwerbs nicht hingewiesen wird, man muss so eine Batterie erst einmal finden. Beide Lampen brauchen nämlich die gleiche Lithium Battery CR123A – wohl um bei der kompakten Bauweise ihre volle Leistungsfähigkeit zu erreichen. Das ist nachvollziehbar, allerdings wären aus Verbrauchersicht handelsübliche Batterien wie einst bei der K3 im Einsatz, zu bevorzugen – auch aus Kostengründen.
Beim Test der Lichtleistung muss man eines gleich mal vorwegschicken: Wenn man hier überhaupt kritisiert, dann auf höchstem Niveau. Beide Taschenlampen sind mit bis zu 180 Lumen bei der Fenix Pd20 und 190 Lumen bei der LED LENSER M1 im Spitzenklassen-Bereich und mit “normalen” handelsüblichen Taschenlampen nicht vergleichbar. Hier wird nicht gefunzelt, hier wird erleuchtet. Das Ausleuchten von Ecken oder der Blick in das Gehäuse eines Computers ist auch bei Tageslicht nicht nur möglich, es macht auch einen deutlichen Unterschied.
Doch diese geballte Lichtleistung hat auch Konsequenzen und die heißt “Hitzeentwicklung”. Lässt man die Fenix mehrere Minuten unter Volllast laufen, wird das Gerät heiß – und nicht nur warm, sondern heiß. Sogar so heiß, dass man sie aus der Hand legen muss. Auch die LED LENSER kennt das Problem, versucht es aber anders zu lösen, indem man die Lichtleistung reguliert. 190 Lumen gibt es daher nur für 5 Sekunden nach dem Einschalten, danach wird reduziert auf 155 Lumen und nach ca. drei Minuten wird mit 60 Lumen gearbeitet. Dies verhindert die extreme Hitzeentwicklung und ist am Nutzerverhalten angepasst, da die mittlere Einsatzdauer eines Normalnutzers bei 3 Minuten empirisch ermittelt wurde. Das macht sich in der maximalen Erwärmung dann auch bemerkbar, die mit 31-33°C (LED Lenser) und 55-60°C (Fenix) angegeben wird und sich daher durchaus signifikant unterscheidet.
Der Praxistest sieht zunächst bauartbedingte Vorteile für die Zweibrüder-Technologie. Durch den Schiebe-Fokus kann von breiter Ausleuchtung bis Fokussierung stufenlos verstellt werden, hier bietet die Fenix nur eine starre diffuse mittenbetonte Einstellung. Beide Taschenlampen bieten einen Stroboskop-Effekt, der zur Gefahrenabwehr dienen soll, wenn man einen potentiellen Angreifer damit kurz anleuchtet und so in der Dunkelheit kurzzeitig orientierungslos macht. Ob sowas tatsächlich funktioniert, wollten wir im Selbst-Test nicht ausprobieren, ob man in der Praxis in so einer Streßsituation allerdings die Strobo-Funktion auch aktivieren kann, erscheint dank der zwar clever gedachten, aber irgendwie schwierig umgesetzten Anschaltfunktion zumindest fraglich – zumindest bei der M1. Bei der Fenix muss dazu zweimal kurz der An-/Ausschalter betätigt werden, bei der M1 innerhalb 1 Sekunde 2mal Tasten und 1mal Schalten (laut Smartcard), wobei erstmal klar werden muss, was der Unterschied zwischen Schalten und Tasten ist.
Bei der M1 kann auch manuell auf einen 15%-Modus umgeschaltet werden (1 mal Tasten und 1 mal Schalten), was dem Grunde nach aus Energiespargründen sinnvoll ist. Aber auch die Fenix bietet verschiedene Modi, die aber erst mal zu entdecken sind. Als Bedienungsanleitungs-Muffel wird man kaum bis maximal zufällig fündig werden, aber auch nach Lektüre selbiger (nur in Englisch beigelegt, zum Vergleich: die Bedienungsanleitung der LED Lenser ist mehrsprachig, dafür aber sehr rudimentär). Dreht man den Lampenkopf der Fenix also etwas, so ist die Lampe nicht kaputt oder schlecht kontaktet (was man meinen könnte) sondern leuchtet mit 9 Lumen, ein tippen danach auf den Schalter erhöht auf 47 Lumen, zweimal tippen 94 Lumen. Tippt man dann ein drittes Mal, aktiviert man einen SOS-Modus, was im Test aber zunächst als “kaputtes Strobo” interpretiert wurde. Sicher alles sehr praktische Modi, aber darauf muss man auch erst kommen. Insgesamt man muss sich an die Kombinationen aus Tippen und Tasten (und bei der Fenix auch noch Drehen) erst mal gewöhnen.
Kleine bauartbedingte Vorteile bei der Fenix beim Anschaltknopf, der durch zwei Bügel geschützt ist. Zwar ist das einerseits ein Hinderniss in der Dunkelheit wenn man schnell einschalten will, es hindert aber auch gerade vor unbeabsichtigten Anschaltem gerade in der Tasche oder auch im Holster. Zudem erlaubt es durch diese Bauweise die Taschenlampe senkrecht nach oben auf den Tisch zu stellen und so einen Raum auszuleuchten.
Haptisch ist die M1 vorne, sie fühlt sich in der Hand eleganter und wertiger an, auch wenn der direkte Vergleich mit der P7 eher negativ ausfällt (deutlich mehr Seiten-Spiel bei Schiebefokus bei der M1 gegenüber der sogar noch größerer P7).
Das eher martialische Äußere der Fenix steht zunächst auch hinter der klar durchdesignten Linie der M1, das hat aber eben auch seinen Reiz – spontan denkt man an “Werkzeug”, was so manchem Manne entgegenkommt. Im direkten Vergleich kann man da keinen Favoriten sehen, das ist eher Geschmackssache. Das doppelt geschraubte Batterienfach der Fenix lädt mehr zum Spielen ein, macht aber eigentlich keinen richtigen Sinn – im Gegenteil: Schraubt man falsch rum zusammen, geht die Lampe gar nicht mehr, zumindest im vorliegenden Testobjekt, obwohl die Gewinde auch andersrum passen. Die kantige Außenform der Fenix ist nicht so handschmeichelnd wie die M1, dafür rollt sie aber auch nicht vom Tisch – ein durchaus positiver Aspekt.
Fazit: Es macht mit beiden Taschenlampen viel Spaß die Dunkelheit zu erkunden. Die Lichtleistung überzeugt gerade im Vergleich zu konventionellen Taschenlampen in allen Belangen. Man kann das im Prinzip nur so vergleichen, als ob man im Raum eine Kerze anzündet (= konventionelle Taschenlampe) oder eine Neon-Röhre anschaltet – so in etwa sind die Unterschiede.
Dabei ist das Licht angenehm klar und weiß und eignet sich zum Lesen – ohne das angeleuchtete Objekt zum Reflektieren zu bringen. Das ist vor allem gut, wenn man etwas ablesen will, wobei das am Besten im 15%-Mode der M1 oder im 9 Lumen Modus der Fenix gelingt. Bei letzterer erschwert allerdings die nicht verstellbare Mittenbetonung die Ausleuchtung – hier ist die M1 klar im Vorteil.
Die M1 punktet im direkten Vergleich mit mehr Funktionalität (stufenloser Fokus, 15%-Automatik-Einstellung) und Style (Verpackung, Design), die Fenix wird durch ihr eher kantiges Werkzeug-Feeling so manchen in ihren Bann ziehen, dazu kommen die zusätzlichen Modi und das SOS-Signal.
Entscheidend - und deshalb auch zum Testsieger erkoren - ist das Gesamtpaket der M1 aus Usability-Aspekten, Anmutung und Funktionalität. Und da spielen die Hitzeaspekte (negativ bei Fenix) und die Lösung mit der automatische Abdimmung (positiv zugunsten der M1) eine Rolle.
Lässt man die Fenix - was ungewollt auch im Test einmal passierte - mal zu lange an (ca. 30 Minuten), ist die Batterie dahin und die LEDs brauchen spürbar einige Zeit um sich davon zu erholen (Lichtleistung direkt auch nach neuem Batterieeinsatz nach Wiederinbetriebnahme nicht 100%, nach subjektivem Empfinden), dem baut die LED LENSER durch ihre Auto-Dimm-Funktion vor und dadurch stehen auch nach längerer Nutzung sofort wieder volle Leistung zur Verfügung. Ist man allerdings mal auf mehr als 3 Minuten volle Lichtleistung angewiesen, wird man die nicht deaktivierbare Auto-Abdimmung nicht sonderlich schätzen – den Standardnutzer wird das aber wenig kümmern und sich denken: “It’s not a bug! It’s a feature!”
Nichts desto trotz: Zwei Gegner, bei denen man gerne zusieht, wie sie ihre Umwelt zum erleuchten bringen.
Mehr Information zur LED LENSER M1 gibt es beim Anbieter Optoelectronics – in einer Community kann gefachsimpelt und sich mit anderen ausgetauscht werden.
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