Tag Archives: prosa

Schlafende Lieder

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“

Joseph von Eichendorff

Das Bild stammt vom Berg “Hohe Salve” in Tirol. Wenn man das Objekt richtig in den Wind dreht, was bisweilen Geduld erfordert, erzeugt die Membran im Inneren einen langen dunklen Klang.

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Meine Lieblings-Tasse (mit Spruch und Comic)

Ein Gaston-Comic mit dem Spruch:
“le travail ne me rattrapera pas”
(im Sinne von: Die Arbeit kann mich nicht kriegen)

Ich glaub ich hab die Tasse am 1. Comic-Salon in Erlangen 1984 erstanden (jedenfalls aber in den frühen 90ern an gleicher Stelle). Der Aufdruck hat über die Jahre wohl etwas gelitten…

Ist es nicht irgendwie wunderbar,
dass man manchmal gar nicht mehr sehen muss
und etwas ist doch da?
Wenn auch nur für einen selbst.

Nur manchmal teilt man das Wissen
und das verbindet einen mit einem anderen.

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Wenn die digitale Gesellschaft merkt, dass sie nicht mehr vergessen kann

Wie lange wird es dauern, bis die digitale Gesellschaft merkt, dass sie ihr Vergessen verlieren wird? Ob es dazu noch mehr an Datenerfassung geben muss, ob es erst den Zusammenschluss aller Daten benötigt und man merkt, dass es einfach gar nicht mehr darauf ankommt, ob man selbst aktiv seine Daten ins Netz stellt, weil es andere für einen tun – Freunde bei Facebook, der Verein, das Leck in der Datensicherheit bei der Behörde? Warum auch immer wir es begreifen werden, der Grund für den Verlust des Vergessens ist bereits gelegt und nimmt immer mehr Raum ein, es liegt in der Erfassung und Speicherung von Informationen außerhalb unseres Kopfes.

Vergessen ist eine wichtige Funktion unseres Gedächtnisses. Vergessen sorgt dafür, dass unnötige Informationen (manchmal wider Willen) aus unserem Hirn sortiert werden um uns nicht zu überlasten, um uns Raum für neue Informationen zu schaffen und Kapazitäten für deren Bearbeitung bereitzustellen. Wir brauchen das Vergessen um tragische oder schmerzhafte Erinnerungen zu verarbeiten, um mit jedem Jahr Bruchstücke davon zu verlieren, bis sich der Moment verklärt, unkenntlich macht, wie ein abstraktes Abbild eines Bildes, wie ein Filmausschnitt aus dem Leben eines anderen.

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{lang: 'de'}

Jungs haben es auch nicht leicht

Geben sie sich männlich
sind sie ein Macho
sine sie verständnisvoll
sind sie ein Weichei

Hören sie zu
sind sie ein “Frauenversteher”
und daher entweder “schwul”
oder “nur” ein Freund…

Gehen sie gern aus
sind sie nur Party-Löwe
bleiben sie zu Haus
ein Stubenhocker.

Fragen sie nach,
sind sie aufdringlich
tun sie es nicht
desinteressiert.

Haben sie Kontakt zu vielen Frauen
sind sie ein Giggolo und Playboy
tun sie es nicht
sind sie klammernd oder wohl unattraktiv.

Sind Jungs single
sind sie nur notgeil
sind sie vergeben
bei jedem Flirt ein moralisches Wrack.

Sind sie intelligent
fehlt ihnen das maskuline
sind sie maskulin
sind sie zu doof.

Sind sie am Ende konsequent
haben sie alles missverstanden
sind sie es nicht
haben sie kein Rückgrat.

Am Ende dünkt einen (Mann)
dass man es ihnen (Frau)
es gar nicht recht tun kann.

Aber das macht nichts
denn die meisten Männer
die das lesen,
fragen sich nur: “Hä?”

{lang: 'de'}

King of the Gehweg – Überholen im Rollsplitt

Die Situation war natürlich längst absehbar und jetzt ist sie da. Bereits ab Ausgang Bahnhofspassage wurde deutlich, dass man eindeutig schneller als die Frau vor einem ist. Aber der Untergrund ist aufgrund der Witterungsbedingungen schwer begehbar und so bietet nur eine schmale Bahn auf der Idealspur so etwas wie Traktion, Überholen fast unmöglich.

An der Postkurve scheint es dann soweit zu sein. Man hat aufgeschlossen, ja klebt förmlich am Heck der Frau. Doch was tun? Rankommen ist ja das eine, überholen das andere. So dicht dran erkennt man, da die Frau ihre Hand etwas seltsam in die Seite stützt, dass offenbar ein technisches Problem bei ihr vorliegt, was auch den deutlichen Leistungsunterschied erklären würde. Vielleicht eine Spätfolge von einem vorangegangenen Ausritt ins Rollsplitt-Bett, was bei diesen Bedingungen nun wirklich nicht verwundern würde.

Jetzt spitzt sich die Lage zu und man entschliesst sich zum Manöver. Durch einen späteren Bremspunkt schliesst man in der Postkurve jetzt dicht auf, zieht kurz vor dem Kurvenscheitelpunkt in den Randbereich der Spur, verliert dabei zwar Grip, kann aber durch Gegenlenken die Kurve nehmen und zieht im Randbereich aufgrund der höheren Endgeschwindigkeit vorbei – ja wenn … ja wenn die Frau jetzt die Gasse nicht zumacht oder sich unfreiwillig nach außen treiben lässt. Die Frau wackelt bedenklich in der Kurve, hat das Manöver offenbar noch nicht einmal bemerkt, fällt dabei wirklich leicht nach außen um dann … … doch noch gegenzusteuern und dabei die Gasse freizumachen. Man fliegt förmlich nun an ihr vorbei, kommt wieder auf die freiere Gehspur und mit der jetzt wieder vorhandenen vollen Traktion, die die Leistung auf die Strecke bringen kann, ist die Finte geglückt.

Was für ein Moment! Ab da ist es ein ungleicher Kampf, man gewinnt sofort Meter um Meter und setzt sich schließlich noch vor dem nächsten Block klar ab.

Man ist noch adrenalin-geschwängert ob des Manövers. Aber man ist auch ein wenig stolz.

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Gesellschafts-Sudoku – Mein Leben als Realist

Realismus? Realismus ist keine besonders gefragte Tugend, maximal als Pragmatismus noch positiv konnotiert, meist aber an der Schwelle des Pessimismus oder gar Fatalismus wahr genommen – kurzum: Realismus ist dein gesellschaftlicher Tod.

Allein die Planung einer zeitlich etwas entfernter liegenden gemeinsamen Aktivität, die jetzt keine Verbindlichkeit im Sinne einer Buchung etc. erfordert, spiegelt das ganze Dilemma für einen Realisten. In schier unendlichen Runden wird abgewogen und bewertet, wird bedacht, was die ideale Lösung unter Berücksichtigung aller Einzelinteressen zu sein scheint. Und da sich ja aber keiner als notorischer Quertreiber darstellen will, reduziert man es auf absolute “No Go”s des persönlichen Befindens, also die Dinge, die absolut und nun wirklich gar nicht gehen. Es entsteht ein Verwirrspiel von Kombinationsmöglichkeiten, die abgeklappert werden als gäbe es da irgendwo die eine Lösung, die leider nur schwer zu finden ist. Die Manu, die nur kommt wenn Kai da ist, aber nicht wenn es in Clubs danach gehen soll, was aber Tina vorzieht, die aber kein Fleisch isst, was allerdings Max mag, der dabei auch mal gern über Fußball quatscht, was für Sonja aber gar nicht geht, die es eh mehr in trendy locations zieht, was die Sache leider etwas teurer macht, was für Linus, der noch Student ist und zudem eh auf eine gute ÖPNV-Anbindung angewiesen ist, problematisch wird, was Robert wiederum egal ist, Hauptsache er findet einen Parkplatz und keiner redet über Kinder, denn das Thema kann er abends überhaupt nicht ab. Ein real existierendes Gesellschafts-Sudoku.

Der Realist sieht darin keinen Sinn.

Für ihn ist maximal die Signalisierung einer grundsätzlichen Bereitschaft zur Teilnahme am - nennen wir es - Kernstück der Sache sinnvoll, der Rest taugt maximal als eine Art Absichtserklärung oder Stimmungseinschätzung. Denn alles andere Abwägen und Mutmaßen ist ein Stochern im Nebel, eine Gleichung mit viel zu vielen Unbekannten als dass sie je gelöst werden kann. Das Problem: Beteiligt sich der Realist nicht an derartigen vorbereitetenden Diskussionen unter Anführung vorgenannter Begründung, wird ihm das als plumpe Ausrede um die Ohren gehauen – ja schlimmer: es ist die Manifestation seines Desinteresses für Freunde und Bekannten, ja vielleicht sogar für jede Form gesellschaftlichen Lebens. Man kann doch mal “ein bisschen” Interesse zeigen, schließlich ginge das ja auch einen selbst an und zeuge Respekt vor den anderen, wird eingeworfen.

So geläutert wirft der Realist dann doch selbst Vorschläge ein, wie ‘der neue Mexikaner an der Ecke’, doch diese Vorschläge werden als nahezu untaugliche und unbeholfene Versuche schmählich niedergetrampelt. Im schlimmsten Fall sogar als zynisch unterstellt, dass so ein Vorschlag ja wohl nicht ernst zu nehmen sei, schließlich müsse man doch wissen, dass Tina nie zum Mexikaner gehen werde und wenn Tina nicht mitgeht man auch auf Robert nicht zählen braucht und dann hat Max keinen mehr, mit dem er über Fußball redet und dann alle mit dem Thema nervt.

Am Ende kommt es doch anders – oder auch nicht. Wie Schrödingers Katze ist der Zustand in jeder Sekunde wohl eindeutig, aber unbekannt. – Meist aber kommt es anders. Manu kommt dann doch nicht, weil sie vergessen hatte, dass sie eingeladen ist, wodurch Kai auch nicht kommt und man die Entscheidung, warum man mit Max jetzt im vietnamesichen Restaurant sitzt, statt ein leckeres Steak zu essen, nicht mehr wirklich herleiten kann, während man mit Sonja über Mode spricht, was nun wirklich nicht das richtige Thema für einen ist.

Am Ende könnte der Realist triumpfierend einfach auf seine anfangs geäußerten Bedenken verweisen – wird dies aber tunlichst vermeiden. Erstens um nicht Gefahr zu laufen als Klugscheißer angeprangert zu werden und schließlich für die “negative Art” als das von Anfang ursächliche Übel der gesamten Planung zu gelten, zweitens weil bei nicht durchgeführtem Sudoku-Planungsritus es 100% jemanden gelingt – rückwärts betrachtet – die Gleichung zu lösen. Was ja auch kein Wunder ist, schließlich sind dann ‘die Unbekannten’ ja bekannt.

Der wahre Realist ist der, der nach Abwägung aller Gegebenheite zur Erkenntnis gelangt, dass dagegen ankämpfen nicht lohnt. (unbekannter Verfasser)

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Endl 2.010 mit Problemen beim Einspielen

Das Aufspielen von Endl 2.010 hat sich doch als problematischer erwiesen … haha, wie immer, wenn man ein system changen will. Das RC vom Dezember (wie auch die Beta vom Sommer/Herbst 09) lief auf der alten Platte problemlos im Test, aber seit ich das im Live-System hab, gibt es doch erhebliche Probleme. Fängt an mit den alten Treibern, die schon mal gar nicht funzen und das System bei Aktivierung komplett auslasten. Die Abwärtskompatibilität ist zwar gegeben, aber blockieren den Arbeitsspeicher derart, dass man die neuen Features gar nicht nutzen kann. Die Oberfläche ist zwar angeblich customizebar, aber sieht beim Start nach dem Upgrade (Aus dem Herstellerhinweis: Endl 2.010 ist nur als Upgrade erhältlich für Nutzer von 2.009!) auf Basis des bestehenden Systems aus wie vorher, wenn man nicht richtig Arbeit reinsteckt um alles anzupassen.

Trotz der Installationsprobleme durch mehrfache Abstürze um den Jahreswechsel läuft Endl 2.010 zumindest jetzt stabil und fährt auch wie gewohnt flott hoch nach Sleep Mode. Ob sich die angekündigten neuen veränderten Prozeßstrukturen dann auch nutzen lassen, wird man erst im Praxistest sehen müssen. Ob das System das dann auch unterstützt, muss ein Lasttest zeigen. Die Benchmarks zeigten jedenfalls beim RC schon, dass wesentliche Steigerungen des Leistungsindex möglich sind, wenn man nicht nur das neue System aufspielt sondern auch die Config-Einstellungen anpasst und bereit ist manche Komponente auszutauschen, die nur noch im Compatibility-Mode mitgeschleppt wird.

Wie dem auch sei, da generell die Engine 2.010 nach Initialisierung eh nicht mehr im Rollback-Verfahren auf 2.009 rückgespult werden kann, ohne schwerwiegende Ausnahmefehler zu verursachen und zu riskieren, dass man über das Bootmenue gar nicht hinaus kommt und nicht mal mehr einen abgesicherten Modus erreicht.

Bleibt zu hoffen, dass schon bald möglichst viele Hersteller von verwendeter Software und externen Hardware ihre Firmware auf das neue System 2.010 nachziehen und entsprechende Updates einspielen um kompatibel zu bleiben oder perfomanter zu werden. Dennoch wird man nicht umhin kommen, dass - um die Vorteile von 2.010 wirklich nutzen zu können - man sich von gewohnten Utilities trennen muss, wenn man nicht Gefahr laufen will, die Engine 2.010 zu blockieren oder sich das neue System gleich wieder wie das alte vollzumüllen.

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