Tag Archives: internet

Zitat des Tages

Logg dich aus. Geh zum Kühlschrank, und mach ihn auf, in der Hoffnung, dass auf wunderbare Weise etwas Neues und Schräges hinzugekommen ist. Ist es nicht.

Geh zurück zum Computer und logg dich ein, in der Hoffnung, dass auf wunderbare Weise etwas Neues und Schräges hinzugekommen ist. Es ist. ”

J. C. Herz

via

“Logg dich aus. Geh zum Kuehlschrank, und mach ihn auf, in der Hoffnung, dass …” – ASCII-Suppe.

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Digital Natives

Als wir damals uns ins Internet einwählten (so hieß das damals noch), gab es verdammt wenig zu sehen, mehr die Idee was wohl kommt als Inhalt und es war dazu noch richtig richtig richtig teuer. Ich glaub – aber nagelt mich nicht fest – es waren im worst case 40 Pfenning pro Minute (100 Pfenning = 1 Deutsche Mark, falls das jemand nicht mehr so drauf hat, 40 Pf. entspricht also rechnerisch ungefähr 20 Cent, gefühlt 40 Cent). Das setzte sich zusammen aus der Telefongrundgebühr (man zahlte da noch Einheiten pro Minute, Flatrates waren Ammenmärchen), zzgl. eine minütliche Gebühr für Btx, plus Btx plus plus Internet (10 Pfenning gleich nochmal extra). Das war noch Leidenschaft und pure Neugier, das ging richtig ins Geld und meine erste eigene Website (aka Homepage) war purer Luxus oder eben ein Jonglieren mit ständig kommenden und gehenden Gratiswebspace (zu meiner ersten Hoch-Zeit baute ich meine Homepage aus 3-4 verschiedenen Webspaces zusammen).

Da dachte man: Hey! Wir sind quasi die Pioniere im Cyberspace, wir sind die Beta-Tester für die Grundlagen – aber die, die danach kommen, die werden sich nicht um Grundlagen kümmern, die wachsen damit auf. Das ist wie bei der Erfindung des Automobils – die ersten sorgten dafür, dass ein Auto überhaupt fährt und die Lösung grundsätzlicher Fragen, aber heute geht es nicht mehr um das Auto, heute ist die Frage Mobilität – nicht das Auto an sich ist die Frage, sondern was man auf Basis der vorhandenen und gesellschaftlich selbstverständlichen Mobilität schafft.

Aber was machen dieses Digital Natives, die Generation, die mit und im Internet aufgewachsen ist nun mit den Möglichkeiten? Die, die losgelöst von Grundsatzfragen sich rein auf die Entwicklung und Auslotung von Grenzen konzentrieren können? Die kreativ einfach aus dem Füllhorn der Möglichkeiten schöpfen könnten? Nix!

»Wo sind sie, die “Digital Natives”?« via Sympatexter rules the word.

Eigentlich wollte ich ihn an den Schultern packen und durchrütteln. Ob er denn nicht wisse, dass er zur Generation der “Digital Natives” gehöre? Dass er das Internet mit der Muttermilch aufgesogen habe und sich da gefälligst besser auszukennen habe als ich! Dass er die Speerspitze einer neuen, basisdemokratischen Bewegung zu sein habe. Ich wollte ihn ohrfeigen und fragen, ob er die letzten Jahre geschlafen hätte. Aber er kam mir zuvor und sagte, dass sie erst seit ein paar Wochen Internet zuhause hätten.

[...]

In letzter Zeit fällt mir häufig auf, dass die junge Generation im Großen und Ganzen keine Ahnung vom Internet hat. Wer auch immer den Begriff “Digital Native” für die Generation nach (sagen wir mal…) 1990 geprägt hat, hat eigentlich nur einen Wunschtraum erschaffen, ein Web 2.0 Märchen. Das einzige, das die Teens heute am Internet interessiert, ist Chatten und Musik von einer Festplatte auf die nächste zu wuppen. Dann noch eine Prise MySpace (“boah, ne, das ist voll out”) und Schüler- oder StudiVZ. Aber selber bloggen, regelmäßig Blogs lesen oder (oh weh, sogar kritisch) kommentieren? Eine eigene Domain oder Homepage verwalten und dort eigene Inhalte veröffentlichen? Meinungsbildung vorantreiben oder womöglich sogar bei Wikipedia mitschreiben? Medienkompetenz? Fehlanzeige. Mein Eindruck ist, dass sich das auch nicht so bald ändern wird.

Judith trifft da den Nagel auf den Kopf, den ich damals schon auch so erlebte: Und was machst du so im Internet »Mit Messenger quatschen. Videos schauen. Was mit Google suchen.«

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Kann man einen Avatar beklauen?

Das war “meine” News am Wochenende: Einem Avatar wurde in einem Online-Rollenspiel  seine Ausrüstungsgegenstände “gestohlen”. Allein mit dem juristischen Terminus “Diebstahl” scheitert man schon, aber dass die Ausrüstung, das Inventar, eines Avatars ‘Geld wert’ sind ist nicht nur ob der Zeit begründet, die man dafür investierte, sondern auch bisweilen in der nackten Tatsache, dass manche Dinge tatsächlich auch Geld gekostet haben.

Diebstahl im Onlinespiel: Polizei fahndet nach Phönixschuhen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

Die Bochumer Polizei ermittelt in einem Fall von Diebstahl: Ein Himmelstränenband, Phönixschuhe, ein Siamesenmesser und sieben Millionen Yang wurden gestohlen. Das ist lustig, aber auch ein bemerkenswerter Präzedenzfall in Deutschland: das Opfer ist ein Avatar, der Tatort liegt im Cyberspace.

Dass Ausrüstungsgegenstände verloren gehen können, liegt schon in der Natur der Sache. Auch in Second Life zittert mancher vor dem Totalverlust durch Datenbankcrash – denn für den normalen Nutzer ist ein Backup seines Inventory nicht vorgesehen. Dass dieser Verlust nun von Dritten gezielt und mit “Enteignungsabsicht” geschehen kann ist, stellt schon eine Menge technischer Fragen.

Als ich mich darüber so in der Hinterhaus-Kommune zu Tische erzürnte, warum die Politik sich hier nicht längst mal Gedanken gemacht habe und wieder mal abwarte, was denn so geschehe und wie sich die Gerichte mit den ersten Problemfällen so herumschlagen, machte die beste Ehefrau den entscheidenden Einwand: Wir Deutsche neigen doch eh schon dazu alles zu verkomplizieren, wenn wir sowas im Voraus regeln wollten, will man sich die Komplexität so einer Regelung nicht einmal ausmalen …

Also doch einfach mal abwarten, was aus Fällen wie diesen wird.

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Ausgekocht – Kochbuch-Abmahnungen vor dem Ende?

Da lacht der Nerd. Offenbar ist doch noch intelligentes Leben im Planeten Justizia gefunden worden. Das OLG Hamburg ist laut heise.de wohl bereit und in der Lage den berühmt und gefürchteten “Brötchen-Abmahnungen” zumindest teilweise das Wasser abzugraben.

Doch abwarten, noch ist nur die Ansicht des Kammervorsitzenden bekannt, ob es zu einem entsprechenden Urteil kommt und was das überhaupt bedeuten würde:

In Sachen Marions Kochbuch: OLG Hamburg stärkt Forenbetreibern den Rücken

[via]

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Du musst Zeit haben

Es gibt so ganz bestimmte Aussagen, auf die reagiere ich allergisch “Du musst Zeit haben” oder “Deine Zeit hätte ich gern” gehören definitiv dazu. Daher auch gleich reflexartig ein Artikel, da ich es gerade bei Robert gelesen habe – das Thema dort spielt dabei gar keine besondere Rolle.

Als Blogger und Internet-Freak, wie man ja auch gern mal bezeichnet wird, hört man das ja besonders gern: “So viel Internet?! Da hätte ich ja gar keine Zeit für!” – Und wisst ihr was? Habt ihr! Denn wir alle teilen uns die gleichen 24 Stunden Tag für Tag.

Ich zitier da endlich mal gern Mario Sixtus:

Wenn ich noch ein einziges Mal gefragt werde …
… woher ich die Zeit für meine Netzaktivitäten nehme und woher all die Blogger, Twitterer, Wikipedianer und Free-Software-Developer die Zeit für ihre manigfaltigen Aktivitäten im Netz nehmen, werde ich künftig ganz maulfaul einen einzigen Link auf den Tisch knallen.

No one who works in TV gets to ask that question. You know where the time comes from. It comes from the cognitive surplus you’ve been masking for 50 years.” [...] And television watching? Two hundred billion hours, in the U.S. alone, every year. Put another way, now that we have a unit, that’s 2,000 Wikipedia projects a year spent watching television. Or put still another way, in the U.S., we spend 100 million hours every weekend, just watching the ads. This is a pretty big surplus. ][..]

Und sinngemäß sagt es einfach auch das aus: Niemand fragt einen danach, woher man die Zeit für Fernsehgucken nimmt, was im Übrigen die Basis und Grundlage für Berufe aus dem Bereich Werbung bis Journalismus ist. Niemand fragt danach, woher man die Zeit für Konversation bspw. per Telefon nimmt, für Bücher lesen, für Einkaufen, für Bank-Besuche, für die Warteschlange in der Support-Hotline, für wild durch die Gegend fahren um einen geeigneten Händler oder Dienstleister zu finden.

Das Internet ist keine ominöse Masse, kein Spiel, dessen Laufzeit einmal abläuft und man den Spielstand dann löscht. Das Internet ist Kommunikation, Kreativität, Ausdrucksform, Beratung, Meinungsaustausch, Kontaktmöglichkeit, Einkaufsmeile, Bank, Publikation, Bibliothek. Hier bringe ich mich zum Ausdruck, hier entwickle ich neue Ideen und tausche sie mit anderen aus. Hier vergleiche ich Produkte, lasse mich beraten, kaufe sie ein. Das Internet ist für viele längst keine Spielwiese mehr, es ist etwas Neues im Leben, etwas, was Aufgaben und Tätigkeiten des Lebens und alte Gewohnheiten ersetzt. Und vielleicht sogar vereinfacht und für andere Dinge mehr Zeit freisetzt.

Das Internet nimmt mir keine Zeit, ich investiere meine Zeit hinein und ziehe es woanders ab. Ich sehe bspw. so gut wie kein Fernsehen mehr, weil es mir zu passiv ist und ich es nur wie einen Kinobesuch zelebriere, wenn ein guter Film mal kommt oder ein spannender Tatort. Aber es rieselt nicht mehr durch. Ich hatte die letzten zwei Tage krankheitsbedingt wieder “mehr Zeit” zum TV sehen und habe wirklich nichts verpasst…

Es ist auch eine Mär, dass man sich damit isoliert. Im Gegenteil – ich tausche mich weit mehr aus mit anderen als früher. Das Internet ist einfach kein Einwege-Medium, es interagiert, es lebt vom lebendigen Gegenüber. Entsprechend wundert auch nicht, dass Online-Plattformen, die immer noch so kommunizieren, als hätten sie in einem weit entfernten Land eine Flaschenpost auf den Weg geschickt und der Empfänger soll nun die Nachricht entziffern, ebenso befremdlich wirken, wie “hoheitlich” und entsprechend unnahbar wirkende Presseorgane.

Zeit ist nicht die Frage, eher die persönliche Neigung. Hatte zuletzt mehrfach Diskussionen auch mit dahin siechenden Bloggerexistenzen (“dahin siechend” in Bezug auf ihr Blog), die händeringend beteuern, sie kämen einfach nicht mehr zum Bloggen, sie würden ja gern. Bleiben allerdings dann auf die erstaunte Nachfrage, wie das denn zu begründen sei, schließlich sei man Single oder Kinderlos und ohne große Verpflichtungen außer der täglichen Arbeit, eine Antwort schuldig. Muss ich schon dann immer bisschen schmunzeln, als Familenvater mit zwei Kindern und einem Nachbarn (*g), einer regelmäßigen Arbeit jenseits der 40 Stunden-Woche, und zwei Blogs an der Backe.

Es ist keine Frage der Zeit, die man hat. Sicher gibt es Leute die wenig davon haben, aber auch das ist oft ein selbst gewähltes Schicksal. Der Manager, von dem ich hörte, der sich über Weihnachten operieren lassen “muss”, weil er im ganzen Jahr keine “Zeit” dafür hat, den bedauere ich nicht um die Operation, sondern weil er offenbar sonst kein Leben außerhalb seines Berufs hat. Da hoffe ich nur, dass es wirklich so erfüllend ist, wie das an Zeit kostet. Die Zeit, die ich in “das Internet” stecke, macht mir Freude, sie bereichert mich, regt mich an Dinge zu denken und zu tun, sie führt mich zum Aktiv-werden, TV brachte mich jeher in die Passivität.

Es soll keine Anklage sein: Manche genießen TV und es erfüllt sie, sollen sie machen. Manche kommen an dieses Internet nicht ran, die Kommunikation ist für sie in geschriebener Form nicht ihr Ding – vollkommen in Ordnung. Jeder soll das nach seiner Façon handhaben und selbst PC- oder Konsolen-Spiele sind für manche schlicht eine spannendere Alternative zum TV. Aber ich wehre mich vehement, wenn man Internet mit “spielen” gleichsetzt und vermeintlich abschätzig was von wegen “deine Zeit müsste ich haben” kommentiert. Bei vielen würde ich dann nämlich gern kontern: Aus deiner Zeit könnte man richtig was nützliches machen!

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Schäfer-Gümbel reloaded

Ich bild mir jetzt einfach mal unglaubliche Awareness ein und dass mein Artikel erhört wurde – oder wie auch immer. Jedenfalls entkam Thorsten Schäfer-Gümbel jetzt weitgehend meiner beschriebenen Rot-Falle und das Bild unten wurde auch ausgetauscht. ;-)

Nur schade, dass man nicht gleich konsequent den auf der Website der SPD Marburg vorgezeichnete Weg beschritten wurde: “YO ISCH KANN” – dann klappts auch mit dem Koch!

["Yo isch kann" via via via]

Unbestätigten Quellen zu Folge entstand “YO ISCH KANN” im Designtagebuch!

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Schäfer-Gümbel in der Rot-Falle

Herr Schäfer-Gümbel hat zwei Probleme – erstens kennt ihn keine Sau und zweitens versucht er auf seiner Website weiße Schrift auf rotem Grund zu platzieren, was nicht so einfach ist mit der Farbe Rot und der JPEG-Komprimierung, wie man weiß, und man daher rechts im Bild bei der SPD auch ein GIF nimmt – aber auch das kriegt Herr Schäfer-Gümbel noch hin, wenn er mit dem Koch fertig ist. Bei der Gelegenheit könnte man auch das Bild von ihm auf der Startseite im Content-Bereich bisschen überarbeiten, schärfen und vielleicht nicht so stark überbelichten im Hintergrund (es sei denn, dahinter ist sowas wie die CDU-Zentrale, die man besser nicht sehen soll).

Beim Rot- und Bild-Problem muss ihm seine prominent zitierte Agentur helfen, bei der Bekanntheit kann man was tun – und daher eben auch hier mal ein Verweis auf den neuen Herausforderer und Ypsilanti-Nachfolger Thorsten Schäfer Gümbel. Die Ypsilanti hatte ja auch schon so ihre Rot-Falle, aber das war was anderes.

You can do it! Der Koch ist schlagbar! Immer schön aus der Deckung und den Punch nicht vergessen und vergiß Axel Schulz!

Auch die Netzzeitung hat sich übrigens so über Schäfer-Gümbel und seine Website so Gedanken gemacht.

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