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re:publica’10 – Infos zu unseren Veranstaltungen

Kaum zu glauben, aber in knapp zwei Wochen ist es soweit: die re:publica’10 unter dem Motto „nowhere(schwierig den Gag mit der Bold-Schreibweise im Plaintext zu transportieren übrigens…) wird beginnen – und wir sind ja mittendrin, statt nur dabei!

Nachdem das vorläufige Programm seit einigen Tagen steht sind jetzt auch Infos zu den Rednern (Speaker) online.

Hier die Links zu uns:
Alexander Endl
Ronny Schmelzer

 

Vertreten werden wir gleich mit zwei Programmpunkten sein, einem Workshop und einem Panel.

  • Kinder ans Netz – Kindern online Laufen lernen

    Wo: Kalkscheune Workshop 2
    Wann: 16. April 2010, 10:00 Uhr
    Dauer: 01:00:00
    Mit: Alexander Endl, Ronny Schmelzer

    Erzieherische Verantwortung im digitalen Zeitalter. Alexander Endl und Ronny Schmelzer geben in einem Workshop Hilfe zur Selbsthilfe für Eltern mit Kindern ab 6 Jahren im Umgang mit Computer und Internet. – Wie Eltern die Nase vorn behalten können.

  • Deutsches Fussball-Bloggen im Jahr der WM

    Wo: Kalkscheune Kleiner Saal
    Wann: 15. April 2010, 17:00 Uhr
    Dauer: 01:00:00
    Moderation: Alexander Endl, Ronny Schmelzer

    Beschreibung: Von Abmahnung bis Zittersieg – Fußballblogger leben im emotional Extremen, und das nicht nur auf dem Platz. Für den einen Verein willkommene Fanunterstützung, beim anderen gar nicht einsortierbar – und im WM-Jahr wieder vor den alten Problemen. Blogger, Journalisten und Offizielle im Austausch.

    Als Teilnehmer am Podium konnten wir interessante Gesprächsgäste gewinnen:
    – Robert Burkhardt, Hertha BSC, Presse/Öffentlichkeitsarbeit
    – Oliver Kucharski, SPOX Media GmbH
    – Johannes Ehrmann, Mauertaktik.de
    – Thorsten Feldmann, LL.M., Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht (selbst auf der re:publica mit dem Workshop „Bloggen und Recht“)

    • Unsere Vorbereitungen sind eigentlich schon sehr weit gediehen, über die Osterfeiertage wird noch an den Details geschraubt. Ein zusammenfassender Flyer für das Workshop-Thema ist gerade im Druck.

      Wir freuen uns!

Schwere Entscheidung

Nachricht 16.11.2009

Welche Veranstaltung hätten wir denn gern? :mrgreen:

Aus PRESSE.INFO der Stadt Frankfurt

re:publica ’09 in Sachen Fussballblogs – Mein kleines Nachtreten

Ich muss einfach noch mal Nachtreten, denn ein Thema ist noch nicht ausgesprochen, liegt mir aber noch auf der Zunge, muss also raus.

Am 1. Tag der re:publica ’09 traf sich ein Diskussionspanel zum Thema „Blogs in Deutschland“ (ich berichtete) mit doch so namhaften Teilnehmern wie Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Robert Basic, Sascha Pallenberg sowie Stefan Niggemeier. Man beklagte dort ne ganze Menge, dabei fiel auch ein Beispiel, das ich gerne etwas gerade rücken würde.

Es fiel das Beispiel „Deutsche Fussball-Blog-Szene“ und wie traurig die doch aussähe. Wo wären denn die engagierten Fußball-Fans, alles wäre quasi wüst und leer und Amerika natürlich auch im Sport viel weiter und besser. Wer immer es aus dem Panel auch aufbrachte, es stand da jedenfalls so unwidersprochen und ich als Clubfans-Blogger und mein Nachbar als Weser-Blogger waren sprachlos – und das möchte ich an der Stelle mal ausdrücklich korrigieren.

Es gibt eine ganze Reihe hervorragender deutscher Fußball-Blogs!

Allein kürzlich in München hatte ich die Gelegenheit einige dieser Spezies persönlich kennen zu lernen. Die Szene ist nicht nur ausgesprochen profund in Sachen Vereine, es gibt auch diverse Meta-Blogs und auch solche mit soziokulturellen oder humorvollen Einschlag.

Hier an die Anwesenden im Panel eine kleine Gedächtnisstütze via fussballfszene.de (und das war der Stand 2008):

Weitere zu finden über die Fussballblog-Suche

Es geht mir hier nicht um Besserwisserei, es geht mir darum, dass in solchen Zusammenhängen ein Vorurteil geschaffen wird, das dann beständig kolportiert wird. Hier gilt für mich das Dieter Nuhr Zitat: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“, was vielleicht härter klingt, als ich es meine – auch weil ich einige der genannten am Panel sogar persönlich hoch schätze.

Aber wenn ich in so ein Panel gehe und über Blogs in Deutschland resümiere, und wenn ich dann noch dezidiert sogar ein Genre rausgreife, und wenn man dann eben keine Ahnung hat, dann sollte man sich besser nicht dazu äußern. Das geht vielleicht noch gut in der offenen Runde im barcamp, aber nicht auf einem Podium. Damit tut man dem Image der Blogs in Deutschland keinen Gefallen, zudem ist es etwas respektlos gegen die, die diese – zum Teil wirklich hervorragenden Blogs – betreiben.

So, jetzt geht es mir besser.

„Scheiß re:publica“ – Mein Fazit der re:publica ’09

re:publica '09

Scheiß Re:Publica„, so lautete mein durchaus kontrovers diskutierter Artikel zur re:publica ’07, bei der ich nicht war. Zur re:publica ’09 war ich ‚da‘ – was ist also (mit mir?) passiert?

So ne Tagung/Konferenz ist sicher sinnvoll/förderlich/dienlich und was weiss ich noch. Aber es ist auch fucking separating. Früher – geil das mal zu schreiben – ‘früher’ hätte ich mich da vielleicht auch reingeschmissen, oder ’später’, kann auch sein, aber nicht jetzt.
[Scheiß Re:Publica ’07]

Ist also heute „später“ in dem Sinne? Jein. Ja, weil ich mein Interesse an der Konferenz aus verschiedenen (auch beruflichen) Gründen größer wurde und ich auch zumindest durch teilweise Freistellung meiner Firma unterstützt wurde – und doch auch „Nein“, weil sich sowohl die Blogosphäre, wie auch die Konferenz selbst wohl in den (nur zwei!) Jahren ziemlich verändert hat und also gar kein Sinneswandel erforderlich ist, weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben.

„Ersties“ nannte uns Julie, also re:publica-‚Erstgänger‘, und erzählte uns ein wenig von den letzten Jahren, von dem Wandel der re:publica vom großen Bloggertreffen zur Blogger-Konferenz. Mindestens beim Vergleich der Veranstaltungen vom Friedrichstadtpalast zu denen in der Kalkscheune konnte man wohl am besten sehen, was sie meinte. Hier der große Konferenzsaal mit Sprechern wie m00t, Peter Schaar, Mary C. Joyce oder Jimbo Wales, dort das Jugendzentrum-Feeling mit Babykotze, Märchen als user generated content und einem Hypervortrag.

Dieser Wandel aber ist es, der die re:publica gewissermaßen „gesellschaftsfähig“ macht, was nicht „wertschätzend“ aber doch wertend zu verstehen ist. Oder wie Petra Müller vom Medienboard-Berlin-Brandenburg das in ihrer Begrüßung formulierte, ist die re:publica vielleicht tatsächlich jetzt zu einer Art Leit-Konferenz für das Web 2.0 geworden. Dass dabei der Kuschelfaktor etwas verloren geht liegt dabei nicht nur an den mehr oder minder deutlich gekennzeichneten „sponsored“ Vorträgen wie der von T-Mobile, Wikitude oder zum Thema „Wissen zu Geld machen„, wobei man sich von der Vorstellung lösen muss, dass sponsored nur deswegen besser oder schlechter wäre, wenn das vorgestellte Produkt cool und hype ist (wie Wikitude).

Die re:publica ist erwachsen geworden, was nicht nur die Art der Veranstalung und deren Teilnehmerzahl dokumentiert, sondern auch deren Beachtung in den „Medien“ (wir hörten sogar auf der Anfahrt im Radio einen Vorbericht eines Berliner Lokalradios), sondern auch inhaltlich thematisch. Und die Schattenseiten des Erwachsensein ist die verlorene Leichtigkeit, die sich eben auch darin zeigt, dass man nun auch an Sponsoring und Refinanzierung denken muss, aber auch an so schnöde inhaltliche Themen wie wirtschaftliche Nutzung des Web 2.0, Werbung und Marketing. Dafür hat so ein Erwachsensein eben auch seine guten Seiten, wie „Ernst genommen werden“, Beachtung, Refinanzierung, hochkarätige Sprecher und insoweit auch die Chance für Berufstätige wie mich, seinen Arbeitgeber zu überzeugen, für diese Tage freigestellt zu werden, obwohl man eigentlich gerade nicht richtig entbehrlich wäre.

Also doch eine Revision meines Statements von 2007? Ich bleibe beim „Jein“. Was mich damals und heute stört ist weniger den Veranstaltern noch der Veranstaltung als solcher geschuldet, sondern eher dem Prinzip. Jede Einladung beinhaltet per se auch einen Ausschluss, jeder Gemeinsamkeit eine Ausgrenzung. Ich kann damals wie heute verstehen, wenn Leute von Twitter bis in die Blogs es nervt die #rp09-Postings zu lesen und heilfroh sein werden, wenn das „normale“ Web-20-Leben wieder zurückkehrt. Es nervt die „Insider“-Jokes zu lesen, die dann noch Monate bis Jahre später mit Augenzwinkern tradiert werden. – Vielleicht eben weil in dieser Web 2.0-Welt mal alles anders sein sollte, eben offen und mit jederman teilend und vielleicht weil es gar nicht rein passt, weil man alte Mechanismen gar nicht sehen wollte. Aber diese Naivität, dieser kindliche Glaube an die neue Welt, gehört längst in die Märchenschublade zu den Träumen von einer Welt mit Friede, Liebe und Wohlstand für alle. Die Welt „da draußen“ hat längst die Welt „da drinnen“ eingeholt und der Traum lebte nur viel zu kurz – vielleicht auch nur in den Köpfen mancher Träumer.

Meine re:publica ’09 war ein rundherum schönes Erlebnis. Ich könnte sogar sagen, ich würde sie gern dreimal besuchen, jedesmal mit einer anderen Fokussierung. Mein „Erstie“-Erlebnis war ein neugieriges und unaufdringliches Schauen und Eindrücke mitnehmen. Ich besuchte relativ viele Veranstaltungen, nahm mir Zeit für Ausprobieren (wie das G1 android) und Umsehen und ließ dafür das Socialising, Nachtleben, Sightseeing und Business-Kontakt-Knüpfen kürzer kommen. Gerne würde ich diese Aspekte nachholen, ohne aber das Gefühl gehabt zu haben, etwas zu vermissen oder – besser gesagt – etwas ‚falsch‘ gemacht zu haben.

Inhaltlich war es interessant, aber kein so tiefgreifendes Erlebnis wie ich das einst bei einer documenta X erlebte, also Veranstaltungen, bei denen man voller Esprit und Tatendrang raus geht und vor lauter neuen Eindrücken vor Kreativität fast platzt. Sie war angenehm „gesellig“, aber auch nicht so „intim“ wie das die virale Bloggeraktion „Hustle the sluff“ war, bei der – zumindest für mich – ich ein ganz neues Gefühl für die reale Bloggerwelt bekam, die ich davor doch eher nur aus dem virtuellen Kontakt erlebte.

Sicher alles auch nicht vergleichbar – aber vielleicht doch geeignet um Benchmarking zu betreiben. Die re:publica ’09 war eine rundherum gelungene Veranstaltung, wobei das penetrante WLAN-Problem sicher ein kleiner Makel war, aber eigentlich auch nur eine nervige Randnotiz und die Frage danach irgendwann fast sowas wie ein „running gag“. Inhaltlich blieb sie aber zwischen Weltpolitik, Roadshow und Stereotypen, ohne wirklich Leitcharakter zu entwickeln. Das von ihr zu verlangen wäre wohl auch zu viel gewesen und gerade Vorträge wie der von Esra’a Al Shafei zum Thema Verfolgung wegen Religions- und Meinungsfreiheit in der Welt brachten Tiefe und Gehalt mit sich, aber die deutsche Blogosphäre wird nicht viel Impulse bekommen haben. Wenn die bekannten Alpha-Tiere sich fast schon – so mein Eindruck – gequält ob der ständigen Wiederholung der gleichen Argumente wieder einmal durch die mühseelige Differenzierung zum Journalismus quält, den eigentlich auch längst keiner mehr für nötig befindet außer die bloggenden Journalisten, die journalistischen Blogger oder die, die sich vom einen oder anderen bedroht fühlen, bringt einen das nicht weiter.

Wenn schon ein Thema Relevanz in dem Zusammenhang gehabt hätte, dann vielleicht die Frage, ob bei der Informationszugänglichkeit man Blogger den Status eines Journalisten einräumen sollte und ihn nicht im Rechts- und Rechte-freien Raum allein lässt, aber dieses Thema war wohl nicht wichtig/präsent genug. Komisch zu sagen, dass man hier im Vorfeld der re:publica ’09 wohl mehr Lobbyarbeit hätte für diese Themen betreiben müssen. Denn Alpha-Blogger und bloggende Journalisten, die ja gern für solche Vorträge und Panels genommen werden, haben ja nicht das Problem mangelnder Aufmerksamkeit, Rückendeckung (finanzieller wie in punkto besuchertechnischer), oder von Informationszugängen. Sie haben oft Verbandszugehörigkeit, finanzielle Absicherung, eine Rechtsschutzversicherung und die Möglichkeiten durch ihre Vernetzung „Öffentlichkeit“ für sich oder ihre Themen zu schaffen. Dem Wald- und Wiesen-Blogger stehen diese Optionen nicht offen, es sind die Probleme des kleinen Mannes eben, die es auch bei Bloggerkonferenzen nicht mehr nach vorne schaffen. Verständlich, aber schade und für mich auch ein Wermutstropfen, den ich den Veranstaltern aber nicht anlaste, sondern eher den „Mechanismen der Branche“ (würde man im Fußball wohl sagen).

Mein Fazit soll aber nicht so negativ ausklingen, denn mein mitgenommener Gesamteindruck war ja positiv. Es war schön, einige Menschen hinter den Blogs wieder einmal oder auch zum ersten Mal zu sehen und paar Takte zu quatschen, sich drei Tage lang einfach mal mit neuem Input auseinandersetzen, hochkarätigen Rednern zuzuhören und einfach mal wieder Berliner Luft um die Nase wehen zu lassen. Mitgenommen habe ich tatsächlich auch was (leider kein G1 android, aber das ist mir im Unterhalt dann doch zu teuer), nicht nur web-/technische Erkenntnisse wie das Thema „Persuasives Design“ (sehr interessant!), auch einen etwas rekalibrierten Blick wieder auf das Ganze, wie bspw. die Bedeutung „unserer“ kleinen Probleme im Verhältnis zum Thema „Redefreiheit“ in globaler Sicht. Ich denke ich werde auch mein Schreiben wieder „rekalibrieren“, manchmal merkt man erst mit einer gewissen Distanz und Sicht von oben, was man so für komische Marotten hat einschleifen lassen oder wo man die Linie verlor im „Tagesgeschäft“.

Ich ende mein Fazit mit Dank, einer Anregung und einer Bitte.

Mein Dank an alle, die den Artikel bis hierher echt durchgelesen haben.

Meine Anregung an die Veranstalter doch vielleicht auch einen Samstag als Veranstaltungstag zukünftig zu erwägen, eine Art „Publikumstag“ wie bei Messen (in Abgrenzung zu den „Fachpublikumstagen“), damit auch Leute, die beruflich (oder schulisch) nicht einfach nach Berlin unter der Woche kommen können.

Und meine Bitte um Feedback – denn es ist zwar schön und gut, wenn man Zugriffe statistisch ablesen kann oder dann schulterklopfend (oder kritisch anmerkend) mal beiläufig erfährt, dass der Artikel soundso gut oder schlecht war, aber nichts schlägt doch das persönliche Wort, die direkte Reaktion oder auch einfach nur ein zustimmendes Nicken.

re:publica ’09 – Tag 3

Ich sitze in bester Gesellschaft neben Julie und Weser-Ronny beim Vortrag von Jimbo Wales, niemand geringerem als den Gründer von Wikipedia, davor ein Panel mit Mercedes Bunz, Mary C. Joyce, die Obamas Online-Wahlkampf mitprägte und Esra’a Al Shafei, die kurz davor ihre Aktivitäten in Bahrein und die Verfolgung von Religionen in Middle East vorstellte. Drei Vorträge bzw. Panels, die aber die re:publica in ein ganz anderes Thema bringen, vielleicht ist das auch gerade gut so.

Während wir uns in den letzten Tagen über Kleinproblemchen wie die Streitigkeiten zwischen Bloggern und Journalisten stürzten (wenn auch nur am Rande), der Entwicklung technischer Art, der Frage ob iPhone oder doch das G1 cooler ist und welches Widget noch mehr Spass macht, erwischt es dich hart, wenn es um die echten Probleme gibt – und dazu gehört die Erkenntnis, dass Redefreiheit in der Welt um unserer kleinen westlichen Wohlstandsenklave nicht selbstverständlich ist und systemkritik nicht eine Frage des wie und ob es dich in den A-Blogger Olymp bringt, sondern in den Knast. Die Frage, dass allein der Zugang zu freier Information etwas ist, was zu verteidigen und verbreiten gilt.

Und dennoch: Man darf sich in Anbetracht der Probleme draußen nicht wieder zu klein machen und seine Probleme hier wegschieben – aber es in Relation setzen, das ist wohl die Aufgabe, die wir haben.

re:publica ’09 – Tag 2

Der Tag beginnt mit dem erwartet interessanten Vortrag des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, der einem im Wesentlichen wieder einmal für das brisante Thema des Datenschutzes sensibilisierte und doch auch klar machte, wie sehr hier Verbesserungen ein Weg der (sehr) kleinen Schritte ist. Einige Sätze blieben mir hängen, die im Wesentlichen klar machen, dass Datenschutz keine reine Frage des Bürokratismus, sondern genau die Kernfrage hin zum gläsernen Menschen ist. Wenn man Peter Schaar aufmerksam zuhört merkt man doch, wie sehr er in seiner Aufgabe an Lobbyismus und politischen und wirtschaftlichen Interessen sich aufreibt. Vielleicht zusammengefasst in den Worten: Alles kostet etwas und bei Gratis-Anwendungen bezahlt man eben mit seinen Daten. Leider hat man (ich) den Eindruck am Ende, dass es ein aussichtsloser Kampf ist, denn nicht nur wirtschaftliche und politische Interessen wollen gar keinen Datenschutz, er scheitert auch an der globalen Struktur des Internets und auch am einzelnen User, denn der sieht aktuell nicht genug Gefährdungspotenzial um mit den eigenen Daten sensibler umzugehen oder deswegen politischen Druck zu entwickeln.

Im Anschluss gönnten wir uns einen ausgiebigen Ausflug in die City und sitzen nun in der zweiten Nachmittagsveranstaltung in der Kalkscheune. Nach einem durchaus informativen Vortrag von T-Mobile wird aktuell Wikitude vorgestellt, ein sensationell interessanter Dienst für das G1 android. Im Wesentlichen hält man die Kamera in die Luft und hält auf ein POI, also ein markantes Gebäude etc., und Wikitude blendet dazu auf das Kamera-Bild informative Daten zum gerade im Fokus sich befindlichen Objekts. Sensationell.

Ganz insgesamt kann man sagen, dass das G1 android weit mehr Interesse weckt auf dieser Konferenz als das iPhone, und das nicht nur ob der Aktualität sondern auch ob der Perspektive. Viele prognostizieren für die offene Plattform android weit mehr Innovation als die doch sehr abgeschlossene Lösung des iPhone. Mein Eindruck von gestern des G1 android, das ich kostenfrei mal einen Nachmittag ausgiebig testete: purer Sex! Dieses Handy nervt zwar ob des Akkus und ist auch nicht so sexy von der Optik, aber von der Usability und der Internet-Nutzung ist das unglaublich. Wären die Tarife dazu von T-Mobile nicht so derart aus der Welt (roundabout 45 Euro/Monat), ich hätte morgen meinen Anbieter nur wegen des Handy gewechselt (und gleich einen Ersatzakku dazu bestellt).

So viel für jetzt. 😉

re-publica ’09 – Podium „Blogs in Deutschland“

In der Podiumsdiskussion mit Robert Basic, Stefan Niggemeier, Sascha Pallenberg und Markus Beckedahl wurde mir wieder einmal bewusst, dass man zwar fachkundige Redner am Podium haben kann, die aber die Probleme, vielleicht gerade ob ihrer Fachkundigkeit, die mich als Wald-und-Wiesen-Blogger angehen, vollkommen aus dem Auge verloren haben. Hier wenige Beispiele dazu:

Presseausweis – Ja, mir ist auch klar, dass wir ja alle frei reden können, dass man auch ohne Akkreditierung tolle Sachen machen kann und viele Blogger nur die Goodies abgreifen wollen, soweit ist das alles ja gar nicht umstritten, es geht doch um das eine, was noch zwei Minuten vorher diskutiert aber nicht in Zusammenhang gebracht wird: Qualität. Wenn ich bspw. als Fußball-Blogger bei Clubfans United ohne Presseausweis bei den Vereinen antanze, lachen die mich aus. Vorstöße bei den Vereinen direkt oder auch bei der DFL ergaben genau die Bestätigung: Man kann einem nicht helfen, man kann aber auch nichts machen. Ohne Presseausweis keine Infos, keine Bilder, keine O-Töne, kein Zugang zu Pressebereiche. Ergo braucht man sich nicht beklagen, wenn wir in Deutschland nur Konserven bloggen können, denn an Frischfleisch lässt man Blogger nur unter höchstem Eigenrisiko ran. Das sind die deutschan Tatsachen.

Aber auch die Frage nach den Interessenvertretungen werden dann gern abgebügelt mit: Wir haben doch uns, jeder hat ja seine Stimme. Das ist schön und richtig, aber 2 von 3 Blogger, die ich frage, bestätigen mir, dass sie nach der ersten echten Abmahnung aufhören würden. Warum? Weil sie alleine stehen, weil sie das finanzielle Risiko gar nicht gehen können, weil es die Sache dann auch nicht wert ist (sein kann).

Nur zwei Beispiele, wo ich mich unverstanden fühle, weil das nicht meine Themen sind. Leider. Es diskutieren eben Pro-Blogger über die Themen des kleinen Mannes. Wie so oft.