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Ich bin 42 und Projektmanager

Seit nun einiger Zeit bin ich schon 42. Ich fand das immer ganz witzig 42 zu werden, immerhin verheißt Per Anhalter durch die Galaxis mit der Zahl 42 nichts geringeres als die Antwort auf alle Fragen. Und irgendwie hat man das Gefühl, wenn man 42 ist, dass da schon was wahres dran ist. Irgendwer sagte mal: “Die erste Hälfte des Lebens suchst du nach Antworten. In der zweiten Hälfte suchst du nach den richtigen Fragen.” So in etwa ja auch die Sache mit der 42 als Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ („life, the universe and everything“). Doch was das genau bedeutet, das bleibt offen.

Tiefere Bedeutung maß Douglas Adams im Übrigen der konkreten Zahl 42 nicht bei: „Es war ein Scherz. Es musste eine Zahl sein, eine gewöhnliche, relativ kleine Zahl, und ich entschied mich für diese. Binäre Darstellungen, Basis 13, Tibetische Mönche, das ist alles kompletter Unsinn. Ich saß an meinem Schreibtisch, blickte in den Garten hinaus und dachte ‚42 wird gehen‘. Ich schrieb es hin. Ende der Geschichte.“ Und genau so wenig will ich auch nicht weiter darauf eingehen, ob mein Lebensalter nun genau eine Art Mitte darstelle oder eine tiefere Bedeutung habe – es war nur wegen des Buchs und dem Running Gag/Sketch von Badesalz (“Mein Bub du bist 42 Jahr und Elektroingenieur”) eben immer einfach so eine Zahl.

Gerade las ich das Buch Angerichtet von Herman Koch - pardon: “hörte” das Buch - und blieb an einer Passage hängen. Frei wiedergegeben: “Einmal geboren, bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als dieses Leben eben zu Ende zu leben.” Keiner hat einen gefragt, man wurde gezeugt und hineingeworfen, ob es nun gefällt oder nicht.

Ist es nicht verwunderlich, dass wir als vernunftsbegabte Wesen, die sich mit etwas Nachdenken nahezu alles erklären können, bis heute - jenseits von religiösen Hoffnungen auf ein Jenseits - keinerlei schlüssige Erklärung geben können, wofür das Ganze eigentlich gut sein soll? Sicher kann man im Einzelnen gute und schlechte Tage haben, sinnvollere oder unsinnigere Leben führen, bedeutende oder furchtbare Zeitalter erleben, aber am Ende läuft alles darauf hinaus, dass Nichts bleibt.

Ist das nicht höchst merkwürdig? Und ist das nicht auch total deprimierend, desillusionierend und auch demotivierend? Aber vor allem auch irritierend. Keine Antwort auf die Frage nach dem “Sinn des Lebens”. Im Grunde ist man mit zunehmender “Ent-Religionisierung” ja weiter von einer Antwort entfernt denn je zuvor. Oder begnügt man sich damit, dass man halt am Ende wirklich nicht mehr ist als eine kleine biologische Komponente im Ganzen. Eine Komponente die kommt und geht wie eben alles andere auch – und nur eben eine, bei der sich die Natur eine gewisse Ironie erlaubte hat dergestalt, dass die Komponente sich als vielleicht einzige im Universum über diesen Punkt auch noch Gedanken machen kann, bevor es vorbei ist? Wie eben der Pottwal im “Anhalter durch die Galaxis”, der durch den Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive aus einer Atomrakete in der Luft geschaffen wurde und sich im freien Fall seiner Selbst bewusst wird, während er sich unaufhaltsam der Schwerkraft folgendem seinem sicheren Ende zubewegt.

Ich bin 42 und Projektmanager – und wenn das die Antwort ist, dass alles vergänglich ist, dass das eben das Leben ist, dann mache ich mich dann mal auf und suche nach den passenden Fragen.

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Falsch Geld

Wer mit Geld bezahlen will, wird scheitern.
Man kann damit das, was man kaufen will, gar nicht bezahlen.
Denn der Preis für Zufriedenheit ist nicht in Geld bemessen.

Ihr sät viel und bringt wenig ein;
ihr esst und werdet nicht satt;
ihr trinkt und werdet nicht einmal betrunken. *

Geld ist falsch, weil es die falsche Währung ist.
Es kauft nur Dinge, die Zufriedenheit nach Außen zeigen soll.

Glück ist sich selbst genug und braucht keine Zeugen. *

Geld kauft ein Placebo
und manche wissen gar nicht mehr,
wie Zufriedenheit wirklich schmeckt.

Und sie merken es erst,
wenn Geld nicht mehr da ist
und andere reich bleiben
obwohl sie nie welches hatten.

{lang: 'de'}

Die Freiheit nehm ich mir

Der Mann hielt an
und stand
in einem plötzlichen Anflug
des alten Revoluzzergeistes
wie ein Fels
wie eine Eiche
da.

Nicht weichen werde er
weil es sein Recht sei.
Er könne hier stehen
weil er ein freier Bürger sei
dem niemand je zu sagen habe
wo und wann er stehenbleibe.

Vom Kegel des Lichts
aus dem Scheinwerfer
wurde er noch kurz geblendet
dann erfasste ihn das Fahrzeug,
das dem Mann auf der Straße
so dunkel gekleidet
mitten auf dem Weg stehend
nicht mehr ausweichen konnte.

Noch im Krankenhaus
schwor sich der Mann
sich nicht zu beugen
denn es sei sein Recht.
Bevor er verstarb.

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Digitaler Totenschein

Alle fanden sich an dem Tag zusammen als der digitale Totenschein bestätigt wurde. Im Prinzip war es nach der Beerdigung nur noch eine Formalität, aber als die Bestätigung kam und damit der Verstorbene aus allen digitalen Netzen verschwand, war dann doch für die Familie und den Freunden der Moment der gemeinsamen Andacht ein Bedürfnis. Das war es jetzt endgültig, in Facebook, Qype, Google, Twitter und Co. war mit einem mal ein Mensch nicht mehr existent. Die digitale Bestattung war vollzogen.

Was ich heute Nacht geträumt habe, ist vielleicht gar nicht so utopisch und vor allem gar nicht mal so abwegig. Nachdem ich mich dieses Jahr das erste Mal von einem Menschen verabschieden musste, mit dem mich neben dem realen Leben auch ein “digitales Leben” verband, stellt man fest, wie lange der Nachklang eines Menschen in den digitalen Verzeichnissen wie Fragmente nachhängen – manche scheinen fast auf ewig in Stein gemeiselt. Bei Qype noch gerade eine Rezension geschrieben, in Facebook noch auf der Pinnwand, die eigene Website bis zum Auslaufen des Providervertrages eingefroren auf dem letzen Stand kurz vor dem Tod. Wenn ein Mensch stirbt, wird im realen Leben damit begonnen das “Jetzt” in die “Vergangenheit” zu bringen. Man ordnet die Dinge, Wohnungen werden aufgelöst, die Habseligkeiten verteilt oder entsorgt. Im digitalen Leben fällt das ungemein schwerer. An viele Dinge kommt man nicht mal ran, jetzt erst langsam finden sich bspw. bei Qype oder Google Maps Möglichkeiten, auch als Außenstehender auf ein Ableben eines Menschen hinzuweisen, damit auch dort endlich geordnet wird – auch damit die Trauernden endlich abschließen können und nicht immer wieder schmerzlich an den Verlust erinnert werden.

Der digitale Totenschein wäre am Ende nicht mehr oder weniger wie ein Teil einer Art digitalen Signatur oder Zertifikat. Ich finde die Idee nicht schlecht, gäbe es dazu eine – freiwillige – vielleicht auch staatlich geführte oder zumindest kontrollierte Zertifizierungsstelle, bei der man eine Authentifizierung durchführen lassen kann. Damit könnte man, was ja in Ansätzen bei Twitter bspw. erfolgt, eine Echtheitsprüfung durchführen, damit sich auch in Facebook und Co. digitale Fakes schnell enttarnen lassen können. Selbst Artikel in Blogs könnten so verifiziert werden, ebenso wie viele andere Anmeldungen. Das digitale Zertifikat eines Lebens sollte im Prinzip nur eine Bestätigung enthalten – ein Schlüssel-Schloss-Prinzip. Der Dienst wird authorisiert, die zentrale Stelle bestätigt. Zentral werden die Berechtigungen vom Menschen dahinter gesteuert und verwaltet, der dort einmalig (oder regelmäßig) seine Identität bestätigt. Nach seinem Ableben könnten dann die Hinterbliebenen durch eine Sterbeurkunde mit einer einzigen Aktion auch das digitale Leben beenden.

Mich wundert eigentlich, wenn man bisschen darüber nachdenkt, wie wenig man sich doch im Netz bisher damit auseinandersetzt, dass es in einer digitalen Gesellschaft neben dem digitalen Leben auch einen digitalen Tod gibt.


Dazu passend mit Dank an Sylvie für die Dossier- und Artikel-Empfehlungen:

Ratgeber: Die digitalen Spuren nach dem Tod: Unser Leben wird zunehmend digital – und damit auch das Ende des Lebens. Wir hinterlassen überall digitale Spuren, doch was mit diesen nach dem Tod geschieht, ist weitgehend unbekannt.

Was passiert mit dem digitalen Ich von Verstorbenen?
Ein Unfall, eine Krankheit – das Leben kann ganz plötzlich enden. Im Internet dagegen scheint es endlos: Im Netz “leben” viele Verstorbene auf ihren Profil-Seiten mit Fotos, Pinnwandeinträgen und Freundschaften noch jahrelang weiter. Dieses Problem rückt erst langsam ins Bewusstsein von Usern und Internet-Anbietern.

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Parabel der verpassten Gelegenheiten

Er stand entspannt,
blickte gelangweilt umher.
Sah nach links,
mal nach rechts.
Einer, den keiner was kann,
der keinen was will.
Und wartete
auf die grüne Ampel.

Und als er so stand
und mal nach links
mal nach rechts
in losen Gedanken versunken
den Verkehr verfolgte
sprang die Ampel um auf Grün
- doch er sah nicht hin.

So stand er und schaute
mal hierhin
mal dahin
und als er endlich aufsah
war die Ampel Rot – wie sie immer war.
Was ihn dazu trieb
verärgert den Taster zu betätigen.

Er hatte es wohl gar nicht mitbekommen,
das Grün dazwischen.
Er ärgerte sich über die Ampel,
die Technik, die Stadt, das lange Warten.

Und mir kam es vor
wie eine Parabel
der verpassten Gelegenheiten.

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Bloguzius sagt

Wenn du meinst,
du musst dein Leben ständig disziplinieren,
damit es lange lebenswert bleibt,
und du dabei vergisst den Moment zu leben,
in dem du gerade bist,
dann wirst du bald vergessen haben,
was es überhaupt heißt zu leben.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

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Frei wie ein Vogel

Frei wie ein Vogel
einfach alles hinter sich lassen
abheben und weg.

Wäre das nicht was?
Einfach losziehen
ein Umzugsunternehmen deine Sachen zusammenpacken lassen
und sich erst am Ziel telefonisch melden.
Alle vor vollendete Tatsachen stellen.

Leider sind Vögel aber viel zu doof.
Im Bild sieht man zwei Tauben
die könnten zwar fliegen wohin sie wollten
hängen aber ihr Leben meist dort rum,
wo sie eben schon immer rumhängen.

Auch die Zugvögel sind eher wie Mallorca-Urlauber
immer von A nach B und von B nach A.

Die Tiere folgen ihren Instinkten
die Menschen folgen ihren Erfahrungen
und die zeigt, dass man vielleicht den Ort wechseln kann,
aber sich doch selbst immer mitbringt.

Um frei zu sein
musst du in dir selbst fliegen können.

Where did we lose the touch
that seemed to mean so much?
It always made me feel so…

Free as a bird,
like the next best thing to be.
Free as a bird.

Home, home and dry,
like a homing bird I’ll fly
as a bird on wings.

The Beatles – Free As A Bird

{lang: 'de'}