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Fastenzeit 2011

Und wir verkünden: Nix.

Als mittlerweile fast schon gelebte Tradition verkünde ich an dieser Stelle gern meine alljährlichen Fastenziele. Und auch wenn ich nach wie vor überzeugt von der Fastenzeit bin, so bleibe ich mir aber auch insoweit treu nur das zu fasten, was ich wirklich als “dran” ansehe – und das ist dieses Jahr in meiner Zeit vor Ostern aber eben “nix”. Es ist nicht so, dass etwas Enthaltsamkeit nicht allgemein wieder gut täte, aber das kommt meinem Verständnis von Fasten eben nicht wirklich nach, da muss schon ein tieferer Beweggrund dahinter stecken, an dem es aktuell aber mangelt.

Mag sein, dass die jüngsten Geschehnisse dazu ihr Scherflein beitrugen. Der Tod von Ronny, auch die gerade noch gefühlt wie gestern zurückliegende letzte (und durchaus ambitionierte) Adventsfastenzeit, jetzt meine Woche grippalen Infekts, der immer noch nicht restlos alle Spuren verwischt hat. Dies alles spielt zusammen und lenkt meinen Fokus derzeit auf andere Dinge, die mir wichtiger erscheinen, als sich durch Enthaltsamkeit selbst zu mäßigen.

Mäßigung ist aber dennoch mein Thema in der Fastenzeit 2011: Mehr Vernunft in allen Belangen, mehr Fokussierung und mehr Verantwortung, das sind meine – wenn auch ‘weiche’ – Fastenthemen dieses Jahr. Nicht so klar bestimm- und überprüfbar, nichtsdestotrotz aber ernst empfundene Themen.

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Bloguzius sagt

Wer Gott für alles verantwortlich machen will,
muss mindestens an ihn glauben.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

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Fastenzeit-Countdown “-10″

Heute ist der 14.12. und nach Adam Riese sind es noch 10 Tage bis zum Ende meiner Fastenzeit – ein kleiner Zwischenbericht.

Das Gefühl war spontan, heftig und intensiv. Ein Bewusstsein, dass es einem nun verwehrt sein wird weiterhin Freude im Leben zu empfinden. Entrissen der eigenen Gewohnheiten, ausgesetzt in der Wüste der Enthaltsamkeit. Man kommt sich leer vor, die Aussicht auf Feierabende sind freudlos. – Und das war das Gefühl am ersten Tag der Fastenzeit, so gegen 11:00 Uhr vormittags …

Fastenzeit hat nichts mit Diät zu tun und die Gefühle sind nicht zu vergleichen mit den Empfindungen, die man hat, wenn man es mit anderen "Tricks" zum Abnehmen versucht hat.

Tatsächlich ist es dann "nicht so schlimm" wie man dachte und andererseits ist der Verzicht von Koffein, Alkohol, Süß- und Fleischwaren dann doch weit einschneidender im täglichen Leben als gedacht. Mangels Ablenkung durch Genussmittel zieht sich bisweilen so ein Abend vor dem Rechner dann doch etwas zäh, auch da mangels wohltuender Wirkung eines Glas Roten oder Weißen, die so manch' seichte Internet-Diskussion oder höhepunktarme anderweitige Zeitvertreibung in wohltuend glückseligen Nebel tauchen konnte, die pathetische Glorifizierung kraft "Benebelung" fehlte. Kurzum: Man geht oft früher zu Bett und sieht auch so manches mal mehr fern. Das ist dann auch nicht heroischer (also das Fernsehen), aber wenigstens einschlaffördernder. Entsprechend langschlafend ist man um 6 oder 7 dann auch munter und vermisst den fehlenden Kaffee maximal noch aus Gewohnheit in den Morgen- resp. Vormittagsstunden.

In der Tat wirkt sich bei anderweitigem Verzicht auf Placebos (Stichwort: Man kann sich auch ohne "Süßwaren" mit Kalorien vollstopfen, aber das ist ja nicht Sinn der Übung) die Sache auch recht “sportlich” auf das Gewichtsverhältnis aus, was gerade vor Weihnachten ein angenehmer Nebeneffekt ist. Wie sagte das jemand neulich treffend: “Man sammelt quasi Vorräte für Weihnachten” – nur eben vice versa, also man schafft Raum für die anstehende Völlerei. Kein Abnehmen danach, sondern davor.

Die sonntäglichen Fastenfreiräume (bei mir von Samstag Abend bis Sonntag Abend) führten wie erwartet auch dieses Jahr zu manchem Spott und flotten Spruch. Parallelen zu Vorurteilen gegen den Ramadan (bei denen wohl mancher meint, die Gläubigen würden sich außerhalb der Fastenzeit Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang der Völlerei hingeben) waren leider öfter zu hören. Ein Vorurteil, das ich im Übrigen nicht teile. – Mein Friseur dagegen hatte es vielleicht am besten “verstanden”, was es bedeutet zu verzichten und zu festgelegten Zeiten zu genießen: “Das müssen ja Festtage dann sein!”, meinte er – und ganz offensichtlich hatte für ihn die Aussicht, sich jede Woche aus einer Art “Askese” einen selbstgeschaffenen “Feiertag” selbst zu kreieren, einiges an Charme gewonnen.
Und genau das ist es wahrscheinlich auch, was einen Teil der Übung so interessant macht: Nur wenn man sich von Dingen entsagt, beginnt man deren Wert wieder zu schätzen. Das Stück Schokolade, der erste Schluck Wein am Sonnabend, der Kaffee am Sonntag Morgen – was sonst fast beliebig verfügbar ist (außer der Wein vielleicht) ist wieder zu etwas besonderem geworden.

Noch 10 Tage, davon 9 Tage Fastenzeit, verbleiben nun. Ich freue mich auf beides: Die verbleibende Zeit und deren Ende. Der Wunsch, sich auch danach mehr freiwillig zu “enthalten” ist schon jetzt größer geworden als der Wunsch sich wieder den alten Gewohnheiten hingeben zu können. – Am Aschermittwoch 2011 werde ich dann sehen, was daraus wurde und wo dann eine Fastenzeit mal wieder gut oder gar Not tut. Oder ob dann ein Fasten überflüssig geworden ist …

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Warum ich glaube

Atheisten-Advisory – Die folgenden Zeilen können religiöse Inhalte haben und sind somit für empfindsame Atheisten im Zweifel nicht geeignet.

Manchmal frag ich mich, warum ich glaube und andere nicht. Ich hab lange aufgehört mich für Glauben zu rechtfertigen und ertappe mich auch nur noch selten dabei, dass ich überhaupt über religiöse Themen Grundsätze diskutiere, was vor 10 oder 15 Jahren vielleicht noch zur regelmäßigen Übung gehörte. Wenn man aber nicht diskutiert und sich auch nicht mehr erklärt verliert man manchmal selbst die Frage – und die Antwort. Irgendwann ist es ein Zustand und für manchen ist der Zustand nicht mehr herleitbar und er zweifelt. Ich zweifle nicht an meinen Glauben, ich kann das gar nicht weil ich den Zustand zu glauben eben habe, ich kann ihn nicht vor mir selbst abstreiten. Aber ich bin froh wenn ich aus welchem Grund auch immer wieder einmal erinnert werden, was die Frage und was die Antwort ist. Oder besser: Eine der Frage und eine der Antworten – von vielen.

Ich tu Peter Fox vielleicht keinen Gefallen damit, aber er hat mich mit dem Song Das zweite Gesicht wieder an etwas erinnert, an eine Antwort auf eine Frage: »Warum ich glaube?«

Die Stimme bebt und der Blick ist Eis
gleich geht jemand hier zu weit
die Zunge ist geladen und bereit
die Wörter von der Leine zu lassen, sich Feinde zu machen

Die Pfeilspitzen voller Gift
der Feind wackelt, wenn du triffst
du triumphierst, wenn er kippt
doch morgen um diese Zeit tut es dir leid

Hahnenkampf um einen Haufen Mist
jemanden opfern für lau nen witz
eine Spinne tot-duschen, wenn du in der Wanne sitzt
einem Dummen zeigen, dass du schlauer bist

Denn es steckt mit dir unter einer Haut
und du weißt, es will raus ans Licht
die Käfigtür geht langsam auf und da zeigt es sich:
Das zweite Gesicht

Ein Biest lebt in deinem Haus
du schließt es ein, es bricht aus
das gleiche Spiel jeden Tag
vom Laufstall bis ins Grab

Als ich Jugendlicher war kannte ich “mein Biest” und es kam jeden Tag, ich schloß es ein und es brach aus, jeden Tag das gleiche Spiel – und es war nicht cool und hatte auch nichts von irgendwie geartetem heroisch-martialischem. Es war der traurige und verzweifelte Kampf gegen sich selbst, die Unfähigkeit das zu tun was man will und statt dessen daran zu verzweifeln in einem Fahrwasser zu sein, das einem treibt und in dem man erkennt, dass man zwar kurz gegen seinen Strom sich stemmen kann, aber nicht dagegen zu schwimmen vermag. Ein Ritt ins eigene Verderben, sich selbst immer und immer wieder zum Trottel zu machen, nicht heraus zu können und nicht heraus gelassen zu werden. Und man hatte Angst, dass es immer und immer so weiter gehen wird.

An dem einen Tag war das Biest weg. Und es kam nicht wieder. Es mag andere Biester geben im Leben, aber dieses Biest, das mich damals verfolgte und ich dachte, ich würde es nie mehr los, war in einem Moment weg.

Als ich zu glauben begann, verschwand das Biest, und weil es verschwand, glaubte ich. Das muss keiner verstehen außer mir.

Ach ja, wer den Song mal hören will, ist ein klasse Lied, auch wenn man sich für die Frage und Antwort gar nicht interessiert: [Link zu YouTube]

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Ende der Fastenzeit

Heute, am Sonnabend um 20:00 Uhr, endete meine diesjährige Fastenzeit. Und ich muss sagen, obwohl ich auch dieses Jahr mit den fastenfreien Sonntagen eine – für viele – “entschärfte” (aber bitte gern ‘besser’ machen…) Variante machte, dass der Verzicht unter der Woche auf Koffein, Alkohol und Süßwaren mir zum Ende schon Entbehrung bedeutete und ich mich quasi ins Ende robbte (… gestern noch eine Familienfeier ‘ohne alles’ durchgezogen).

Wie sehr Genußmittel dann doch genau das bedeuten, nämlich den schwer kompensierbaren “Genuß”, und wie sehr einem das fehlt, gerade wenn man etwas mehr als sonst beansprucht und abgespannt ist, habe ich dieses Jahr intensiver als sonst erlebt.

Die Suche nach Alternativen gestaltet sich insoweit übrigens schwer. Caro-Kaffee ist ganz ok, wenn man mal nen Kieker auf Kaffeegeschmack hat, entkoffeinierter auch, für Bier sind Jever Fun und Becks alkoholfrei gute und schmackhafte Ersatzmittel. Aber ein schönes Glas Wein nach einem langen Tag ist für mich schwer zu toppen – und genau ein solches halte ich jetzt gerade in Händen, danke meinem Schöpfer und genieße den ersten Schluck.

Zwei Dinge sind mir noch aufgefallen:

1. Mehr was Witziges/Skurriles: Versucht mal in Deutschland “Alkoholfreies Bier” in einer Tankstelle zu kaufen. Weder im Norden noch im Süden, weder am Land noch an der Autobahn-Tanke – man kriegt ca. 10 verschiedene Biersorten, aber alkoholfrei nicht. Das finde ich absurd. Gerade an Tankstellen sollte es doch alkoholfreies Bier geben! (Oder wenigstens dieses “echte 0,0 %” von Warsteiner).

2. Einen Sinn des Fastens habe ich auch wiederentdeckt, auch wenn ich nicht die richtigen Lehren daraus gezogen habe: Der Verzicht – gerade auf Genußmittel und den Dingen, die einen wirklich schwer fallen – lässt sich nicht so einfach kompensieren. Wenn man seinen “Ersatz” nicht aus dem Glauben schöpfen kann, wird die Sache zu einer Qual. Das Fasten “muss” zu einer Rückbesinnung und Umkehr führen, wenn es nur ein Aussitzen und Verdrängen ist, ist es eine fleißige Übung und aller Ehren wert, aber verkennt das, was es eigentlich bedeutet.

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Fastenzeit 09

Jaaa, schon wieder.

Seit heute bin ich mal wieder selbstverlogen und mache mir was vor, fröhne der Inkonsequenz und überhaupt hab ich das ganze nicht richtig kapiert. Dennoch werde ich auch dieses Jahr wieder von Aschermittwoch bis Ostersonntag an den Wochentagen von Sonntag Abend bis Samstag Abend mich bestimmter Dinge enthalten bzw. nach einem (und schon wieder so eine unglaublich inkonsequente Haltung!) gewissen Prinzip beschränken. Kaffee bspw. möchte ich stark reduzieren und auf Frühstück und Nachmittag begrenzen, Alkohol und Süßkram gibts gar nicht (außer Sa Abend – So Abend) und auch die virtuellen Welten werden einige Zeit deutlich weniger von mir sehen müssen.

Naja, im Grunde wie jedes Jahr halt vor Ostern und Weihnachten und über die Motive hab ich auch schon mal geschrieben. Aber wenn man es aufschreibt, wird es so schön amtlich.

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Menschsein – Ein vergebliches Streben nach verblassenden Erinnerungen

Das Leben im Hier & Jetzt ist das einzige was nach aller Abwägung Sinn macht. Nur ein Glaube an ein wie auch immer geartetes Leben danach kann diese Erkenntnis erschüttern.

Jedes Streben nach einem besseren Morgen ist wie der Versuch des Hundes, der sich versucht in den Schwanz zu beißen. Den Moment zu opfern für einen anderen zukünftigen Moment ist ein Nullsummenspiel, nur mit dem Risiko der grünen Null, dem Zéro.

Wie viel wir auch materiell einsetzen oder persönlich investieren, alles ist dem Vergänglichen unterworfen. Es wird zu einer verblassenden Erinnerung werden, wenn irgendwie möglich konserviert durch eigene Aufzeichnungen oder den omnipräsenten Digitalbildern aus allen erdenklichen Lebenssituationen. Doch auch diese werden nicht verhindern können, dass man sie über kurz oder lang betrachtet und sie einem wie Fragmente aus dem Leben eines anderen erscheinen. Man wird sich seiner eigenen Erinnerung fremd.

Das Bedürfnis nach Religion und dem Glauben an mehr als das was uns umgibt ist vielleicht mehr als nur eine nicht auszutreibende Tradition, es ist ein Schutz seiner Selbst vor der Verzweiflung seiner eigenen Vergänglichkeit. Und mancher, der nicht glauben will oder kann, flüchtet sich in den Versuch sich unsterblich zu machen, findet Trost in der Hoffnung sich selbst durch das Schreiben eines Buches oder die Gründung einer Organisation zu vererben.

Je älter wir werden, desto mehr verblasst das Jetzt, die Leichtigkeit des Heute geht, die Realität wird den Sachzwängen unterworfen, körperliche Einschränkungen hindern am Genuß des Moments. Tristesse wartet an manchen Abenden wie ein drohender Schatten auf den Moment des Endes all der gewohnten Ablenkungen des Tages.

Was bleibt? Ist alles dem Ende geweiht, des Asche zu Asche, Staub zu Staub? Lohnt es sich nicht zu leben, außer den Moment zu bestaunen um dann zu vergehen?

Vielleicht gibt es nur eine Sache, die jenseits von Glauben wirklich trägt und es sich lohnen lässt zu zu investieren: Der andere. Unsere Kinder, der Nachbar, der Freund, der Bekannte, der Mensch auf der Straße. Das Weitergeben von Gelerntem, das Vorleben von Gutem, die Erziehung für das Leben – um den anderen zu bereichern, damit er weitergeben kann, um das richtige Tun durch gelebte Praxis nicht aussterben zu lassen, um eine Basis weiterzugeben, selbst weitergeben zu können, selbst zu erziehen.

Die Menschlichkeit als das, was uns neben Glauben tatsächlich bleibt.

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