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Mimimi

Das Netz ist was für harte Männer.
Subjektivität galore!
Je derber und unsachlicher, desto mehr macht es Klick.
Klick Klick Klick, das die neue Währung.

Von RTL lernen heißt Siegen lernen. Von BILD sowieso.
Und wer aufmuckt, wird niedergebügelt.
Wozu argumentieren, wenn man den Gegner auch diskreditieren kann.
Und wird dann gemault, kommt das Mimimi.
Klick Klick Klick, auch die Mimose macht nen PI.
Das Netz braucht Eier.

Und weil es funktioniert, muss man auch verstehen,
dass es halt klickt, auch wenn man es verteufelt.
Aber klickt halt, das muss man verstehen.
Klick Klick Klick, dann klickt auch der Werbepartner,
damit die Münzen klingen.

Und jeder Klick,
so ist es eben,
gibt Recht.
Klick ist relevant.
Klick macht relevant.

Mimimi.

Wie aus »sozialer Verantwortung« »Corporate Social Responsibility« wurde

»Kapitalismus ist ein Raubtier«, so klang es gern aus tendentiell linken Kreisen. Zutreffender erscheint mir die Aussage von Agent Smith (Spielfilm »The Matrix«): »Menschen sind wie ein Virus«. Die Menschen sind es also, nicht das Wirtschaftssystem per se. Oder macht das System den Menschen zum Virus?

Ein Virus befällt einen Wirt und plündert ihn aus, bis er sich erfolgreich wehrt oder verbraucht ist – dann wird ein Neuer gesucht. Ob es einen Neuen gibt, darüber macht sich ein Virus keine Gedanken, es konzentriert sich nur auf die aktuelle Aufgabe: Steigerung der Produktivität unter effizienter Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen.

Damit wir uns als Mensch vom Virus unterscheiden, haben wir Verstand und Moral bekommen, und beide mahnen uns zu dem, was man soziale Verantwortung nennt. Es ist gerade keine rein moralische Frage! Soziale Veranwtortung ist eben auch logisch – nämlich Zukunftssicherung.

Wenn man heute sieht, wie Arbeitnehmer in die Knie gezwungen werden und Manager sich dafür noch Leistungs-Boni geben, wenn man liest, dass Gewinne erwirtschaftet und dennoch zur weiteren Gewinnsteigerung (steuer-begünstigt) Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden, wenn berichtet wird, wie Unternehmen nur noch Gewinnmaximierung verfolgen und Anleger und Analysten trotzdem enttäuscht sind, weil sie eben noch höhere Erwartungen hatten …
Da fragt man sich doch: Wohin soll das alles führen? Was ist das Ziel des Ganzen, wenn man es einmal in Ruhe ganz einfach zu Ende denkt?

Keine Sorge: Dies ist ein Blog, keine Chronik und kein Gutachten – Und zu meiner Beruhigung: ich muss mich gar nicht erst um Vollständigkeit bemühen.

Voller Interesse nahm ich also vor kurzem (9.3.) an einem Abend aus der Veranstaltungsreihe »MedienMittwoch« in Frankfurt teil – Thema: »Gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft: Alles nur heiße PR-Luft?« – Hatte ich wirklich erhofft, hier etwas zu hören, was meine Stimmung verbessert? Das Ergebnis war in meinen Ohren vielleicht sogar schlimmer als befürchtet: Hätte man doch wenigstens das Thema »Soziale Verantwortung« durch Allgemeinplätze und PR-Aussagen umschmeichelt – hätte man sich doch wenigstens bemüht, uns zu vertrösten und alles zu beschönigen. Nein! Es war noch schlimmer: Man hat dem ganzen eine neue Verpackung verpasst, einen neuen Namen gegeben und dann instrumentalisiert. Und was hätte besser gepasst als dem Ganzen im Zeitgeist des globalisierten Denken den Namen »Corporate Social Responsibility (CSR)« zu verpassen?! Kein Wort der anwesenden Verteter mächtiger Unternehmen von »Verantwortung« im übergreifenden Sinne. Man schränkte »CSR« ein, wie z.B. auf ein branchen-spezifisches Förderprogramm, und man zeigte Akribie in der Abgrenzung zur schnöden Marketing-Maßnahme. Und wehe einer sprach das Thema Arbeitsplatzabbau an! »Das ist doch Themaverfehlung! Das hat mit »Corporate Social Responsibility« ja doch gar nichts zu tun!« – Richtig! Aber ging es an dem Abend nicht um das Thema »gesellschaftliche Verantwortung«…?

Wenigstens der Aspekt des Arbeitsplatzabbaus kam dann doch noch auf den Tisch des Abends – und wenigstens dieser trübte die sonst so selbstschulterklopfend frohe Stimmung. Aber auch das machte mich nicht wirklich zufriedener: Wo war der Hauch eines übergreifenden Ansatzes? Ein Bekenntnis zu den Wurzeln der Unternehmen und den Menschen, die darin arbeiten. Vor allem aber auch: Wo ist die Verantwortung für das Land und die Menschen, die das Unternehmen zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Wenn Unternehmen so mächtig geworden sind, dass die Politik die Zügel verliert, so ungreifbar geworden sind, weil sie durch den globalisierten Markt unter gar keine Kompetenz mehr fallen, dann wäre es eben an der Zeit aus sich selbst heraus die Verantwortung zu begreifen, die man für die Gesellschaft hat.

Aber – ich erinner an den Gedanken vom Anfang – ‚Unternehmen‘ sind keine Wesen, es sind die Menschen, die Unternehmen zu dem machen, was sie sind. Und auch die Käufer der Produkte, die Kunden und die Partner bestimmen den Kurs mit, vielleicht ebenso wie die Manager selbst.

Warum also gibt es keine Liste, aus der ersichtlich ist, wer denn tatsächlich noch im eigenen Land produzieren lässt? Warum keine Auswertung, wessen Mitarbeiter wirklich zufrieden sind und welche Manager sich nicht dafür besonders bezahlen lassen, den Karren, den andere der Zunft in den Dreck gefahren haben, wieder rausziehen (denn das ist ja eben deren Job!).

Vielleicht ist es so, vielleicht muss der Druck erst weiter wachsen, bis Unternehmen soziale Verantwortung begreifen. Und vielleicht braucht die Gesellschaft noch ein wenig Zeit, bis sie versteht diesen Druck aufzubauen. Zeit für die Erkenntnis, dass Geiz und Egoismus eben nicht geil sind, sondern es geil ist Mensch zu sein und Verantwortung für sich, seine Mitmenschen und seine Umwelt zu übernehmen.

Responsibilityyyy – Aus einem Weblog zum »MedienMittwoch«
http://myblog.de/comment.php?blog=so-zi-al&id=994474