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Herausforderungen

Was ist eigentlich die größere Herausforderung für den Menschen?

Etwas nicht zu können,
etwas nicht zu sollen
oder etwas nicht zu dürfen

was man will,
was einem aber nicht gut tut?

Mir ist jetzt noch schlecht, wenn ich dran denke.

Heute morgen an der Königsteiner Straße/(Schulweg-)Ampel – Müllauto steht auf Straße, kommendes Auto schert schwungvoll aus, sieht wohl auch die vom Müllwagen verdeckte Ampel gar nicht und rast unter Rot drüber. Eine Schulklasse mit 8-10 Kindern stand gerade dort und wollte losgehen… Ein Wimpernschlag und das Leben von vielen wäre jetzt nicht mehr das gleiche.

Leute, leute. Nix auf der Welt kann so dringend sein, dass es das Wert gewesen wäre …

Was ist heute schon ‘normal’?

Ich kann mich noch gut an die Diskussionen von damals erinnern als irgendwann das Totschlagargument in den Ring geworfen wurde, dass es eben “nicht normal” sei und deshalb eben falsch. Als man bspw. über den Aussteiger debattierte, der nach dem Studium einfach nicht arbeiten wollte, oder die alleinerziehende Mutter, die ihren Macker davon gejagt hatte, das homosexuelle Ehepaar im Nachbardorf, den blauen Haare der Nachbarstochter. Tätowieren, Piercing, mit zerrissenen Hosen rumlaufen, sowas mache man einfach nicht, dass sei eben einfach nicht normal. Warum könne ‘man’ nicht einfach sich normal verhalten? Warum können sich nicht alle einfach normal verhalten? Dann wäre die Welt in Ordnung.

Und irgendwie leuchtete mir das ein. Also nicht die Notwendigkeit immer “normal” sein zu müssen (im Gegenteil, eben nicht normal sein zu wollen gehörte als Jugendlicher ja zum Teil des Lebenskonzepts), aber doch dessen Existenz. So wurde ich Erwachsen und irgendwo in meinem Hinterkopf tickte die Überzeugung, dass es irgendwo und für alles ein “Normal” gäbe und dementsprechend eine Positionierung als “im normal” und “nicht normal” – ob gewollt oder nicht.

Heute, in der vermeintlichen Mitte meines Lebens zweifle ich daran. read more »

Die richtige Haltung

Manchmal muss man eben den Herrgott einen guten Mann sein lassen.

Ich kann das schon alleine

Krieg das allein hin, bin ja schon ein Großer. Brauch niemand, will niemand zu Last fallen, bin ja genügsam und irgendwie wird’s schon gehen. Mach dir keine Mühe, kein Kopf, das schon gut so wie es ist. Danke der Nachfrage, aber alles ok. Komme klar, wirklich.

Von wegen selbstlos – am Arsch ist das. Mehr Egoismus geht nicht. Bedürfnisse zeigen, schwach sein, mal schreien, wenn man verzweifelt – und damit dem anderen das Gefühl geben gebraucht zu werden. Hilfe zu benötigen und die auch anzunehmen, das verbindet, das macht beide stärker, jeden für sich und alle zusammen.

Wer den ganzen Tag rumläuft und jedem das Gefühl gibt, dass nix was der andere tut wichtig ist und alles schon genügt wie man es selbst so eben hinkriegt, der ist kein Lebenskünstler sondern vereinsamt. Vereinsamt sich und die, die ihn mögen.

Ich bin 42 und Projektmanager

Seit nun einiger Zeit bin ich schon 42. Eigentlich Zeit für eine schöne Midlifecrisis, aber 42 ist ja kein Grund zur Panik. Im Gegenteil: Ich fand das immer ganz witzig 42 zu werden, immerhin verheißt Per Anhalter durch die Galaxis mit der Zahl 42 nichts geringeres als die Antwort auf alle Fragen. Und irgendwie hat man das Gefühl, wenn man 42 ist, dass da schon was wahres dran ist. Irgendwer sagte mal: “Die erste Hälfte des Lebens suchst du nach Antworten. In der zweiten Hälfte suchst du nach den richtigen Fragen.” So in etwa ja auch die Sache mit der 42 als Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ („life, the universe and everything“). Doch was das genau bedeutet, das bleibt offen.

„Als ich jung war, hat man mir gesagt: Warte nur, bis du vierzig bist, dann wirst du schon sehen. Jetzt bin ich vierzig und sehe absolut nichts.“
(frei nach Erik Satie)

Tiefere Bedeutung maß Douglas Adams im Übrigen der konkreten Zahl 42 nicht bei: „Es war ein Scherz. Es musste eine Zahl sein, eine gewöhnliche, relativ kleine Zahl, und ich entschied mich für diese. Binäre Darstellungen, Basis 13, Tibetische Mönche, das ist alles kompletter Unsinn. Ich saß an meinem Schreibtisch, blickte in den Garten hinaus und dachte ‚42 wird gehen‘. Ich schrieb es hin. Ende der Geschichte.“ Und genau so wenig will ich auch nicht weiter darauf eingehen, ob mein Lebensalter nun genau eine Art Mitte darstelle oder eine tiefere Bedeutung habe – es war nur wegen des Buchs und dem Running Gag/Sketch von Badesalz (“Mein Bub du bist 42 Jahr und Elektroingenieur”) eben immer einfach so eine Zahl.

Gerade las ich das Buch Angerichtet von Herman Koch - pardon: “hörte” das Buch - und blieb an einer Passage hängen. Frei wiedergegeben: “Einmal geboren, bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als dieses Leben eben zu Ende zu leben.” Keiner hat einen gefragt, man wurde gezeugt und hineingeworfen, ob es nun gefällt oder nicht.

Ist es nicht verwunderlich, dass wir als vernunftsbegabte Wesen, die sich mit etwas Nachdenken nahezu alles erklären können, bis heute - jenseits von religiösen Hoffnungen auf ein Jenseits - keinerlei schlüssige Erklärung geben können, wofür das Ganze eigentlich gut sein soll? Sicher kann man im Einzelnen gute und schlechte Tage haben, sinnvollere oder unsinnigere Leben führen, bedeutende oder furchtbare Zeitalter erleben, aber am Ende läuft alles darauf hinaus, dass Nichts bleibt.

Ist das nicht höchst merkwürdig? Und ist das nicht auch total deprimierend, desillusionierend und auch demotivierend? Aber vor allem auch irritierend. Keine Antwort auf die Frage nach dem “Sinn des Lebens”. Im Grunde ist man mit zunehmender “Ent-Religionisierung” ja weiter von einer Antwort entfernt denn je zuvor. Oder begnügt man sich damit, dass man halt am Ende wirklich nicht mehr ist als eine kleine biologische Komponente im Ganzen. Eine Komponente die kommt und geht wie eben alles andere auch – und nur eben eine, bei der sich die Natur eine gewisse Ironie erlaubte hat dergestalt, dass die Komponente sich als vielleicht einzige im Universum über diesen Punkt auch noch Gedanken machen kann, bevor es vorbei ist? Wie eben der Pottwal im “Anhalter durch die Galaxis”, der durch den Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive aus einer Atomrakete in der Luft geschaffen wurde und sich im freien Fall seiner Selbst bewusst wird, während er sich unaufhaltsam der Schwerkraft folgendem seinem sicheren Ende zubewegt.

Ich bin 42 und Projektmanager – und wenn das die Antwort ist, dass alles vergänglich ist, dass das eben das Leben ist, dann mache ich mich dann mal auf und suche nach den passenden Fragen.

Falsch Geld

Wer mit Geld bezahlen will, wird scheitern.
Man kann damit das, was man kaufen will, gar nicht bezahlen.
Denn der Preis für Zufriedenheit ist nicht in Geld bemessen.

Ihr sät viel und bringt wenig ein;
ihr esst und werdet nicht satt;
ihr trinkt und werdet nicht einmal betrunken. *

Geld ist falsch, weil es die falsche Währung ist.
Es kauft nur Dinge, die Zufriedenheit nach Außen zeigen soll.

Glück ist sich selbst genug und braucht keine Zeugen. *

Geld kauft ein Placebo
und manche wissen gar nicht mehr,
wie Zufriedenheit wirklich schmeckt.

Und sie merken es erst,
wenn Geld nicht mehr da ist
und andere reich bleiben
obwohl sie nie welches hatten.