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Vorschlag

Die einen sind das ganze Leben lang bestrebt
endlich so zu sein wie alle anderen,
das zu haben, was alle haben,
einfach dabei zu sein.

Die anderen sind das ganze Leben lang bestrebt
endlich anders zu sein wie alle anderen,
individuell zu sein, weg vom Mainstream,
einfach sich zu unterscheiden.

Vielleicht sollten die einfach tauschen.

Flaschensammler

Deutschland im 21. Jahrhundert. Vorne am Parkplatz parken ein Audi Q5, ein Cayenne, zwei Mercedes und diverse Mittelklasselimousinen, hinten kramt ein Mann mittleren Alters in einer Mülltonne nach Flaschenpfand.

Wo genau haben wir eigentlich die Abzweigung verpasst, als wir aus dem Ziel ‚Wohlstand für alle‘ wieder eine Separierung von ‚Reichtum und Not‘ haben werden lassen? Oder ist das einfach die Natur des Menschen?

Der Neugier fehlt das Prinzip

Menschen sind von Natur aus neugierig, aber es definiert sie nicht, denn dazu müsste es nachhaltig sein.

Die Neugier des Mensches endet in dem Moment, wo er die vier F-Worte zum überleben erlernt hat: Fressen, Fortbewegung, Fortpflanzung, Fernsehen. Ist das erreicht, sind alle weiteren Veränderungen notwendiges Übel. Und zu „notwendig“ gehört bspw. gesellschaftlicher Druck mal was Neues haben zu müssen oder die Erkenntnis, dass das Behalten des Alten anstrengender ist als die Auseinandersetzung mit Neuem – Paradebeispiele sind handwerkliche Reparaturen und persönliche Beziehungen. Es ist auch nicht so, dass der Mensch nicht generell ab und an etwas Neues nicht zu schätzen wüsste, aber was genau und welcher Art, das für ihn herauszufinden überlässt er gern anderen – früher der Werbung, heute den Sozialen Netzwerken.

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Herausforderungen

Was ist eigentlich die größere Herausforderung für den Menschen?

Etwas nicht zu können,
etwas nicht zu sollen
oder etwas nicht zu dürfen

was man will,
was einem aber nicht gut tut?

Ich kann das schon alleine

Krieg das allein hin, bin ja schon ein Großer. Brauch niemand, will niemand zu Last fallen, bin ja genügsam und irgendwie wird’s schon gehen. Mach dir keine Mühe, kein Kopf, das schon gut so wie es ist. Danke der Nachfrage, aber alles ok. Komme klar, wirklich.

Von wegen selbstlos – am Arsch ist das. Mehr Egoismus geht nicht. Bedürfnisse zeigen, schwach sein, mal schreien, wenn man verzweifelt – und damit dem anderen das Gefühl geben gebraucht zu werden. Hilfe zu benötigen und die auch anzunehmen, das verbindet, das macht beide stärker, jeden für sich und alle zusammen.

Wer den ganzen Tag rumläuft und jedem das Gefühl gibt, dass nix was der andere tut wichtig ist und alles schon genügt wie man es selbst so eben hinkriegt, der ist kein Lebenskünstler sondern vereinsamt. Vereinsamt sich und die, die ihn mögen.

Aus Liebe – zur Distanz

Für Freundschaft, Beziehung, Liebe scheint es immer nur ein Ziel zu geben: Immer größere Nähe, Vertrautheit, Intimität. Der Wunsch danach wird deutlich, wenn man sich die ganzen Kontaktanzeigen durchliest und sieht, wonach die Menschen suchen.

Es gibt aber in Wirklichkeit nur wenige Menschen, die man – zumindest auf Dauer – in seine bedingungslose Nähe lassen will oder auch kann. Das ist nicht nur auf körperliche Nähe beschränkt, im Gegenteil: Es gilt auch für die verbale Nähe, ja sogar auf eine rein geistige Ebene.

Nähe ist anstrengend. Weil man nur bei ganz wenigen Menschen sich komplett fallen lassen kann ohne nachzudenken – sein kann, wie man ist. Das ist wenigen Menschen vorbehalten – wenn man jung ist gibt es das manchmal zwischen Eltern und Kindern.

Man will das manchmal gar nicht, so zu sein ‚wie man ist‘, weil man sich gar nicht immer mag, wie man ist. Man ist nicht immer, wie man sich gern hätte. Und so ist man in der Nähe gefordert, gefordert das zu sein, was man dem anderen, der nun so nahe ist, gern gegenüber sein will. Sei es auch nur „interessant“ oder „lässig“, „witzig“ oder „sensibel“, „stark“ oder „schwach“. Man will dem anderen, den man aus guten Grund so in seine Nahe ließ, genau so wenig wie sich selbst enttäuschen. Will ihm nicht das Gefühl geben „Aha, also doch er/sie doch nur eine Rolle gespielt und nun fällt die Maske“. Man möchte, dass der andere in dieser Nähe bestätigt wird in der guten Meinung, die einen ja zu einer so intensiven Beziehung brachte – sei es als Partner, als Liebhaber oder eben auch nur als Freund. Und manchmal möchte man auch dem anderen das Gefühl erhalten, dass er in der Nähe immer willkommen sei, auch wenn es einem gerade gar nicht danach ist. Das zu leisten ist einem Menschen gar nicht immer möglich und für etwas Illusion bedarf es der Distanz. Kein Zaubertrick funktioniert, wenn der Künstler keinen Freiraum hat.

Natürlich will man Nähe, wenn eine Beziehung zu einem Menschen mehr ist als eine Bekanntschaft. Aber das Spiel zwischen Nähe und Distanz ist schwierig.

Eine Tür, die gestern auf war, heute zuzumachen, das kann als falsches Signal verstanden werden. Bedauere man vielleicht sie je aufgemacht zu haben? Habe man vom anderen vielleicht schon genug? Hatte man am Ende alles nur missverstanden? Oder war man gar einen Schritt ‚zu weit‘ gegangen?

Wie dieses Spiel zwischen Nähe und Distanz zu balancieren ist, kann man nicht pauschal beantwortet – aber es ist wichtig, danach zu suchen.

Bei Ehen, die lange halten, war die Suche nach einer Balance zwischen „Individuum sein“ und „Paar sein“ meist erfolgreich – dabei das Wir-Gefühl genau so zu schätzen wie den Freiraum, die Privatsphäre. Bei Verliebten ist dieses Spiel zwischen Nähe und Distanz der Flirt, der die Schmetterlinge bringt. Ohne Distanz fehlt das Interessante, das Erzählenswerte, das Überraschende. Und das Unbekannte und Fremde am anderen erhält den Reiz erkundet zu werden. Deswegen zieht man sich beim romantischen Abend auch etwas Besonderes an und sitzt nicht gleich zweckmäßig im Bademantel am Tisch um dann wenig Arbeit beim Auspacken zu haben.

Freunde, die ohne Limits sich immer näher kommen und alle Lebensräume füreinander euphorisch öffnen, knallen meist über kurz oder lang auf den Boden der Tatsachen. Vielleicht weil einer der beiden einen Partner findet, der nun Grenzen einfordert, vielleicht weil es einem der beiden doch zu weit geht und er nur nicht mehr wusste, wie er die Handbremse ziehen konnte, ohne den anderen dabei zurückzustoßen.

Ohne Distanz fällt es schwer sich oder eine Beziehung selbst zu hinterfragen, weil allein die Frage den anderen verletzt.
Ohne Distanz fällt es schwer sich selbst zu verändern, weil man sich dazu gar nicht immer erklären möchte – weil man es vielleicht auch gar nicht kann.

Vielleicht ist das einer der Schlüssel für das Miteinander: Distanz zu wahren – aus Liebe, aus Respekt, aus Freundschaft.

Du dumme Kuh

Warum ist eine Kuh dumm?

Wenn sie so auf der Weide stehen, den ganzen Tag kauen, mit ihren großen Augen durch die Welt gucken und sich auch von laut rufenden Kindern nicht beeindrucken lassen, dann machen Kühe nicht den intelligentesten Eindruck. Dabei sind sie einfach nur sehr ruhige Tiere – auch in Stresssituationen schütten sie wenig Adrenalin aus. Kühe haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten: Untereinander schließen die Tiere Freundschaften. Außerdem können sie sich gut orientieren. Zum Stall finden sie immer zurück.
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Jeden Tag auf seiner Weide rumstehen, essen, seine täglichen Dinge tun, durch die Welt gucken, Freundschaften pflegen, wieder nach Hause kommen auch in schwierigen Situationen (*hicks*) und sich möglichst keinen Stress machen – das ja nicht den Kühen vorbehalten.

Dumm ist die Kuh, nicht weil sie nicht lebensfähig wäre ohne Hilfe, sondern weil ihr ein höheres Maß an Intelligenz fehlt. Was Intelligenz ist, darüber scheiden sich die Geister, kognitive Fähigkeiten deuten aber darauf hin – also die Fähigeit etwas Abstraktem Aufmerksamkeit zu schenken, sich zu erinnern, zu lernen, Kreativität zu entwickeln, Planen, Orientieren, die Vorstellungskraft, zu argumentieren, sich selbst zu hinterfragen, eigenen Wille zu haben und an etwas zu glauben.

Die Kuh steht im Stall oder auf der Wiese, wird gemolken und irgendwann entsorgt oder schlicht zur Schlachtung gemästet. Dass sich dies mal rumsprechen könnte unter den Kühen und was dagegen unternommen wird, scheint nicht so zu sein. Wer weiß, vielleicht tauschen sich die Tiere sogar über das seltsame Verschwinden von Kollegen aus, aber Schlüsse daraus scheint man nicht zu ziehen. Größere Solidarisierungen und Zusammenschlüsse von Kühen zur eigenen Befreiung aus dem Joch sind jedenfalls nicht bekannt.

Den Tag rumkriegen (am Besten einen wie den anderen), immer genug zu Essen haben, bisschen was erledigen ohne sich zu überanstrengen, paar Freundschaften pflegen und immer ein Dach über dem Kopf – solange das halbwegs stressfrei läuft, lässt man das Schicksal auf sich zukommen und darüber andere entscheiden. Dinge zu hinterfragen, sich zu engagieren, etwas investieren und dann für sich oder die Gemeinschaft was riskieren – das nicht so das Ding einer Kuh.

Mal ehrlich und ohne Häme: Soweit weg ist da ein Großteil der Menschheit nun nicht.