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Brief an den Geliebten

Geliebter,

zu lang du nun fern des Weges
seit des trüben Morgen Ruf
als die Hand des Schicksals sich eröffnet
und ein Dunkel sich verhieß.

Hast du vergessen was wir einst versprachen
wo der Wogen Wiege wie der forsche Wind
sich in nimmermüde Himmel streckte
und doch so greifbar die Geschicke lenkte?

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Grenzverschiebung

Müde strampelnd schien der Anstieg nie zu enden.
Da zog ein anderer Radler mühlos an mir vorbei.
Neugierig machte mich nur das Radel,
das doch meinem ziemlich ähnlich sah.

So trat ich nun in die Pedale, getrieben rein von purer Neugier,
ob denn dies Velo wirklich, dem meinen mehr als ähnlich war.
Kraftreserven mobilisiert, schloss ich auf und um festzustellen:
Dies Rad gleicht meinem fast auf’s Haar.

Den Anstieg, den so mühsam ich erkämpfte,
gelang dem Mann mit gleichem Rade, so mühelos und behände.
Dies dacht ich mir als ich gewahr, dass ich nun während ich das denke,
die ganz’ Zeit fast mühlos nun hinter ihm herfahr.

Ist es das? Dass man erst vorgeführt bekommen muss,
was man mit seinen Möglichkeiten auch erreichen kann?
Um dann selbst zu entdecken,
auch in diesen Fußspuren geh’n zu können?

Mag sein, doch gilt’s nicht immer,
denk ich und seh vor mir das Bilde,
als einst ein Freund mein Gitarre sich zu Händen nahm
und es bespielte wie ich das Instrument nimmer klingen hörte.

Wohl wahr, für manches fehlt uns das Talent,
das dir Vorgezeigte je zu schaffen,
doch manchmal braucht es auch mehr als nur den Versuch,
da braucht es Geduld und Müh, um’s aufzudecken.

Was bleibt?

Wenn wir nicht mehr schreien können
wenn uns all die Erinnerungen überkommen.
Was bleibt dir noch zu sagen?

Wenn du nicht mehr weinen kannst
obwohl du dich wie ausgebrannt fühlst?
Was bleibt dir noch um es zu löschen?

Wenn du nicht mehr denken sollst
obwohl es das einzige ist
was blieb.

Was bleibt dir dann?

Inspired by that song in a night in july.

Parabelisiert

An einem Dienstag überraschte eine Ameise einen dicken Hund
mit der bemerkenswerten Erkenntnis,
dass Lichtgeschwindigkeit keine Frage von Calcium ist,
was den Hund wirklich überraschte, vor allem an einem Dienstag.

Zwei Männer rätselten über den Fund eines Kaffeefilters der Größe 102,
weil beide keine solche Kaffeemaschine besitzen
und im Grunde auch eher Tee mögen.
(Seine Gastritis verschwieg der eine Mann.)

Als nach 14 Sekunden Luft anhalten immer noch nichts passierte
ging die Frau aus der Wanne
trocknete sich ab
und dachte an ein Mettwurstbrot mit Zwiebeln.

Ein Schreiber stand vor seiner Maschine,
sah sie an und begriff,
dass er das, was er schreiben will,
nicht auf den Buchstaben fand.

Bloguzius sagt

Das trügerische
am gefühlten Im-Recht-Sein ist,
dass das Gefühl
wie auch das Recht
trügen kann.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

Bloguzius sagt

Der Mensch zeigt eine beneidenswerte Milde,
wenn es darum geht,
für seinen eigenen Verschuldensanteil an einer Krise
Verständnis zu haben und ihn zu relativieren.

Umso weniger fehlt im dafür solches Verständnis
wenn die Reaktion eines Dritten auf seine Tat
nicht ebenso im Geiste dieser Milde erfolgte.

Es ist daher für ihn nur konsequent davon auszugehen,
dass eben diese Reaktion
stets in höchsten Maße unangemessen war
und somit eigentlich den Kern der Krise darstellt.

Der andere müsse nun also nur noch sich entschuldigen
und die Menschheit lebte in Frieden.

Bloguzius – Lebensweisheiten eines Bloggers

Ode an den Laubbläser

Bereits am frühsten Morgen schon
wurd’ wohfeil Blasgerät gerichtet
damit für kargen Tageslohn
nicht mehr als Morgenstund vernichtet.

Dann mit großer Akribi geht er,
im Anschlag wie ein Jagd-Gewehr,
so phallisch-schön und ziemlich schwer.
Man nennt ihn nur “den Laubbläser”.

So manche schlecht gelaunte Mine
trägt er mit großer Würde.
Wenn Ohrenschützer ihm gediene,
macht’s ja nur andere mürbe.

So geht’s mit vollem Blaseton,
lässt man die Blätter fliegen,
so fast um Sieben ist’s nun schon,
bleibt eh kein Mensch mehr liegen.

Doch dann, wie kommt’s? Was ist geschehen?
Ein heiser Motorschrei und -röcheln!
Man sieht ein Wölkchen sich verwehen
und spürt es förmlich Köcheln.

Als plötzlich Stille ward nun in der Welt
sieht man sie durch die Fenster linsen,
und während nun der Tag sich hellt,
viel boshaft schadenfrohes Grinsen.