Tag Archives: mensch

Grenzverschiebung

Müde strampelnd schien der Anstieg nie zu enden.
Da zog ein anderer Radler mühlos an mir vorbei.
Neugierig machte mich nur das Radel,
das doch meinem ziemlich ähnlich sah.

So trat ich nun in die Pedale, getrieben rein von purer Neugier,
ob denn dies Velo wirklich, dem meinen mehr als ähnlich war.
Kraftreserven mobilisiert, schloss ich auf und um festzustellen:
Dies Rad gleicht meinem fast auf’s Haar.

Den Anstieg, den so mühsam ich erkämpfte,
gelang dem Mann mit gleichem Rade, so mühelos und behände.
Dies dacht ich mir als ich gewahr, dass ich nun während ich das denke,
die ganz’ Zeit fast mühlos nun hinter ihm herfahr.

Ist es das? Dass man erst vorgeführt bekommen muss,
was man mit seinen Möglichkeiten auch erreichen kann?
Um dann selbst zu entdecken,
auch in diesen Fußspuren geh’n zu können?

Mag sein, doch gilt’s nicht immer,
denk ich und seh vor mir das Bilde,
als einst ein Freund mein Gitarre sich zu Händen nahm
und es bespielte wie ich das Instrument nimmer klingen hörte.

Wohl wahr, für manches fehlt uns das Talent,
das dir Vorgezeigte je zu schaffen,
doch manchmal braucht es auch mehr als nur den Versuch,
da braucht es Geduld und Müh, um’s aufzudecken.

{lang: 'de'}

Schräger Vogel

eine leicht verrückte / seltsame Person;
eine egozentrische Persönlichkeit;
ein Mensch mit seltsamen Angewohnheiten

aus: Redensarten-Index

{lang: 'de'}

Ich lese, also bin ich … nur was?

Als Kind begannen meine Bücher oft mit dem Tod
und endeten im Leben.

Als Jugendlicher hatten meine Bücher für den Tod einen Täter
und es war die Aufgabe der Lebenden ihn zu ermitteln,
damit das Leben weitergehen kann.

Als junger Erwachsener hatten meine Bücher den Tod als Frage
um ihn mit dem Leben zu beantworten.

Heute beginnen meine Bücher mit dem Leben,
um mit dem Tod zu enden.

Ich lese, also bin ich. Bin ich, was ich lese?

{lang: 'de'}

Vom Klappern und Wind machen

Neulich hatten wir es einmal wieder, die Frage, wie viel Wind man machen darf, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber vielleicht ist das ja schon die falsche Frage.

Sich im Netz im stillen Kämmerlein zu präsentieren und dann aufgrund der vermeintlich überragenden Qualität entdeckt zu werden, ist ein Ammenmärchen der frühen Blogosphäre. Es gehört einfach dazu, dass man sich finden lässt, weil das gefunden werden meist nur dann funktioniert, wenn man entweder was extrem peinliches, extrem dummes oder extrem ungerechtes zu bieten hat, was bei Selbstbetroffenheit auch nicht unbedingt das Ziel der Träume ist.

Die Windmacher dominieren wie einst die Werber in den 90ern die Szene. Die, die sich nicht zu schade sind wirklich überall ihren virtuellen Aufkleber aufzukleben und sich anzubiedern und selbst zu beweihräuchern, bis der Fremdschämfaktor den Rand der Skala eigentlich überschritten haben sollte. Das Schlimme ist ja nur, es funktioniert. Und natürlich beschränkt man sich nicht nur auf virtuelle Aufkleber, sondern benutzt auch richtig reale Aufkleber, um die Werbetrommel anzukurbeln.

Haben wir uns gefragt, warum man, man es schon erkannt hat, nicht auch ordentlich Wind macht. Aber nicht jeder ist eben zum virtuellen Klingelputzer und Staubsaugervertreter geboren. Und weil es neben dem Wind machen noch eine andere Art gibt, auf sich aufmerksam zu machen, das Klappern. Der Handwerker klappert, damit er den Passanten zeigt, dass hier gearbeitet wird und der Laden läuft, die Nachfrage stimmt. Und wo Nachfrage ist, da schauen die Leute hin, weil der Mensch eben Herdentier ist und dabei wohl eine Schafherde im Sinn hatte, denn der Mensch ist eben auch ein Neidhammel – was die anderen wollen, das will er auch, zumindest will er immer Dabeisein, wenn alle dabei sind.

Drum muss man nicht in Understatement untergehen, während die Poser einem die Show vor ihrer Hollywood-Fassade stehlen, während man vielleicht selbst wirklich was zu sagen hätte. Man muss nur ordentlich klappern.

{lang: 'de'}

Was bleibt?

Wenn wir nicht mehr schreien können
wenn uns all die Erinnerungen überkommen.
Was bleibt dir noch zu sagen?

Wenn du nicht mehr weinen kannst
obwohl du dich wie ausgebrannt fühlst?
Was bleibt dir noch um es zu löschen?

Wenn du nicht mehr denken sollst
obwohl es das einzige ist
was blieb.

Was bleibt dir dann?

Inspired by that song in a night in july.

{lang: 'de'}

Schuld und Sühne

Als ich heute über die Entwicklung im Fall Strauss-Kahn las, kam es mir wieder in den Sinn – die große Frage nach Schuld und Sühne.

Es mag in dem Fall purer Zufall gewesen sein (so man an sowas glaubt), dass der ehemalige IWF-Chef just die Tage von Christine Lagarde beerbt wurde, als die Vorwürfe, die ihm das Amt kosteten, sich in Luft aufzulösen scheinen (aktueller Stand). Ob dies zusammenhängt und ob die Vorwürfe gerechtfertigt waren oder sind, darum geht es mir aber nicht, es passt nur in mein Bild und bestätigt mein Gesellschaftsbild von Schuld und Sühne.

Als ich vor langer Zeit mit einem Staatsanwalt sprach über die Frage, wer denn eigentlich entscheide, wann Hinweise auf eine strafbare Handlung, gerade im Unternehmensbereich, denn überhaupt unter die Lupe genommen würden, so wollte er nicht zu sehr das Nähkästchen öffnen, so viel aber blieb mir doch hängen: ‘Natürlich’ ginge alles mit Recht und Ordnung zu, die Frage sei am Ende aber doch immer nur, wer denn die Verantwortung trage für die Ermittlungen und den daraus resultierenden Konsequenzen.

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{lang: 'de'}

Der Traum vom Berg

Umblickend und gewahr, dass dieser Berg nicht zu verlassen ist.
Die karge Spitze wird mich nähren, doch hinabzusteigen fehlt der Mut.
Ein schmaler Weg, ganz ohne Absicherung, führt an einer Seite hinab,
mit sicherem Tritt vielleicht zu schaffen, doch ein Fehltritt kostet Leib & Leben.

Was einem blieb, das sind die wenigen Sachen, die man bei sich trug.
Und die Erkenntnis: Man wird hier überleben können,
aber das was kommt, an Einsamkeit und Entbehrung,
steht wie ein Schatten vor dem eigenen Auge.

Ich befragte viele Menschen, ob sie Hilfe wüssten, nach Rat und Tat.
Beschwerte mich über die Behörden, die nichts taten, mich zu retten.
Suchte Trost und Zuspruch in tröstenden Armen,
ergoß mich selbst in meinem Leid.

Bis mir gewahr war, dass ich in dem Moment
in dem ich Menschen frage, mich beschwere, Trost suchte,
ja gar nicht auf dem Berg sein konnte.
Und dass dieser Zustand mich befähigte
mich nur jetzt zu entscheiden,
einfach nicht zurückzukehren.

So einfach!

Und dennoch … zögerte ich.
Bedachte ernst, dass dann ja alle Habseligkeiten
dort nun zu belassen wären.
Und auch der Trost, die Anklage und das Schicksal.

Hinter sich lassen – ohne auch nur einmal noch zurückzukehren.
Denn würde man dies tun, so würde man riskieren,
dass man an diesen einen Punkt, den man gerade inne hat
und an dem man sich einfach nur noch entscheiden muss,
nicht mehr kommen wird.

Vielleicht gerade ob des Wissens und der Erkenntnis.
Und dann am Gipfel bleiben muss.
Oder den Abstieg wagen.

{lang: 'de'}