9. Juli 2009
Atheisten-Advisory – Die folgenden Zeilen können religiöse Inhalte haben und sind somit für empfindsame Atheisten im Zweifel nicht geeignet.
Manchmal frag ich mich, warum ich glaube und andere nicht. Ich hab lange aufgehört mich für Glauben zu rechtfertigen und ertappe mich auch nur noch selten dabei, dass ich überhaupt über religiöse Themen Grundsätze diskutiere, was vor 10 oder 15 Jahren vielleicht noch zur regelmäßigen Übung gehörte. Wenn man aber nicht diskutiert und sich auch nicht mehr erklärt verliert man manchmal selbst die Frage – und die Antwort. Irgendwann ist es ein Zustand und für manchen ist der Zustand nicht mehr herleitbar und er zweifelt. Ich zweifle nicht an meinen Glauben, ich kann das gar nicht weil ich den Zustand zu glauben eben habe, ich kann ihn nicht vor mir selbst abstreiten. Aber ich bin froh wenn ich aus welchem Grund auch immer wieder einmal erinnert werden, was die Frage und was die Antwort ist. Oder besser: Eine der Frage und eine der Antworten – von vielen.
Ich tu Peter Fox vielleicht keinen Gefallen damit, aber er hat mich mit dem Song Das zweite Gesicht wieder an etwas erinnert, an eine Antwort auf eine Frage: »Warum ich glaube?«
Die Stimme bebt und der Blick ist Eis
gleich geht jemand hier zu weit
die Zunge ist geladen und bereit
die Wörter von der Leine zu lassen, sich Feinde zu machenDie Pfeilspitzen voller Gift
der Feind wackelt, wenn du triffst
du triumphierst, wenn er kippt
doch morgen um diese Zeit tut es dir leidHahnenkampf um einen Haufen Mist
jemanden opfern für lau nen witz
eine Spinne tot-duschen, wenn du in der Wanne sitzt
einem Dummen zeigen, dass du schlauer bistDenn es steckt mit dir unter einer Haut
und du weißt, es will raus ans Licht
die Käfigtür geht langsam auf und da zeigt es sich:
Das zweite GesichtEin Biest lebt in deinem Haus
du schließt es ein, es bricht aus
das gleiche Spiel jeden Tag
vom Laufstall bis ins Grab
Als ich Jugendlicher war kannte ich “mein Biest” und es kam jeden Tag, ich schloß es ein und es brach aus, jeden Tag das gleiche Spiel – und es war nicht cool und hatte auch nichts von irgendwie geartetem heroisch-martialischem. Es war der traurige und verzweifelte Kampf gegen sich selbst, die Unfähigkeit das zu tun was man will und statt dessen daran zu verzweifeln in einem Fahrwasser zu sein, das einem treibt und in dem man erkennt, dass man zwar kurz gegen seinen Strom sich stemmen kann, aber nicht dagegen zu schwimmen vermag. Ein Ritt ins eigene Verderben, sich selbst immer und immer wieder zum Trottel zu machen, nicht heraus zu können und nicht heraus gelassen zu werden. Und man hatte Angst, dass es immer und immer so weiter gehen wird.
An dem einen Tag war das Biest weg. Und es kam nicht wieder. Es mag andere Biester geben im Leben, aber dieses Biest, das mich damals verfolgte und ich dachte, ich würde es nie mehr los, war in einem Moment weg.
Als ich zu glauben begann, verschwand das Biest, und weil es verschwand, glaubte ich. Das muss keiner verstehen außer mir.
Ach ja, wer den Song mal hören will, ist ein klasse Lied, auch wenn man sich für die Frage und Antwort gar nicht interessiert: [Link zu YouTube]
11. April 2009
Heute, am Sonnabend um 20:00 Uhr, endete meine diesjährige Fastenzeit. Und ich muss sagen, obwohl ich auch dieses Jahr mit den fastenfreien Sonntagen eine – für viele – “entschärfte” (aber bitte gern ‘besser’ machen…) Variante machte, dass der Verzicht unter der Woche auf Koffein, Alkohol und Süßwaren mir zum Ende schon Entbehrung bedeutete und ich mich quasi ins Ende robbte (… gestern noch eine Familienfeier ‘ohne alles’ durchgezogen).
Wie sehr Genußmittel dann doch genau das bedeuten, nämlich den schwer kompensierbaren “Genuß”, und wie sehr einem das fehlt, gerade wenn man etwas mehr als sonst beansprucht und abgespannt ist, habe ich dieses Jahr intensiver als sonst erlebt.
Die Suche nach Alternativen gestaltet sich insoweit übrigens schwer. Caro-Kaffee ist ganz ok, wenn man mal nen Kieker auf Kaffeegeschmack hat, entkoffeinierter auch, für Bier sind Jever Fun und Becks alkoholfrei gute und schmackhafte Ersatzmittel. Aber ein schönes Glas Wein nach einem langen Tag ist für mich schwer zu toppen – und genau ein solches halte ich jetzt gerade in Händen, danke meinem Schöpfer und genieße den ersten Schluck.
Zwei Dinge sind mir noch aufgefallen:
1. Mehr was Witziges/Skurriles: Versucht mal in Deutschland “Alkoholfreies Bier” in einer Tankstelle zu kaufen. Weder im Norden noch im Süden, weder am Land noch an der Autobahn-Tanke – man kriegt ca. 10 verschiedene Biersorten, aber alkoholfrei nicht. Das finde ich absurd. Gerade an Tankstellen sollte es doch alkoholfreies Bier geben! (Oder wenigstens dieses “echte 0,0 %” von Warsteiner).
2. Einen Sinn des Fastens habe ich auch wiederentdeckt, auch wenn ich nicht die richtigen Lehren daraus gezogen habe: Der Verzicht – gerade auf Genußmittel und den Dingen, die einen wirklich schwer fallen – lässt sich nicht so einfach kompensieren. Wenn man seinen “Ersatz” nicht aus dem Glauben schöpfen kann, wird die Sache zu einer Qual. Das Fasten “muss” zu einer Rückbesinnung und Umkehr führen, wenn es nur ein Aussitzen und Verdrängen ist, ist es eine fleißige Übung und aller Ehren wert, aber verkennt das, was es eigentlich bedeutet.
25. Februar 2009
Jaaa, schon wieder.
Seit heute bin ich mal wieder selbstverlogen und mache mir was vor, fröhne der Inkonsequenz und überhaupt hab ich das ganze nicht richtig kapiert. Dennoch werde ich auch dieses Jahr wieder von Aschermittwoch bis Ostersonntag an den Wochentagen von Sonntag Abend bis Samstag Abend mich bestimmter Dinge enthalten bzw. nach einem (und schon wieder so eine unglaublich inkonsequente Haltung!) gewissen Prinzip beschränken. Kaffee bspw. möchte ich stark reduzieren und auf Frühstück und Nachmittag begrenzen, Alkohol und Süßkram gibts gar nicht (außer Sa Abend – So Abend) und auch die virtuellen Welten werden einige Zeit deutlich weniger von mir sehen müssen.
Naja, im Grunde wie jedes Jahr halt vor Ostern und Weihnachten und über die Motive hab ich auch schon mal geschrieben. Aber wenn man es aufschreibt, wird es so schön amtlich.
11. Februar 2009
Das Leben im Hier & Jetzt ist das einzige was nach aller Abwägung Sinn macht. Nur ein Glaube an ein wie auch immer geartetes Leben danach kann diese Erkenntnis erschüttern.
Jedes Streben nach einem besseren Morgen ist wie der Versuch des Hundes, der sich versucht in den Schwanz zu beißen. Den Moment zu opfern für einen anderen zukünftigen Moment ist ein Nullsummenspiel, nur mit dem Risiko der grünen Null, dem Zéro.
Wie viel wir auch materiell einsetzen oder persönlich investieren, alles ist dem Vergänglichen unterworfen. Es wird zu einer verblassenden Erinnerung werden, wenn irgendwie möglich konserviert durch eigene Aufzeichnungen oder den omnipräsenten Digitalbildern aus allen erdenklichen Lebenssituationen. Doch auch diese werden nicht verhindern können, dass man sie über kurz oder lang betrachtet und sie einem wie Fragmente aus dem Leben eines anderen erscheinen. Man wird sich seiner eigenen Erinnerung fremd.
Das Bedürfnis nach Religion und dem Glauben an mehr als das was uns umgibt ist vielleicht mehr als nur eine nicht auszutreibende Tradition, es ist ein Schutz seiner Selbst vor der Verzweiflung seiner eigenen Vergänglichkeit. Und mancher, der nicht glauben will oder kann, flüchtet sich in den Versuch sich unsterblich zu machen, findet Trost in der Hoffnung sich selbst durch das Schreiben eines Buches oder die Gründung einer Organisation zu vererben.
Je älter wir werden, desto mehr verblasst das Jetzt, die Leichtigkeit des Heute geht, die Realität wird den Sachzwängen unterworfen, körperliche Einschränkungen hindern am Genuß des Moments. Tristesse wartet an manchen Abenden wie ein drohender Schatten auf den Moment des Endes all der gewohnten Ablenkungen des Tages.
Was bleibt? Ist alles dem Ende geweiht, des Asche zu Asche, Staub zu Staub? Lohnt es sich nicht zu leben, außer den Moment zu bestaunen um dann zu vergehen?
Vielleicht gibt es nur eine Sache, die jenseits von Glauben wirklich trägt und es sich lohnen lässt zu zu investieren: Der andere. Unsere Kinder, der Nachbar, der Freund, der Bekannte, der Mensch auf der Straße. Das Weitergeben von Gelerntem, das Vorleben von Gutem, die Erziehung für das Leben – um den anderen zu bereichern, damit er weitergeben kann, um das richtige Tun durch gelebte Praxis nicht aussterben zu lassen, um eine Basis weiterzugeben, selbst weitergeben zu können, selbst zu erziehen.
Die Menschlichkeit als das, was uns neben Glauben tatsächlich bleibt.
13. Oktober 2008
Von meiner Marsexpedition endlich zurückgekehrt habe ich mir gestern das erste mal den Film »The Da Vinci Code – Sakrileg« angesehen. Und man macht sich – als gläubiger Mensch – ja so seine Gedanken.
Also durchaus ein kurzweiliges Filmchen über 3 Stunden (inkl. Werbebereicherungen), das einem bis zuletzt wach halten konnte – was ja schon mal ein gewisses Prädikat ist in unserer TV-/Kino-Landschaft. Rein cineastisch wurde er übrigens verrissen (u.a. von Verena Lueken, FAZ).
»… eine Geschichte, die inzwischen jeder kennt, der die letzten Jahre nicht auf einer Marsexpedition verbracht hat…« – Verena Lueken am 18. Mai 2006 in der F.A.Z.
Quelle: wikipedia
Davon gehört hatte ich schon mal am Rande, aber ohne die Story wirklich zu kennen – die Diskussion um Da Vincis “Letztes Abendmahl” in dem Zusammenhang ist mir erinnerlich, ohne mich damals trotz Religions-Bezug (was bei mir als Auslöser oft reicht) sonderlich hinterm Ofen vorzulocken. Zu Recht, wie ich heute besser weiß.
Die Story im Detail erspar ich mir wiederzugeben, im Kern geht es darum, dass es eine Verschwörung und eine Gegen-Verschwörung in der verschwörten Verschwörung gab – im Wesentlich sollte als Botschaft wohl ankommen: Die Story mit Jesus als Messias sei “natürlich” religiöser Unfug und in Wirklichkeit war es ne Type wie du und ich und dieser Umstand will die halbe Religionswelt auf jeden Fall unterm Tisch kehren. Anyway.
Trotz der Kurzweiligkeit des Abends begann gegen Morgen der Verdauungseffekt einzusetzen. Das begann damit, dass ich mir dachte, die Story passt nicht. Nicht wegen des Spannungsbogens, das kann wer anders diskutieren, aber wegen der Idee dahinter. Der Jurist in mir schlug Alarm, denn was nutzt es denn wirklich, wenn man feststellen würde, es gäbe wirklich noch DNA-verwertbare Spuren der Maria Magdalena und einen Nachkommen. Dann hätte man den Beweis geführt, dass Maria mal schwanger war und Mutter wurde. So what? Das hieße doch nicht zwingend, dass sie mit Jesus zusammen ein Kind hatte? Was denn das für ein Beweis? – Gut, dann könnte man sagen: Ha! Die Kirche hat das vertuscht und deswegen über die Jahrhunderte ein falsches Spiel getrieben. … Ok, gibt es was Neues irgendwo? – Das würde dann höchstens die Steilvorlage für »Sakrileg Reloaded – Auf der Jagd nach dem Turiner Grabtuch« reichen, aber wollen wir das nicht übertreiben an Analyse.
Was mir im Nachgang zum Film übel aufstieß waren eigentlich zwei Dinge: Erstens, die Darstellung von historischen Fakten. Was schier beiläufig als Fakt eingestreut wurde, stellt sich nach nur minimaler Recherche als mindestens äußerst zweifelhaft, mitunter aber sogar als Abdriften “ins Absurde” dar. Für mich immer ein Stein des Anstoßes, egal ob nun Religionsthemen oder allgemeine Geschichte betreffend. Mag der mündige gebildete Bürger das Idealbild unserer Gesellschaft sein, so weiß ich jetzt schon wieder, dass ich mir – in welcher Form auch immer – diesen Faktenmüll irgendwann wieder anhören muss – frei nach dem Motto: “das ist geschichtlich aber so bewiesen! ich las das mal irgendwo” (und wie so oft stellte sich das angelesene “Wissen” dann als Filmzitat heraus). Volksverdummung nenne ich das – und damit macht Hollywood sich und dem Genre wieder einmal alle Ehre.
Wie stark mich das in meinem Glauben beeinträchtigen würde, wäre an der Story – rein hypothetisch – was dran, fragte mich die beste Ehefrau von allen. Und die Frage fand ich gut, ließ sie mich doch dazu kommen, was mich als zweites extrem an dem Film stört: Es bringt einen genau in diese Denkrichtung, in dieses “könnte doch sein, und dann?”-Muster. Aber das ist aus mehreren Gründen schon keine vernünftige Frage auf den zweiten Blick, denn selbst wenn man das menschliche in Jesus sehen will oder ihn darauf reduzieren möchte, so ist in meinem Verständnis Jesus mindestens als Asket einzustufen gewesen – warum das allerdings für viele nicht nachvollziehbar ist, mag mit der verklärten Sicht auf religiöse Lebenseinstellungen im Allgemeinen zu tun. Es ist ja nicht nur so, dass man dich für bekloppt hält, wenn man freiwillig in die Kirche geht, geschweige denn eine Fastenzeit macht, die “komischen Jungs mit den Kutten” sind den allermeisten ja suspekt und müssen mit der stereotyp doofen Frage, um die auch Deutschlands Liebling Gottschalk nicht herumkam bei “Wetten dass…?”, immer rechnen, als er zwei Klosterbrüder bei sich hatte: »Aber du bist doch so jung und siehst nicht schlecht aus, warum in aller Welt ins Kloster und Zölibat und so?« Ich nehme mal an, Gottschalk weiss schon die Antwort, aber fragen musste er dann doch, ist ja Fernsehen.
Ein Mann (oder Frau), die sich um ihres Glaubens Willen weltlicher Dinge entsagt ist der modernen Konsumgesellschaft extrem suspekt. Gar nicht mal ins extremistische gedacht zeigt der Film gut, welch Geistes Kind der Schreiber wohl ist und er ist ja auch nicht allein mit seiner Einstellung. Der Albino (im Film) als durchgeknallter instrumentalisierter religiös verwirrter, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, sogar einer Glaubensschwester, und man ihm das als fromme Tat gehirnwäscht, dann der naive und doch treudoofe Mann von der Straße, gespielt von einem Kommissar, der in seiner Frömmigkeit dem Intrigenspiel beinahe zum Opfer fällt, aber am Ende noch die Kurve kriegt, dann der böse Mächtige dahinter, der alle fast schon “diabolisch” verschiebt wie Figuren und selbst zwischen Machtbesessenheit und Wahnsinn wandelt und ganz dahinter so ein paar aus der Imperator-Klasse, die ihre Hanseln auf eigene Verantwortung wurschteln lassen, die Hände dann aber in Unschuld waschen werden – alles zum Wohl der Machterhaltung im Namen Gottes. – So im Groben die bei mir angekommene Weltanschauung.
Übrig bleiben neben den Supermächtigen, die man auch eh nie vertreiben kann, ein humanistisch-toleranter Professor, der natürlich nichts wirklich Spirituelles entdeckt, aber ein Verständnis für das Bedürfnis nach Glauben entwickelt, dessen wahrer Ursprung aber irgendwo was menschliches sein müsse – was auch sonst. Und ein Sproß der Maria Magdalena, die aber die ganze religiöse Wundergläubigkeit mit der Leichtigkeit des Seins ins Reich der Phantasie kickt, indem sie ihr Füßlein auf’s Wasser setzt und sagt: “Seht her, ich kann nicht auf dem Wasser gehen, obwohl ich ein Nachfahre bin. Glaube? Eine Mär. quod era demonstrandum”
Der ganze Film (ergo das Buch, für dessen Lektüre mich nun wahrlich keiner mehr erwärmen kann) für mich also schon an der Wurzel eine reine Hommage an den Humanismus, was mir dem Grunde nach auch egal wäre, käme er nicht wie der Wolf im Schafspelz vorgeheuchelten Interesses an der Auseinandersetzung mit Religion – hätte man sich wenigsten auf Kirchengeschichte beschränkt, wäre es geschenkt, aber so…
Also noch mal zur Frage meiner Frau: “Hat es mich nun nachdenken lassen, über meinen Glauben, allein konfrontiert um die These selbst?” – Die Antwort ist Nein, denn der Ansatz ist das Nachdenken ebenso wenig wert wie jede religiöse Aufregung oder Diskussion. Zu absurd ist es, auf Basis der zugrundegelegten Annahmen (allein aus dem Bild eines Malers, Leonardo Da Vinci, des 15. Jahrhunderts einen Beweis oder eine Erklärung wahrer Begebenheiten des letzten Abendmahl 1500 Jahre davor ableiten zu wollen ist doch ein Scherz) ein wenigstens tragfähige These abzuleiten. Was bleibt ist aber ein schaler Beigeschmack, dass im Film heute jeder nahezu ungefiltert seine Ansichten unters Volk streuen darf und so zur allgemeinen Verdummung und Ignoranz vor Idealen beitragen.
Toleranz – aber das hatten wir ja hier schon oft genug – beginnt für mich nämlich nicht darin, alles platt zu machen und keine Ideale mehr haben zu dürfen, sondern Toleranz ist, die Ideale des anderen als den eigenen gleichwertig gegenüber zu stellen und sie zu respektieren. Ist nur blöd, wenn man keine eigenen mehr hat außer der Erkenntnis, dass man am Ende ein menschliches Würmlein in einer großen Welt ist, das nach paar Jahren des Vor-sich-Hinlebens wieder vermodert und man dazwischen halt ein bisschen Spaß haben muss, eben Essen, Trinken und Ficken, und vielleicht noch einen Film machen, that’s all…
13. März 2008
Stöckchen hier rumliegen sehen.
1. Hast Du schon einmal bewusst gefastet?
Jedes Jahr eigentlich seit ein paar Jahren. Immer zwischen Aschermittwoch und Ostern. Irgendwann fand ich es einfach ne gute Idee. Und das ist es auch bis heute.
2. Was ist der Sinn von Fasten Deiner Meinung nach?
Wie schon mehrfach versucht zu erklären: Es ist kein gesundheitliches Fasten, auch kein diätisches und nicht einmal ein religiöses. Es geht nicht darum irgendwelchen Konventionen zu folgen oder Riten. Wie im gefundenen Stöckchen so treffend formuliert: »Es ist vor allem ein Kampf gegen die Abhängigkeit gegenüber bestimmten Dingen und Ritualen und eine Neu-Fokussierung auf die eigene Spiritualität. Ob es auch eine »”Kalibrierung” der Gottesbeziehung« ist, kann ich aktuell noch nicht sagen. Aber in jedem Falle eine Kalibrierung. Man muss manchmal einfach nur scheinbar kleine Dinge mal einen einzigen Tag sein lassen, um es nachvollziehen zu können: Ein Tag kein Kaffee, oder ein Tag kein TV, oder ein Tag kein Computer. Dann multipliziere man es auf 7 Wochen. Dann wird jede lieb gewonnene Kleinigkeit in ihrem Verzicht zur Herausforderung. Und da der Mensch nicht gleich ist, reicht dem einen als Herausforderung eine Kleinigkeit, die dem anderen viel zu einfach wäre – der braucht dann die harte Tour mit nur “Wasser und Brot” sozusagen. Und wenn man diesen Verzicht und dieses persönliche Ringen darum nun in einen spirituellen Kontext setzt, wird das ganz schon handfester, worum es geht.
3. Wirst Du in diesem Jahr in der Fastenzeit fasten?
Ja, mache ich aktuell. Und dieses Jahr verzichte ich auf Alkohol. Letztes Jahr hatte ich auch Süßwaren und andere Kleinigkeiten auf dem Programm, die hielt ich dieses Jahr für nicht so wichtig. Muss nächstes Jahr aber wieder neu drüber nachdenken. Dieses Jahr hielt ich es auch mit der klassischen Fastenregel, den Sonntag als Fastentag auszulassen. Ich muss das für mich mal bewerten, ob ich das nächstes Jahr wieder mit einbeziehe, da man sonst dazu neigt, den Tag etwas zu sehr zu zelebrieren. Aber eigentlich fühle ich mich bis dato damit wohl und habe auch kein Streik-Fastenbrecher-Feeling. Aber das entscheide ich auch nächstes Jahr wieder ganz für mich (und meinem Glauben) allein.
4. Ist Fasten ein Thema in der Gemeinschaft, in der Du lebst?
Indirekt. Also man fällt auf in seinem - sagen wir etwas allgemeiner statt “Gemeinschaft” - sozialem Umfeld, das kann man sagen. Es eckt irgendwie an, löst Nachfragen und manchmal ein wenig Hohn und Spott, bisweilen Interesse und oft gute Ratschläge aus. Wie schon oft betont ist am bemerkenswertesten, dass die wohl am meisten registrierte Reaktion ist: Ich dachte du fastest …. Egal ob Nutella-Brötchen oder am Kaffee-Automaten. Die Vorstellung, was man, wenn man schon fastet, alles so zu tun hätte, ist schon auffallend. Mindestens ebenso wie den bisweilen fast missionarischen Eifer zu überzeugen, dass man – wäre man an meiner Stelle – natürlich das nur so oder so machen würde, alles andere wäre schlicht inkonsequent (vor allem dann auch noch das mit dem Sonntag…), entspräche nicht der wahren und reinen Lehre oder sei unnütz. Man selbst fastet dabei für gewöhnlich nicht…
Und auch dieses Stöckchen will geworfen werden, auch wenn es vielleicht genau kontroverses Feedback auslösen könnte. And the Fasten-Stöckchen goes to: Andi, Jan, Henning (im Streß), Julie (vielleicht dieses Jahr schwierig mit Fasten …
) und bosch
5. Februar 2008
Oh Mann, das ist dieses Jahr ja echt früh mit Fasching und morgen geht Fastenzeit los.
Ich mach da ja jedes Jahr mit, und wie immer erwarte ich die gewohnt guten Ratschläge und “Tipps” von allen Seiten. Hab ich sicher schon mal geschrieben, aber das ist echt immer Wahnsinn, was man da so so erklärt bekommt, was und wie man fasten sollte – wohl gemerkt meistens von denen formuliert, die selbst gar nicht fasten und auch nichts davon halten.
Und auch dieses Jahr hab ich wieder ne Spezialregel parat – wird mir sicher als Inkonsequenz ausgelegt, schon klar. Aber ich hab mich schon immer gefragt, warum man biblisch von 40 Tagen Fasten spricht, bis Ostern aber 7 Wochen sind (das sind dann rechnerisch wohl 46 Tage). Der “Trick” ist der Sonntag, der wird da nicht mitgerechnet. Und das mach ich dieses mal auch, wenn ich dann nicht “freiwillig” doch verzichte: Sonntag sind alle Tabus aufgehoben, von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr.
Aber was heisst schon “alle”, ich bin dieses Jahr eigentlich nur auf Non-Alkohol eingeschossen. Ich mach das ja immer nach Gefühl und was ich denke, was so mal wichtig wäre sich zu enthalten. Vielleicht kann man das, wenn man so gar nichts mit am Hut hat, nicht nachvollziehen, aber ich freu mich mittlerweile immer schon drauf.
Klar, könnte man auch sonst jederzeit auf was verzichten, aber so “ritualisiert” und natürlich auch mit dem religiösen Background hat das was ganz besonderes. Das ist so ne Art Konzentration, ein “sich vorbereiten”, die Bereitschaft mal einen Schnitt zu machen und sich wieder zu “kalibrieren”. Ich glaub, das erwarten viele von Weihnachten und das führt dann zum totalen Crash, weil man meint gerade in so einem familiär-emotionalen Ausnahmezustand ausgerechnet seine innere Ruhe zu finden. Andere fahren dazu in Urlaub und manche schaffen das dort sogar. Mir ist Urlaub alles mögliche, neuer Input, andere Sichtweise usw., aber selten ein zur Ruhe kommen.
Naja – und gewichtstechnisch ist ein wenig Fasten sicher auch kein Schaden. Die berühmten Pfunde wenigstens, die nach Weihnachten plötzlich auch noch dazu kamen. Aber wie sagte ne Frau kürzlich so treffend: Unser Problem sind nicht die Pfunde zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern die zwischen Neujahr und Weihnachten.
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