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Es gibt für alles ein erstes Mal

Mit Angela Merkel ist zum ersten Mal eine Frau Bundeskanzlerin geworden (www) und mit Barack Obama (www) wurde zum ersten Mal ein „schwarzer Präsident“ gewählt.

Sogar noch in den 70er/80er/90er, als ich „groß“ wurde, war das kaum denkbar gewesen – vielleicht theoretisch, aber nicht wirklich realistisch. Heute ist aber beides Realität, gleichzeitig und zwischenzeitlich auch schon längst alltäglich, nach 2 Jahren Amtszeit für Obama (20.1.09) und sogar über 4 Jahren für Angela Merkel (22.11.05).

43 Präsidentschaftswahlen musste man in den USA darauf warten und immerhin 7 Bundeskanzlerwahlen brauchte es in der – im Verhältnis noch jungen – Bundesrepublik, um diese Schranke der Gesellschaft fallen zu sehen.

Aber mal ganz ohne Zynismus: Hat man sich für so einen – ja fast schon radikalen – Durchbruch in den jeweiligen Gesellschaften nicht viel mehr versprochen?

Oder anders gefragt: Hat sich dadurch eigentlich irgendwas geändert? Oder ist es nur Ausdruck davon, dass sich zwar die gesellschaftlichen Vorbehalte zwischen Schwarz und Weiß, Mann und Frau, weitgehend aufgeweicht haben, aber nur vor dem Hintergrund, dass zwar das politisch-gesellschaftliche Spiel jetzt davon unabhängig abläuft, aber sich an seinem Prinzip nichts änderte. Also nur die gesellschaftliche Evolution eines politischen Systems, statt Ausdruck einer Revolution der Werte?

Er hat nur seinen Job gemacht

… und den nicht mal zu Ende.

Liest man die Reaktionen zum Rücktritt von Horst Köhler, so könnte man glauben er wäre verstorben oder unter bedauerlichen Umständen unfähig sein Amt weiter auszuüben. Da facto hat Horst Köhler aber aus freien Stücken und ohne wirkliche Notwendigkeit sein Amt des Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung niedergelegt – ein bisher nie dagewesener Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Erst Koch, dann Köhler. Ist denn die Moral unsere Berufspolitiker so gesunken, dass sie ihr übernommenes Amt so einfach aus persönlichen Gründen mal so mir nichts dir nichts aufgeben? Hat denn der Amtseid nicht auch eine gewisse Bindungswirkung? Der Bundespräsident nach Artikel 56 GG: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

„Pflichten gewissenhaft erfüllen“ klingt für mich auch nach „zu Ende bringen“ – und dafür sollte mangelnde Kritikfähigkeit (oder ein Pöstchen in der Wirtschaft) nicht als Grund ausreichen, diese Pflichten abzubrechen.

Ich persönlich habe nicht das Bedürfnis mich im Pathos vor Dankbarkeit bei Horst Köhler zu bedanken, wie das manchen Reaktionen andeuten, die meinen, Deutschland sei Horst Köhler zu Dank verpflichtet. Zunächst mal muss man sagen, dass er vor allem seinen Job gemacht hat und für ‚den Job ordentlich machen‘ wird auch sonst keinem Arbeitnehmer in Deutschland tiefe Dankbarbeit zu Teil. Und den Job des Bundespräsidenten ist nun auch nicht gerade ein Pöstchen, vor dem einen grauen sollte – gerade wenn man generell an Amt und Würde Gefallen findet, was man auch Herrn Köhler durchaus unterstellen darf, sonst hätte er das Angebot auch nicht angenommen.

Es ist also kein Nachtrauern angesagt, sowohl bei Herrn Koch (unabhängig davon, dass ich nie einen Hehl daraus machte, mit seinen speziellen Wahlkampftaktiken nie einverstanden gewesen zu sein) wie auch bei Herrn Köhler, sondern es ist im Gegenteil ein „ungenügend“ auszustellen. Ein „Ungenügend“ für die Nicht-Erfüllung ihrer übernommenen Pflicht aus Motiven, die dem Amt – in meiner bescheidenen Meinung als politisch interessierten Menschen – viel weniger Respekt erwiesen haben, wie die von Herrn Köhler bspw. angeprangerte Kritik an seinen Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Meine Meinung.

Deutschland, deine Schilder: Hier sind 2 Sitze

Wohl nur in Deutschland gibt es Hinweisschilder über Sitze in Bahnen, die deren Anzahl angeben. Ok, in Amerika wäre statt dessen vielleicht ein längerer Disclaimer angebracht, wie man sich so alles verletzen kann mit einem Sitz.

Aber so richtig gut wird es erst, wenn …

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Schweinegrippe offiziell jetzt in Frankfurt angekommen

Man höre und staune – die Stadt Frankfurt lässt durch ihren Presse-Herold wissen:

Schweinegrippewelle ist in Frankfurt angekommen

Die Schweinegrippe ist definitiv in Frankfurt angekommen. 999 an der neuen Grippe erkrankte Personen hat das Amt für Gesundheit allein in der letzten Woche registriert. Auch in den Frankfurter Krankenhäusern werden vermehrt Patienten stationär aufgenommen, die an der „Schweinegrippe“ erkrankt sind

Quelle: www.frankfurt.de

Man möge mir trotz der Ernsthaftigkeit der Meldung die Ironie nachsehen, denn was hier nun offiziell gemeldet wird schlägt der Realität viel ironischer ins Gesicht. read more »

Verändert 2010 unsere Jahreszahl-Sprachgewohnheit?

Interessanter Aspekt bei Nerdcore gefunden mit Verweis auf Reddit: Werden wir unsere Sprachgewohnheiten für Jahreszahlen mit dem nächsten Jahr noch einmal ändern?

Als ich aufwuchs war klar, man sagte es in Hunderter, also Neunzehnhundert und dann die genaue Jahreszahl, wie Neunzehnhundertzweiundachtzig oder Neunzehnhundertsiebzig. Mit dem Millenium dann der Wechsel auf die Tausender wie Zweitausendneun, war ja auch cool die Tausender zu wechseln und Zwanzighundert ging gar nicht. Aber mit dem nächsten Jahr könnte es wieder ganz neu werden, denn so mancher sagt jetzt schon statt der Zweitausendzehn die Zwanzigzehn. Und auch Zweizehn hat man schon in freier Sprach-Wildbahn gesichtet.

René macht dazu gerade auch ne Umfrage, was man selbst favorisiert – derzeit vorne die Zweitausendzehn mit knapp 75% vor Zwanzigzehn mit 25% – Zweizehn hatte er da gar nicht im Radar.

Ich glaub ja, dass wir uns auf die Zwanzigzehn einstellen werden – einfach weil es einfacher über die Lippen geht und auch zukunftsfähiger ist als Zweizehn. Die Tausendersprachregelung ist zu lang, auf ein Eintausendneunhundertzweiundachtzig hätte sich ja auch keiner eingelassen.

Wer hat Angst vor Nach-Wahl-Terror? Niemand?! Und wenn er aber kommt?

Irgendwie scheint die Warnung vor Anschlägen im Zeitraum von 14 Tagen nach der Wahl keiner so ernst zu nehmen – öffentlich thematisiert wurde sie eigentlich (wie ich das mitbekomme) nur als sie vor einigen Wochen öffentlich wurde.

Doch seine Botschaft ist eindeutig, und die deutschen Sicherheitsbehörden nehmen sie ernst: Im Namen al-Qaidas droht der Bonner mit Terroranschlägen in Deutschland für den Fall, dass die Bundestagswahl nicht den Willen spiegele, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen.

Wörtlich sagt Harrach: „Entscheidet das deutsche Volk sich für den Krieg, hat es sein eigenes Urteil gefällt.“ Dann werde der Dschihad nach Deutschland getragen. Muslimen in Deutschland rate er, sich innerhalb der Frist von 14 Tagen nach der Wahl von allen nicht „lebensnotwendigen“ Orten fernzuhalten und ihre Kinder in ihrer Nähe zu behalten.

via Terrorismus: Al-Qaida droht mit Anschlägen nach der Bundestagswahl – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Ich will jetzt auch keine Panik schüren, aber große Polizeipräsenz um „lebensnotwendigen Orten“ ist mir nicht aufgefallen bisher, dabei müsste das Wahlergebnis doch der Drohung entsprechen.

Ist es fehlende Zivilcourage, wenn ich derzeit einen Bogen bspw. um den Frankfurter Hauptbahnhof mache? Oder einfach nur gesunder Menschenverstand?

re:publica ’09 in Sachen Fussballblogs – Mein kleines Nachtreten

Ich muss einfach noch mal Nachtreten, denn ein Thema ist noch nicht ausgesprochen, liegt mir aber noch auf der Zunge, muss also raus.

Am 1. Tag der re:publica ’09 traf sich ein Diskussionspanel zum Thema „Blogs in Deutschland“ (ich berichtete) mit doch so namhaften Teilnehmern wie Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Robert Basic, Sascha Pallenberg sowie Stefan Niggemeier. Man beklagte dort ne ganze Menge, dabei fiel auch ein Beispiel, das ich gerne etwas gerade rücken würde.

Es fiel das Beispiel „Deutsche Fussball-Blog-Szene“ und wie traurig die doch aussähe. Wo wären denn die engagierten Fußball-Fans, alles wäre quasi wüst und leer und Amerika natürlich auch im Sport viel weiter und besser. Wer immer es aus dem Panel auch aufbrachte, es stand da jedenfalls so unwidersprochen und ich als Clubfans-Blogger und mein Nachbar als Weser-Blogger waren sprachlos – und das möchte ich an der Stelle mal ausdrücklich korrigieren.

Es gibt eine ganze Reihe hervorragender deutscher Fußball-Blogs!

Allein kürzlich in München hatte ich die Gelegenheit einige dieser Spezies persönlich kennen zu lernen. Die Szene ist nicht nur ausgesprochen profund in Sachen Vereine, es gibt auch diverse Meta-Blogs und auch solche mit soziokulturellen oder humorvollen Einschlag.

Hier an die Anwesenden im Panel eine kleine Gedächtnisstütze via fussballfszene.de (und das war der Stand 2008):

Weitere zu finden über die Fussballblog-Suche

Es geht mir hier nicht um Besserwisserei, es geht mir darum, dass in solchen Zusammenhängen ein Vorurteil geschaffen wird, das dann beständig kolportiert wird. Hier gilt für mich das Dieter Nuhr Zitat: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“, was vielleicht härter klingt, als ich es meine – auch weil ich einige der genannten am Panel sogar persönlich hoch schätze.

Aber wenn ich in so ein Panel gehe und über Blogs in Deutschland resümiere, und wenn ich dann noch dezidiert sogar ein Genre rausgreife, und wenn man dann eben keine Ahnung hat, dann sollte man sich besser nicht dazu äußern. Das geht vielleicht noch gut in der offenen Runde im barcamp, aber nicht auf einem Podium. Damit tut man dem Image der Blogs in Deutschland keinen Gefallen, zudem ist es etwas respektlos gegen die, die diese – zum Teil wirklich hervorragenden Blogs – betreiben.

So, jetzt geht es mir besser.