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Experiment beendet

Erkläre den Test „Einbindung von Facebook-Comments“ für beendet und kehre zurück zu den Wurzeln. Dazu gleich noch einen draufgesetzt und den Empfehlungen von Heise gefolgt: „2 Klicks für mehr Datenschutz

Hat auch nicht mehr Kommentare gebracht, die Einbindung ist bisschen quer und die Benachrichtigung über neue Kommentare unhandlich.

Das Schweigen der Weblogs

Vielleicht liegt es nur an meinem subjektiven Empfinden, aber die Weblogs leiden im „Mitmach-Web“ extrem unter dem fehlenden „Mitmach“.

Nein, es soll keine Neuauflage des allgemeinen Abgesangs auf Weblogs werden. Das Syndrom, dass sich Kommentare nicht wie ein Rasensprenger beständig und unerschöpflich auf das Web 2.0 ergießt (was man vielleicht mal euphorisch annahm), sondern maximal im Gieskannenprinzip ein überschaubares Beet erreicht, ist keine neue Erkenntnis. Schon vor 5 Jahren beklagte man eine signifikante Fokussierung von Kommentarbeteiligung auf einzelne populäre Blogs, frei nach dem Motto: Wo das hellste Licht scheint, fliegen die meisten Motten hin. Doch selbst diese Strahlkraft scheint nun ihren Effekt zu verlieren.

Ein paar Zahlen: Laut Blogoscoop hatte bspw. der Kommentar-Primus Basic Thinking roundabout 1.200 Kommentare in 30 Tagen, Nerdcore 900, Spreeblick „abgeschlagen“ 600 (und danach geht es mit den Zahlen steil bergab). Mögen die Zahlen in Anbetracht des eigenen Kommentarmangels eines kleinen Weblog-Anbieters noch imposant wirken, so bedeuten sie doch eine Kommentar-Resonanz von (am Bsp. Nerdcore) 30 Kommentaren pro Tag bei knapp 1 Mio. Page-Impression, das sind 1 Kommentar alle 1.200 Seitenaufrufe, oder drei Kommentare im Schnitt pro Artikel – wobei Nerdcore zugegebenermaßen ziemlich viele Artikel veröffentlicht pro Monat (310) – bei Spreeblick sind es im Vergleich 162 Artikel, dafür aber auch „nur“ 600 Kommentare (also knapp 4 Kommentare pro Artikel).

3-4 Kommentare pro Artikel, das ist nicht unbedingt das, was man sich bei Leit-Blogs der Web 2.0-Szene damals vorstellte, als man vom „Mitmachen“ und „Interagieren“ visionär redete. Das ist im Übrigen vollkommen vorwurfsfrei und ohne Häme zu verstehen. Es ist vielleicht einfach nur eine Erkenntnis wert: Das Format Weblog ist kein Teil des Mitmach-Web mehr. Es ist zwischenzeitlich eher eine Form des „semi-professionellen Online-Magazin“ geworden, das Kommentierungen erlaubt, wie aber auch die meisten „professionellen Magazine“ längst auch, ohne sich deswegen „Blog“ zu nennen. Aber warum haben die „Mitmacher“ die Lust am eigenen Wort verloren?

Zum einen muss man das wohl einschränken. Nischen-Themen haben weiterhin ihren festen Kommentarfundus. Im Fußball-Bereich wird weiter fleißig kommentiert, solange das Weblog selbst nicht zu sehr in ein Magazin-Layout geschwenkt ist. „Magazinig“ mag zwar ein populäres Modewort im Weblog-Sektor nach wie vor sein, bringt aber im Wesentlichen nur zum Ausdruck, weg vom kalendarischen Blog-Posting hin zu einem thematisch-plakativen Layout zu kommen, um mehrere Themen nach redaktionellen Erwägungen im Fokus zu halten. Das aber zerstreut auch die Besucher und Kommentarkultur lässt sich eben nicht beliebig lenken und streuen. Ein Effekt, der auch bei hohen Posting-Frequenzen beitragen kann, schließlich will auch ein Kommentar gelesen werden und dies tut er nicht, wenn er nach nur wenigen Stunden fast schon ins Archiv gewandert ist.

Aber dies alles sind Zustandsbeschreibungen und auch gute Gründe einer Erklärung, wobei man bei allem nicht immer weiß, was zuerst da war: Henne oder Ei – Neuer Stil oder fehlende Mitmach-Kultur.

Haben die Deutschen (und nur hier habe ich den empirischen Vergleich) die Lust am Kommentieren verloren? Wohl nein, im Gegenteil. Aber eben nicht mehr in freier Wildbahn. Man will zwar über Themen diskutieren, aber nicht mehr irgendwo im WWW, sondern „unter sich“. Der aktuelle Siegeszug (und so darf man das durchaus nennen) von Facebook spiegelt das wieder, was die Gesellschaft offenbar will, wenn sie „mitmachen“ soll: die Gemeinschaft/Community. Man will weder irgendwo eine Diskussion beginnen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, noch sich zwischen anonymen Troll-Kommentatoren und sich dabei selbst öffentlich outend in die Massenkommentar-Keilerei eines Populären Forums oder Blogs werfen. Man will „unter seinesgleichen“ sein, wo man weiß, wer liest und Reaktionen bekommt von denen, deren Reaktion einen auch interessiert. Die Inhalte haben dazu gefälligst zur Community zu kommen und nicht die Community zum Inhalt – eine solche „gefällige“ Lösung ist daher nicht zufällig ein „Gefällt mir“-Button von Facebook, durch den man auch aus dem WWW heraus seine Community informieren kann, welche Inhalte man für beachtlich hält.

Zeigen und Teilen scheint eh zunehmend wichtiger zu werden als eine Diskussion. Kurze Einwürfe, Querverweise, Bezugnahmen – man stückelt sich sein Profil zusammen aus Schnipseln und lässt sich auf ausschweifende Erklärungen seiner Position gar nicht mehr ein. Allein das wäre sicher auch eine eigene Betrachtung wert.

Die Entwicklung mag (vielleicht auch wieder nur) eine Momentaufnahme sein, aber sie erscheint konsequent. Eine Konsequenz aus einem Web 2.0, das nach anfänglicher Geburtseuphorie (leider viel zu schnell) sein Begeisterung verlor und erwachsen wurde, und eine Konsequenz aus der zunehmenden Erkenntnis, dass das offen geschriebene Wort im Internet weit mehr (und längere) Konsequenzen haben kann, als man glauben wollte. Anonymität dagegenzusetzen trifft aber nicht den Kern des Bedürfnisses sich mitteilen zu wollen.

Die Aufgabe der Communities wird also sein, sei es Facebook, Xing oder zukünftig einmal doch auch noch Google, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen, dass das dort gesprochene Wort wenn auch nicht geheim, aber doch nur bei dem ankommen, den man dies auch erlaubt – ob das dann immer vernünftig umgesetzt wird vom Einzelnen, ist ein anderes Thema. Die selektive Steuerung von Informationsweitergabe, wie das von Facebook begonnen wurde, aber noch nicht richtig rund ist, wird diesem Interesse gerecht und wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass so manche Diskussion über einen Blogartikel für den eigentlichen Verfasser unbemerkt geführt wird und die Diskussion emanzipiert sich endgültig vom Initiator.

Warum manche Leser richtig scheiße sind

Da hat Robert einfach Recht:

Heben wir auf den Leser als Egoisten ab.

Was passiert? Der Blogger reißt sich nicht selten Arme und Beine aus, was bekommt er dafür? In 90-99% aller Fälle Schweigen. Selbst dann, wenn dessen Vater stirbt, besitzt nur ein winziger Bruchteil den menschlichen Anstand, aus ihrem konsumierenden RSS-Dasein und Direktleser-Dasein gekrochen zu kommen, um zu kondolieren und um dem Blogger seinen Beistand auszudrücken. Auch dann, wenn er einen Fehler begeht, erntet er auf einmal beredte Kritik von den bis dato Schweigenden, die dann daherkommen und Treue wie auch Loyalität für das Viele, was ihnen der Blogger bis dato gegeben hat, mit den Füßen treten.

via Warum manche Leser richtig scheiße sind – written in basic.

Gerade bei René ist mir das auch aufgefallen und ich musste mir schwer auf die Lippen Finger beißen nichts zu sagen, als man ihm kommentierend belehren wollte, seine Trauer habe in einem Nerdblog nichts verloren.

Robert weiter:

Und diese Haltung hat bei mir zumindestens dazu geführt, dass ich die Leser noch weiter auf mentalen Abstand halte und nur noch auf sehr wenige Leser höre. Ich betrachte Leser nicht mehr per se ex ante als Freunde, sondern als Fremde, die es häufig nicht verdienen, “gedient” zu werden. Konkret heißt das, dass man sein Ding fährt und diese unsichtbare Lesermenge nicht mehr berücksichtigt beim Verfassen eines Beitrags. Obs dann zu wenig mundgerecht oder zu viel oder zu wenig ist, who cares? They dont care for me, so i dont care.

Als bloggender Mensch muss man schon ziemlich gesund sein, um sich das Bloggen anzutun. Was für die zahlreichen Privatblogs draußen gilt. Bei Kommerzblog gelten andere Regeln, aber davon reden wir nicht.

Vielleicht versteht man vor dem Hintergrund warum es nun Endl.de Weblog und Zielpublikum gibt. Denn Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

P.S. Und das „Schlimme“ ist. Jetzt fühlen sich meistens gerade die angepisst, die nicht gemeint sind …