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Aufsteigendes Gewinde

An meinem Fahrradsattel gibt es eine kaputte Schraube. Dadurch kann ich nicht fahren, da nicht sitzen, und 10 km auf einem Stepper ist auch nicht das wahre.

Jetzt könnte man meinen, man kauft eine neue Schraube – HA! Durch das raffinierte aufsteigende Gewinde, so erklärte der local dealer meines Vertrauens, könne man nicht einfach eine andere nehmen, da müsse man schon Geduld, Glück und eine Eisenwarenhandlung haben. Mögen die ersten beiden noch im Bereich des möglichen erscheinen, kenne ich Eisenwarenhandlungen nur noch aus Tool Time mit Tim Taylor,

Ich darf mir nun also eine gesamte Sattelstange kaufen – was für eine sinnlose Materialschlacht.

Symbolbild: Eine verzinkte Innensechskant-Schraube (Urheber: Afrank99); CC-Lizenz

Nächste S-Bahn in 317 Minuten

Formell sicher absolut ordnungsgemäß angezeigt.

Ode an den Laubbläser

Bereits am frühsten Morgen schon
wurd’ wohfeil Blasgerät gerichtet
damit für kargen Tageslohn
nicht mehr als Morgenstund vernichtet.

Dann mit großer Akribi geht er,
im Anschlag wie ein Jagd-Gewehr,
so phallisch-schön und ziemlich schwer.
Man nennt ihn nur “den Laubbläser”.

So manche schlecht gelaunte Mine
trägt er mit großer Würde.
Wenn Ohrenschützer ihm gediene,
macht’s ja nur andere mürbe.

So geht’s mit vollem Blaseton,
lässt man die Blätter fliegen,
so fast um Sieben ist’s nun schon,
bleibt eh kein Mensch mehr liegen.

Doch dann, wie kommt’s? Was ist geschehen?
Ein heiser Motorschrei und -röcheln!
Man sieht ein Wölkchen sich verwehen
und spürt es förmlich Köcheln.

Als plötzlich Stille ward nun in der Welt
sieht man sie durch die Fenster linsen,
und während nun der Tag sich hellt,
viel boshaft schadenfrohes Grinsen.

Gelassenheit ist

… wenn der Werkstattmensch gestern die Ersatzteil-Bestellung ohne Blick auf das Fahrzeug aufnahm,
weil ja alles sonnenklar und Standard ist.

Um heute festzustellen, dass er rechts und links verwechselt hat…

*grmpf

Über die unterschiedliche Art von Frau und Mann einen Weg zu beschreiben

Frau (zu Mann): … du musst dann an der großen Kirche vorbei, die gleich in der Nähe vom Einkaufszentrum ist, bei dem wir vor zwei Wochen diese schönen Schuhe für die Maja gekauft haben. Dann an der Kirche aber vorbei und die Straße runter – immer weiter. Dann kommst du auch an diesem Laden vorbei, in dem wir schon mal was gesucht haben wegen der Tapete für Kinderzimmer. Aber weiter die Straße entlang bis zu einer Kreuzung, an der auch rechts dieser große Parkplatz ist, auf dem manchmal Flohmarkt ist. Und da an der Kreuzung nicht geradeaus in den kleinen Privatweg – also hier noch nicht! – sondern rechts abbiegen und so 100 Meter oder so langfahren und dann links in einen Privatweg und dort runter bis zum Parkplatz. Dann aber nicht dort rechts zu Michaela, bei der du aber glaub ich noch gar nicht warst, die kennen wir aus dem Sport, deren Sohn Kevin spielt Handball, sondern da ist dann eine Schranke, die man aufmachen kann, und durch die durch und dann den Weg lange runter – immer weiter und weiter – und dann die vorletzte oder drittletzte auf der linken Seite rein. Dort sind alle und sonst kannst du ja kurz bei der Susanne anrufen auf dem Handy.

Mann (zu Freund): … fahr an der Markus-Kirche die Straße runter bis zur T-Kreuzung, dort rechts. Kommt dann links so ein riesen Kasten von Haus und direkt danach links in Privatweg. Den immer runter noch über die Schranke bis kurz vor Ende und dann siehst du alle schon im Garten sitzen.

King of the Gehweg – Überholen im Rollsplitt

Die Situation war natürlich längst absehbar und jetzt ist sie da. Bereits ab Ausgang Bahnhofspassage wurde deutlich, dass man eindeutig schneller als die Frau vor einem ist. Aber der Untergrund ist aufgrund der Witterungsbedingungen schwer begehbar und so bietet nur eine schmale Bahn auf der Idealspur so etwas wie Traktion, Überholen fast unmöglich.

An der Postkurve scheint es dann soweit zu sein. Man hat aufgeschlossen, ja klebt förmlich am Heck der Frau. Doch was tun? Rankommen ist ja das eine, überholen das andere. So dicht dran erkennt man, da die Frau ihre Hand etwas seltsam in die Seite stützt, dass offenbar ein technisches Problem bei ihr vorliegt, was auch den deutlichen Leistungsunterschied erklären würde. Vielleicht eine Spätfolge von einem vorangegangenen Ausritt ins Rollsplitt-Bett, was bei diesen Bedingungen nun wirklich nicht verwundern würde.

Jetzt spitzt sich die Lage zu und man entschliesst sich zum Manöver. Durch einen späteren Bremspunkt schliesst man in der Postkurve jetzt dicht auf, zieht kurz vor dem Kurvenscheitelpunkt in den Randbereich der Spur, verliert dabei zwar Grip, kann aber durch Gegenlenken die Kurve nehmen und zieht im Randbereich aufgrund der höheren Endgeschwindigkeit vorbei – ja wenn … ja wenn die Frau jetzt die Gasse nicht zumacht oder sich unfreiwillig nach außen treiben lässt. Die Frau wackelt bedenklich in der Kurve, hat das Manöver offenbar noch nicht einmal bemerkt, fällt dabei wirklich leicht nach außen um dann … … doch noch gegenzusteuern und dabei die Gasse freizumachen. Man fliegt förmlich nun an ihr vorbei, kommt wieder auf die freiere Gehspur und mit der jetzt wieder vorhandenen vollen Traktion, die die Leistung auf die Strecke bringen kann, ist die Finte geglückt.

Was für ein Moment! Ab da ist es ein ungleicher Kampf, man gewinnt sofort Meter um Meter und setzt sich schließlich noch vor dem nächsten Block klar ab.

Man ist noch adrenalin-geschwängert ob des Manövers. Aber man ist auch ein wenig stolz.

Zur Einführung der ÖPNV-Minute

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Einst wurde die Bahnzeit an Bahnhöfen eingeführt um An- und Abfahrtszeiten überregional abzustimmen. Da gab es noch Dampflokomotiven und in jedem Ort gingen im wahrsten Sinne des Wortes die Uhren anders, je nach Gusto des Küsters der Kirche oder des zuständigen Rathausbeamten für die Rathausuhr.

Heute haben wir Funkuhren und Radioansagen und Atomuhren. Also wurde es Zeit die Bahnzeit, heute: ÖPNV-Zeit, zu evolutionieren. Entstanden ist dabei das ‘adaptive Zeitmanagement‘. Dabei wird die angezeigte Ankunftszeit in Relation zum erwarteten Eintreffen in Minuten gesetzt. Eine solche ÖPNV-Minute kann in konventionellen Zeitmesstechniken eine Bandbreite von wenigen Sekunden bis mehreren Minuten abdecken.

Ein derart flexibles System könnte unsere gesamte Gesellschaft modernisieren, ist dem Grunde nach aber eine tief im Menschen verwurzelte Veranlagung, die vor allem bei femininen humanoiden Biolebensformen längst bekannt ist. So gilt für viele die Frauen-Viertelstunde (Er: Schatz, wie lange brauchst du denn noch im Bad? – Sie: Nur noch ne Viertelstunde!) als Vorläufer der ÖPNV-Zeit – und dies stützt die These: ÖPNV ist doch weiblich.