Tag Archives: kino

Auch ein Matrix-Versteher?

Gestern kam Matrix Revolutions im Free TV und ich gab ihn mir zum zweiten (oder dritten??) Mal. Ich glaub ich hab’s jetzt auch kapiert.

Ich versuchs mal in der Mega-Kurzfassung: Da ist also Neo und Orakel und Architekt und Smith und die Supermaschine. Orakel, Smith und Architekt sind Programme der virtuellen Matrix, real existent sind Neo (und das Menschentrüppchen) und die Maschine. Der Architekt und das Orakel sind gewissermaßen Gegenspieler – das Orakel steht für Gerechtigkeit und Moral, gewissermaßen für das “Leben”, der Architekt für Organisation und Struktur, gewissermaßen die “Mathematik”. Das Orakel will Leben, der Architekt die Ordnung. Smith und Neo sind die anderen Gegenspieler, Neo ist der Mensch, der die Grenzen der Matrix überschreitet. Der Architekt sorgt für den Ausgleich der Gleichung, also muss Neo einen Gegenpol haben und daher wird Smith immer mächtiger je mächtiger Neo wird – und daher muss Smith die Grenzen der Matrix auch überschreiten, von innen nach außen in dem Fall. Das dritte Gegenspielerpaar ist Mensch-Maschine. Die, die den Krieg um Zion führen. – Also: Menschen haben Neo, der vom Orakel geführt wird, Maschinen haben Smith, der vom Architekten definiert wird. Jetzt kommt es zum Showdown: Die Maschinen können zwar die Menschen besiegen, haben jetzt aber einen viel zu mächtigen Smith an der Backe. Neo brachte also gewissermaßen nicht die Erlösung sondern die totale Vernichtung, sobald er selbst besiegt ist, doch das geht nur physisch, nicht in der Matrix, denn Neo hat ja gelernt die Matrix zu überschreiten. Die (Super-)Maschine erkennt am Ende, dass sie in der Sackgasse ist. Sie kann zwar die Menschen besiegen, hat aber mit dem Tod Neos erst so richtig die Seuche, denn dann ist mit Smith ein ganz mächtiger zerstörerischer Bösewicht ohne Gegenspieler unterwegs, der dann die Maschine auch kaputt macht, denn Zerstörung ist so sein einziges Hobby. Daher kommt Neo gerade Recht, der anbietet: Krieg gegen Menschen beenden, dafür Smith weg. Neo tritt in der Matrix gegen Smith zum finalen Kampf an, keiner kann den anderen aber besiegen. Dennoch gibt Neo in einem lichten Moment den Kampf auf und lässt sich viral anstecken, programmtechnisch also von Smith okkupieren. Jetzt hat Smith also gewonnen, da freut er sich, vor allem weil er meint damit am Ziel zu sein (und das redet ihn das Orakel ein, die er vorher auch schon okkupiert hat). – Und jetzt wirds noch mal kompliziert: Die Maschine hatte ja lange gar keine Kontrolle mehr, weder auf Neo (der war ja flüchtig, rote Pille und so) noch das sich selbstständig gemachte Programm “Smith”. Jetzt hatte es aber (freiwillig) wieder Neo unter Kontrolle und als Smith sich mit ihm vereinte, hatte die Maschine die Chance Smith zu löschen. – Alles also wieder im grünen Bereich.

Soweit klar? Oder hab ich was falsch verstanden?

Komisch fand ich, dass man am Ende die Matrix dann “neu startete” (das kapierte ich aber auch erst nach Lektüre hier), statt sie gleich als “blöde Idee” sein zu lassen. Jedenfalls sollte nun Frieden herrschen, so war es ja vereinbart, was das aber für die Menschen und Maschinen bedeutet, das blieb offen. Vielleicht wurde das aber dann auch zu kompliziert oder wir dürfen uns aber auf Teil 4 “Matrix Happy together” freuen.

Der erste Teil war brilliant, die anderen beiden Matrix-Teile hätte man sich sparen können.

{lang: 'de'}

Kostenloses Filme und Serien bei der Telekom im Filmportal

Schon wieder kein Witz: Die Telekom hat ein kostenfreies Filmportal eröffnet. Klar: Keine aktuellen Blogbuster, aber immerhin für Fans paar Schmankerln bei.

Die Deutsche Telekom hat nach einer Testphase unter der Webadresse free.videoload.de jetzt ihren werbefinanzierten Video-on-Demand-Dienst Videoload free gestartet. Geboten werden (sollen) mehr als 600 kostenfreie Film- und Serientitel, darunter die britischen Serien “Little Britain”, “Life On Mars”, “Spooks”, “Coupling” und “Doctor Who”. Aus dem Hause DMAX kommen die Produktionen “Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz”, “Tuning-Alarm! Jo motzt auf” und “Tattoo – Eine Familie sticht zu”. Ab Mitte soll die Kriminovela “Das Geheimnis meines Vaters” laut Pressemitteilung für “reihenweise Spannung” sorgen. Aber auch Filme wie “American History X” und “Lost in Space” sind im Angebot

via heise online – 27.02.09 – Deutsche Telekom startet kostenfreies Filmportal.

{lang: 'de'}

Zurück in die Zukunft – Wie es auch hätte ausgehen können

[Video nicht im Archiv - Link zu Youtube]

Wie Han Solo schon wusste:

BEN: Wie lange brauchen Sie noch, um den Lichtsprung zu machen?

HAN: Ich muß noch auf die Daten vom Navigationscomputer warten.

Das Schiff fängt an, stark zu wackeln, als Laserschüsse einschlagen.

LUKE: Machst Du Witze? Die haben uns gleich…

HAN: Durch den Hyperraum zu fliegen ist etwas anders als über Rübenfelder zu fliegen, Junge! Ohne genaue Kalkulationen können wir direkt durch einen Stern fliegen oder einer Super Nova zu nahe kommen und das wäre dann ein ziemlich kurzer Ausflug, oder?

aus: Das Drehbuch zu Star Wars (Teil 4 von 10)

[via]

{lang: 'de'}

Ich muss mal wieder mehr über Religion posten – Rex Kramer, Danger Seeker

… vielleicht reicht ja aber auch bisschen zum Theme twittern oder hier und da kommentieren?

Rex Kramer, Danger Seeler, Part-time airline mechanic, full-time daredevil Rex Kramer vows to take on the most dangerous situations possible “for the sake of adventure.” – Kentucky Fried Movie

{lang: 'de'}

Jung im Herzen

Nun also doch: Young@Heart lief nun doch noch im Filmtheater Valentin und ich konnte meine Gutscheine einlösen und kann aus der Preview noch eine Review machen. Doch einen Disclaimer mag ich nicht davor setzen: Diese Zeilen sind nicht einmal Gutschein-motiviert, diese Zeilen gebühren einfach dem Film.

Ich war lange nicht mehr so emotional bewegt in einem fast menschenleeren Kino gesessen – und ich mag sagen: es war unpathetisch emotional – und das macht es so stark. Es ist kein “Film”, es ist eine Dokumentation, und doch erzählt es mehr Geschichten als in 120 Minuten Blockbuster je erreicht werden kann. Man kann solche Geschichten nicht konstruieren, sie müssen einfach erzählt werden.

Man lernt Menschen kennen in der Zeit in dem man auf die Leinwand starrt und man nimmt von einigen von ihnen Abschied. Man sieht in Augen und Gesichter von Zuhörern und liest in ihnen, wie es sie bewegt, und man bemerkt das Wasser in seinen eigenen Augen und es stört einen nicht. Warum? Weil es kein Drama ist, weil nichts auf diese Gefühle hingearbeitet hat. Ein Chor mit Menschen, die nach unserem gesellschaftlichen Verständnis längst zum Sterben verurteilt sind. Menschen, die alt sind, sehr alt. Menschen über 75 sind die, die der Gesellschaft nichts mehr geben und eher eine Belastung sind – für sich selbst, für ihre Angehörigen und die der Krankenkasse das Geld kosten, das angeblich fehlt für die Jungen. Und man lernt in diesem Film, wie unsinnig diese Denkweise – wenn man sie auch nur ansatzweise zuließ – ist, wie sie alles verkennt, was uns zum Menschen macht. Man lernt, dass krank zu sein und zu sterben, Abschied zu nehmen, weder besonders zu heroisieren ist noch zu verdrängen – es ist einfach ein Teil des Weges, den wir alle gehen. Und man lernt, wie verdammt viel man in jedem Alter dieser Gesellschaft geben kann – der Chor Young@Heart hat wohl mehr Seele gegeben auf seiner Reise durch die Welt, als unsere ganze Medienlandschaft mit versucht emotional und gekünstelt semi-authentischen Real-Life-Berichten im TV je in ihrer Summe erreichen werden. Und – auch wenn es komisch klingen mag – man geht aus dem Kino mit dem Gefühl dem Filmmacher dankbar zu sein, denn wenn er den Film nicht gemacht hätte, hätte man diese “alten” Menschen nie kennen gelernt – und es ist eine Erkenntnis, die einen gleichzeitig trifft, denn die Chormitglieder sind genauso “einfache” Leute wie sie hinter so vielen Mauern dieser Stadt hier wohnen. Menschen mit einem wunderbaren Humor, riesigen Herzen, phantastischen Stimmen, riesigem Wissen oder einfach nur einem interessanten Wesen.

Young@Heart läuft natürlich nur in so einem kleinen Programmkino / Kulturkino wie dem Valentin. Statt dessen strömen die Scharen in den neuen Bond. Den neuen Bond sehe ich mir nächste Woche auch noch an, welcher der beiden Filme mir in meinem Leben etwas mitgeben wird, das weiß ich schon heute.

Ich kann nur empfehlen: Seht euch den Film Young@Heart noch an – unbedingt. Und keine Sorge, er ist nicht so, dass ihr pathetische Krankenhausberichte bekommt, auch fühlt man sich nicht peinlich berührt – zu keinem Moment. Der Film ist, das kann ich nur bestätigen “ein Stück meisterlicher und grundehrlicher journalistischer Arbeit … Echt und unaufdringlich” (moviemaze.de). – Ja, statt dessen bekommt man zum Teil bissigen Humor, den nur Menschen in dem Alter über sich selbst machen dürfen, und hervorragende Musik, die in diesem Zusammenhang neben ihrer bereits vorhandenen Qualität durch diesen Kontext eine nochmalige unglaubliche Aufwertung erlebt: Sonic Youth (»Schizophrenia«), Talking Heads (»Life During Wartime«), Coldplay (»Fix You«), Clash (»Should I stay or should I go«), Sinead o Connor (»Nothing Compares to you«) – um mal die Bands zu nennen, die vielleicht sonst nicht gleich genannt werden und man den Pointer Sisters (»Yes We Can Can«) oder James Brown (»I Got You (I Feel Good)«) sonst dem Vorzug gibt. Aber die erstgenannten sind eben meine Musik – umso mehr fand ich den Zugang.

Und auch wenn der Film so viele fröhliche Momente hat, so ist »Fix You« dann doch für mich der Song, der für mich am meisten zusammenfasst:

When you try your best, but you don’t succeed
When you get what you want, but not what you need
When you feel so tired, but you can’t sleep
Stuck in reverse

And the tears come streaming down your face
When you lose something you can’t replace
When you love someone, but it goes to waste
Could it be worse?

Lights will guide you home
And ignite your bones
And I will try to fix you

Und hier ist er: »Fix you« von Coldplay, gesungen vom wirklich wunderbaren Fred Knittle und dem Young@Heart Chor:


Nachtrag

Das Video gibt einen prima Eindruck:

{lang: 'de'}

Vorschau/Preview: Young@Heart

Disclaimer: »Vor einigen Tagen erreichte mich die Anfrage von dot-friends.com, mir den Film „Young@Heard“ kostenlos im Kino anzusehen, um darüber eine Rezension zu schreiben und diese dann in meinem Blog zu veröffentlichen. dot-friends arbeitet im Auftrag der Senator Entertainment.«

Als die dot-friends mich wegen einer Rezension fragten und der Begriff Young@Heart fiel, leuchteten meine Augen kurz. Denn “ja”, der Film ist mir ein Begriff, oder besser das Projekt das dahintersteht, und ich mache keinen Hehl daraus, dass ich schon beim ersten mal, als ich davon hörte, begeistert war.

Es war so ein gelangweilter Zap-TV-Abendausklang (den ich mir seltens zumute im Übrigen), der uns auf irgendeinen Kanal hängen ließ, auf dem Senioren auf einer Bühne standen und im Chor sangen. Irgendwie blieben wir hier hängen und nahmen den Teil der Doku mit, bei dem der Chor sich gerade von einem Mitglied verabschieden musste, man beklagte den Tod des lieb gewonnenen “Chorbruders”.

Quereinstiege gerade in Dokus sind nicht so einfach, es fehlt einem der Background für den Teil, den man gerade verstehen soll, doch ich glaube, da gibt es wenig zu verstehen – da gibt es einfach nur unglaublich viel Respekt vor einer Idee, die vielleicht einen der ganz großen Beiträge liefert für eine Gesellschaft, die mehr und mehr “älter” wird und damit klar kommen muss. Klar kommen als junger Mensch wie auch als Älterer, als Senior. Es ist ein Beitrag um zu verstehen, Optimismus zu geben, eine Leichtigkeit, eine Öffentlichkeit, aber auch nichts übertüncht und rosa anmalt. Es geht darum, dass man einfach alt wird und was einem dann bleibt: Altersheim? Abhängig von den Brotkrumen der Aufmerksamkeit der Kinder und Enkel, die selbst vor sich hingetriebenen werden von einer hektischen und rastlosen Welt. Man muss lernen, was es heißt die alten Freunde zu verlieren, den Partner, weil sie gestorben sind, wie auch die Nachbarn. Da sitzt man nun, wird älter und einsamer, und muss damit umgehen lernen.

Young@Heart ist ein Chor wie kein anderer – kein Wunder, dass sich die Sänger als „unartige Rentner“ bezeichnen. Die gut gelaunten Senioren aus Northampton, Massachusetts, sind zwischen 75 und 93 Jahre alt, und wo immer sie auf der ganzen Welt auftreten, sind ihnen begeisterte Kritiken sicher. In einem Alter, in dem die meisten Leute entweder schon tot sind oder ihre Tage im Altersheim fristen, schmettern diese Ruheständler Rocksongs von Künstlern wie den Ramones, Jimi Hendrix und Radiohead. (aus dem Presseheft)

Sich raustrauen, aus seinem Loch und aus sich selbst, sich erlauben, auch im hohen Alter noch Spaß zu haben, etwas ganz anderes tun, sich auf eine Bühne zu wagen. Diese Vision hat Bob Cilman, Gründer und Chorleiter seit 1982, seinem Chor ermöglicht, und vielleicht wird die Vision viele Nachahmer finden und somit viel mehr bewirken als man glauben mag.

Der Film Young@Heart von Regisseur Stephen Walker wird seinen Beitrag dazu leisten, dass ‘die Botschaft’ sich verbreitet. Ein Film in Form von “dokumentarischen Beobachtungen” und “musikalischem Theater”. Ein Film, der nicht primär Unterhaltung verspricht, sondern Einblicke geben wird, Verständnis vermitteln, auseinandersetzen … und am Ende – ganz zwanglos – doch unterhalten und durch die Musik in seinen Bann ziehen.

Ich freue mich auf den Film, gerade weil ich schon einiges drüber las und so manches gesehen und gehört habe. Mein Beitrag daher eine ungeschminkte Werbung ins Kino zu gehen, weil ich es auch gerne tun werde – wären da nicht die Kinoansetzungen … bei mir in Frankfurt kriege ich derzeit genau in einem Kino (in den Cinema-Kinos am Roßmarkt) den Film angeboten … täglich um 15:00 Uhr … daher auch – nach Rücksprache mit den dot-friends – mal eine Preview statt eine Review.

Ich hoffe also mal auf eine Gelegenheit, vielleicht kommt er ja doch auch noch ins Valentin, das wäre prima.

Der Film und das Projekt sind wohl zeitgemäß wie kaum ein anderer und berührt die Punkte, denen auch wir uns, die wir so mittleren Alters sind, stellen werden müssen. Die Unterhaltungsindustrie scheint aber dafür noch nicht reif zu sein.

„Young@Heart“ – der am 02. Oktober startende Festivalliebling in der Tradition von BUENA VISTA SOCIAL CLUB über einen ungewöhnlichen Chor von 75-92-Jährigen…
Trailer und erste Info:
http://www.youngatheart.senator.de/ oder
http://www.youtube.com/YoungAtHeartFilm

{lang: 'de'}

Gestern: Da Vinci Code (Sakrileg)

Von meiner Marsexpedition endlich zurückgekehrt habe ich mir gestern das erste mal den Film »The Da Vinci Code – Sakrileg« angesehen. Und man macht sich – als gläubiger Mensch – ja so seine Gedanken.

Also durchaus ein kurzweiliges Filmchen über 3 Stunden (inkl. Werbebereicherungen), das einem bis zuletzt wach halten konnte – was ja schon mal ein gewisses Prädikat ist in unserer TV-/Kino-Landschaft. Rein cineastisch wurde er übrigens verrissen (u.a. von Verena Lueken, FAZ).

»… eine Geschichte, die inzwischen jeder kennt, der die letzten Jahre nicht auf einer Marsexpedition verbracht hat…« – Verena Lueken am 18. Mai 2006 in der F.A.Z.
Quelle: wikipedia

Davon gehört hatte ich schon mal am Rande, aber ohne die Story wirklich zu kennen – die Diskussion um Da VincisLetztes Abendmahl” in dem Zusammenhang ist mir erinnerlich, ohne mich damals trotz Religions-Bezug (was bei mir als Auslöser oft reicht) sonderlich hinterm Ofen vorzulocken. Zu Recht, wie ich heute besser weiß.

Die Story im Detail erspar ich mir wiederzugeben, im Kern geht es darum, dass es eine Verschwörung und eine Gegen-Verschwörung in der verschwörten Verschwörung gab – im Wesentlich sollte als Botschaft wohl ankommen: Die Story mit Jesus als Messias sei “natürlich” religiöser Unfug und in Wirklichkeit war es ne Type wie du und ich und dieser Umstand will die halbe Religionswelt auf jeden Fall unterm Tisch kehren. Anyway.

Trotz der Kurzweiligkeit des Abends begann gegen Morgen der Verdauungseffekt einzusetzen. Das begann damit, dass ich mir dachte, die Story passt nicht. Nicht wegen des Spannungsbogens, das kann wer anders diskutieren, aber wegen der Idee dahinter. Der Jurist in mir schlug Alarm, denn was nutzt es denn wirklich, wenn man feststellen würde, es gäbe wirklich noch DNA-verwertbare Spuren der Maria Magdalena und einen Nachkommen. Dann hätte man den Beweis geführt, dass Maria mal schwanger war und Mutter wurde. So what? Das hieße doch nicht zwingend, dass sie mit Jesus zusammen ein Kind hatte? Was denn das für ein Beweis? – Gut, dann könnte man sagen: Ha! Die Kirche hat das vertuscht und deswegen über die Jahrhunderte ein falsches Spiel getrieben. … Ok, gibt es was Neues irgendwo? – Das würde dann höchstens die Steilvorlage für »Sakrileg Reloaded – Auf der Jagd nach dem Turiner Grabtuch« reichen, aber wollen wir das nicht übertreiben an Analyse.

Was mir im Nachgang zum Film übel aufstieß waren eigentlich zwei Dinge: Erstens, die Darstellung von historischen Fakten. Was schier beiläufig als Fakt eingestreut wurde, stellt sich nach nur minimaler Recherche als mindestens äußerst zweifelhaft, mitunter aber sogar als Abdriften “ins Absurde” dar. Für mich immer ein Stein des Anstoßes, egal ob nun Religionsthemen oder allgemeine Geschichte betreffend. Mag der mündige gebildete Bürger das Idealbild unserer Gesellschaft sein, so weiß ich jetzt schon wieder, dass ich mir – in welcher Form auch immer – diesen Faktenmüll irgendwann wieder anhören muss – frei nach dem Motto: “das ist geschichtlich aber so bewiesen! ich las das mal irgendwo” (und wie so oft stellte sich das angelesene “Wissen” dann als Filmzitat heraus). Volksverdummung nenne ich das – und damit macht Hollywood sich und dem Genre wieder einmal alle Ehre.

Wie stark mich das in meinem Glauben beeinträchtigen würde, wäre an der Story – rein hypothetisch – was dran, fragte mich die beste Ehefrau von allen. Und die Frage fand ich gut, ließ sie mich doch dazu kommen, was mich als zweites extrem an dem Film stört: Es bringt einen genau in diese Denkrichtung, in dieses “könnte doch sein, und dann?”-Muster. Aber das ist aus mehreren Gründen schon keine vernünftige Frage auf den zweiten Blick, denn selbst wenn man das menschliche in Jesus sehen will oder ihn darauf reduzieren möchte, so ist in meinem Verständnis Jesus mindestens als Asket einzustufen gewesen – warum das allerdings für viele nicht nachvollziehbar ist, mag mit der verklärten Sicht auf religiöse Lebenseinstellungen im Allgemeinen zu tun. Es ist ja nicht nur so, dass man dich für bekloppt hält, wenn man freiwillig in die Kirche geht, geschweige denn eine Fastenzeit macht, die “komischen Jungs mit den Kutten” sind den allermeisten ja suspekt und müssen mit der stereotyp doofen Frage, um die auch Deutschlands Liebling Gottschalk nicht herumkam bei “Wetten dass…?”, immer rechnen, als er zwei Klosterbrüder bei sich hatte: »Aber du bist doch so jung und siehst nicht schlecht aus, warum in aller Welt ins Kloster und Zölibat und so?« Ich nehme mal an, Gottschalk weiss schon die Antwort, aber fragen musste er dann doch, ist ja Fernsehen.

Ein Mann (oder Frau), die sich um ihres Glaubens Willen weltlicher Dinge entsagt ist der modernen Konsumgesellschaft extrem suspekt. Gar nicht mal ins extremistische gedacht zeigt der Film gut, welch Geistes Kind der Schreiber wohl ist und er ist ja auch nicht allein mit seiner Einstellung. Der Albino (im Film) als durchgeknallter instrumentalisierter religiös verwirrter, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, sogar einer Glaubensschwester, und man ihm das als fromme Tat gehirnwäscht, dann der naive und doch treudoofe Mann von der Straße, gespielt von einem Kommissar, der in seiner Frömmigkeit dem Intrigenspiel beinahe zum Opfer fällt, aber am Ende noch die Kurve kriegt, dann der böse Mächtige dahinter, der alle fast schon “diabolisch” verschiebt wie Figuren und selbst zwischen Machtbesessenheit und Wahnsinn wandelt und ganz dahinter so ein paar aus der Imperator-Klasse, die ihre Hanseln auf eigene Verantwortung wurschteln lassen, die Hände dann aber in Unschuld waschen werden – alles zum Wohl der Machterhaltung im Namen Gottes. – So im Groben die bei mir angekommene Weltanschauung.

Übrig bleiben neben den Supermächtigen, die man auch eh nie vertreiben kann, ein humanistisch-toleranter Professor, der natürlich nichts wirklich Spirituelles entdeckt, aber ein Verständnis für das Bedürfnis nach Glauben entwickelt, dessen wahrer Ursprung aber irgendwo was menschliches sein müsse – was auch sonst. Und ein Sproß der Maria Magdalena, die aber die ganze religiöse Wundergläubigkeit mit der Leichtigkeit des Seins ins Reich der Phantasie kickt, indem sie ihr Füßlein auf’s Wasser setzt und sagt: “Seht her, ich kann nicht auf dem Wasser gehen, obwohl ich ein Nachfahre bin. Glaube? Eine Mär. quod era demonstrandum

Der ganze Film (ergo das Buch, für dessen Lektüre mich nun wahrlich keiner mehr erwärmen kann) für mich also schon an der Wurzel eine reine Hommage an den Humanismus, was mir dem Grunde nach auch egal wäre, käme er nicht wie der Wolf im Schafspelz vorgeheuchelten Interesses an der Auseinandersetzung mit Religion – hätte man sich wenigsten auf Kirchengeschichte beschränkt, wäre es geschenkt, aber so…

Also noch mal zur Frage meiner Frau: “Hat es mich nun nachdenken lassen, über meinen Glauben, allein konfrontiert um die These selbst?” – Die Antwort ist Nein, denn der Ansatz ist das Nachdenken ebenso wenig wert wie jede religiöse Aufregung oder Diskussion. Zu absurd ist es, auf Basis der zugrundegelegten Annahmen (allein aus dem Bild eines Malers, Leonardo Da Vinci, des 15. Jahrhunderts einen Beweis oder eine Erklärung wahrer Begebenheiten des letzten Abendmahl 1500 Jahre davor ableiten zu wollen ist doch ein Scherz) ein wenigstens tragfähige These abzuleiten. Was bleibt ist aber ein schaler Beigeschmack, dass im Film heute jeder nahezu ungefiltert seine Ansichten unters Volk streuen darf und so zur allgemeinen Verdummung und Ignoranz vor Idealen beitragen.

Toleranz – aber das hatten wir ja hier schon oft genug – beginnt für mich nämlich nicht darin, alles platt zu machen und keine Ideale mehr haben zu dürfen, sondern Toleranz ist, die Ideale des anderen als den eigenen gleichwertig gegenüber zu stellen und sie zu respektieren. Ist nur blöd, wenn man keine eigenen mehr hat außer der Erkenntnis, dass man am Ende ein menschliches Würmlein in einer großen Welt ist, das nach paar Jahren des Vor-sich-Hinlebens wieder vermodert und man dazwischen halt ein bisschen Spaß haben muss, eben Essen, Trinken und Ficken, und vielleicht noch einen Film machen, that’s all…

{lang: 'de'}