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Warum es so wichtig ist, nicht gesehen zu werden

Aus gegebenen Anlass und nach den schockierenden Enthüllungen der Gesichtserkennung in Facebook (formally known as Biometrie about 2005 or so and so …) muss man wieder einmal erkennen, dass Monty Python schon immer seiner Zeit voraus war!

Gesichtserkennungsabwehr

Diesen hervorragenden Gesichtserkennungsstopper habe ich bei Dobschat gefunden, er ist bei Amazon für einen wahren Spottpreis von nur 6,98 Euro erhältlich. Und das ist uns unser Datenschutz ja wohl auch allemal wert!

Auf Wunsch übrigens mit individueller Beschriftung mit eigenem Namen sowie QR-Code mit allen persönlichen Daten.

Der Gesichtserkennungsstopper wird im anonymen, diskreten Umschlag geliefert, Adresse und Adressat sind SSL-verschlüsselt und der Bote verpickelt.

Mein Leben in Blog, Twitter & Co. – So reite ich das Datenmonster

Meine ganz persönlichen Regeln für Twitter/Blog und Social Web:

  • Persönliches ja, Privates nein
    Ich schreibe über das, was mich betrifft, meine Sichtweise, aber nicht was andere betrifft. Streite ich, so schreibe ich vielleicht über meine Gedanken zum Thema über das es geht, aber nicht über den Konflikt und schon gar nicht über den anderen im Ringe.
  • Vater ja, Kinder nein
    Ähnlich wie der Punkt davor: Was mich abstrakt als Vater und Vater-Sein beschäftigt, verarbeite ich dann und wann in Texten, Bildern und Gedichten. Aber man wird kein Bild meiner Kinder öffentlich zugänglich finden (ausgenommen vielleicht mal in Zukunft im Zusammenhang mit öffentlichen Veranstaltungen). Ich möchte meinen Kindern später mal die Chance geben, selbst zu bestimmen, was von ihnen im Netz steht. Wenn ich sie heute schon auf den virtuellen Markt trage, werden sie diese Daten nie mehr beseitigen können.
  • Ich ja, mich nein
    Wer hier alles liest, der bekommt sicher ein Bild von mir. Es wird aber nie vollständig sein, denn ich habe immer eine Grenze, die auch dem geschuldet ist, dass es nicht nur Gut-Menschen unter den Lesern gibt, sondern auch solche, die dir schaden wollen. Entsprechend gehört eine Menge an „ich“ in das Offline-Leben. Und was mich als Ehemann oder auch nur guten Freund angeht, hat das hier auch nichts verloren. Ausgenommen man ist sich über einen gemeinsamen Bericht über Dinge oder Events einig – das ist immer die Ausnahme, nie die Regel. Daher werde ich auch immer nachfragen, ob bspw. ein Bild in Ordnung ist – und erwarte das eigentlich auch bei anderen.
  • Business ja, Arbeit nein
    Natürlich spricht man über das Business, in dem man sich aufhält, nimmt die Erfahrungen mit, beschäftigt sich damit. Aber über meine tägliche Arbeit habe und werde ich nicht berichten. Das gilt inbesondere über Projekte und Auftraggeber. „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ sagt die Redensart und meint damit: Berufsleben und Privatleben muss man trennen. Und das hier ist mein Privatleben, auch wenn ich es manchmal vom Büro aus abschicke.
  • Don’t be evil
    Was Google sich gern als Unternehmensmotto zu eigen machen möchte, gilt eher als Aufforderung zur Online-Nutzung. Wer nicht irgendwann mal aus seinen Verfehlungen einen Strick gedreht bekommen mag, sollte online darüber schweigen. Und wer klug ist, glaubt nicht, dass er sich hinter Facebook- oder MySpace-Mauern sicherer fühlen könnte. Selbst die Wunschliste bei Amazon kann da schon pikante Details offenbaren, da muss man nur bei 123people.com mal gucken. – Daher: Auch wenn es langweiliger als Leser sein mag, wer publiziert muss zwar nicht heucheln, aber sollte auch nicht sein Live-Video vom Autorennen gegen den Kumpel durch die Innenstadt bei YouTube uploaden.
  • Gestern ist Heute ist Morgen
    Was immer du schreibst, was immer du veröffentlichst – es wird immer da sein, von jetzt an bis in alle Ewigkeiten. Das Netz vergisst nicht, vergiss du das auch nicht.
  • Gelesen, Gehasst und Geliebt
    Ob die Meinung zu Fußball, zum Wetter, zur Politik oder einfach zum neuen Mobiltelefon: Sobald man eine Meinung veröffentlicht, wird man Reaktionen auslösen. Vielleicht nur Nicht-Beachtung, vielleicht aber auch übertriebene Verehrung oder abgrundtiefe Verachtung. Mit allen muss man umgehen, mit der Enttäuschung, niemanden zu interessieren, ebenso wie mit den Erwartungen der „Fans“ (im weitesten Sinne) oder den bohrenden Hass deiner „Feinde“ (im weitesten Sinne). Darauf muss man sich einstellen, vorbereitet sein, damit umgehen können. Auch damit, dass man falsch zitiert, verzerrt dargestellt oder gebasht wird. Auch hier die alte Redensart: „Viel Feind, viel Ehr.“ Nur wer eine bestimmte Bekanntheit hat und seiner Linie treu bleibt, wird sich auch viele Feinde machen – das ist also durchaus eine Art Anerkennung. Man kann es mögen oder damit hadern, ändern wird man daran wenig.
  • Ich bin der Herr, der Allwissende
    Ich bestimme, wann wo und wie was von mir steht. Und auch wenn ich nicht alles bestimmen und kontrollieren kann, so bin ich doch wenigstens allwissend. Ich überwache das Netz, ich spidere mit Google Alerts bspw. nach meinem Namen und bestimmten Schlüsselbegriffen, ich verfolge Referer, ich suche nach Spuren. Ich möchte erfahren, was andere wissen wollen, und möchte wissen, was andere erfahren können. Ich suche nach mir selbst und weiß, was man finden kann. Das ist nicht alles schön, aber es ist gut zu wissen und lässt – wie bspw. mit einem Namenskollegen schon passiert – vorbereitet sein, was für Ärger (z.B. durch Verwechslungen) auf einen zukommen kann. Das hilft im Bewerbungsgespräch wie beim Anschreiben des Anwalts.

Könnte man sicher mit etwas mehr Zeit fortsetzen und ausarbeiten. Am Ende ist für mich meine Erkenntnis: Deine Daten sind eine heilige Sache. Das mag aus dem Mund einer „digitalen Rampensau“ wie mich fast lustig klingen, aber ich hüte einen bestimmten „Datenschutzring“ um mich sehr akribisch. Es ist wie jemand, der sich auf Partys und Festen zu Hause fühlt, seine persönliche körperliche Schutzzone aber gut zu verteidigen weiß. Mittendrin, aber nur dabei – sozusagen.

Im Gegensatz zu vielen Artikeln, die das Schaffen einer geschönten Realität als Maxime des Online-Daseins verkünden, halte ich Authentizität weiter für wichtiger als eine gebügelte Online-Persönlichkeit. Authentisch sein heisst aber noch nicht, sich deswegen nackt zu machen. Das Erlernen des Umgangs mit sich selbst in einer Welt, die sich alles merkt und sofort eine riesige Öffentlichkeit erzeugen kann, überfordert viele – manche aus Naivität oder Leichtsinn, manche aus Unkenntnis. Ob man für jeden Online-Fehler büßen muss, ist unwahrscheinlich, dass einen manches aber irgendwann mal einholt, absehbar.

Sich dem Ganzen zu entziehen, wird einen nicht helfen. Die Daten werden nicht nur von einem selbst verfasst und eingegeben, das tun andere für einen und prägen dann vielleicht ein Bild, das einen noch viel schlimmer verzerrt (ich denke da an ein häßliches „Fun-Foto“ einer Frau mit photoshopter Knoll-Nase, erstellt als Joke auf der privaten Website eines Bekannten, das aufgrund sonstiger Online-Abstinenz nun über die Google-Bilder-Suche mit dem Namen einzig gefunden wurde). Zudem wird schon bald eine Online-Abstinenz mehr und mehr als „seltsam“ betrachtet werden. Wieder frei nach dem „Google-Motto“ ‚Don’t be evil‘: Nur wer etwas zu verbergen hat, ist online nicht zu finden.

Besser man lernt das Datenmonster zu reiten, bevor es einen überrennt. Runterfallen kann aber auch der erfahrenste Reiter, machen wir uns da nichts vor.

CD der Blog- und Twittersünder aufgetaucht – ENDL Dir Deine Meinung!

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ENDL rät zur Selbstanzeige aller Blogger- und Twittersünder. Uneinigkeit im Social Web, ob eine weitere Weiterverbreitung gesellschaftlich überhaupt zumutbar ist. Robert B. und Sascha L. vor schwierigen Verhandlungen mit Don A. – Koalition auch mit Mario S. nahezu auszuschließen. Bill G. rät seiner Ex-Firma proaktiv auch mal solche Daten aufzuspüren. Steve J. plant iSin nach unbestätigten Informationen noch 2011, Aktien schießen darauf hin in den Himmel.

ENDL Dir Deine Meinung!

Darf man Illegales tun, damit man Illegales aufdeckt?

Wie z.B. Daten aufkaufen, die einer rechtswidrig sich beschafft hat und mit denen man Steuersünder überführen könnte?

Ganz einfach: NEIN!

Politiker von SPD und Grünen sprachen sich dagegen für einen Ankauf aus. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte. „Es ist in diesem Land üblich, dass für Informationen auch Geld gezahlt wird“, sagte sie im Radiosender NDR Info. Zudem würden in anderen Fällen immer wieder Geschäfte mit Kriminellen gemacht, etwa bei der Kronzeugenregelung. Mittäter gingen dabei sogar straffrei aus, weil sie Informationen geliefert hätten.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte den Ankauf der gestohlenen Liste mit 1500 mutmaßlichen Steuerbetrügern. „Wir können Ganoven nicht laufen lassen, nur weil sie von Ganoven entlarvt werden“, sagte Gabriel der „Süddeutschen Zeitung“.
Quelle: SPON

Wo kommen wir denn da hin? Sind Teile der CDU/CSU und FDP, SPD und GRÜNE, die das fordern, endgültig in Republica Banana angelangt?! Wir sind hier ein Rechtsstaat! Hat man den gar nichts gelernt, dass man Unrecht nicht mit Unrecht begegnen darf? Warum macht sich unsere Exekutive und Judikative so einen Aufriß um nur wirklich legal gewonnene Beweismaterialien vor Gericht zu bringen? Und nur weil es hier mal ein populistisches Thema in guter alter Sozialneid-Manier ist, darf man den Rechtsstaat verleugnen?

Muss man wirklich daran erinnern, dass die Grundregel des Rechtsstaats die Gesetzmäßigkeit von Exekutive und Judikative und die Bindung des Gesetzgebers an Verfassungsprinzipien ist?

Ich bin vollkommen entsetzt, auch wenn man den Steuerflüchtlingen die Strafe gönnen würde. Aber wenn man es ernst meine, dann müsse man das auf legalen Wege bekämpfen, aber hier hat man ja nicht den Arsch in der Hose um sich gegen die Lobby durchzusetzen. Statt dessen streicht man Spenden ein und macht neue Steuerfreiräume für die Spender auf. So sieht es aus.

Amateurfotos in Google Street View

Jetzt wird es unkontrollierbar und damit kann man sich endgültig von einer Privatsphäre im öffentlichen Raum wohl verabschieden.

Google hat seinen fotografierten Straßenzügen unter dem Angebot Street View eine Erweiterung verpasst. Die automatisierten Aufnahmen werden nun mit geocodierten Amateurfotos aus Googles eigenem Bilderdienst Panoramio ergänzt.

via Google baut Amateurfotos in Street View ein – Golem.de.

Closeup – Jeder ist erkennbar

Screenshot 1

Das ist ein Bild von der Antrittsrede Barak Obamas, ein schöner Überblick über die Location und die vielen vielen Anwesenden.

Auf der Website Gigapan ist dieses Foto zu sehen und dort wird demonstriert, was uns wohl in Zukunft auch allgemein erwartet – man kann nämlich einzoomen.

Screenshot 2

Das ist schon mal bemerkenswert, aber man kann noch weiter rangehen:

Screenshot 3

Man erkennt die Leute, man sieht Details. Aber das ist noch nicht alles, man kann noch weiter rangehen – so nah, dass man den Leuten ins Gesicht schauen kann. Jeden einzelnen dieses Bildes, wenn er nicht gerade die Hand vor dem Gesicht hat oder sich wegdreht.

Screenshot 4

Das ist beeindruckend, das ist „schockierend“ zugleich. Es führt vor Augen, wie selbstverständlich diese hochauflösenden Bilder bereits sind. Jetzt kombiniere man das noch mit Bewegtbild und einer biometrischen Live-Auswertung und man kann jeden Besucher der Veranstaltung den eigenen Namen über dem Kopf einblenden.

Und das kann Google fast schon oder wird es bald können (Wege zur Weltherrschaft – Heute: Die Biometrie). Dann kann man sehen, ob der gute Onkel aus Amerika auch wirklich ein guter Patriot und vor Ort war, wie er es am Telefon so sagte – oder ob er doch die Zeit im Strip-Lokal verbrachte? Moment, mal kurz die gecrackten Videos der Überwachungskameras aus dem Lokal scannen lassen …