Eine subjektiv unbrisante Meinung vom
14.07.2005 um 11:53 Uhr
»Polizei statt Provision: Arglose sitzen Internet-Betrügern auf«, so titelte gestern die Frankfurter Neue Presse online mit Bezug auf einen dpa-Bericht.
Arglos ist, wer sich keines Angriffs von Seiten des Täters versieht – so kennt das Strafrecht die Arglosigkeit im Zusammenhang mit Heimtücke. Total überrascht und nichtsahnend sozusagen.
Da stellen wir uns also vor: Da werden über eine Internet-Website Mitarbeiter als Finanzverwalter gesucht, deren Aufgabe es ist über ihr privates Konto Geld anzunehmen und an eine andere Firma weiterzuleiten.
‘Wer wird da schon misstrauisch?’ Wo es doch vollkommen ‘üblich’ ist, dass man für das Geldweiterleiten eine Provision bekommt. Und wir sind natürlich auch nicht misstrauisch über die kyrillischen Buchstaben auf der Website oder dass die Zahlungen nach Russland gehen, auch ruft man die auf der Website angegebenen Telefonnummern nicht an, dann hätte man vielleicht festgestellt, dass es Anschlüsse zweier älterer Damen im Altersheim wären.
Sorry, aber wenn das »arglos« ist …
Da teile ich doch eher die Ansicht des Polizeisprechers, der von einem »zumindest [...] fahrlässig begangene[n] Betrug« ausgeht.
Offensichtlich können immer mehr Menschen den Verlockungen solcher vermeintlich »schnell verdienter Euros«, wie auch schon hier (Thema: »Pharming tückischer als Phishing« berichtet, nicht widerstehen. Vielleicht nur aus Gier, vielleicht aber auch aus finanzieller Notlage.
Man sollte sich aber bewusst sein, dass man hier gerade nicht mit Arglosigkeit argumentieren kann – und deshalb tun solche Headlines, wie die der FNP, keinem einen Gefallen.
Wer solche Gelder annimmt und weiterleitet schädigt andere Menschen, und die sind z.T. genauso auf das Geld angewiesen. Und die Konsequenzen reichen von der Strafverfolgung bis hin zur Rückforderung der weitergeleiteten Gelder (nicht nur der Provision!). Das kann schnell zum endgültigen finanziellen Ruin führen. Die dahinterstehende ‘Firma’, die angeworben hat, wird in der Regel nicht mehr oder nur schwer greifbar sein. Und wenn, dann versuchen sie doch einmal sich ihr Geld von einem russischen “Finanzvermittler” wiederzuholen … viel Spass.
Betrüger, gerade auch im Zusammenhang mit Online-Betrügereien, suchen gezielt nach inländischen Unterstützern. Einerseits, weil sie sich nur ungern die Hände schmutzig machen und Bauernopfer vor Ort brauchen, andererseits, weil sie ganz gezielt das Vertrauen ausnutzen, dass man in einen deutschen Kontakt, eine deutsche Kontoverbindung hat. Wer sich hier also anwerben lässt, der kann nachher gerade nicht die Hände in Unschuld waschen und behaupten: Davon habe ich ja nichts gewusst.
Polizei statt Provision: Arglose sitzen Internet-Betrügern auf
http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=2387083
Update 19.07.2005: Mehr Informationen zum Thema Phishing gibt es » hier «
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