Tag Archives: subjektive+Meinung

Logfile der Steuersünder-Datei aufgetaucht

Bevor die Steuersünder-CD in die Hände unserer Politiker gelang wurden die Daten natürlich aufbereitet und gefiltert. Unserer Redaktion gelang es nun, eine Abschrift des Bearbeitungs-Logfiles zu erhalten.
 
 
 

  • Query: SHOW ‚Alle zur Verfügung stehenden Datensätze Steuerhinterziehung nach Personen‘
    Result: 32.206.208 Datensätze
  • Query: FILTER ‚Ausschluß Länder, die sich eh nicht darum kümmern‘
    Result: 8.024.113 Datensätze
  • Query: FILTER ‚Ausschluß von Personen, die nach Veröffentlichung ‚keinen Spass verstehen…“
    Result: 1.115.369 Datensätze
  • Query: FILTER ‚Ausschluß von Personen aus dem eigenen Adreßbuch und deren Freunde 1. Grades‘
    REQUEST ‚Outlook, Xing, Facebook, LinkedIn, more‘
    Result: 826.204 Datensätze
  • Query: FILTER ‚Ausschluß von Personen bei denen nichts zu holen ist‘
    REQUEST ‚Kreditwürdigkeit-Schnellabfrage‘
    Result: 424.101 Datensätze
  • Query: FILTER ‚Ausschluß Personen, die gute politische Beziehungen haben‘
    Result: 512 Datensätze
  • Query: RESTORE random 500 records ‚Ausschluß Personen, die gute politische Beziehungen haben‘
    Result: 1.012 Datensätze
  • Query: ADD 500 Random Adresses Germany
    Result: 1.512 Datensätze
  • ZIP AND E-MAIL first 100 characters/record

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Wenn die Wirtschaft die Blogger entdeckt – Awareness des Grauens

Es ist (leider) nur ein weiterer Baustein des Hauses, das die Politik mit ihrer unterwürfigen Haltung gegen die Wirtschaft selbst mit baut: Die Zensur, die aus der Abmahnung kommt.

Durch die nahezu groteske wirtschaftliche Überlegenheit wird nahezu jede Art von Kritik oder vertretener Meinung zum Vabanque-Spiel – und auf diese Furcht setzt wohl so mancher aus Wirtschaft und Industrie. Doppelt schlimm dabei, dass die „Vorbilder“ solcher Vorgehensweisen nicht mal aus der Wirtschaft direkt kommen, man vergegenwärtige sich nur die Sache Weinreich vs. DFB.

Dieses Mal hat es Trainer Baade erwischt – wer es morgen sein wird, wenn er ein Produkt schlicht doof findet, eine Marke nicht so wahrnehmen will, wie sie sich selbst mit viel Geld bilden sollte, oder man einfach das Logo scheiße findet – ist offen und vielleicht auch beliebig.

So ist wohl das Internet 2009, endlich entdeckt von der Wirtschaft und ihren Anwälten: Einfach immer schön die Klappe halten, sonst gibt’s Saures. Und die Politik schweigt und dreht sich ab. Das erfüllt mich mit Traurigkeit und Wut.

Heute gelesen auf Mail-Hinweis eines Eintracht Frankfurt-Fans, der sich im gleichen Atemzug quasi für sein Trikot entschuldigte:

Die Art und Weise wie der Sportartikelhersteller JAKO AG und die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen derzeit gegen den Fußballblogger Trainer Baade vorgehen, stellt für mich einer der Tiefpunkte dar, die ich in meinen 8-9 Jahren Bloggerei und Schreiberei über Blogs erlebt habe. Es ist einer der Momente wo man ein Gefühl der Ohnmacht bekommt. Wo man sich fragt, ob es überhaupt Sinn macht sich auf dem Verhandlungswege um irgendwelche Kompromisse zu bemühen und eigentlich nur noch rhetorisches Flak-Feuer der Gewichtsklasse Don Alphonso die richtige Antwort auf die Eskalation der Auseinandersetzung mit JAKO und der Anwaltskanzlei Horn & Kollegen ist.

viaWie JAKO anderen Leuten das letzte Trikot auszieht | allesaussersport.

Es ist vielleicht nur meine bescheidene persönliche Meinung: Aber für mich sind Firmen/Marken, die aggressiv gegen Kritik (egal ob nun berechtigt oder nicht!) vorgehen, unten durch.

Und wer ersetzt dann den „Schaden“, wenn durch die „Verteidigung“ mehr kaputt gemacht wird, als durch den Angriff selbst? – Ich versuch es mal bildlich: Wenn ein einzelner Mann mit einem Pfeil und Bogen mit Schmährufen auf eine Ritterburg zuläuft und dann mit einem Katapult weggefegt wird, dessen Geschoß einen gigantischen Krater verursacht, sollte man sich in der Burg anschließend nicht beschweren, warum da ein Loch ist und warum keiner einen mehr mag oder offen die Meinung sagen möchte (Stichwort: Verbraucherfeedback).

Furcht mag ein Schutz sein, in der Welt des Marketings aber vielleicht ein suboptimales Image… Aber bis das durchsickert, werden noch viele Katapulte abgeschossen werden – die Katapult-Lobby will ja auch leben.

Nachtrag:

Auch Blog-G (Fan-Blog Eintracht Frankfurt) hat sich mit dem Thema konsequenterweise (da mindestens indirekt betroffen) beschäftigt und schließt den lesenswerten Beitrag mit den Worten »“20 Jahre Sportsgeist”. Vielleicht denkt der Kunde daran, wenn er beim nächsten Mal im Shop vor der Entscheidung steht, 70 Euro für ein Trikot der Eintracht mit dem Logo der Firma Jako auszugeben.«

Auch im Forum von Eintracht Frankfurt wird das Thema zwischenzeitlich diskutiert (Danke für den Hinweis, @Bigbamboo)
Einige Fanmeinungen: „Hätte ich Entscheidungsbefugnis in unserem Verein, wäre mit Vertragsablauf ein neuer Ausrüster fällig“, „Da hat sich eine große Firma eine Menge „Sympathisanten“ gekauft.“, „Eigentlich wollte ich mir noch das neue Trikot kaufen. Aber so fällt es mir nicht schwer, dies im Moment nicht zu tun.“ oder „Meine Reaktion ist, wie immer bei solchen Geschichten, ich kaufe von solchen Firmen nichts mehr. Das ist die einzige Möglichkeit die ich habe, um auf so ein Fehlverhalten zu reagieren. „

Oder um es mit dem Frittenmeister auszudrücken:


Das Resultat der ganzen Geschichte, die ihr am besten bei Allesaussersport nachlest, ist:

  • ein Blogger, der mit den Nerven vollkommen am Ende ist
  • ein Sportartikelhersteller, der jetzt negativ in den Schlagzeilen bei seiner Zielgruppe ist (Imageschaden)
  • ein Frittenmeister, der jetzt komplett von Adidas, Nike und Puma überzeugt ist
  • eine Rechtsanwaltskanzlei, die etwas Beschäftigung hat
  • eine Bloggergemeinschaft, die extrem angepisst ist

Aus einem offenen Brief des Eintracht Frankfurt Blog JAKO, was ist nur los mit Dir?

Liebe JAKOraner,

was ist in Euch gefahren, dass Ihr es riskiert, so eine Geschichte Eurer Markenimage beschädigen zu lassen. Wie kann man diesen Fall an eine, offenbar nicht mit den Folgen rechnende und daher in dieser Situation aus meiner Sicht überforderte Anwältin übergeben. Die Folgen könnten Eure Imagekampagnen und das darin geflossene Geld unter Umständen nicht aufwiegen.

Redet doch mit den Leuten, anstatt sie abzumahnen. Mit den Mitteln des modernen (duften) Internet ist es möglich, Leuten, wie dem Trainer Baade, mittels einer E-Mail oder auch in einem Kommentar zum Blogbeitrag Eure Meinung kundzutun, anstatt diese über eine fleißige Anwältiin überbringen zu lassen.

Das Ihr mit Eurem dollen Logo jetzt unter „JAKO“ in Google auf Platz 4 schon etwas zu diesem „Incident“ erscheint, dürfte Eure Marketing-Abteilung sicherlich mehr als freuen: „Juhu, endlich mal ordentliche SEO“.

Was mich allerdings vor allem ärgert, ist, dass Ihr als Sponsor der Eintracht dadurch auch dem Verein schadet. Übernächsten Samstag, wenn es gegen Freiburg geht, krieg ich Plack, wenn ich Eurer Trikot anziehen soll.

Vielleicht dachte man sich auch nur: Ach, die Sportblogger, das sind doch nur ein paar versprengte Einzelkämpfer, hatten wir ja auch schon aus berufenerem Munde hören müssen.

Kino: Überwachung statt Service

Bisschen kruder Aufhänger für die Story drüben beim Basic Thinking Blog, aber in der Sache harter Tobac. Da stellen die doch tatsächlich Typen mit Nachtsichtgeräten zum beobachten rein um die „Kinogänger unter Generalverdacht“ vor unredlichem Handeln wie Filmmitschnitte zu bewahren:

Grund waren die beiden Herren, die mit Nachtsichtgeräten ausgestattet links und rechts der Leinwand umherschlichen und das Publikum die gesamte Veranstaltung über kritisch beäugten. Erst dachte sie, dass die Typen im Security-Look das Geschehen jenseits des Vorhangs auch direkt mitschnitten, doch die Kino-Chefin konnte sie später beruhigen: Das seien nur die Jungs von Warner Bros. und die nehmen nichts auf, sondern kontrollieren nur, dass auch ja niemand auf die Idee kommt, den “Potter” später auf einem Camcorder-Band mit nach Hause zu nehmen. Und so ungewöhnlich sei es nun auch nicht, immerhin hätten die beiden bereits sämtliche Vorstellungen von Mittwoch bis Sonntag überwacht.

Na, was sagt man dazu? Ist das der Grund für die steigenden Kinopreise? Die erhöhten Personalkosten? Die Cinestar-Filialleiterin wehrte sich gegen den Vorwurf, cineastische Spitzel bereitwillig in ihr Haus zu lassen: “Wenn wir das nicht zugelassen hätten, würden wir von Warner keinen Film mehr bekommen”, klagte die Dame gegenüber der “Volksstimme“, die die Story als erste aufgriff.

via Warner Bros. beschäftigt Spanner mit Nachtsichtgeräten | Basic Thinking Blog.

Statt die Personalkosten für solche Maßnahmen zu investieren würde ich empfehlen mal die Kassen besser zu bestücken. Im KINOPOLIS im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach war man offenbar ‚total überrascht‚ vom Zuspruch zum neuen Harry Potter am Sonntag – daher war um 20:00 Uhr die mit 2 Kassen minimalst besetzte Essensausgabe vollkommen überlastet, es bildeten sich Schlangen mit 30 Minuten Wartezeit (handgeschätzt) und dem Ergebnis, dass das Sortiment (um 20:00 Uhr !!) schon mehr als löchrig war: Keine großen Popcorn-Tüten mehr, keine Cola etc. und die letzte einsame Erdnuss-Dose wurde gerade noch mein.

Statt in Überwachung sollte man ‚in Service machen‘ und damit den Verkauf ankurbeln – ist ja eh im Kino schon nahe am gefühlten Wucher, was Speisen und Getränke angeht, aber dann da nicht genug Personal und Nachschub und dort die Überwacher mit Nachtsichtgeräten, das geht gar nicht.

Nicht vergessen: Wir = Kunde <-> Ihr = Dienstleister

P.S.: Zum Thema “Wenn wir das nicht zugelassen hätten, würden wir von Warner keinen Film mehr bekommen” – im Kinopolis hab ich die Überwacher nicht gesehen. Also entweder gut getarnt oder sie waren auch „aus“, würde mich ja nicht wundern…

Der Koch ist weg

Werbeplakate © Endl 2009

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Thorsten Schäfer-Gümbel hat sein ehemals biederes Erscheinungsbild zwischenzeitlich gründlich überarbeitet und gibt den „deutschen Obama„. Und ob diese Metamorphose nun strategisch war oder sich irgendwie so eben zufällig ergab wie beim Collaborative Storytelling, ist auch nicht ganz klar. Jedenfalls twittert TSG zwischenzeitlich volksnah und strahlt fröhlich, omnipräsent und vor allem selbstbewusst von allen Plakatwänden dieser Stadt.

Und der Platzhirsch? Vielleicht eine Frage (m)einer selektiven Wahrnehmung, aber Roland Koch ist für mich in der ganzen Plakatiererei für Hessenwahl-High Noon reloaded am Sonntag bemerkenswert unterrepräsentiert – lange dachte ich sogar, er wäre ganz weg (von den Plakatwänden). Die meisten (gerade auch eben die 18/1) Plakate sind reine Typografie und dieses hier abgebildete Plakat, bei dem die Litho/Retusche mal wieder ihr bestes gegeben hat, musste ich wirklich schon suchen.

Ob das Zufall ist?

Sicher würde ein guter Wahlkampfstratege nun sagen: Wir schieben eben die Inhalte in den Vordergrund! – und sowas wie – In schweren Zeiten dürfen einzelne Personen sich nicht in den Vordergrund stellen, es geht um uns alle! Andere würden meinen, dass man den Koch besser nicht so sehr in den Fokus rückt, denn dann könnte man sich ja am Ende noch daran erinnern, dass viele den eigentlich gar nicht mehr wollten, also bevor die Ypsilanti und so …

Man könnte sich eben (schon wieder) erinnern an Parteispendenaffäre, Postkartenaktion aka Unterschriftenaktion gegen die Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts oder – ganz frisch – an die Diskussion um „Jugendlichen Straftäter mit Migrationshintergrund“, was nicht nur im Hessenlande eine Debatte auslöste die imho der Migration und Integration ganz sicher nicht dienlich war.

Also besser gar nicht groß in Erscheinung treten und dem Volkszorn nach der Ypsilanti-Wahllüge, die man natürlich ganz clever vor der letzten Wahl schon bisschen mit so forciert hatte, einfach schön wirken lassen. Obwohl sicher kein noch so kühner Stratege der CDU geglaubt hätte, dass man wegen so einer kleinen Schummelei bei der Benennung der möglichen Koalitionspartner dann echt und ernsthaft über die eigenen Füße stolpert. Aber so ist sie eben, die SPD, immer für eine Überraschung gut.

Klar, Lügen sind BÄÄÄAAHH!, aber leider politischer Alltag, da muss ich immer an Lisas Welt und die Sache mit den Wahllügen denken, bei denen Verterter des konservativen Lagers bemerkenswert oft genannt werden. Aber oft klappt das eben ja auch, das mit den Lügen und dem Vergessen, und daher am Besten gar nicht drüber reden. Und „gar nicht drüber reden“ wurde ja von Chefin Angie Merkel nahezu kultiviert: Einfach überhaupt schön die Klappe zu allem halten, das ist besser als jede Position! Und die SPD kriegt dann schon ihre eigene Krise. Und der Wähler hat dieses Aussitzen in 16 Jahren Kohl ja fast schon zur deutschen Tugend erkoren.

Diese kleine Memo nur falls jemand was vergessen hat und wer denn da gerade zur Wahl steht. Kleiner Service vom Zielpublikum.

Wrestling-Chips – neues Kult-Spielzeug oder grober Unfug?

Was die Kinder da machen? Ja, das hab ich micht auch lange Zeit gefragt. Jetzt bin ich der Sache mal auf den Grund gegangen – sie spielen „Wrestling Chips“.

Immer noch nicht schlauer? Kein Wunder, ich kannte das auch nicht, aber in letzter Zeit hab ich die Dinger, die bisschen wie Jetons aussehen, aber einen Wrestler auf der einen Seite haben, ziemlich oft in Kinderhänden gesehen. Mein Großer (5) erklärte mir ganz wichtig, wie sie das spielen: Man legt die Chips auf den Boden und wirft mit einem zweiten Chip drauf oder klopft auf ihn (durfte das mal in einer Art „Mini-Schulung“ vom Jungen aus dem Vorderhaus (12) ausprobieren). Dreht sich der am Boden liegende Chip so um, dass das Gesicht zu sehen ist, darf man ihn behalten. Andere Varianten habe ich nun auch schon gehört, die noch etwas einfacher gestrickt sind und nach dem Prinzip verlaufen: Hochwerfen und gucken, welche mit dem Gesicht nach oben liegen bleiben.

Also bereits im Kindergarten ist das Thema in aller Kindermunde und auch aus der Grundschule berichtete mir der Junge aus dem Vorderhaus von einer fast grassierenden Wrestling-Chip-Manie. Auf die Frage „Wer das spielt?“ die knappe Antwort: „Na alle!“.

Auf Anfrage nach einem geeigneten Weihnachtsgeschenk machte ich das zunächst ganz unbedarft meiner Schwester als Geschenktipp zum Vorschlag, die – selbst in der Sozialpädagogik tätig – winkte aber gleich ab: Nicht mit ihr, das Zeug hat bei ihr persönlich „Hausverbot“.

Noch ein Grund also noch weiter nachzuhaken.

Kurze Rücksprache mit anderen Eltern ergab Folgendes: Die Kids spielen das zum Teil bereits im Kindergarten im Zockerstil. Wer seinen Chip verliert, verliert ihn wirklich. Das bestätigte im Übrigen auch der Junge aus dem Vorderhaus. – Also keine Art Rückabwicklung nach Spielschluß. Und das kann teuer werden. Die Chips kosten angeblich ca. 40 Cent pro Stück, aber es gibt auch die Deluxe-Ausgaben, einen hatte ich heute in Händen, die angeblich Sammlerstücke sind und für 10 Euro und mehr gehandelt werden. Da kann der Spiele-Nachmittag ja mal schnell ziemlich teuer werden, wenn – was mir auch ein Papa berichtete – die einst so stolze Sammlung am Nachmittag verzockt wurde und unter Tränen um Nachschub gebettelt wird.

Auch an der katholischen Schule Altona sind die Wrestling Chips der Renner unter den Kids, Schulleiterin Bärbel Dörnte beobachtet das mit Argwohn. Sie verbietet es den Kindern nicht, obwohl diese oft um die Chips streiten. „In meinen Augen ist dies eine Form von Glücksspiel.“ Auch Britta Schneider, Mutter des achtjährigen Linus, ist kritisch: „Die Kinder zocken sich gegenseitig ab. Es geht darum, mit wenig Aufwand zu gewinnen. Wer verloren hat, bleibt traurig zurück.“ Ziegenhagen spricht sogar von Suchtverhalten, das ihr Sohn an den Tag lege.
Quelle: abendblatt.de

Ich muss sagen, ich bin etwas unschlüssig. Um Zehnerle (Groschen) haben wir früher als Kinder auch gezockt, wir nannten das Webbeln (andere (Pfenning-)Fuchsen oder Schebbeln). Natürlich war das auch in dem Sinne eine Form von Glücksspiel oder „Zocken“, aber geschadet hat uns das in dem Sinne auch nicht (denke ich…). Es ist so eine Abwägung zwischen grundsätzlicher Ablehnung von Glücksspielen um Geld, vor allem in so jungem Alter (und das erst Recht, wenn dahinter ein Geschäftsmodell steckt, wobei mir noch nicht klar ist, ob die Wrestling-Chips zu diesem Zweck am Markt sind, oder sich das Spiel eher daraus ergeben hat – das krieg ich aber auch noch raus) und Pragmatismus. Immerhin hatten wir früher auch unsere Panini-Sammelhefte, Überaschungs-Eier und dergleichen, um die (als Einsatz) gespielt wurde und die getauscht, verkauft und gesammelt wurden.

Von Sucht zu sprechen sei vielleicht etwas übertrieben, sagt Theo Baumgärtner, Leiter des Büros für Suchtprävention. Doch Eltern sollten aufpassen, dass sich ihr Kind nicht auf einzelne Tätigkeiten beschränke: „Generell gilt: hingucken! Eltern schützen ihre Kinder, wenn sie interessiert sind an dem, was sie tun, und mit ihnen darüber sprechen.“ So sucht Heike Kaminski nach einem Kompromiss für ihren Sohn Louis im Umgang mit den Spielchips. „Was an der Schule passiert, gleicht einer Massenhysterie. Aber vielleicht ist es nur eine moderne Art zu lernen, wie man mit Geld umgeht, wie man verliert und dass man sich an Regeln halten muss.“ Die Leiterin der Grundschule Kielortallee will abwarten, wie es unter den Kids weitergeht. „Die Schüler haben selbst Kritik geübt. Wenn sie Probleme selbst lösen, haben sie etwas fürs Leben gelernt.“

Auch wir werden das nun auch erst mal abwarten, es aktiv nicht unterstützen und jedenfalls die Variante untersagen, bei der danach die gewonnenen Chips nicht zurückgegeben werden. Ansonsten werden wir das mal beobachten und auch mehr Meinungen einholen. Nur aus Prinzipienreiterei etwas zu untersagen und damit die Kids ins Abseits zu bringen halte ich wohl für ebenso den falschen Weg wie nur aus Gruppenzwang eine Entwicklung zu dulden oder gar zu fördern, die die falschen Signale für’s Leben setzt.

Der Junge aus dem Vorderhaus versicherte mir jedenfalls, dass er sich so was natürlich nicht kaufen würde, das wäre „Verschwendung“ sagte er aus inbrünstiger Überzeugung. Dass er aber 80 der 90 möglichen Sammlerobjekte (nach eigener Aussage) sein eigen nennt, führt er ausschließlich auf seine überragende Technik zurück.

Nachtrag:
Hier bei Kixkalogic gibt es in zwei Beiträgen eine gute Zusammenstellung diverser Quellen (unter anderem zu diversen Spielregeln, die sich Grabz, Throwz, Topperz, Moverz, Slammerz, Spinz oder Wallz nennen, aber auch zu kritischen Beiträgen):

Ich und mein Arcor III – »a new hope«

Haben wir schon wieder November? Die Zeit vergeht ja so schnell. War ja gerade erst nen Monat her, als ich meine Arcor DSL16000 verlor. Zwischenzeitlich gab es bunte Kapriolen.

Der damals dann im Nachtrag wieder gemeldete Bandbreitenwechsel wurde storniert. (WTF?!?!) Auf Nachfrage am 13.11. kam die große Stille. Bis vor paar Tagen eine Nachricht auf Band kam, man müsse reden

Gestern redeten wir dann tatsächlich: eine freundliche Frau erreichte mich gegen 20:00 Uhr und verkündete, alles täte ihnen Leid. (Wirklich!) Aber ab 2.12./3.12. sei jetzt alles wieder gut und das wollte sie mir einfach noch mal persönlich sagen.

Bin fast gerührt. (Jetzt echt!)

Meiner virtuellen Exekution persönlich beigewohnt – die Google PageRank-Strafe

Manchmal kann man einfach auch „Glück“ haben! Eher per Zufall mal wieder für einen Kunden den Future Page Rank gecheckt und auch mal seinen eigenen durchlaufen lassen: Und siehe da! Ich durfte/darf wohl meiner eigenen Google-PR-Exekution beiwohnen. (Sozusagen live, denn nach und nach verschwinden die PR3-Einträge und ein uneinheitliches Bild beim Blick auf die Google Server bedeutet eine bevorstehende Veränderung)

Kurz zur Erklärung: Der Google™ PageRank™ sollte einst ein Indikator der Wichtigkeit einer Website sein und berechnete sich aus einem Algorithmus, der im Wesentlichen darauf sich gründete, wer auf dich verlinkt und wie wichtig wiederum der Verlinkende ist. Durch diese Konstellation wurde der PageRank bald zu einem „Wert“, der auch monetarisierbar war: Wer einen hohen PageRank (kurz: PR) hatte, galt demgemäß als begehrter Linkpartner – eine Anziehungskraft, die auch Geschäftsmodelle blühen ließ, dem Link-Handel. Und das war letztendlich auch das Ende der guten Idee des PR, denn natürlich wurde das auch gemacht und wird gemacht. Gekaufte Rezensionen und Link-Verkäufe sind vor diesem Hintergründe daily business im Web und wer eben einen hohen PR-Wert hatte, war ganz oben bei den Link-Head-Huntern.

Ich muss zugeben: Rein nüchtern betrachtet verstand ich den Groll, der seitens Google entstand. Da wird also versucht ein Algorithmus, der eigentlich dazu dienen soll, die Suche zu verbessern, zu unterwandern um des schnöden Mammons willen. Zugleich – aber das sagt man bei Google natürlich nicht laut – will man das Geschäft des Vermarktens von Websites ja selber machen. Ergo griff Google ein: Erst drohend und feinjustierend, zwischenzeitlich mit Rute und zur Not Verbannung. Wer sich nicht an die Regeln hält, der kriegt eben einen niedrigen PR und damit ruiniert man diese Einnahmequelle schlichtweg, denn eine PR0- oder PR2-Seite ist für den Linkpartner uninteressant.

In den Fokus rückten insbesondere auch in der deutschen Blogosphäre bekannte und verbreitete Geschäftsmodelle wie Linklift und Trigami. Es entstand damals schon eine mehr als nur hitzig zu bezeichnende Grundsatzdebatte, ob man generell sich dem Mammon hingeben dürfe als Blogger für Geld. Einen Konsens gab es damals nicht – es blieb bei verhärteten Fronten und einem fast kalten Krieg, der immer wieder in Bosheiten und Seitenhieben hochkocht.

Davon unberührt ob solcher verbalen Scharmützel des Mobs zieht Google seine Linie offenbar weiter durch. Frei nach dem Motto: We are good. Und was „gut“ ist, bestimmen wir. Ich hab mir damals das alles angesehen und meine eigene Meinung gebildet, die im wesentlichen auf zwei Thesen fußt: 1. Linkverkäufe sind in der reinen Lehre nicht gut, was die Suche käuflich manipuliert, schadet im weitesten Sinne uns allen – und 2. Jeder hat das Recht darauf nach eigener Entscheidung seine Website zu vermarkten und darf nicht von Marktführern und Quasi-Monopolisten darin beinträchtigt werden.

Beide Thesen zusammen ließen mich zu einem Schluß kommen: Spiele nach den Spielregeln.

Und diese Spielregeln sind:
– Werbung machen ja, aber außerhalb des redaktionellen Contents und gekennzeichnet
– Rezensionen ja, aber gekennzeichnet und die Links mit rel=nofollow, damit es den Algorithmus nicht manipuliert (ein mit rel=nofollow gekennzeichneter Link sagt Suchmaschinen, dass sie den nicht für den Algorithmus berücksichtigen sollen)
und
– keine Linkverkäufe

Ich beendete damals daraufhin meine Partnerschaft mit Linklift, arbeitete aber weiter bspw. mit Trigami zusammen, die rel=nofollow voll unterstützen. Werbeangebote im redaktionellen Content lehnte ich ab, Linkangeboten erteilte ich eine Absage. Bis heute jedenfalls.

Ich informierte Google über die Webmaster Tools mehrfach, dass ich entsprechend reagierte und auch rückwirkend alle Rezensionen überarbeitet habe (mit rel=nofollow). Die Reaktion war: keine. Reaktion auf was? Reaktion auf meinen Antrag, meine Website schlicht wieder normal erfassen zu lassen, denn Google hatte ganz offensichtlich an meinen PR „Hand angelegt“. Statt PR 4 ging es auf PR 2 und auf meiner Hauptdomain gar auf PR0. Und (siehe oben) nun wurde aus dem händischen PR3 für das Weblog offenbar auch ein PR0. Begründung: keine. Dass der Wert manuell modifiziert wurde, lässt sich leicht belegen, da andere Domains von mir, als google-unbedenkliche Weiterleitung angelegt, selbst höhere Werte haben. Die Gründe sind aber unklar.

Faktisch ist es so, dass man meines Wissens gegen meine Interpretation der Spielregeln nichts einwenden kann, man mag anderer Auffassung sein, aber ich bewege mich innerhalb der Regeln. Warum reagiert Google dennoch nicht nur „nicht“ sondern sogar „noch negativer“? Zwei Erklärungen fallen mir dazu nur ein: 1. Ich berichte hier sehr kritisch über Google und die zunehmende Konzentration von Universal- und Individual-Wissen in einem Unternehmen – und 2. Google geht es nicht um die Einhaltung irgendwelcher Fake-Regeln, man will schlicht nur seine eigenen Regeln spielen und die heißen: Wir bestimmen wo es lang geht und wer was im Netz mit Werbung verdient. – Was sich schon wieder nach Verschwörungstheorie anhört (vor allem beim ersten Punkt) mag man mal in dem Lichte sehen, warum andere bereits betroffene Blogs, die bereits einmal „ein bisschen“ abgestraft wurden, ihre Praxis knallhart weiter durchzogen und dennoch bei noch moderaten PR wie 3 oder 4 blieben. Warum? Was macht den Unterschied im „Google Unrechtsbewußtsein“?

Heul doch! Wir jetzt mancher Kritiker denken und sich ins Fäustchen lachen. Und das darf der Kritiker auch. Ich könnte nicht wie Robert Basic mit Inbrunst sagen: So what! Mich stört es, weil ich es auch ungerecht empfinde, schlicht ungerecht in Bezug auf den kleinen Mann und das große Unternehmen. Ich kann auch nicht sagen, dass mir das Geld von Rezensionen egal wäre, das ist es nicht, das Zubrot durch Web-Einnahmen sind nicht für die Spielgeld-Kasse vorgesehen. Aber sie würden mich sicher nicht umbringen, wenn sie wegfielen. Ich finde es ungerecht, weil man versucht seinen Weg zu gehen und feststellen muss, dass die anderen sich nicht an die eigenen Regeln halten und gerade die, die sich selbst als die Guten gerieren. Und genau die haben über kurz oder lang den größten Wissenschatz der Welt in ihren Händen. Da sage ich nur: Gnade uns Gott!

Noch hat ein PR übrigens ganz offensichtlich keine Auswirkungen auf die Suchmaschinenerfassung, das berichten unisono auch andere Betroffene, die ich aber hier jetzt nicht zitiere aus gutem Grund. Noch dient der PR für Google offenbar als reines Belohungs- und Bestrafungsmittel und das funktioniert auch solange die meisten Werbe-Partner weiter den PR als relevant erachten (was er aber eigentlich nicht mehr ist). Aber darauf verlassen würde ich mich nicht. Wenn diese Rute nicht mehr ihre Wirkung tut, wird Google nachlegen und die Schrauben anziehen. BMW durfte das schon mal zu spüren kriegen, als man den Autobauer kurzerhand aus dem Index warf. Und heute ist eine Nicht-Erfassung bei Google – wenn man nicht bereits exzellent im Web 2.0 aufgestellt ist, was die allerwenigsten sind – wie ein Versetzung zum Eremiten-Dasein im Netz. Aber klar ist: Wenn Google dies durchzieht und bspw. auch „größere“ Unbelehrbare (wie vielleicht Robert) aus dem Index werfen, dann geht es ans eigene Eingemachte und Google würde sich selbst um die Allwissenheit berauben und dem Anspruch, wirklich alles zu finden – denn am Ende ist nicht die Suchmaschine der Schatz, sondern die erfassten Websites. Dann geht es wirklich um die Glaubensfrage und ein Wirtschaftsunternehmen kennt da keine Freunde mehr und auch kein Gut oder Böse, sondern nur Gewinner und Verlierer.

Nicht nur aus eigener Betroffenheit prangere ich diese Missstände an, die natürlich nur meine eigene subjektive Sichtweise sind. Prangere an, dass wir im Netz bereits ein derartiges Monopol-artiges Gebilde haben, dass nicht nur über Erfolg und Misserfolg eines Online-basierten Unternehmens entscheiden kann (und dazu zählen auch werbe-finanzierte Angebote), sondern generell über die Awareness, die Möglichkeit eine Stimme im Netz zu haben. Und wer heute dabei weiter diebisch grinst, weil es eben zufällig im Ergebnis gerade mal zur eigenen façon passt, wird vielleicht morgen an seine eigenen Grenzen kommen, wenn vielleicht nicht mehr die Werbe- und Link-Spielregeln von Google definiert werden, sondern vielleicht die Meinungs-Spielregeln oder man um seiner politischen Ausrichtung direkt oder indirekt (Erklärungen bekommt man ja nie) mehr oder weniger im Netz präsent sein darf.

Nein, ich werde nun nicht bockig irgendwelche Konsequenzen ankündigen und sagen: So, aber jetzt nach meinen eigenen Regeln, who the fuck is … Dazu bin ich viel zu sehr Gerechtigkeitsfanatiker und tue nichts, was ich nicht selbst richtig oder falsch halte. Aber wenn Spielregeln nicht von beiden Seiten eingehalten werden, machen sie keinen Sinn. Man muss daran arbeiten, sich von diesem ganzen System zu emanzipieren! Wenn das nicht gelingt, geraten wir alle über kurz oder lang in eine brutale Abhängigkeit. Und das sage ich auch, wenn morgen die Begnadigung käme. Mir ist nicht wohl bei der ganzen Geschichte, ich hab da ein ganz ungutes Gefühl.

[Und dafür opfere ich meine Mittagspause …]