26. November 2009
Ein lesenswerter Artikel bei der Netzzeitung zur Deutschen Blog-Krise, deren Existenz man beschönigen kann, aber nicht verleugnen. Den Link haben sie sich verdient:
Dem ehrenamtlichen Blogger fällt einfach nichts mehr ein, aber das ist ihm auch egal, weil ja eh alles egal ist. Seit es Blogs gibt, hören die meisten nach einem halben Jahr wieder auf. Irgendwann sind alle Anekdötchen verballert, alle Meinungen gemeint und alle Lieblingsbands vorgestellt worden, dann kommen die Mühen der Ebene und dann ist es plötzlich fad. Auch nichts Neues.
Ohne jetzt wieder zu sehr auszuschweifen glaube ich: Weblogs sind ein tolles Medium, aber im falschen Jahrhundert.
25. November 2009
Tja, kann natürlich passieren, so in der Hitze des Gefechts und wenn man mal so ein Interview zu einem höchstbrisanten Thema gibt. Da sagt man sowas schon mal so dahin und irrt sich. Happens!
“Der DFB-Präsident hat mir gegenüber in einem Telefongespräch erklärt, dass er seine Äußerungen so getätigt und autorisiert habe. Ihm sei jedoch erst später bewusst geworden, dass er sich geirrt habe”, so Rauball.
Zudem war seine Aussage auch nicht so wirklich zwingend eindeutig.
Bereits am vergangenen Samstag hatte der 64-Jährige DFB-Präsident bekannt, von den Entwicklungen nicht überrumpelt worden zu sein. “Das ist ja gar nichts Neues. Wir wussten, dass die Staatsanwaltschaft sich einem Ergebnis nähert”, hatte der gelernte Jurist geäußert.
Klar, dass jedem anderen ein Strick draus gedreht würde. Auch klar, dass das nicht so zwingend dazu beiträgt, dass man an die Unerschütterbarkeit der Aussagen unserer sportpolitischen Leitfiguren zukünftig mehr glaubt als eh schon.
27. April 2009
Ohne den Gehalt und Inhalt schon genauer mal betrachtet zu haben, gefällt mir der Gedanke:
Indymedia ist ein Zusammenschluss von unabhängigen Medienorganisationen und hunderten von JournalistInnen, die nichthierarchische, nicht konzerngebundene Berichterstattung leisten. Indymedia ist eine demokratische Medienplattform für die Verbreitung einer radikalen , sorgfältigen, und leidenschaftlichen Sicht der Realität.
14. April 2009
Dass ich noch mal mit den Batzis einer Meinung sein würde …
Der FC Bayern München will rechtlich gegen die “taz” vorgehen. Die linksalternative Tageszeitung hatte am Samstag mit einer Fotomontage aufgemacht, die den unter Druck stehenden Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann am Kreuz zeigt.
via HORIZONT.NET: FC Bayern will “taz” wegen Klinsmann-Fotomontage verklagen.
Habe da jenseits eigener religiöser Ansichten null Verständnis, warum man unter Toleranz nicht auch verstehen kann, andere in ihrem religiösen Empfinden zu respektieren. Offenbar ist das aber unser Verständnis in diesem Land, dass Geschmacklosigkeit und Beleidigungen jenseits von moralischen Grenzen Narrenfreiheit haben.
16. März 2009
Als ich eine solche Andeutung bei Facebook von Johnny gestern Nacht las, hatte ich schon so eine Vorahnung, aber die bestätigte sich leider schnell. Der SPIEGEL hat tatsächlich den Amokläufer von Winnenden auf der Titelseite. Ein 17-jähriges Kind wird abgebildet (ich verzichte bewusst darauf an dieser Stelle), darunter die Headline “Wenn Kinder zu Killern werden”.
Ich schließe mich dem Tenor des Unfassbaren ob dieses journalistischen Affront an.
Wäre ich mit meinem Leben mehr als 70 Prozent unzufrieden, fühlte ich mich vom anderen Geschlecht missachtet, hätte ich einen Hass auf blinde Lehrer, Kollegen, Vorgesetzte, würden mich körperlich überlegene Assis quälen, sähe ich überhaupt keine Perspektive, dann wäre das aktuelle Titelbild des Spiegel für mich eine Aufforderung, wenigstens noch unsterblich zu werden.
Nicht nur, weil es ein Kind ist, aber eben auch, aber auch weil es genau das ist, was man in den Köpfen der Nachahmer und Trittbrettfahrer frei Haus liefert: Der Weg unsterblich zu werden, einmal alle Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen, einmal es allen gezeigt zu haben.
Vielleicht – auch das sollten wir uns alle fragen, wenn wir uns wundern, warum solche Taten häufiger werden – liegt es auch genau daran. Daran, dass wir alle, die wir Medien machen und damit Öffentlichkeit schaffen, wir den Nährboden für Phantasien verzweifelter Menschen bereiten.
Als Hooligans in England fast zur täglichen Sportberichterstattung gehörten und die Situation zu eskalieren drohte, beschloss man im fast unglaublich (da nicht für möglich gehaltenen) Schulterschluß der Medien, die Berichterstattung auf ein Minimum zu reduzieren. Eben um den Tätern das Podium zu entziehen – und die Maßnahme griff.
Heute ergießt man sich in Details wie genau wer exekutiert wurde, wie der Täter andere Schüler mit Kopfschüssen ermordete – und man liefert so das Drehbuch für die Phantasien des nächsten Täters. Und man feiert es als Twitter-Durchbruch, weil nun sich nicht nur die Medien an ihrer Sensationslust ergötzen und getrieben von Umsatzdruck , sondern nun auch die breite Masse ihre Schaulust zum kollektiven Massen-Gewalt-Voyeurismus gegenseitig ermuntern.
Vielleicht sollten wir uns gerade an dieser Stelle die Frage stellen, ob und wo der Grad zwischen Informationsbedürfnis und Berichterstattung und sinnvoller Diskretion und Zurückhaltung verläuft. Wo es Sinn macht, nicht alles in der Öffentlichkeit breit zu treten. Das angebliche Argument des Rechts der Öffentlichkeit auf Information ist doch längst enttarnt und Journalismus und Web-Community ringen längst nur noch um den ersten Platz in der Reihe der Sensationslust. Offenbar gilt das Motto: Je niedriger die Messlatte, umso näher an der breiten Masse.
18. Februar 2009
Sachar stellt dem massenpublikum die Tatort-Frage:
Tatort: Welcher ist Euer Favorit?
Viele werden das Szenario kennen: Es ist Sonntag abend, 20.15 Uhr, man sitzt entweder alleine oder mit seinem Partner und der Familie gemütlich beisammen und sieht Fern. Am Sonntag abend gibt es keine Diskussionen, welches Programm man sich anschaut, der Sonntag abend gehört dem Tatort. Insgesamt 15 Teams ermitteln, stets im Wechsel. Die Einen schwören auf das bayerische Team, die Anderen auf den österreichischen Ermittler, und dann gibt es noch Solche, die nur dann einschalten, wenn der Tatort in Münster spielt. Die Krimi-Reihe begeistert Woche für Woche Millionen, und jeder Zuschauer hat eigene Vorlieben. Ich selbst kann mich nur schwer festlegen, welche Kommissare mir am meisten am Herzen liegen. Mich würde aber noch viel mehr interessieren, wer der beliebteste Ermittler bzw. welches das beliebteste Tatort-Team unter meinen Lesern ist.
via massenpublikum» Blogarchiv » Tatort: Welcher ist Euer Favorit?.
Na ja, Frankfurt kann ja wohl nicht erst seit Sonntag gar nicht sein. Münster ist vorn und das ist gut so!
26. September 2008
Robert greift die Studie der ARD auf und macht sich ein paar Gedanken (Auszug aus Blogs: Über Massen, Qualitäten und Glaubwürdigkeiten):
Nein, ich werde nicht drauf herumhacken. Warum auch. Ich kann immer wieder nur darauf hinweisen, dass Menschen zu Wort kommen. Wer das meint, nicht respektieren zu können, hat ein grundsätzliches Problem mit seinem eigenen Sozialverhalten. Irgendwelche Vorstellungen ob der Qualität und Glaubwürdigkeiten eines Blogs sind daher mehr etwas für diejenigen, die Blogs mit einem Produkt verwechseln. Da kann man gerne von Qualität reden, wenn das Produkt auseinanderfällt. Oder die Firma wenig glaubwürdig das Produkt anpreist, weil es einfach nicht das hält, was es verspricht. Wenn ich aber bspw zu einem Strickblogger sagen würde, “Du, Deine Qualität passt nicht und ich finde dich daher überhaupt nicht glaubwürdig”, dann würde ich in einem vergleichbaren Gespräch unter vier Augen üblicherweise als Kandidat für die Psychocouch betrachtet werden. Beurteilungen von Menschen kenne ich nur im Bereich Job, was per se für Menschen unwürdig ist, ihnen einen Stempel auf die Stirn zu pressen, der sie als gut oder schlecht kennzeichnet. Die Beurteilung aber von privaten Gesprächen auf Bogs hinsichtlich Qualität und Glaubwürdigkeit ist schlichtweg Bullshit und im höchsten Maße derespektiertlich gegenüber einer Person.
Man mag nun mal wieder ächzen und rummäkeln, dass “natürlich” jetzt wieder die halbe Bloggerwelt sich genötigt sieht über sich selbst (die Blogger) zu reden – dazu ein ‘Wort’: Bloggen spielt sich in der Netzwelt an und ist ein Kind der Netzwelt – wenn also das Thema Bloggen wo anders zum Thema gemacht wurde, ist es doch nur normal, wenn sich Blogger, die zudem (wie ich) beruflich aus dem Genre kommen, damit auseinandersetzen. Wenn man das nicht versteht, der soll sich wieder sein Heftchen am Kiosk kaufen und seine Belehrungen allen ersparen. (Der Einwurf war gratis – weil es langsam nervt, dass man diese Kritik andauernd lesen muss…)
Also zurück zum Thema (und mein Kommentar bei Robert dazu geposted):
Na ja, die Sache mit der Glaubwürdigkeit…
Natürlich finde ich es auch Quatsch, von Seiten der Qualität und Recherche etc. pp. zu kommen und deswegen pauschal auf Glaubwürdigkeit zu kommen oder sie abzusprechen. Ich halte viele persönliche Erfahrungsberichte sogar für viel glaubwürdiger als die der schreibenden Presse. Aber ein Aspekt ist tatsächlich auch aktuell ja wieder ein Thema: In Blogs wird häufig gelogen was die Balken biegen, man nennt es dann “viral” oder “PR-Gag” oder “Jux” oder auch manchmal “kreative Freiheit”- Fakt ist aber, dass so manche Story einfach Humbug ist, geschönte Selbstdarstellung, gern so erlebte Geschichten, leider ohne realen Background, oder auch nur eben “lustig” (und die Leser MÜSSEN das doch merken, müssen sie?).
Denke, wenn man dieses heterogene Becken Blogosphere von außen betrachtet und gefragt würde: Sind die Geschichten dort denn wahr? Würde ich heute nicht mehr sagen: Im Zweifel JA, sondern eher HMMM…
Man muss heute schon sehr genau den Schreiber kennen, um Vertrauen zu haben, seinen “Humor” richtig einzuschätzen oder eine Story zwischen Realität und Fiktion richtig einzusortieren.
Daher: Ich mag es denen “da draußen” nicht mal (mehr) absprechen, wenn sie kritisch beurteilen, allerdings sind mir oft die Motive für das Verfassen solcher kritischen Kommentare nicht koscher.
Die Diskussion ist bei Robert auch weiter im Gange >>>
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