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Warum #Neuland mehr ist als nur ein dummes Wort

Als Angela Merkel in der Rede anlässlich des Besuchs von Barack Obama vom Internet als „Neuland“ sprach, war die nächste Meme schon geboren. Hashtag #Neuland eroberte die Charts, Kalauer gaben sich die Klinke und Hohn und Spott ergossen sich über die Kanzlerin aus dem „Und alle so Yeah!“-Medium. „Angela Merkel im #Neuland der Häme“ brüskierte sich daraufhin die FAZ und verwies darauf, dass im eigenen Schulterblick (im Agentur-Jargon Hausfrauentest) der Autor erkannte, dass Frau Merkel doch nur die tatsächlichen Gegebenheiten berücksichtige – oder kurz: Dieses Internet, dass ist doch nach wie vor nur was für eine „winzige Minderheit“. So so…

Ha Ha. Dabei hat Merkel recht. Es mögen zwar sehr viele Menschen im Internet sein. Wer sich in seinem Bekanntenkreis aber genauer umhört, wer wie viele Dienste seines neuen Handys wie intensiv nutzt, wer wirklich auf Twitter engagiert ist oder andere Social-Media-Plattformen nutzt, wird feststellen, dass er als (überzeugter) Twitter-Nutzer zu einer winzigen Minderheit gehört. (FAZ)

Als mein Vater mich fragte, was denn „die im Internet“ zu einem Produkt meinten, nachdem man von den Möglichkeiten der Recherche im WWW schwadronierte, war das auch noch ein Schenkelklopfer im Bloggersdorf. Doch liegt die Anekdote nun gut und gern auch schon wieder 5-6 Jahre zurück, der Vater hat zwischenzeitlich ein eigenes Laptop, stimmt seine Freizeitaktivitäten im Rentnerdasein via E-Mail ab und schaut sich YouTube-Videos an, wie man bestimmte Produkte effizienter einsetzt. Und Bloggersdorf ist auch schon abgebrannt.

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Social Web/Internet: Suche keine Antworten, suche Deine Fragen

Es immer die gleiche Frage nach dieser „Relevanz“, die im Social Web und generell im Internet hinterfragt wird. Was in aller Welt ist bei all der Vielzahl wirklich wirklich wirklich relevant? Welches Blog, ja welches Medium überhaupt muss nun gelesen werden? Welche Meinung ist die richtige? Welche Trends sind hot und welche not?

Ich glaube nicht an Relevanz aus der Masse. Ich habe meine großen Zweifel, ob das Aufschrecken des Schwarms eine Signifikanz für das wirklich Wichtige hat. Natürlich zeigt der Schwarm, dass etwas Aufregendes passiert sein könnte, und auch das ist eine Frage von Relevanz. Aber die für dich individuell wichtigen und wesentlichen Dinge wird dir der Schwarm nicht beantworten, wie es auch keine 95% positive Bewertung eines Produkts es tun kann, wenn du zu den 5% gehörst.

Die bisweilend verzweifelte Suche nach den Meinungsführern gestaltet sich im Social Web zudem zunehmend grotesk. Waren es früher noch so genannte (und so empfundene) Leitmedien, die einen gewissen Anspruch auf Meinungsführerschaft entwickelten, ist das auf das Social Web eigentlich nicht nur nicht übertragbar, es ist geradezu fatal. Während bei den alten Leitmedien ein ganzer Apperat dahintersteckte, eingebettet in eine sich gegenseitige beäugende Medien- und Polit-Landschaft inkl. diverser Kontrollinstrumente, sind im Social Web in der Regel Einzelmeinungen von Einzelpersonen im Fokus, deren Überprüfung wiederum nur der Masse anheim fällt. Menschen, deren individueller Background oft nicht ausreicht, um derart in eine führende Position gedrängt zu werden, oder die von der Persönlichkeitsstruktur dem gar nicht gewachsen sind oder – sich ihrer Position bewusst werden – entweder aus der Verantwortung nichts machen, sie missbrauchen oder persönlich an ihr scheitern.

Die Frage nach der Relevanz kann nicht beantwortet werden, sie neu zu definieren ist vielleicht Aufgabe der digitalen Gesellschaft. Bis dahin wird man aber die digitalen Speichellecker, Koofmichs und Jubelperser ertragen müssen, die das Web für sich entdeckt haben um sich ihren Idolen anzubiedern, für wenig Geld oder schlicht nur etwas Aufmerksamkeit zur viralen Drückerkolonne zu mutieren und frei Haus zu Retweeten, Rezensieren oder Empfehlen, oder ihnen nur bewundernd an den Lippen zu hängen, um zu erfahren, was denn nun gerade IN oder OUT ist.

Das Web wird dir aber keine Antworten geben auf die Fragen, die du dir selbst stellst. Das Web bietet dir Antworten auf Fragen, die andere gestellt haben. Aber sind das deine Fragen? – Wer damit zufrieden ist, sich dem Fragen-Kanon eines einzelnen oder einer Gruppe einzuordnen, wird sich mit den Antworten auch begnügen, die gegeben werden. Dem Anspruch auf Individualismus dient es aber nicht.

Ich bin vielen Leuten begegnet, denen es am „Monetären“ nicht mangelte, die aber bei einer für sie selbst „zufriedenstellenden“ Anschaffung eines Produkts scheiterten. Trotz der Flut an Informationen, Bestenlisten, Beiträgen und Rezensionen kann die Befriedigung des individuellen Bedürfnisses nicht gestillt werden – gut, zugegeben, mit einer Ausnahme: wenn die Befriedigung aus dem Umstand des „Me2“ resultiert, des Dabeiseins in einer Masse, der Zugehörigkeit einer Produktgruppe. Vielleicht ist dies das „Geheimnis“ der Apple-Gemeinde. Es gibt im Wesentlichen nur „1 Produkt“ – entweder man hat das aktuellste, oder eben nicht. Rein technisch gesehen gibt es dagegen wahrlich keinen zwingenden Grund bspw. ein iPhone zu kaufen, doch die Frage nach der richtigen Auswahl und Gewichtung der Kriterien für die Wahl eines anderen Handys übersteigt die meisten Konsumenten. Apples Strategie der Begehrlichkeit auf gehobenen Niveau mit Kultcharakter ist daher ein fast verständlicher Erfolg – auch wenn man ihn ob der mitgelieferten Argumente vor allem der „Jünger“ nicht teilen mag.

Was der Konsum einfach verdeutlicht, ist für gesellschaftliche Wertefragen nahezu identisch. Der Verlust alter Wertevorstellungen und -ordnungen folgt aktuell ein Vakuum, was zu einer nicht unbrisanten Lage führen könnte. Falsch halte ich auch hier die Meinung, die Relevanz der Masse würde zu einer tragfähigen neuen Werteordnung führen. Mag die Masse, der Schwarm, eine tragfähige (und insbesondere wirtschaftlich abschöpfbare) Grundlage für die Beurteilung des Status Quo oder die Akzeptanz von Produkten wie Entscheidungen dienen, so ist die Masse nicht geeignet für visionäre, in die Zukunft gerichtete Konzepte mit Weitblick inkl. notwendiger Kurskorrekturen. Die Masse ist entweder träge und schwerfällig und entsagt sich notwendiger Kursänderungen weitgehend, oder neigt im Beispiel des Schwarm zu Hysterie und Panikreaktionen wie eine Herde verschreckter Büffel.

Weder aus der Masse noch aus einer (bisweilen eher zufällig sich ausgebildeten) Meinungsführerschaft einzelner, die zudem noch extrem von persönlichem Charisma (aber eben nicht fachlichen wie persönlichen Kompetenz) abhängen, lässt sich heute eine Relevanz ableiten. Dennoch passiert genau der Effekt der Herausbildung einzelner „Meinungsführer“, verstärkt dadurch, dass von den klassischen Medien händeringend nach Wortführern des Internets oder Social Web gesucht wird und diese von Interview zu Interview, von Veranstaltung zu Veranstaltung gezerrt werden. Bisweilen wachsen die dann an ihren Aufgaben, andere (wie bereits erwähnt) scheitern daran oder sich selbst.

Wohin der Prozeß am Ende führt ist noch vollkommen offen. Unumkehrbar scheint aber der Prozeß dahin zu gehen, dass die Verantwortung für die Formulierung der richtigen Fragen auf einen selbst zurückfallen. Dies wird viele einfach überfordern, das muss ohne Hochmut und Abschätzigkeit einfach vorab schon festgestellt werden.

Wer dachte, dass mit dem Internet und Social Web die Notwendigkeit des „Selbst Denken“ entfiele, weil er auf einen gigantischen Pool des Denkens anderer zurückgreift, wird zwangsläufig in eine Falle laufen. Aber auch in Fallen fühlen sich manche ja am richtigen Platz, wie ein Hund an der Leine oder ein Vogel im Käfig.

Das Internet – Eine Bestandsaufnahme jenseits von Umsätzen, Fakten und Statistiken

Viel hat man erwartet vom World Wide Web – was ist daraus geworden? Wie würde man es heute beschreiben, ganz jenseits von Ausführungen über gigantische Kommunikationstransfers, eCommerce-Bilanzen oder Medienverschiebungen.

Was hat das Internet aus uns Menschen gemacht, was haben wir daraus gemacht?

Eine subjektive Bestandsaufnahme

Das Faszinosum ist und bleibt das Internet, das Netz selbst. Man klinkt sich ein in eine Welt, eine andere Welt, die nach anderen Regeln zu ticken scheint. Das ist gestern wie heute so, auch wenn es sich für viele schon so anfühlt wie gewohnt. Online-Welten wie Second Life oder World of Warcraft sind nur Facetten des Internets, es sind keine eigenen neuen Gebilde, sie bilden nur einen speziellen Teil des Internets ab, nutzen es. Die Anziehungskraft ist und bleibt aber das Netz selbst. Warum?

Müßte man ein gedankliches Bild malen, um es jemanden Dritten zu vermitteln, würde man es mit der Besiedlung/Erforschung eines Planeten beschreiben. Nur, dass man schnell feststellt, dass die, die man für aufregend außerirdische Außerirdische gehalten (oder besser: wahr genommen) hat, auch keine Außerirdischen sind, sondern eben ziemlich irdische Erdlinge, wie man selbst. Alle wollen diesen fremden Planeten bevölkern, manche ernsthafter, anderer nur mal zu Besuch ab und an vorbeisehen. Einzig ist anders als auf Mallorca: Man kann nicht aussteigen, man bleibt vor/hinter seinen Tasten, die Welt kann nur im Raumanzug erlebt werden.

Aber unter ihren Raumanzügen stecken Menschen wie du und ich. Jetzt könnte man sagen/sich fragen: Also ist es einfach nur die Welt wie wir sie kennen? Ein Upgrade? Eine Erde 2.0? Ein neues Feature einer realen Welt?

Nein, denn dieser „neue Planet“ hat bestimmte und ganz gravierende andere Rahmenbedingungen. Eine davon ist, wie eben beschrieben: Man kann seinen Raumanzug nie ablegen, man kann also nicht wirklich spüren, tasten, riechen. Dafür ist man schwerelos und kann Raum und Zeit überwinden, man kann sich selbst jederzeit neue Gestalt geben, man kann sich ausschalten und einschalten und man kann ohne gesellschaftliche Barrieren oder auch Verpflichtungen mit jedem kommunizieren – ohne Vorlauf, ohne Regeln und meistens ohne Konsequenzen.

Es entsteht eine geistige Welt, die aber reale Menschen, Emotionen, Bedürfnisse wiederspiegelt – die aber nicht 1:1 befriedigt werden können. Das birgt viel Potenzial, in alle Richtungen.

Aktuell könnte man mindestens zwei Strömungen ausmachen:

Die einen, die beginnen dieses neue Medium für neues zu begreifen.
Die anderen, die versuchen Altes in das Neue zu holen oder das Neue mit dem Alten zu verweben.

Es entsteht dabei ein Spannungsfeld, denn die Welt wird jetzt in Richtungen gezogen, instrumentalisiert, monetarisiert und politisiert. Was am Anfang beschaut, bestaunt, erforscht und erlebt wurde, wird nun urbar gemacht. Claims werden abgesteckt, Rechte verteilt, Hierarchien aufgebaut, Strukturen geschaffen. Das ist menschlich, so wurde jedes Land eingenommen und „kultiviert“, so auch dieses neue virtuelle Land, da lernt der „alte Hund ‚Mensch‘ nicht auf seine alten Tage neue Kunststücke“. Doch beraubt diese Urbarmachung, Assimilierung, wie es schon immer war die Chancen der vorhandenen Möglichkeiten. Die Walze des Menschen ist Gleichmachung, Unterwerfung und Kommezialisierung.

Noch ist aber vollkommen offen, ob es zu einer Symbiose der Strömungen kommt, ob der neue Geist etwas Neues gebiehrt oder das Vorhandene die jungen Triebe einfangen kann. Den Jüngern des Neuen stehen aber auch jenseits der Bestandswahrer kritische Stimmen gegenüber, die nicht nur das Neue aus Angst ob des Verlusts des Alten kritisch gegenüber stehen, sondern um deren Tendenzen und Potenzial, vor allem „manipulier- und instrumentalisierbaren“ Potenzials.

Ein Auszug aus einer Schrift der BüSo – dessen Inhalt ich mir aber nicht zu eigen machen will – sie aber doch Gedanken in diese Richtung verdeutlichen:

Angesichts der heutigen Weltlage ist es erschreckend zu beobachten, wie die Mehrheit der heutigen Jugend ihre kostbare Zeit in fast ständiger Abwesenheit von der Realität verbringt. Ob iPod, Laptop, wLAN, Killerspiele, Second Life usw.; wer sich diese Art von Zeitvertreib a la MySpace, StudiVZ oder SchülerVZ mal genauer anschaut, wird schnell feststellen, daß er hier auf ein virtuelles Massengrab gestoßen ist, in dem wirklich jede Form von Dekadenz ihre Nische gefunden hat, bis hin zur Nekro- und Pädophilie. Das Verbrechen geht also über bloße Zeitverschwendung und Volksverdummung hinaus, denn wo die 68er-Generation mit „sexueller Befreiung“, LSD-Trips und meschugge machender Rockmusik nur der Vorgeschmack waren, beobachten wir jetzt eine Art „kultureller Endlösung“: den Ausbruch einer zutiefst satanischen Kultur, wo Amokläufe an Schulen, gegenseitiges Abschlachten bei Parties und Selbstmord mehr und mehr zum Alltag gehören. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, daß es vor allem Lyndon und Helga LaRouche waren, die bereits vor Jahrzehnten warnten, daß solch eine Form eines „neuen dunklen Zeitalters“ ausbrechen würde, wenn man dem sogenannten „Wertewandel“ nicht Einhalt geböte.
Aus der Broschüre: Steckt der Teufel in deinem Laptop?
Zum Download unter www.bueso.de/publikationen

Mit den enthaltenen Wertungen der Broschüre kann man (und muss man) sich differenziert auseinandersetzen, die sicher gewollte Polarisierung aber außer Acht lassend spiegeln viele beschrieben Eindrücke der Broschüre vieles wieder, was man jenseits des Standard-Kommerz-Internets tatsächlich auch wiederfindet. Wie das dann zu werten ist und ob das nicht nur einfach auch wieder ein Spiegel der Menschheit ist, oder eine Art Hubble-Teleskop auf das eigene Sein, wird erst die Zukunft zeigen.

Streik gegen Internet-Sperren und was man alles dazu sagen könnte

Bildzitat Spreeblick-Streik

Spreeblick protestiert mit einem Blog-Streik gegen die Internet-Sperren, denen sich schon vor Gesetzesbeschluss diverse Internet-Provider freiwillig unterworfen haben.

Jetzt wollte ich an der Stelle eigentlich mal meinen üblichen Querkopf beweisen und gegen den Strom darüber philosophieren, dass man doch mehr Opfer- statt Täter-Schutz beachten müsse oder auch pro Sperre sein könnte getreu dem Motto „besser so als gar nichts“ oder vielleicht auch „Gelegenheit macht Diebe, als weg mit der Gelegenheit“ usw. und so fort. Das könnte man alles argumentieren, damit könnte man eine wirklich sinnvolle Diskussion führen, doch unter dem Strich muss man einfach mal sagen, die da oben haben offenbar gar kein Interesse an sinnvollen Lösungen, die wollen gar nicht diskutieren, die wissen schon, was man „eigentlich“ machen müsste, tun es aber nicht (und über die Motive dafür will man gar nicht grübeln) und daher – wenn man das alles so in Betracht zieht – muss man eben sagen …

Spreeblick hat hier einfach Recht:

Von Laien regiert

Spreeblick befindet sich am Mittwoch, den 22. April 2009, im demonstrativen Streik.

Am heutigen Tag, dem 22. April 2009, will das Bundeskabinett ein Gesetz zur Sperrung von Websites beschließen, die Kinderpornografie darstellen oder anbieten. Wir unterstützen die Bundesregierung in ihrem Bestreben, dem Missbrauch von Menschen und speziell Kindern ein Ende zu bereiten, bezweifeln jedoch auf Grundlage vieler Expertenmeinungen, dass dieses Bestreben der wahre Grund für die angekündigten Sperrungen ist.

Die geplante technische Umsetzung auf Basis von Sperrlisten halten wir für laienhaft, wirkungslos und unter Umständen kontraproduktiv. Wir fordern die Bundesregierung auf, die durch die Listen offensichtlich bekannten illegalen Websites zu schließen und ihre Urheber bzw. Betreiber strafrechtlich zu verfolgen. Wir lehnen Internetsperren ab, die ob ihrer Intransparenz und technischen Zweifelhaftigkeit eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland sind. Wir fühlen uns durch die von Fachleuten wiederholt in Frage gestellten Zahlen und Fakten, die das Familienministerium kommuniziert, als wählende Bürger belogen.

Wir halten Wahlkampf-Taktiken und politischen Populismus für äußerst unangemessen, wenn es um die Bekämpfung des Verbrechens der Gewalt an Minderjährigen gehen soll.

Informieren und mitmachen: Von Laien regiert

Über die unglaubliche Leichtgläubigkeit des politischen Seins

In den 90ern hatten wir schon mal eine Justizministerin, die wollte im Internet jugendgefährdende Inhalte erst ab 23 Uhr anzeigen lassen – tolle Idee … lachte man … um die Frage entgegen zu stellen: „23 Uhr? Wo auf der Welt?“

Andere wollten Arcor & Co. dann zwingen Schmuddelvideo-Portale aus zu sperren, mit ebenso „Riesenerfolg“, weil man einfach den DNS-Eintrag für Serveradressen ändern konnte und schluß war es mit der Sperre, denn dann spielte man ganz einfach die Spielregeln eines anderen Servers, als den von Arcor.

Sollte man meinen, dass man solche Erfahrungswerte (umgangssprachlich: blaue Nasen) beim Umgang mit solchen Sperrversuchen sich irgendwie zu Nutze machen würde, aber weit gefehlt! Man macht das ganze sogar zum Politikum und verkauft es als politisches Aktion(ismu)s-Paket.

Und wenn es jemand nicht glauben will:
Internetsperre umgehen in 27 Sekunden – law blog

Am besten garniert mit dem schönen Zitat von Ursula von der Leyen, nachzulesen in der Netzzeitung:
Nur versierte Internet-Nutzer mit krimineller Energie können künftig Sperrungen von Seiten umgehen.

»„Nach unseren Erkenntnissen sind vier von fünf Menschen, die im Internet auf Kinderpornos zugreifen, Gelegenheits-Konsumenten. Die lassen sich durch ein Stopp-Schild abschrecken und geben ihr Vorhaben auf“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.« (Quelle: focus.de) – Ja, genau! So abschreckend wie Altersabfragen vor amerikanischen Websites. Auch da wird „natürlich“ jeder sofort in sich gehen und denken: „ohhh! da bin ich ja gar nicht alt genug! da geh ich doch schnell lieber zum Kinderkanal!“.

Aber auch jenseits von Sarksamus lässt sich eine Regierung von handfesten Erkenntnissen ausländischer Ermittlungsbehörden nicht abschrecken:

Die Polizei des Vorzeigelands Schweden hat hingegen im FOCUS-Interview Zweifel an der Wirksamkeit von Blockaden geäußert. „Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, bilanzierte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström. Die Zahl der gesperrten Seiten habe sich seit der Einführung des Systems im Jahr 2005 auf 5000 erhöht. Zudem könnten Nutzer die Stopp-Seiten problemlos umgehen. (Quelle: Focus a.a.O.)

Keine Frage, auch ich wünsche mir ein saubereres Netz, aber doch bitte nicht mit so Kikikram. Man muss das Übel an der Wurzel packen, man muss die Anbieter eleminieren, nicht versuchen den Zugang zu blockieren, und man muss Aufklärung betreiben, die beim Nutzer ansetzt. Aber das ist mit so einer „Internetsperre“, die man ja sicher auch schön für noch viel bösere Sachen dann nutzen kann, wie bspw. für den Einsatz der wahren „Geisel der Menschheit“: Urheberrechtsverstöße gegen die Software-, Film- und Musikindustrie

Und weil genau das passieren wird, also man auch andere Seiten sperren will, die einem nicht passen, werden die versierten Internet-Nutzer mit krimineller Energie (= alle Jugendlichen und Durchschnittsinternetsurfer) sich von diesen Sperren zu entledigen suchen und damit ist der ganze schöne Schutz wieder im Lokus.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Bundesregierung! Tolle Ideen, die ihr da habt oder die euch da von den Beratern verkauft wurden. Vielleicht solltet ihr mal mit Leuten reden, die sich mit sowas auskennen. Aber dazu fehlt ja, siehe oben, der politische Wille, weil man ja auch eigentlich nur bisschen Aktionismus verbreiten will, statt effizient gegen die Ursachen vorzugehen.

Ach ja, und wer sich wirklich als erziehender Elternteil oder sonstwie Verantwortlicher über wirksamen Schutz für seine Anvertrauten erkundigen möchte, der sollte sich eben mal lieber beraten lassen.

In Chat with Nigeria-Connection

Es ist einem unklar, warum Menschen darauf überhaupt eingehen, aber es ist kein Geheimnis, dass es solche Menschen gibt. Man denkt, dass doch mittlerweile jeder von diesen Mails gehört haben muss, von den Millionen irgendwo auf einer Bank, auf die ein trauriger Neffe eines inhaftierten Onkels oder so ähnlich nicht zugreifen kann und ausgerechnet dich dazu bräuchte, der du natürlich eine ganz große Nummer bist im Geldtransfergeschäft und nicht mal argwöhnisch wirst, ob denn bei solchen Deals alles mit rechten Dingen zugehen kann. Aber es gibt sie, die Täter und Opfer, und die Täter sind nicht einmal sonderlich scheu, wie dieser Beitrag zeigt:

Sie sind im Internet seit Jahren bekannt und trotzdem immer wieder erfolgreich: Die Scammer von der Nigeria-Connection. Nachdem jahrelang E-Mails ihr bevorzugtes Kontaktmittel darstellen, arbeiten sie nun auch per Skype. So entstand ein erstaunlich ehrlicher Chat zwischen einem Scammer und einem Sicherheits-Experten.

via Kurios: Ein Chat mit der Nigeria-Connection – News – CHIP Online.

Es gibt im Leben nichts geschenkt und manchmal denkt man sich, dass die Leute, die auf so eine Masche wirklich reinfallen, doch auch bisschen selbst Schuld sind – die Naiven einmal ausgenommen, aber die Gierigen in jedem Fall. Das sind auch die, die das Ultra-Internet-Schnäppchen bei eBay (oder sonstwo) ersteigern und sich dann wundern, wenn es geklaut war, einen Schaden hat oder am Ende nie geliefert wird.

Mike Nash: „Ich mag die Art, wie Sie Ihre Opfer Kunden nennen. Das impliziert eine gewisse Professionalität.“

Robert Dutu: „Danke. Wenn ich Sie darum bitte, mir ein bisschen Geld zu senden, machen Sie das?“

Mike Nash: „Was bekomme ich denn für mein Geld?“

Robert Dutu: „Das ist der Punkt. Niemand möchte etwas einfach nur so weggeben. Aber ich verspreche Ihnen 16 Millionen US-Dollar. Am Ende kriege ich mehr als nur Ihr Geld von Ihnen. Vielleicht nehmen Sie sogar einen Kredit für mich auf. Können Sie mir helfen?“

Mit Handy via UMTS übers Notebook ins Internet

Klingt bisschen wie vom Knie über die Schulter durch die Achsel, ist aber tatsächlich möglich – wenn auch nicht immer „erlaubt“. Und es hat ein paar Fallstricke. Aber es geht!

mehr dazu bei: UMTS-Handy als Modem nutzen | Zielpublikum.de