Tag Archives: Wirtschaft

Sorry, liebes Kind, du bist aus der Familie entlassen

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Downsizing betrifft uns eben alle. Die Zeiten sind eben härter. Das Leben kein Wunschkonzert. Im Interesse des Ganzen müssen eben persönliche Interessen zurückstehen und auf Einzelschicksale darf keine Rücksicht genommen werden.

[via Thomas per Mail]


Das Video ist fies? Ja! Aber fies ist auch, wenn bspw. Vorstände hunderttausende von Pendler in einem quälenden Tarifstreik mit Lokführern über Wochen und Monate im Chaos stehen lassen, dabei im Servicepersonal kürzen, man im Frankfurter Hauptbahnhof 0,70 Euro pro Toilettengang zahlen muss und kontinuierlich aufgrund der schlechten Bedingungen höhere Fahrpreise akzeptieren muss (mangels Alternative) und dann liest, dass sich der Vorstand 20 Prozent mehr Gehalt gönnt… nur mal als Beispiel

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Der Markt reguliert sich von alleine

Dieser Leitsatz, den man im Wesentlichen im Zusammenhang mit Neoliberalismus gern hört, hielt ich bis vor kurzem für den größten Nonsense. Gut karikiert von dem “Witz”:

Wie viele FDPler braucht man, um eine Birne zu wechseln? Keinen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Steuern gesenkt werden, wird der Markt dafür sorgen, dass sich die Birnen von selbst wechseln.

Doch spätestens seit der Bankenkrise dünkt mir, dass es doch stimmt. Der Markt reguliert sich von selbst, man muss es nur aus einem anderen Blickwinkel sehen – längerfristiger, schmerzfreier.

Das ist wie bei einem Waldbrand, wenn man das Zündeln am Ende doch übertrieben hat, trotz einschlägiger Warnungen – der Waldbrand ist in der Wirtschaft insoweit kein Beweis dafür, dass das Zündeln per se schlecht gewesen wäre, es ist eine Bereinigende Form der Selbstregulierung.

Gut, beim Waldbrand gehen Bäume hops, Tiere sterben, verlieren vielleicht, wenn es sich zu einem Flächenbrand ausdehnt, Menschen ihre Häuser und vielleicht sogar ihr Leben. Aber so what? Auf eine gewisse Perspektive gesehen und nicht so kleinlich auf Einzelschicksale abgestellt, ist am Ende der Wald vielleicht sogar besser dran als vorher.

Früher waren Pest und Kriege willkommene Anlässe, sich von Altlasten zu befreien. Die Überbevölkerung wurde in den Griff bekommen, Schulden der Reichen und Mächtigen wurden obsolet im Zuge der dann folgenden Neustrukturierung, die Menschen kamen aus der Krise mit neuem Elan und voller Tatendrang. Alles paletti.

Der Markt reguliert sich von selbst, man darf nur nicht zu kleinlich sein und auch mal seine egoistischen Interessen hinten anstellen. Frei nach dem Motto: “Es ist nicht die Frage, was die Wirtschaft für das Volk und ihre gewählten Vertreter tun kann, sondern was das Volk und die gewählten Vertreter für die Wirtschaft tun kann”. Dann geht es uns allen besser.

Ok, der letzte Satz war natürlich Unsinn, aber sonst macht ja keiner mit.

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Abschiedsbrief eines Hedge Fond Managers

Bei Jochen Hoff die Langfassung des »Abschiedsbrief von Hedge Fond Manager Andrew Lahde« – eine absolute Leseempfehlung von mir.

Hier Auszüge:

“Was ich über das Hedge-Fonds-Geschäft gelernt habe? Dass ich es hasse.” Das kann ich so unterschreiben.
Ich habe das Spiel wegen des Geldes mitgemacht. Die Low-Hanging Fruits – sprich: die Idioten, deren Eltern für Yale und den Harvard-MBA blechen – warteten nur darauf, gepflückt zu werden. Diese Leute waren (häufig) wirklich die Ausbildung nicht wert, die sie (angeblich) erhalten haben, aber sie stiegen trotzdem in Unternehmen wie AIG, Bear Stearns und Lehman Brothers sowie in alle Ebenen unserer Regierung auf. Dieses die Aristokratie stützende Verhalten machte es mir letztlich nur einfacher, Leute zu finden, die dumm genug waren, meine Verluste auszugleichen. Gott segne Amerika.

[...] Einige Leute meinen, meinen Nettowert annähernd ausgerechnet zu haben, und wundern sich vielleicht, dass ich mit einer so verhältnismäßig kleinen Kriegskasse aussteige. Aber das ist in Ordnung, ich bin zufrieden mit dem, was ich bekommen habe.

Sollen doch andere ein neun-, zehn- oder elfstelliges Vermögen anhäufen. Aber bis dahin ist ihr Leben nichts wert. Ein Termin nach dem anderen, immer drei Monate im Voraus ausgebucht, im Januar zwei Wochen Urlaub, wo sie die ganze Zeit auf ihren Blackberry starren. Und wozu? In 50 Jahren sind sie doch ohnehin alle vergessen. Niemand wird sich an Steve Ballmer, Steven Cohen und Larry Ellison erinnern. Dieses ganze Getue, ein Vermächtnis zu hinterlassen, verstehe ich nicht. Fast jeder wird vergessen, also versucht doch gar nicht erst, euch unsterblich zu machen. Werft den Blackberry weg, und genießt das Leben!

Das war’s dann also, ich steige aus. Bitte erwarten Sie auf E-Mails oder Anrufe keine Reaktionen. [...]

Was die US-Regierung anbelangt, hätte ich einen Vorschlag. Zunächst möchte ich auf die offensichtlichen Fehler aufmerksam machen: In den vergangenen acht Jahren wurden dem Kongress wiederholt Gesetzentwürfe vorgelegt, die den räuberischen Kreditvergabepraktiken der jetzt meist nicht mehr existenten Institute Einhalt geboten hätten. Diese Kreditinstitute haben mit schöner Regelmäßigkeit die Säckel beider Parteien gefüllt, und als Gegenleistung lehnten diese Gesetze ab, die den einfachen Bürger schützen sollten. Das ist ein Skandal, aber niemanden scheint es zu kümmern, oder niemand scheint auch nur darüber Bescheid zu wissen.

Lahde schließt seinen Brief mit Ausführungen zum Hanf-Anbau, was der Sache etwas Groteskes gibt und eine Steilvorlage für Spötter sein dürfte (frei nach dem Motto: daher weht der Wind, ein Kiffer, kein Wunder), doch beim genauen Hinsehen schließt er damit den Kreis: die Unterdrückung von alternativer Medizin (gerade auch Psychopharmaka), alternativer Energiegewinnung und der Kampf der Industrie den Menschen von Methoden und Mitteln fernzuhalten, die eigentlich jedermann offen stehen – statt dessen wird die Umwelt zerstört wider besseres Wissen.

Es sind Worte eines ‘Insiders’, die in erschreckendem Maße alles belegt, was die Kritiker von der Straße längst munkelten und die man als “Verschwörungstheorien” gerne vom Tisch wischt. Doch die Wahrheit ist wohl so, wie Lahde dies formuliert, nüchtern, sachlich, aber doch nicht ohne Ausweg:

Ich glaube, es gibt eine Lösung, aber in jedem Fall ist das System derzeit eindeutig kaputt.

»Abschiedsbrief von Hedge Fond Manager Andrew Lahde«

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Der kleine Mann von der Straße

Warum verstehen wir nur nicht die Sorgen und Nöte der großen Leute? Und warum viel Information alles nur noch schlimmer macht.

Ich bin ein kleiner Mann. Nicht mal von der Größe her, aber doch aus der Perspektive bestimmter Leute. Sogar “von der Straße” bin ich, dabei hab ich ein sehr annehmliches Dach über dem Kopf und sogar nette Nachbarn. Dennoch bin ich der “kleine Mann von der Straße”, weil ich eben keiner der Großen bin, der Großen aus Politik und Wirtschaft. Ich bin eben einer der nicht versteht, verstehen kann, die Zusammenhänge, die Notwendigkeiten, die Zwänge, die man eben nur begreift, wenn man selbst im Haus sitzt – und nicht nur von außen draufsieht, von der Straße, wenn man eben nur mal vorbeiging und Blicke erhaschen konnte von drinnen, durchs Fenster, oder was man eben verkündet bekommt oder was zu redseelige Bedienstete oder Boten aufgeschnappt und nach draußen trugen.

So ist unser Leben bestimmt, für die meisten von uns, ein “kleiner Mann von der Straße” zu sein. Wir bekommen nur mit, was nach draußen dringt, was man uns zumutet, was durchrutscht, was nach außen dringen soll – strategisch oder boshaft zum Schaden eines anderen oder um die Volksseele dosiert zum Köcheln zu bringen – nur nicht zum Kochen, das wäre zu unkontrollierbar, am Ende stürmt noch einer den Palast. Was man dem “kleinen Mann” auf der Straße zumuten kann, darüber machen sich die drinnen viele Gedanken, Gedanken über das “was” und “wie viel” und “in welcher Form”. Denn nicht alles versteht der “kleine Mann von der Straße” so auf anhieb – ja, er könnte alles mißverstehen, könnte am Ende nicht begreifen, wie eben die Zusammenhänge, die Notwendigkeiten und die Zwänge waren, die zu dem führten, was man nun verkünden muss, und der “kleine Mann von der Straße” wird einen Kopf fordern in seinem Unverstand, seinem fehlenden Kausalverständnis, das man sich erst aneignen kann, wenn man selbst einmal die Zusammenhänge, die Notwendigkeiten und die Zwänge am eigenen Leibe erlebte.

Manchmal zeigen andere “Menschen von der Straße” den anderen solche Zusammenhänge auf. Gefährliche Aussteiger und Freigeister sind das – Leute, die das ganze System mit ihren unbedachte Äußerungen gefährden, die meinen die Wahrheit würde etwas besser machen. Kinder sind es, Kinder, die nicht verstehen, dass die Wahrheit keine leichte Kost ist, eine Kost, die dem “Mann von der Straße” gar nicht bekommt, weil er damit gar nicht umgehen kann. Wer sowas tut, tut der Gesellschaft keinen Gefallen – jedenfalls aus der Sicht bestimmter Leute mit dem Blick auf den “kleinen Mann von der Straße”.

Das ganze Internet hat alles nur noch schwieriger gemacht. Medien konnte man wenigstens kaufen – und zwar mit dem Geld, dass der “kleine Mann von der Straße” mit seiner Leistung, seinen Einlagen und auf sein Risiko erwirtschaftet hat – zu seinem Schutze. Doch nun sprießen immer neue Stimmen zu Tage, immer mehr dieser Querdenker beginnen zu reden, man kann sie nur juristisch erschlagen, doch wie Ratten kommt immer wieder ein neuer Kopf aus den Löchern. Man muss sie an der Wurzel packen, ihre Glaubwürdigkeit zerstören, sie einschüchtern und überwachen – die Politik ist in der Pflicht, in der Pflicht das System zu schützen, ein System, dass sie selbst zu den Großen der Politik erst machte, sie sind in der Pflicht und in der Schuld!

Doch Schuld, Schuld an allem, an der Panik, an den Überreaktionen, das haben doch sie! Die, die reden, die modernen Aufklärer. Sie sind die Unbekannte der Gleichung, mit all ihrer Furcht und ihrem Idealismus, ihre kleinkarierte Denke um das Wohl des Einzelnen – und sie meinen sich doch nur selbst! Sie sorgen sich nur um ihr eigenes Wohl und das aller kleinen Männer!

Doch das Wohl kann gar nicht für den Einzelnen bestimmt sein, denn das System funktioniert nur im begrenzten Maßstab – eben wenn viele “auf der Straße” sind und nur wenige “im Haus” – so sind die Regeln unserer Gesellschaft, so war es immer.

Doch ist das Kind im Brunnen, wenn zu viel bereits passiert ist um die Stimmung noch retten zu können mit Vertuschung. Wenn der “kleine Mann von der Straße” den Stimmen aus dem Haus nicht mehr glaubt, dann heisst es die Gelegenheit ergreifen. Sich unters Volk mischen, sich zu einem von ihnen machen, seine eigenen Aussagen von gestern verwischen und sich einfach mit dazu stellen – zum Pulk vor dem Haus und mitgrölen, einfach das, was die Volksseele schreit: “Raus mit ihnen! Wir wollen sie zur Verantwortung ziehen!” Aus Inbrunst, bis man einen oder zwei gefunden hat, die bei drei nicht auf den Bäumen respektive aus dem Hause waren – gern genommen die, die sich nicht selbst schnell genug verleugnen konnten. Und reden muss man, viel reden, am Besten das, was jetzt offensichtlich ist und die Mahner schon riefen, als man selbst noch im Haus saß und sich über dieses Geschmeiß echauffierte.

Nach einer Weile darf man den Absprung nicht verpassen, sonst wird man selbst zu einem von ihnen, vergessen und bedeutungslos in der Masse. Nun gilt es einen Schritt vorzutreten, sich zwischen Haus und Straße zu stellen. Es gilt nun Reformer zu sein, aus der Vergangenheit lernen wollen, Einsicht zeigen ob der Fehler des Systems, natürlich nicht der eigenen, und aufbrechen wollen, diese Zusammenhänge, die Notwendigkeiten und die Zwänge. Nicht wirklich und wollend, aber überzeugend – und darauf kommt es an.

Der “kleine Mann von der Straße” wird bald müde werden, seine Konzentration bricht gern ein, wenn man nur lange genug redet um auf den Punkt zu kommen. Als sie begannen wieder zuzuhören, war das Spiel auch schon gewonnen. Dann baut man sie wieder auf, die Zusammenhänge, die Notwendigkeiten und die Zwänge, und wirbt im Rahmen des Machbaren und möglichst perspektifisch um Geduld und versichert seinen 100%igen Einsatz. Der “kleine Mann” könne daher getrost nach Hause gehen – und man selbst zurück ins Haus. Jeder auf seinen Platz zurück, der ihm gebührt.

Doch manchmal reicht das alles nicht. Manchmal brechen Systeme tatsächlich zusammen und lassen sich nicht wieder herreden. Schlimme Zeiten sind das, Zeiten der Zerstörung, der Neuordnung, des Chaos. Dann sitzen sie plötzlich alle wirklich in einem Boot, der kleine und der große Mann, und der “große Mann” weiß, dass er jetzt viel zu verlieren hat, auch gerade weil die “kleinen Leute”, die eh schon wenig hatten und nun noch mehr verloren haben, jetzt im Vorteil sind. Wer wenig zu verlieren hat, neigt zu radikalen Dingen.

Und das macht ihnen großen Kummer, den großen Leuten. Gerade weil sie nicht mehr tragen, die Zusammenhänge, die Notwendigkeiten und die Zwänge, die einen Schutz gaben und das stabile System bildeten. Großen Kummer, nicht um der Krise selbst, den Zerstörungen und den Opfern willen. Es macht ihnen Kummer, denn am Ende könnten andere die Gewinner sein.

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Brettspiel Bankenkrise – Das Monopoly des 21. Jahrhundert?

von extra3 NDR Fernsehen

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Video: Wenn eine Firma bei einem Designer die Erfindung des Stop-Schilds beauftragen würde

Mitten aus dem Leben. :lol:

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