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Zitat zur Nacht

Der Mensch hat drei Möglichkeiten, klug zu handeln:

Erstens duch Nachahmen – das ist das einfachste.
Zweitens durch Nachdenken – das ist das edelste.
Und drittens durch Erfahrung – das ist das bitterste.

Konfuzius

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Der Trainer ist ein … ? Fußball, Vereine und Gesellschaft

Der harte Hund ist wohl mit Werner Lorant endgültig als Trainertypus in der Bundesliga ausgestorben, selbst Magath gilt zwar als Schleifer, aber doch mehr als der Zampano, der alle Fäden im Griff hat und andere Methoden kennt, seine Ziele zu erreichen, als den Fön vor versammelter Mannschaft einzuschalten und am Tag nach der Niederlage Zirkeltraining mit anschließendem Fußballtennis mit Medizinbällen anzusetzen.

Ob nun der harte (wie Magath) oder der zarte (wie Doll?), am Ende zählt doch nur, ob der Trainer Erfolg hat! Oder nicht? Ich meine Nein – und weiß, dass man die Meinung nicht teilen muss, aber ich wage den Versuch einer Erklärung.

Ein Fußball-Verein ist ein Unternehmen. – Falsch. Das hätten zwar viele gern, es ist aber nicht so. De fakto sind Fussballvereine Vereine. Was wie ne Binsenweisheit klingt, scheint in vielen Köpfen verdrängt worden zu sein.

Als Verein (Rückbildung aus vereinen) bezeichnet man eine Personenvereinigung, die auf Dauer angelegt ist, einen eigenen Namen führt und in der sich Personen von wechselndem Bestand zu einem bestimmten gemeinsamen, durch Satzung festgelegten Zweck etwa zur Pflege bestimmter gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben.
Quelle: Wikipedia

Und wenn ich mir meine Satzung des 1. Fußball-Club Nürnberg Verein für Leibesübungen e.V. so aus dem Regal nehme, steht da in § 2 Vereinszweck und das klingt in etwa so:

Zweck und Aufgabe des Vereins sind die Hebung und Förderung der körperlichen Ertüchtigung durch Ausübung von Fußball. Eine wesentliche Aufgabe sieht der Verein in der sportlichen und charakterlichen Erziehung der Jugend und in der Förderung der Jugendpflege.

Die Profiabteilung hat sicher noch weitere Ziele und sind auch häufig im Rahmen von Kapitalgesellschaften ausgegliedert um am Spielbetrieb der DFL teilnehmen zu können, die Kernaufgaben des § 2 bleiben aber – und dafür sorgt die nicht unumstrittene, aber immer noch bestehende 50+1-Regel, »nach der ein Verein mehrheitlich an der lizenzierten Kapitalgesellschaft beteiligt sein und über 50 Prozent der Stimmanteile zuzüglich mindestens eines Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügen muss« (Quelle). Ein Dorn eben jener im Auge, die gerne den Fußball noch mehr “professionalisieren” möchten. De fakto aber haben die Vereine auch hier noch die Stimmenmehrheit und das Sagen und damit greift wieder § 2.

Nun fragt also ein Kommentator hier im Blog (Dank für die Steilvorlage!), warum man bei einem Trainer der Profi-Mannschaft auf Dinge überhaupt achtet, die direkt mit der Aufgabe eines Trainers gar nichts zu tun haben, wie bspw. die Tatsache, dass Michael Oenning mal Grimme-Preisträger war. Vielleicht konnte bisher Gesagtes hier schon meinen Gedanken transparenter machen. Aber ich belass es natürlich noch nicht dabei.

Allein die nunmehr 56 Mannschaften im Profi-Fußball haben sicher alle den Wunschtraum, einmal ganz oben zu stehen, Realität wird es nicht. Die Spitze wird sogar noch immer weiter sich vom Boden entfernen, die Kluft wird noch größer werden, Deutschland ist da sogar noch fast romantisch in den väterlichen Armen des DFB geborgen (die DFL ist Teil des DFB), der die Kleinen beschützt solange und soweit es noch geht.

Kurzum: Wer Erfolg als Ziel seiner Träume hat, sollte als Fan bei den Batzis oder auf Schalke oder an der Weser anheuern, perspektivisch wird bis auf wenige Ausrutscher da immer die gleichen 5 bis 10 oben stehen. Es sei denn massiv Geld kommt von außen, doch das ist mit all seinen Folgen ein ganz anderes Thema (siehe 50+1-Diskussion).

Was also will man denn eigentlich von seinem Verein? Das wird man so pauschal nicht beantworten können, aber von Erfolg steht nichts in der Satzung. Es geht um Fußball, um Freude am Fußball, um Identifikation mit (s)einem Verein, mit der Stadt, dem Umland, den Mitgliedern. Es geht um Erziehung, darum einen Teil dazu beizutragen, dass die Gesellschaft einen sinnvollen Halt hat, dass die Jugend und Kinder Spaß am Sport hat, am Fußball im Speziellen. Dass sie im Sport und ihrem Verein Vorbilder finden, Vorbilder, die die Kids und Jugendlichen zum Sport motivieren, die aber auch charakterliche Auswirkungen haben. Und das ist alles keine verträumte Spinnerei, dass ist die Satzung und das Grundprinzip auf dem der ganze “Spaß” beruht.

Woche für Woche beschäftigt man sich mit seinem Verein, einfach als Fan oder als Mitglied, als Fernsehbeobachter oder Supporter vor Ort. Schon schwer genug Fußballer an die Leine zu bekommen, doch das mag man noch den jugendlichem Alter schulden der bisweilen halben “Kinder”, die nichts im Leben bisher machten als Sport zu treiben und die schon mit 24 Millionäre sind oder es gern wären. Von wem man aber was verlangen kann, dass sind die Verantwortlichen und ganz vorne der Trainer, der eben auch als Führungspersönlichkeit Leitmotive prägen und nach Außen tragen soll, Motive, die der charakterlichen Förderung der Jugendlichen und Kinder dienlich sind, wie eben Mannschaftsgeist, Kameradschaft, Ehrgeiz, Disziplin, Fairness, Sportsgeist. Aber eben nicht nur das, sondern er steht als Leitbild vorne und kann und sollte den Kindern und Jugendlichen auch vermitteln, dass eben Erfolg nicht alles ist. Dass es wichtig ist sich mit etwas zu identifizieren, auch mal verlieren zu können, den Fehler des anderen als Mannschaft zu tragen und dass gerade ein Mannschaftssport nur funktioniert, wenn man nicht nur an sich denkt – im Spiel und in der Karriere. Aber eben auch, dass es ein Leben außerhalb des Fußballs gibt, dass es nicht jeder schaffen kann, dass eine solide Ausbildung auf und außerhalb des Platzes wichtig ist.

Es ist richtig, dass man im Sport sich von politischen Äußerungen zurückhält, von den gesellschaftlichen Themen kann und darf man es aber nicht. Denn der Sport, vor allem der Vereinssport steht da mitten drin und ist ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft.

Man mag mir den fast philosophischen Ausritt verzeihen, morgen geht’s wieder zurück zum Tagesgeschäft gegen Aachen. Aber wenn man mich fragt, warum mir ein Trainer a) sympathisch sein muß und b) eine gute Vita braucht, dann bleibt mir eben nur zu sagen: Weil er a) einen Teil meines Lebens in den mindestens nächsten Monaten sein wird, dessen Interviews ich mir anhören muss und für den ich mich bei anderen Fans auch noch rechtfertigen soll, und b) weil er nun einmal für mehr an Aufgaben steht, als nur eine Truppe aus zusammengekauften Einzelfunktionen zu einem erfolgreichen Ganzen zu schrauben – das wäre mir einfach zu wenig, dann spiele ich lieber gleich meinen Fußball-Manager am Rechner, da kann ich wenigstens selbst schalten und walten wie ich will und starte ein Spiel neu, wenn es nicht so lief, wie ich das mag und auf Fans und Befindlichkeiten muss ich da auch nicht wirklich achten, wenn ich einen Spieler verkauf oder das Stadion abreiße.

Zurück zum Spielbetrieb …

Diesen Artikel wurde auch bei Clubfans United veröffentlicht

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Ein Baum gefällt

Bild © Endl 2008

Mir ist mal wieder lyrisch – aber keine Sorgen um mich, keine suizidale Tendenzen, keine Metabotschaften, keine Anspielungen – einfach nur Lyrik um der Lyrik Willen.

Hier stand ein Baum, hoch und erhaben
seine Äste dem Weg einen Blickfang gaben.

Zu Fall gebracht, zerlegt in kleine Stücke
sein Selbst jetzt nur noch Ster vor einer Hütte.

Herausgerissen auch die großen Wurzeln tief der Erde
damit sich niemand darüber beschwere.

Der Platz wo er stand, geharkt und begrünt,
wo der Baum einst stand, bald Blumen und Wiese blühn.

Vergessen wird bald, was einst so stolz hier stand,
die Zeit wieder einmal gegen das Sein gewann.

Doch wenn auch das Auge bald sieht auf diesem Platz
was es auch einst sah, vor des Baumes Satz,

so wird das Sehbare wohl verschwunden sein
doch Sehbares definiert uns nicht allein.

Denn dort wo die Wurzeln dem Erdreichs Stoffe einst entzogen
sind diese nun selbst in ihrem Sterben mit der Erde verwoben.

{lang: 'de'}

Studentensyndrom

Also schon was gebracht, dieses twittern: Ein neues Wort und eine Erkenntnis

bosch wollte prokrastinieren und wer sowas schreibt, hat meinen Respekt! Denn das Wort kenne ich nicht. :grin:

Dahinter versteckt sich vermeintlich banal das Wort Aufschieben, doch dafür gibt es doch glatt einen eigenen Wikipedia-Eintrag mit interessanten Aspekten:

Manche Menschen sind wesensbedingt erhöht motivationsabhängig, sie schaffen es nur unter großer Überwindung, Tätigkeiten, die als langweilig empfunden werden (und deren Gewinn erst sekundär oder zukünftig entsteht), in Angriff zu nehmen. Dabei sind sich die Betroffenen der ihnen durch das Verschieben entstehenden persönlichen Nachteile durchaus bewusst, was Unlust oder sogar Angst auslöst, die aber als Negativgefühle ihrerseits das In-Aktion-Treten erschweren oder gar verunmöglichen. Ein Teufelskreis entsteht: Die Betroffenen nehmen sich immer wieder vor, die unangenehmen Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen – doch sie lassen diese Zeitpunkte auch immer wieder verstreichen. Dadurch wachsen Angst, Scham und Druckgefühl stark an, welche als Negativgefühle ihrerseits zusätzlich das In-Aktion-Treten untergraben.

Dabei musste ich zum einen an meinen noch immer nicht wiedergefundenen Effekt denken, zum anderen an meine Studentenzeit – womit wir beim nächsten Punkt heutiger Aha-Erlebnisse wären: Dem tatsächlich so benannten Studentensyndrom.

Vielleicht ist mein gesuchter “Gorson-Effekt” eigentlich ein Goldratt-Effekt und bezieht sich auf die Methode der kritischen Kette? Aber diese Theory of Constraints beschäftigt sich zwar auch mit Verhalten von Menschen mit Aufgaben verschiedener Komplexität und Gewichtung, aber eben noch nicht den Effekt, dass man sich stets der Aufgabe zuwendet, die zwar auch unangenehm ist, aber eben nicht so unangenehm wie die eigentlich wirklich wichtige Aufgabe. Beispiel: Student putzt Wohnung statt die Abhandlung fertig zu schreiben. Womit wir also dann doch eher wieder bei einer Art “Studentensyndrom” wären.

Alles sehr interessant.

{lang: 'de'}

Zeit abschaffen

Bild © Endl 2007

Wer hat eigentlich die Zeit erfunden? Kann man das nicht wieder aufheben?

Ein Liedermacher besang es: Sie hat sich nicht bewährt, schaffen wir sie doch wieder ab.

Jahreszeiten, Monate, Tage – all das hat seine Sinnhaftigkeit, aber dieses sklavische Rennen nach Minuten und Sekunden. Was hat es uns gebracht?

Sind wir deswegen so effizienter geworden? Und wenn – was ich bezweifle – diese Effizienz eingetreten sein sollte, hat sie uns weitergebracht? Sind mehr Menschen satt? Sind mehr Menschen glücklich? Sind mehr Menschen wohlhabend? Oder sind nur die Satten noch satter, die wohlhabenden noch wohlhabender, aber keiner deswegen glücklicher?

Ich glaub die Zeit wurde einst eingeführt, um das amerikanische Eisenbahnnetz aufeinander abzustimmen. Da jeder Ort im wahrsten Sinne der Wortes anders “tickte”, führte man die Bahn-Zeit ein. Aber begonnen hat es sicher mit der Einführung der ersten Uhren an öffentlichen Gebäuden und vollendet wurde es mit der Armbanduhr.

Heute ist sie omnipräsent. Die Zeit. Sie bestimmt uns, hetzt uns durch den Tag. Aufstehen um, Termine um, Meetings von, dauert bis. Keine Zeit. Ich muss. Vielleicht um? Da habe ich schon! Da kommt doch! Da beginnt gerade.

So viele Zeitvorgaben und trotzdem kommen zu einem festgelegten Zeitpunkt selten alle pünktlich. Ist unser Tag nun effizienter geworden? Haben wir mehr davon?

Oder haben wir nur verlernt, unsere Zeit zu nutzen. Damit flexibel umzugehen, kreativ. Wenn wir heute am Bahnsteig stehen und der Zug verspätet sich, wenn wir auf jemanden warten, wenn die Teilnehmer am Meeting nicht vollständig sind, verlieren wir jetzt Zeit. Warum? Weil wir in unseren Zeitplänen selten Flexibilität einbauen. Ein starres Gerüst duldet keine weichen Faktoren.

Aber müssen wir nicht die Zeit als unseren Maßstab haben? 35 Stunden, 40 Stunden, 60 Stunden Arbeitszeit? Kostenschätzung für die Reparatur mit 2 Stunden Aufwand?
In 11Freunde zu lesen ist die Geschichte des ersten WM-Maskottchens: Entwickelt in wahrscheinlich nicht einmal einer Stunde. Heute ein Unding. Ein Projekt für Agenturen und Gremien. Am Ende nach allen Seiten demokratisch weichgekocht und durchgespült.

Ist die Zeit nicht nur eine Komponente? Eine untrennbare Komponente von Fähigkeit, Tagesform und von Umständen, die zwar nicht die Regel sind, aber eben eintreten – denn ist denn das Leben Regeln folgend oder nicht eigentlich eine Zusammenfassung von Wirrungen und Zufälligkeiten? Ist jemals ein Jahr eines Menschen so gelaufen, wie man es sich vorher dachte? Ist je ein Projekt so gelaufen, wie man es zu Beginn sich vorstellte und plante? Äußere Einflüsse, Missverständnisse, neue Informationen – alles spielt hinein und verändert und man reagiert.

Wir produzieren mehr, aber werden nicht satter. Wir haben mehr, aber sind nicht zufriedener. Wir konsumieren mehr Informationen, aber werden nicht klüger.

Wir können es gar nicht mehr, das Leben fließen lassen und uns seinem Lauf anpassen. Wir meinen, wir hätten eine Summe X an Zeit, die es zu verwalten gälte. Doch weder wissen wir, jeder einzelne von uns, wie viel dieses X sein wird, noch was wir im Leben zu tun haben, welche Aufgaben uns erwarten. Der eine hat nur 30 Jahre zu leben, dann stirbt er genauso gejagt im Geist wie er das Auto jagte, das ihn umbrachte. Der andere wird 90 und musste 10 lange Jahre ans Bett gefesselt jeden qualvollen Tag absitzen.

Die Zeit ist kein Maßstab, der unserem Leben einen Halt geben kann. Der Versuch sie sich gefügig zu machen, sie unter Kontrolle zu bringen, ist Größenwahn und führt dazu, dass wir unser Leben dafür hingeben es zu versuchen und dabei viel dieses kostenbaren Guts in den Kampf gegen diese Windmühlen stecken. Wir meinen den Dämon besiegen zu können, und verlieren dabei das Ziel des Kampfes aus den Augen, besessen wie Ahab auf der Jagd nach seinem Wal.

Und so hetzen wir im zu kalten Winter zum hoffentlich bald kommenden Sommer, und im zu heißen Sommer zum Herbst, und im zu verregneten Herbst zum hoffentlich bald kommenden Weihnachten. Wir hetzen morgens zur Bahn oder über die Straße, um nicht zu spät zu kommen und dann durch den Tag bis Mittag, dann warten wir den Nachmittag durch auf die Zeit des Feierabends und dann bis wir endlich Abend essen können und dann endlich das oder das tun. Und beginnen den nächsten Tag von neuen.

Nur ab und an wundern wir uns, warum die Zeit immer schneller geht. Sie scheint sich mit zunehmenden Lebensjahren zu beschleunigen, als wenn sich jemand einen Spaß daraus machen würde, uns immer weniger von dieser Zeit zur Verfügung zu stellen, je mehr wir danach streben uns mit effizientem Zeit-Management beruflich und privat mehr davon zu verschaffen.

Um dann … wenn es tatsächlich eintritt – wenn wir einfach nichts mehr zu tun haben – nichts mehr mit uns anzufangen wissen.

Mein Großvater ist über 80 und trägt keine Uhr mehr. Er hat sie abgelegt vor einigen Jahren. Er brauche sie nicht mehr. Er stehe auf, wenn er wach wird. Er isst, wenn er Hunger hat. Er sieht fern, wenn ihm danach ist, und wenn er eine Sendung verpasst oder bei einem Fussball-Spiel eingeschlafen ist – was soll’s? Und wenn er nach Gesellschaft sucht, so findet sich die Familie meist auch ganz von selbst ohne auf die Uhr zu sehen zum nachmittäglichen Kaffee zusammen. Einer ruft in die Runde, alle beenden ihre Arbeiten und kommen zusammen um danach wieder weiterzumachen.

Wir sollten das Ding wieder abschaffen, diese Zeit. Vielleicht sollten wir lernen wieder mit unserem eigenen Takt zu leben. Und mit dem Blick darauf, was am Ende bei raus kommt.

{lang: 'de'}

Wahrheit verloren

Bild © Endl 2008

Was ist eigentlich richtig? Was stimmt? Wem kann man glauben? Was bedeutet eigentlich ‘bewiesen’, ‘belegt’, ‘bekannt’ oder ‘beschlossen’? Wann fing es eigentlich an, dass wir der Wahrheit keine Bedeutung mehr zukommen ließen? Oder hat sich eigentlich gar nichts verändert?

In einem Dialog fragte mich jemand, ob ich denn wüßte, wie man denn Wahrheit erkenne? Ob es überhaupt die Wahrheit gäbe? Oder ob es nicht immer nur eine Interpretation wäre, eine Auslegung von demjenigen, der einfach sich erdreistet zu behaupten sie zu kennen? Oder von dem, von dem die Mehrheit überzeugt ist, er müsse sie kennen?

Ist es denn legitim für etwas zu kämpfen, was man selbst für die Wahrheit hält? Nur weil man meint, man muss Wahrheit schützen, aufdecken, erhalten?

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Angst

Bild © Endl 2008

Keine Liebe, kein Idealismus, kein Patriotismus, kein Ehrgeiz, keine Aussicht auf Belohnung ist so effizient wie Angst. Sie lähmt, sie lässt zurückweichen, sie isoliert, da in der Angst der einzelne sich selbst vor dem Kollektiv sieht. Angst bringt uns zu Kurzschlussreaktionen, meist zum eigenen Nachteil, lässt unkontrolliert um sich schlagen, davonlaufen, löst Panik aus. Wir werden nervös, reizbar, und verbrämen damit auch die, die uns Gutes wollen. Angst lässt misstrauen, wie besessen nach Beweisen für den Freundesverrat suchen und dabei Brücken abbrechen und Fundamente aufreissen – allein um sich selbst zu schützen, besser keine Freunde als Feinde hinter den eigenen Linien. Was bleibt sind Ruinen, Schatten einer selbst, unfähig den Blick hinaus zu wagen, konditioniert wie ein Elefant mit einer Kordel um seinen Fuß, den er in seinem Kopf als Kette wahr nimmt.

Verführerisch.

Und daher begehrlich, sie zu kontrollieren, die Angst. Vor allem weil es auch so legal ist, sogar demokratisch. Gewissenhaft quasi, vielleicht sogar fürsorgend, wer sie verbreitet, natürlich nur um zu warnen, zu mahnen, zu bewahren. Vor Anfängen, Tendenzen, Zusammenhängen. Vor Fremden, vor Verlust, vor Neuem, vor Anderem. Mächtig macht sie den, der sie kontrolliert.

Doch kostet sie auch, doch nicht dem, der sie schürt. Sie kostet der Gesellschaft, enormes Kapital sogar. Denn Angst kann nicht das bewirken, was Liebe, Leidenschaft, Begeisterung und Hingabe kann: Etwas schaffen, kreativ sein, etwas investieren, teilen, Phantasie enwickeln, Träume haben. Angst kann nur versuchen zu beschützen. Angst bündelt unsere Kräfte auf ein Ziel, und damit fesselt sie sie und bindet sie und entzieht sie damit anderen Dingen.

»Ein Reicher hat 1000 Wünsche, ein Kranker nur einen, gesund zu werden«, sagt ein Sprichwort. Vielleicht kann man es erweitern: »Wer frei ist, hat 1000 Ideen und Ziele, wer Angst hat nur eines, dass die Angst nicht Realität wird.«

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