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Das Schweigen der Weblogs

Vielleicht liegt es nur an meinem subjektiven Empfinden, aber die Weblogs leiden im „Mitmach-Web“ extrem unter dem fehlenden „Mitmach“.

Nein, es soll keine Neuauflage des allgemeinen Abgesangs auf Weblogs werden. Das Syndrom, dass sich Kommentare nicht wie ein Rasensprenger beständig und unerschöpflich auf das Web 2.0 ergießt (was man vielleicht mal euphorisch annahm), sondern maximal im Gieskannenprinzip ein überschaubares Beet erreicht, ist keine neue Erkenntnis. Schon vor 5 Jahren beklagte man eine signifikante Fokussierung von Kommentarbeteiligung auf einzelne populäre Blogs, frei nach dem Motto: Wo das hellste Licht scheint, fliegen die meisten Motten hin. Doch selbst diese Strahlkraft scheint nun ihren Effekt zu verlieren.

Ein paar Zahlen: Laut Blogoscoop hatte bspw. der Kommentar-Primus Basic Thinking roundabout 1.200 Kommentare in 30 Tagen, Nerdcore 900, Spreeblick „abgeschlagen“ 600 (und danach geht es mit den Zahlen steil bergab). Mögen die Zahlen in Anbetracht des eigenen Kommentarmangels eines kleinen Weblog-Anbieters noch imposant wirken, so bedeuten sie doch eine Kommentar-Resonanz von (am Bsp. Nerdcore) 30 Kommentaren pro Tag bei knapp 1 Mio. Page-Impression, das sind 1 Kommentar alle 1.200 Seitenaufrufe, oder drei Kommentare im Schnitt pro Artikel – wobei Nerdcore zugegebenermaßen ziemlich viele Artikel veröffentlicht pro Monat (310) – bei Spreeblick sind es im Vergleich 162 Artikel, dafür aber auch „nur“ 600 Kommentare (also knapp 4 Kommentare pro Artikel).

3-4 Kommentare pro Artikel, das ist nicht unbedingt das, was man sich bei Leit-Blogs der Web 2.0-Szene damals vorstellte, als man vom „Mitmachen“ und „Interagieren“ visionär redete. Das ist im Übrigen vollkommen vorwurfsfrei und ohne Häme zu verstehen. Es ist vielleicht einfach nur eine Erkenntnis wert: Das Format Weblog ist kein Teil des Mitmach-Web mehr. Es ist zwischenzeitlich eher eine Form des „semi-professionellen Online-Magazin“ geworden, das Kommentierungen erlaubt, wie aber auch die meisten „professionellen Magazine“ längst auch, ohne sich deswegen „Blog“ zu nennen. Aber warum haben die „Mitmacher“ die Lust am eigenen Wort verloren?

Zum einen muss man das wohl einschränken. Nischen-Themen haben weiterhin ihren festen Kommentarfundus. Im Fußball-Bereich wird weiter fleißig kommentiert, solange das Weblog selbst nicht zu sehr in ein Magazin-Layout geschwenkt ist. „Magazinig“ mag zwar ein populäres Modewort im Weblog-Sektor nach wie vor sein, bringt aber im Wesentlichen nur zum Ausdruck, weg vom kalendarischen Blog-Posting hin zu einem thematisch-plakativen Layout zu kommen, um mehrere Themen nach redaktionellen Erwägungen im Fokus zu halten. Das aber zerstreut auch die Besucher und Kommentarkultur lässt sich eben nicht beliebig lenken und streuen. Ein Effekt, der auch bei hohen Posting-Frequenzen beitragen kann, schließlich will auch ein Kommentar gelesen werden und dies tut er nicht, wenn er nach nur wenigen Stunden fast schon ins Archiv gewandert ist.

Aber dies alles sind Zustandsbeschreibungen und auch gute Gründe einer Erklärung, wobei man bei allem nicht immer weiß, was zuerst da war: Henne oder Ei – Neuer Stil oder fehlende Mitmach-Kultur.

Haben die Deutschen (und nur hier habe ich den empirischen Vergleich) die Lust am Kommentieren verloren? Wohl nein, im Gegenteil. Aber eben nicht mehr in freier Wildbahn. Man will zwar über Themen diskutieren, aber nicht mehr irgendwo im WWW, sondern „unter sich“. Der aktuelle Siegeszug (und so darf man das durchaus nennen) von Facebook spiegelt das wieder, was die Gesellschaft offenbar will, wenn sie „mitmachen“ soll: die Gemeinschaft/Community. Man will weder irgendwo eine Diskussion beginnen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, noch sich zwischen anonymen Troll-Kommentatoren und sich dabei selbst öffentlich outend in die Massenkommentar-Keilerei eines Populären Forums oder Blogs werfen. Man will „unter seinesgleichen“ sein, wo man weiß, wer liest und Reaktionen bekommt von denen, deren Reaktion einen auch interessiert. Die Inhalte haben dazu gefälligst zur Community zu kommen und nicht die Community zum Inhalt – eine solche „gefällige“ Lösung ist daher nicht zufällig ein „Gefällt mir“-Button von Facebook, durch den man auch aus dem WWW heraus seine Community informieren kann, welche Inhalte man für beachtlich hält.

Zeigen und Teilen scheint eh zunehmend wichtiger zu werden als eine Diskussion. Kurze Einwürfe, Querverweise, Bezugnahmen – man stückelt sich sein Profil zusammen aus Schnipseln und lässt sich auf ausschweifende Erklärungen seiner Position gar nicht mehr ein. Allein das wäre sicher auch eine eigene Betrachtung wert.

Die Entwicklung mag (vielleicht auch wieder nur) eine Momentaufnahme sein, aber sie erscheint konsequent. Eine Konsequenz aus einem Web 2.0, das nach anfänglicher Geburtseuphorie (leider viel zu schnell) sein Begeisterung verlor und erwachsen wurde, und eine Konsequenz aus der zunehmenden Erkenntnis, dass das offen geschriebene Wort im Internet weit mehr (und längere) Konsequenzen haben kann, als man glauben wollte. Anonymität dagegenzusetzen trifft aber nicht den Kern des Bedürfnisses sich mitteilen zu wollen.

Die Aufgabe der Communities wird also sein, sei es Facebook, Xing oder zukünftig einmal doch auch noch Google, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen, dass das dort gesprochene Wort wenn auch nicht geheim, aber doch nur bei dem ankommen, den man dies auch erlaubt – ob das dann immer vernünftig umgesetzt wird vom Einzelnen, ist ein anderes Thema. Die selektive Steuerung von Informationsweitergabe, wie das von Facebook begonnen wurde, aber noch nicht richtig rund ist, wird diesem Interesse gerecht und wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass so manche Diskussion über einen Blogartikel für den eigentlichen Verfasser unbemerkt geführt wird und die Diskussion emanzipiert sich endgültig vom Initiator.

Und ich bleib (B-)logger – Das Leben nach Weblog (via Netzzeitung)

Ein lesenswerter Artikel bei der Netzzeitung zur Deutschen Blog-Krise, deren Existenz man beschönigen kann, aber nicht verleugnen. Den Link haben sie sich verdient:

Dem ehrenamtlichen Blogger fällt einfach nichts mehr ein, aber das ist ihm auch egal, weil ja eh alles egal ist. Seit es Blogs gibt, hören die meisten nach einem halben Jahr wieder auf. Irgendwann sind alle Anekdötchen verballert, alle Meinungen gemeint und alle Lieblingsbands vorgestellt worden, dann kommen die Mühen der Ebene und dann ist es plötzlich fad. Auch nichts Neues.

via NETZEITUNG INTERNET NACHRICHTEN: Das deutsche Problem.

Ohne jetzt wieder zu sehr auszuschweifen glaube ich: Weblogs sind ein tolles Medium, aber im falschen Jahrhundert.

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Das Städel bloggt

Frankfurt_bloggt_das_neue_Staedel-300x193 © Städel 2009

Das Städelmuseum Frankfurt will mit dem Städel-Blog „die Errichtung des Erweiterungsbaus des Städel Museums begleiten.“

Wir bloggen über den Baufortschritt, über Veranstaltungen, Aktionen, Kunstwerke im neuen Städel und vieles mehr. Neben aktuellen Informationen erhalten Sie hier spannende Einblicke hinter die Kulissen und können sich mit Kommentaren oder der Teilnahme an Aktionen selbst in das Geschehen einbringen.
Quelle: Das Städel bloggt. Warum bloggt das neue Städel?

Ein begrüßenswerter Ansatz, wenn endlich auch Institutionen und öffentliche Einrichtungen das Bloggen als Kommunikationsform entdecken und damit aus der hoheitlichen Position herunter auf Augenhöhe kommen. Bloggen kann so ein Schritt sein, ein Schritt zu mehr Transparenz und auch Kritikfähigkeit. Allein die Umsetzung wird zeigen, ob das gelingt.

Auf dem ersten Eindruck erscheint das optisch gefällige neue Blog allerdings eher wie die Suche nach der moderenen Cash-Cow um das Spendenbarometer in die Höhe zu treiben. – Keine Frage: Kultur ist auf Spenden angewiesen in Zeiten klammer Kassen, das ist legitim. Aber das mit Bloggen zu kaschieren wäre eine Gratwanderung. Sollte sich das Blogprojekt also als reiner Deckmantel entpuppen, wird erfahrungsgemäß die Resonanz der Netzcommunity entsprechend sein und die gewollte positive Außenwirkung in Frage stellen. Die Zukunft wird es zeigen.

www.das-neue-staedel.de

Erster Praxistest offener Kommunikation: Wird ein Ping von diesem Artikel hier wohl freigeschaltet?

Hurra, hier ist mein absolut normales Blog

Ich schreibe %/sj)(/kfhdkfdfhj und bohr mir dabei in der Nase.
Ich scheiß‘ auf Peergroup, denn ich hab gar keine.
Gibts keine Kommentare, hat einfach keiner was zu sagen gehabt.
Rutsche ich beim Ranking runter, rutscht das Ranking mir am Hintern vorbei.

Ich brauch keine Quote,
hab niemand was zu belegen.
Bin kein Thema schuldig.
Kann auch einfach mal die Fresse halten.

Hab mich nicht spezialisiert
nur manches aussortiert
jetzt ist das hier geblieben
und ich damit mehr als zufrieden.

Mag ich den Trend verpasst haben
noch ein Blog 1.0 betreiben
vollkommen old school sein
wie mein Klamottengeschmack der seit 20 Jahren zu 99%
mit der Farbe „vorwiegend schwarz“ hinreichend erklärt ist.

Klar twitter ich, hab auch meine anderen Blogs,
bin bei Facebook und meld mich bei allem an, was „bei 3“ nicht offline ist.

Aber das ist, liebe Leute,
das hier ist my Home my castle.
Hier hau ich die Schlappen unter die Couch
hier schreie ich jemand aus dem Fenster zum Hof runter an,
wenn mir was nicht passt.

Hab keinen Leserdruck mehr,
der eigentlich nur ne Kopfsache war.
Einfach meins.
Einfach normal.
Einfach ich.

Schön.

Was habe ich in den Blogs verpasst? Leseempfehlungen verzweifelt gesucht!

Kann mir nicht jemand sagen, was ich in den letzten zwei Wochen urlaubstechnisch verpasst – also wirklich verpasst habe. Also nicht unbedingt die seitenweise Gegenüberstellung von Pro und Cons von Zensursula, sondern an charmanten, witzigen, frechen, intelligenten – kurzum: lesenswerten Artikeln?

Ich kann mir hier unmöglich die 3000 Blogbeiträge durchsehen, die allein in meinem Reader schwimmen.

Hilfe!

Ein ♥ für Blogs – Mal wieder zu spät

ein-herz-fuer-blogs

Seien wir doch mal ehrlich, die deutschsprachige Bloglandschaft steckt seit einiger Zeit in einer Depression. Im besten Falle wird zwar beobachtet, was die Nachbarn so machen, aber ein wirkliches miteinander findet meist nur in Ausnahmefällen statt. Die gute alte Blogroll ist aus den meisten Layouts verschwunden oder leidet an Altersschwäche. Wir kochen vor allem unser eigenes Süppchen.

Zeit sich Zeit zu nehmen, und den eigenen Lesern zu zeigen, welch tolle Blogs da draußen sind, den Horizont etwas zu erweitern, und miteinander zu kuscheln.

Ein ♥ für Blogs – Ein Herz für Blogs

Also da spricht man mir ja mal aus der Seele. Die Verlinkung untereinander, die Offenheit für neue Blogs, ihnen auch die Chance zu geben mal Trendsetter zu sein, mal nach vorne geholt zu werden, hat doch – sind wir mal so ehrlich – nachgelassen. Früher hatte mal Herr Kluge z.B. einen One-Hit mit so einem Piratenspiel – wie hieß das noch gleich …? Heute würde das gar nicht mehr so gehen, denke ich. Liegt zum einen einfach an der Informationsflut, an der zunehmenden Breite (auch an der Spitze), aber – vielleicht damit zusammenhängend – auch an der Situation, dass man – man kennt das ja selbst auch, und die A-Blogs erst Recht – schon genug damit zu tun hat, seine Primärkanäle mit Blog, Twitter, Facebook & Co. zu bedienen und den eigenen bereits prallen Feedreader täglich zu erleichtern. Keine Zeit eben, keine Zeit mehr für stöbern und entdecken – und selbst wen es doch einmal einer tut, hat man nicht mehr genug Aufmerksamkeit der eigenen Leser, sie davon zu begeistern. fast blogging passt eben auch in unsere Zeit, was hilft das Jammern.

Also da kommen solche Aktionen eben mal gerade Recht, auch wenn ich – ja, ja, ich weiß – schon wieder mal zu spät bin – „Einsendeschluss“ der Aktion war der 21.4.. Egal. Hier nun ein paar Vorstellungen, ein eingestreuter „Witz“ ist dabei, aber so isses nun mal, bisschen was muss immer bei sein.

Naja, das war’s wohl. War nun auch nicht so über dem Tellerrand und bisschen Ringelpietz dann doch, aber auf die Schnelle immerhin stets bemüht. Natürlich gibt es noch andere Blogs und wen ich hier nicht alles noch erwähnen müsste – aber ging ja auch mehr um einen Querblick und die Idee. Sollte man viel öfter machen.

Jetzt müssen die ganze Aktion auch noch alle gegenseitig Lesen und nicht mit dem Publizieren des eigenen Beitrags die Hände reiben und ablegen. Sonst machts keinen Sinn. 😛

re:publica ’09 in Sachen Fussballblogs – Mein kleines Nachtreten

Ich muss einfach noch mal Nachtreten, denn ein Thema ist noch nicht ausgesprochen, liegt mir aber noch auf der Zunge, muss also raus.

Am 1. Tag der re:publica ’09 traf sich ein Diskussionspanel zum Thema „Blogs in Deutschland“ (ich berichtete) mit doch so namhaften Teilnehmern wie Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Robert Basic, Sascha Pallenberg sowie Stefan Niggemeier. Man beklagte dort ne ganze Menge, dabei fiel auch ein Beispiel, das ich gerne etwas gerade rücken würde.

Es fiel das Beispiel „Deutsche Fussball-Blog-Szene“ und wie traurig die doch aussähe. Wo wären denn die engagierten Fußball-Fans, alles wäre quasi wüst und leer und Amerika natürlich auch im Sport viel weiter und besser. Wer immer es aus dem Panel auch aufbrachte, es stand da jedenfalls so unwidersprochen und ich als Clubfans-Blogger und mein Nachbar als Weser-Blogger waren sprachlos – und das möchte ich an der Stelle mal ausdrücklich korrigieren.

Es gibt eine ganze Reihe hervorragender deutscher Fußball-Blogs!

Allein kürzlich in München hatte ich die Gelegenheit einige dieser Spezies persönlich kennen zu lernen. Die Szene ist nicht nur ausgesprochen profund in Sachen Vereine, es gibt auch diverse Meta-Blogs und auch solche mit soziokulturellen oder humorvollen Einschlag.

Hier an die Anwesenden im Panel eine kleine Gedächtnisstütze via fussballfszene.de (und das war der Stand 2008):

Weitere zu finden über die Fussballblog-Suche

Es geht mir hier nicht um Besserwisserei, es geht mir darum, dass in solchen Zusammenhängen ein Vorurteil geschaffen wird, das dann beständig kolportiert wird. Hier gilt für mich das Dieter Nuhr Zitat: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“, was vielleicht härter klingt, als ich es meine – auch weil ich einige der genannten am Panel sogar persönlich hoch schätze.

Aber wenn ich in so ein Panel gehe und über Blogs in Deutschland resümiere, und wenn ich dann noch dezidiert sogar ein Genre rausgreife, und wenn man dann eben keine Ahnung hat, dann sollte man sich besser nicht dazu äußern. Das geht vielleicht noch gut in der offenen Runde im barcamp, aber nicht auf einem Podium. Damit tut man dem Image der Blogs in Deutschland keinen Gefallen, zudem ist es etwas respektlos gegen die, die diese – zum Teil wirklich hervorragenden Blogs – betreiben.

So, jetzt geht es mir besser.