
Will wohl auf seinen Status Quo hinweisen, oder was?

Will wohl auf seinen Status Quo hinweisen, oder was?

Seit 1.1.2010 leben bzw. arbeiten wir also hier in Frankfurt in einer Umweltzone. Ob es was bringt darf weiter mehr als bezweifelt werden, es sei denn eine (versteckte) Subvention der Automobilindustrie wird als Erfolg gefeiert. Eine weitere Abnahme der “Rußwolken auf Nasenhöhe” konnten jedenfalls nicht festgestellt werden, dafür aber eine gewisse Ignoranz der betroffenen Autofahrer, denn allein auf meinem kurzen Fußweg heute zählte ich 2mal “ohne Plakette” und 1mal “rote Plakette” widerrechtlicherweise sich in der Umweltzone befindend. Haben zwar nur geparkt, aber um da wieder rauszukommen bräuchten sie wohl jenes “Hübschräuberli”, den einst ein Mautinspektor meiner Schwester anempfahl, die entsprechende Autobahn-Berechtigungs-Plakette nicht ihr eigen nannte.
Oder man wartet einfach ab, denn was der Verein Mobil in Deutschland e.V. umtriebig (und unaufgefordert im Übrigen) per Pressemeldung verbreitet, ist ja nicht von der Hand zu weisen.
Ein Auszug aus “Deutschland versinkt im Umweltzonenchaos” (Pressemeldung vom 1.1.2010):
Nach Ansicht von Mobil in Deutschland steht hier das Ziel, eine Umweltzone mit einer niedrigen Feinstaubbelastung und die verhältnismäßige Umsetzung dieses Ziel zu erreichen in einem absoluten Missverhältnis. Anstatt einer einheitlichen Regelung über alle Großstädte in Deutschland gibt es für die mittlerweile 50 mit Umweltzonen bestückten Städten komplett unterschiedliche Vorgehensweisen, Einführungstermine und Ausnahmeregelungen. Ein Beispiel über ein paar große deutsche Städte: Während man in Berlin wie beschrieben ab sofort nur noch mit grüner Plakette einfahren darf, hat Köln zwar eine Umweltzone aber es gelten weiterhin alle 3 Farben, für Hamburg gibt es noch gar kein Timing für eine Umweltzone, sondern nur die Idee 2010 nachzuziehen, in Frankfurt darf ab Januar 2010 nur mit gelb und grün eingefahren werden, in Stuttgart gilt dasselbe dann ab Juli 2010 und für München darf ab Oktober 2010 nur noch mit gelb und grün eingefahren werden. Jede Stadt verfährt mit seiner Umweltzone anders, abhängig von der politischen Situation und Diskussion der Kommunen.
Für den Normalbürger und Autofahrer ist dieser Umweltzonen Fleckenteppich eine Zumutung und nicht nachvollziehbar. Es bedarf dringend einer einheitlichen und klaren Regelung, mit der jeder Klarheit über seine private Situation bzw. Klarheit über die Situation seiner Firmenfahrzeugflotte hat. Ein derartiges wirtschaftliches Risiko muss abwägbar und mit vernünftigem Vorlauf lösbar sein.
Ein Berliner Spediteur, der mit einer gelben Plakette für Berlin eine Ausnahmegenehmigung hat, bekommt aber noch lange keine Ausnahmegenehmigung für Hannover. Riskiert er somit für Hannover einen Punkt in Flensburg, was in Berlin keinen Punkt nach sich hätte? In manchen Kommunen ist fast jedem Gewerbetreibenden erlaubt in die Innenstädte zu fahren in anderen wird das ganz restriktiv gehandhabt. In Deutschland herrscht ein absolutes Umweltzonenchaos, wo jede Kommune aus dem Bauch heraus entscheidet, wie sie es für richtig hält. Das ist eine Einschränkung von Mobilität, die mancher Autofahrer als Enteignung verspüren könnte. Einige Kommunen sollen oder wollen sich zur „besseren Überwachung“ der Umweltzonen bereits neues Personal zugelegt haben. Dass man hier nicht im Auftrag der Umwelt, sondern im Auftrag des Stadtkämmerers handelt ist offensichtlich.
Mobil in Deutschland glaubt, dass eine Prozesslawine auf die Kommunen zurollen dürfte, wenn sich die betroffenen Autofahrer und Unternehmer das nicht gefallen lassen sollten.
Wenn allerdings das, was da der Mitarbeiter bei der Zulassungsstelle so plauderte, wirklich stimmt, könnte sich das Thema eh bald erledigen. Dann warten wir eben auf die nächste Plakette, die der Halter des im Bild gezeigten Fahrzeugs dann akribisch auf die nächste freie Stelle kleben kann…
P.S. Die Dinger (= Plakette) gehen übrigens sehr schwer wieder runter, was ich beim “Upgrade” nach Nachrüsten erfahren musste. Dann war mir auch schnell klar, warum das Entfernen der alten und Anbringen der neuen dem Halter überlassen wird …
Es nähert sich mit großen Schritten: Wer bis 1.1. nicht mindestens die gelbe Umweltplakette an seiner Windschutzscheibe hat, kriegt in Frankfurt City ein empfindliches Knöllchen mit 40 Euro plus Gratis-Punkt in Flensburg. Dass ich die ganze Regelung vollkommen grotesk fand, hab ich ja schon einmal gesagt – dazu muss man Deutschland eben verinnerlichen… Jetzt wird nach dem ganzen Vorgeplänkel also ernst und der Rot-Stopp rückt mit großen Schritten näher.
Ganz unterhaltsam, was man dazu über die Presse verbreiten lässt:
‘Die Rußwolken auf Nasenhöhe sind weniger geworden’
Zu Jahresbeginn 2009 hatten noch etwa drei Prozent der in Frankfurt gemeldeten Kraftfahrzeuge eine rote Plakette, rund achttausend von insgesamt 315.000 Fahrzeugen. Einige Halter älterer Diesel-Pkw haben zwischenzeitlich die „Abwrackprämie“ genutzt, um mit einem abgasarmen Neuwagen freie Fahrt in Deutschlands 33 Umweltzonen zu haben. Während von der zweiten Stufe der Umweltzone nur etwa zwei Prozent der Pkw betroffen sind, liegt der Anteil bei den Nutzfahrzeugen mit elf Prozent deutlich höher. Gerade in dieser Fahrzeugklasse hat die Frankfurter Umweltzone einen beachtlichen Modernisierungsschub bewirkt. Von den insgesamt 19.781 Nutzfahrzeugen hatten Anfang 2009 schon 9.197 eine grüne Plakette (47 Prozent), ein Jahr zuvor waren es erst 6.013 Nutzfahrzeuge (31 Prozent). „Die Rußwolken auf Nasenhöhe sind weniger geworden“, sagt die Dezernentin für Umwelt und Gesundheit, Manuela Rottmann.
Faktisch fehlt nämlich der Beweis, dass die Umweltzone wirklich auch nur irgendwas gebracht hat, wie man ja bereits las. Tatsächlich mutmaßen eher viel mehr Leute den typischen politischen Aktionismus und die flankierende Unterstützung der Abwrackprämie zur verdeckten Subventionierung der deutschen Automobilindustrie.
Wir haben das ganze mal lange beobachtet und auch mit einem Kauf inkl. Abwrack-Prämie geliebäugelt, dann aber aus ganz anderen Erwägungen davon abgesehen – aber auch, weil wir es einfach nicht einsahen, unseren absolut noch tauglichen Wagen verschrotten zu lassen.
Das Nachrüsten war uns aber lange zu teuer und von Werkstätten mündlich auf ca. 800 – 900 Euro taxiert. Jetzt plötzlich dann auf nochmalige Nachfrage (nach Auslaufen der Abwrackprämie übrigens – ein Schelm wer da einen Zusammenhang sieht) kostete “der Spaß” nur noch knapp über 400. Ein dann sinnvoller Deal auch im Sinne der Umwelt, rechnet man vor allem die Erstattung vom Staat in Höhe von 330 Euro noch mit ein.
Bleibt die Frage: Warum das Ganze? Wegen der 100 Euro? Das hätte man per Dekret allen aufbürden können und hätte sich den ganzen Schwachsinn mit Umweltzonen und Plaketten und Schildern sparen können. Was allein die ganze Einführung gekostet hat, hätte sogar locker die fehlenden 100 Euro noch kompensiert. Wenn man bedenkt, dass es von den 315.000 Fahrzeugen nur 8.000 betroffen hat (siehe Quelle oben!). Das sind 2,5% des Gesamtbestands! Dafür der ganze Aufmarsch!?!? Dazu kommt, dass es ja ein offenes Geheimnis ist, dass von den 8.000 sich genügend eine Sondergenehmigung holten, weil ihr alter Lieferwagen gar nicht mehr nachrüstbar ist.
Fassen wir zusammen: Riesenballyhoe für die paar Altfahrzeuge, die über kurz oder lang so oder so aus dem Verkehr gehen, kompliziertes Verfahren, kein nachweisbarer Nutzen, Klagen dagegen an vielen Orten – und dann muss man sich von einem Angestellten in der Zulassungsbehörde anhören, dass man aber jetzt keinen großen Aktionismus mehr über “Gelb hinaus” entfalten brauche, denn nach seinen Infos falle die ganze Regelung im nächsten Jahr wahrscheinlich sowieso, man warte offiziell ja nur noch bis ein bestimmter “Topf voll sei”.
Ein weiteres Kapitel des Schildbürger-Bürokratismus in Deutschland wurde ganz offenbar auf Kosten der Glaubwürdigkeit einer vernünftigen Umweltpolitik geschrieben und man hat hier eine gute Sache vor den Karren der (verdeckten) Wirtschaftsförderung spannen lassen.
Ganz traurig sowas. Und nächstes Jahr darf die Automobilindustrie die Sünden der Abwrackprämie selbst ausbaden – plus die unzähligen Verbraucher, die sich halb von der Versuchung, halb von der Verunsicherung getrieben einen Neuwagen anschafften, den sie sich dann nächstes Jahr vielleicht gar nicht mehr finanzieren können.
Aber ist klar, ist ja jetzt ne “andere” Regierung und die hat natürlich keine politische Verantwortung für das was bisher geschah … schon klar…
Alle zwei Jahre rollt sie an, die Auto-Messe IAA in Frankfurt. Und ich werde wieder live dabei sein.
Bin dieses mal schon gespannt, was man für Ideen hat. Weiter mit PS-Spektakel, oder doch mal endlich in Richtung Wirtschaftlichkeit, Umwelt und neue Technologien? Allein mir fehlt der Glaube, dafür liegen wir Jungs doch viel zu gern staunend vor einem gierigen Kühlergrill und stellen fachmännisch unseren Fuß auf die Niederquerschnitt-19-Zoller …

Willkommen in der Gruppe der Volkswagen-Fahrer.
(Muhaha)
(wusste doch, dass die Sache auch eine witzige Seite haben muss)
Ich spüre eine gewisse innere Abneigung, die der Inhaber dieses Youngtimers gegen die moderne Modelpolitik aus dem Hause Volkswagen hat.