Tag Archives: leben

Bloguzius sagt

Wenn du meinst,
du musst dein Leben ständig disziplinieren,
damit es lange lebenswert bleibt,
und du dabei vergisst den Moment zu leben,
in dem du gerade bist,
dann wirst du bald vergessen haben,
was es überhaupt heißt zu leben.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

{lang: 'de'}

Frei wie ein Vogel

Frei wie ein Vogel
einfach alles hinter sich lassen
abheben und weg.

Wäre das nicht was?
Einfach losziehen
ein Umzugsunternehmen deine Sachen zusammenpacken lassen
und sich erst am Ziel telefonisch melden.
Alle vor vollendete Tatsachen stellen.

Leider sind Vögel aber viel zu doof.
Im Bild sieht man zwei Tauben
die könnten zwar fliegen wohin sie wollten
hängen aber ihr Leben meist dort rum,
wo sie eben schon immer rumhängen.

Auch die Zugvögel sind eher wie Mallorca-Urlauber
immer von A nach B und von B nach A.

Die Tiere folgen ihren Instinkten
die Menschen folgen ihren Erfahrungen
und die zeigt, dass man vielleicht den Ort wechseln kann,
aber sich doch selbst immer mitbringt.

Um frei zu sein
musst du in dir selbst fliegen können.

Where did we lose the touch
that seemed to mean so much?
It always made me feel so…

Free as a bird,
like the next best thing to be.
Free as a bird.

Home, home and dry,
like a homing bird I’ll fly
as a bird on wings.

The Beatles – Free As A Bird

{lang: 'de'}

Grenzverschiebung

Müde strampelnd schien der Anstieg nie zu enden.
Da zog ein anderer Radler mühlos an mir vorbei.
Neugierig machte mich nur das Radel,
das doch meinem ziemlich ähnlich sah.

So trat ich nun in die Pedale, getrieben rein von purer Neugier,
ob denn dies Velo wirklich, dem meinen mehr als ähnlich war.
Kraftreserven mobilisiert, schloss ich auf und um festzustellen:
Dies Rad gleicht meinem fast auf’s Haar.

Den Anstieg, den so mühsam ich erkämpfte,
gelang dem Mann mit gleichem Rade, so mühelos und behände.
Dies dacht ich mir als ich gewahr, dass ich nun während ich das denke,
die ganz’ Zeit fast mühlos nun hinter ihm herfahr.

Ist es das? Dass man erst vorgeführt bekommen muss,
was man mit seinen Möglichkeiten auch erreichen kann?
Um dann selbst zu entdecken,
auch in diesen Fußspuren geh’n zu können?

Mag sein, doch gilt’s nicht immer,
denk ich und seh vor mir das Bilde,
als einst ein Freund mein Gitarre sich zu Händen nahm
und es bespielte wie ich das Instrument nimmer klingen hörte.

Wohl wahr, für manches fehlt uns das Talent,
das dir Vorgezeigte je zu schaffen,
doch manchmal braucht es auch mehr als nur den Versuch,
da braucht es Geduld und Müh, um’s aufzudecken.

{lang: 'de'}

Ich lese, also bin ich … nur was?

Als Kind begannen meine Bücher oft mit dem Tod
und endeten im Leben.

Als Jugendlicher hatten meine Bücher für den Tod einen Täter
und es war die Aufgabe der Lebenden ihn zu ermitteln,
damit das Leben weitergehen kann.

Als junger Erwachsener hatten meine Bücher den Tod als Frage
um ihn mit dem Leben zu beantworten.

Heute beginnen meine Bücher mit dem Leben,
um mit dem Tod zu enden.

Ich lese, also bin ich. Bin ich, was ich lese?

{lang: 'de'}

Stumme Zeitzeugen

Zwischen Leben

und Tod

liegt manchmal nur die Bedeutung von ein paar Strichen am Boden …

{lang: 'de'}

Abschiedsspiel

Heute Nachmittag spielt Bremen gegen Nürnberg – für mich kein normales Spiel.

Werder, das war Ronny, das war sein Verein. Und Ronny war mein Freund und Ronny ist nun nicht mehr da, er ist gestorben – mitten aus dem Leben gerissen.

Mit Ronny habe ich oft Fußball gesehen, manchmal am TV, manchmal in Sportsbars und manchmal im Stadion – vor allem in Frankfurt, wenn die Eintracht gegen den Club oder Werder spielte. Mit Ronny sah ich vor dem TV in seinem Wohnzimmer den Pokalsieg des FCN. Mit Ronny war ich im Frankenstadion 2008 (und da auch noch im Schalker Block), während unten auf dem Spielfeld “mein” FCN die letzte Chance verspielte und abstieg. Mit Ronny stand ich oft genug irgendwo, wo man uns gerade mitschleppte, ob im Baumarkt oder Einkaufszentrum, und starrten gemeinsam auf unsere Handys um die Spielstände und den jeweiligen Textticker zu verfolgen. – Nur eines haben wir nie gemacht: Uns Werder gegen den FCN gemeinsam angesehen, das wollten wir uns beide nicht antun.

Ich habe in den letzten Tagen viel gelesen (jetzt mal egal von welcher Seite), über die Relation von Fußball und dem “echten” Leben, ja ich durfte mir sogar anhören, dass ich doch wohl nichts gelernt habe aus dem Tod von Ronny, daraus keinen Bedarf an Korrektur der Bedeutung von Fußball gezogen habe. Ich kann sagen: Nein, das habe ich auch nicht. Denn es war auch gar nicht nötig und Ronny und ich waren vielleicht sogar ein Beleg dafür. – Diese Kritik war aber nicht der Grund für diese Zeilen, aber vielleicht waren sie ein Anstoß, die eigenen Gedanken zu sortieren.

Auch wenn Ronny und ich es mieden, die Partien Werder gegen den FCN gemeinsam zu verfolgen, so doch nur deswegen um uns nicht zu sehr verbiegen zu müssen – aus Rücksicht. Wir wollten uns die peinlichen Kommentare gegenseitig ersparen, wie “eure Niederlage war unverdient, das muss ich zugeben” oder “ihr habt eigentlich gut gespielt” etc. – Aber auch nicht mehr. Und wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte in Nürnberg oder Bremen gemeinsam ins Stadion zu gehen, dann hätten wir das auch gemacht. Warum auch nicht. Es ist doch nur Fußball.

Fußball, das interessierte uns einfach beide, aber es war für unsere Beziehung doch nie maßgeblich welchen Schal wir tragen. Wir fachsimpelten und kommentierten das Tagesgeschehen, gingen gemeinsam zum Public Viewing bei der WM oder besuchten auch mal ein A-Jugendspiel von Mainz gegen Werder. Fußball, weil Fußball ein tolles Thema ist, weil es uns interessierte. Aber die Relation zu dem was wirklich wichtig ist, Freundschaft, Leben, Gesundheit, Kinder und manchmal auch einfach Spaß zusammen zu haben, war nie in Frage gestanden. Wenn alle den Samstag am Baggersee verbringen wollten, dann musste Fußball eben mal ohne uns stattfinden.

Diese Dualität zwischen ‘Fußball ist wichtig’ und ‘Fußball ist aber nicht existenziell’, haben wir beide gleich verstanden und gelebt. Wir litten am Spieltag für unsere Vereine, und manchmal auch miteinander – weil wir Freunde waren.

In dem Jahr seines Todes läuft es für sein Werder gar nicht gut, statt den begeisternden Offensivfußball, den so viele Fußball-Fans in der Republik so anerkennen, rumpelte Werder schon die ganze Saison über den Acker. Es will einfach nicht laufen und so befindet sich Werder sogar bis heute im Abstiegskampf, wenn auch noch nicht in kritischer Lage. Und wenn ich mir für diese Saison noch etwas wünsche, dann dass “sein Werder” nicht absteigt. Das wünschte ich Werder eh nie, aber vor allem nicht in der Saison, in der er von uns ging.

Wenn heute Nürnberg, das ausgerechnet in diesem Jahr die Rollen getauscht zu haben scheint, oben steht, wo man sie unten erwartet hätte, und mit leidenschaftlichem Fußball begeistert, Werder besiegen sollte, wird es für die Bremer sogar noch kritischer.
Würde ich mich denn freuen können, wenn Nürnberg gewinnt? Ja, denn es ist Fußball, es ist Nebensache.
Werde ich traurig wenn ich an das Spiel denke und dabei an Ronny erinnert werde? Ja natürlich, denn das ist das echte Leben.
Fußball ist nie so wichtig gewesen, wie das manchmal nach außen auszusehen scheint. Nur weil man sich mit etwas (nach außen hin) viel beschäftigt, spiegelt das nicht unbedingt die wahre Bedeutung im Leben wieder.

Ein Spiel zu verlieren gehört einfach zum Sport, es gibt immer Gewinner und Verlierer, das ist der Sinn der Sache, das ist nichts dramatisches, da muss man nicht deswegen das Schicksal bemühen und in Pathos verfallen. Verlieren macht höchstens schlechte Laune.

Der Tod gehört zum Leben, aber jemand zu verlieren ist etwas dramatisches, man hadert mit dem Schicksal, man verfällt in Pathos und man fühlt in sich etwas unwiderbringlich verloren, ein Loch, das nie mehr gefüllt werden kann.

{lang: 'de'}

Bloguzius sagt

Wenn in Deiner Arbeit immer alles so einfach liefe,
wie Du es dir wünscht,
wärst am Ende vielleicht Du selbst überflüssig.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

{lang: 'de'}