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Seminararbeit zum Thema Web 3.0 von Lennart Brand – Transkript Interview Alexander Endl

Vor dem Hintergrund des Artikels bei Dr. Web »Die Zukunft im Web 3.0 – Eine Vision«, über das mich eine ganze Menge Anfragen erreichten (was mich wirklich positiv überraschte), bat Lennart Brand im Rahmen seiner Seminararbeit »Semantic Web und IPv6 – Ein Zukunftsszenario des Internets« im Seminar »Multimediale Präsentationsformen / Content Management« beim Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik und Theater Hannover zum Thema um ein Interview.

Hier das „Transkript“ des finalen E-Mail-Interviews – für die, die es interessiert:

Fragenkatalog an Alexander Endl

1.
Bitte beschreiben Sie kurz Ihre berufliche Tätigkeit und Ihr Aufgabenfeld.

Ich bin seit 7 Jahren verantwortlicher Projektleiter mit Schwerpunkt Internet und Neue Medien in einer Agentur für visuelle Kommunikation in Frankfurt/Main.

2.
Wie ist die Idee zu dem Artikel bei Dr. Web („Die Zukunft im Web 3.0 – eine Vision“) entstanden?

Eine einfache Weiterentwicklung eines Gedankens. Als der Artikel entstand war eine Diskussion über die Differenzierung von Web 2.0 als „social network“ in aller Munde, aber nur wenige gingen dabei auf die Entwicklung danach ein. Wer über das Web nach 2.0 schrieb, meinte das entweder als vage Zukunftsvision a la Flash Gordon oder als technisches Projekt im Sinne der Semantik. Ich wollte hier meine Gedanken in eine andere Richtung, eine vielleicht naheliegende, reelle, ‚zu Papier‘ bringen.

3.
Ihrer Grundthese nach werden, durch weiterentwickelte Technologien im Internet (semantic web, IPv6), Informationen auf ihren Kern reduziert und unabhängig von ihrem Kontext selbständige Einheiten darstellen. Benutzer können diese Einheiten – abhängig von den Berechtigungen durch den Urheber – nutzen und frei kombinieren. Können Sie dazu bitte ein Beispiel anführen?

Letztendlich sind Beispiele bereits real existent: Via RSS-Feeds werden ‚entkernte‘ Contentelemente bereitgestellt und anderswo im anderen Zusammenhang eingebettet und neu aufbereitet. Der Gedanke darüber hinaus, den ich bei dem Artikel hatte, ging in die Richtung, dass auch der Ort obsolet wird. Jetzt wird der Content noch von einer Quelle ausgeliefert, diese Quelle könnte in Zukunft unwichtig sein, weil der Content die Quelle selbst ist. Ich versuche das mal so zu formulieren: Wer mich erreichen wollte, hatte früher meinen Festnetzanschluß und meine Anschrift benötigt, heute trage ich meine Erreichbarkeit mit mir herum, meine Erreichbarkeit ist mit mir verschmolzen (außer der Akku meines Handys geht aus…). Aber auch das ‚witzige‘ Beispiel in Klammern ist gar nicht so daneben: Wenn ich jetzt noch eine Möglichkeit habe, dass bei Ausfall meiner primären Erreichbarkeit eine Alternativ automatisiert bereit steht oder die Alternative sogar sich nicht nach einer Hierarchie, sondern nach simpler Einfachkeit geknüpft wird, ist das vielleicht eine simple Erläuterung für meinen Gedanken. Jemand versucht mich zu erreichen und landet dort wo ich eben gerade bin, am Festnetz, am Mobilen Endgerät, per Voice-Stream im Netz. Man muss nur diesen Gedanken noch übertragen auf ein Objekt, das multiplizierbar ist: „Content“. Verteilt und erreichbar über unendliche Kombinationsmöglichkeiten.

4.
Wie schätzen Sie die Problematik der Rechtekontrolle durch den Autor und die Wahrung der Urheber- und Verwertungsrechte bei einer solchen Unabhängigkeit und flexiblen Kombinierbarkeit von Informationseinheiten ein?

Sehr hoch. Oder noch weitergehend: Man müßte sich von den existierenden Denkmodellen von Urheber- und Verwertungsrecht komplett lösen müssen und neue Modelle entwickeln. Tut man das nicht, wird das gleiche Schicksal ereilen wir der Musikindustrie und der schreibenden Presse: Content für lau wird entweder eingefordert oder Piraterie breitet sich aus.

5.
Wie ist Ihre Meinung zu der Kritik, dass durch das semantic web die Informationstiefe und das Bildungsniveau der Benutzer aktiv eingeschränkt werden könnte. Die Idee hinter dieser Kritik ist, ähnlich des Videos EPIC über das fiktive Google-Monopol, dass man nur noch die Informationen finden kann, die durch eine teils maschinengestützte Ontologie als für einen Benutzerprofil zutreffend bewertet werden. Zufällige Treffer, die den Wissenshorizont erweitern könnten, werden dadurch nahezu ausgeschlossen.

Wie sagte Jeff Goldblum alias Dr. Ian Malcolm in Jurassic Park so schön: „Das Leben bahnt sich seinen Weg“. Das Internet ist nicht von ungefähr auch deshalb so eine „killer application“, weil es so praktisch ist, sondern weil es eben Pluralität brachte, Meinungs-Pluralität. Die Masse wird sicher ähnlich wie beim Privatfernsehen abzufangen sein, wer sich aber informieren will, wird das können. Das wird sich nicht mehr ändern lassen, das merkt man heute schon in Krisenregionen, wo trotz größter Bemühungen zur Vertuschung die Informationen nach außen dringen, – und das ist auch gut so, birgt im Privaten aber auch enorme Risiken.

6.
Wo liegt Ihrer Meinung nach der Vorteil, Informationseinheiten mittels IP-Adressen statt über eine erweiterte Funktionalität von URIs zu adressieren?

Ausfallsicherheit und Variabilität. Wenn ein Objekt nicht an einen Ort gebunden ist, kann es dorthin „gehen“, wo Erreichbarkeit gewährleistet ist. Auch ist eine Verteilung eine Lösung bei hoher Zugriffslast, das „Bit Torrent“ Modell ist ja quasi schon der Beweis, dass dieses Modell funktioniert.

7.
Das Schlagwort „Killer-Applikation“ ist schnell zur Hand, wenn man von technischen Innovationen spricht. Viele Experten sind der Meinung, dass die drastische Verbesserung der Zugangsbedingungen die „Killer-Voraussetzung“ für das Web 2.0 bildete. Schätzen Sie IPv6, auch z.B. aufgrund von mobile IPv6, als die mögliche „Killer-Voraussetzung“ für das Web 3.0 ein?

IPv6 ist für mich keine Applikation, es erweitert einfach den Adressraum. Das ist wie die Einführung von 7-stelligen Telefonnummern in einer Stadt nachdem man mit 5 Stellen nicht mehr zu Recht kam. Die 7 Zahlen sind dann nicht die Killer-Applikation, das war ‚das Telefon‘. Die Rahmenbedingungen müssen aber natürlich stimmen für Entwicklung, IPv6 erweitert einfach die Grenzen und ist der Boden eine solche Weiterentwicklung.

8.
Durch die IPv6 wird es möglich, jedem Endgerät eines Benutzers mittels stateless autoconfiguration eine IP zuzuweisen. Bei mir wären das allein bei den klassischen Medien schon 6 verbrauchte IPs (Computer, Laptop, Mobiltelefon, PDA, Fernseher, Radio). Als virtuelle Person im Internet belege ich eine weitere IP. Als Blogger fallen für mich wöchentlich etwa 5 weitere IPs für meine Blogeinträge an, meine Kommentare in anderen Blogs nicht mitgezählt. Ist unter diesen Gesichtspunkten Ihre Idee, dass mittels IPv6 jeder Informationseinheit eine IP zugeordnet werden kann, kritisch betrachtet überhaupt realisierbar?

Ja. Auch weil IPv6 ja nicht das Ende der Fahnenstange sein muss und weil man noch gar nicht abschätzen kann, wie alles sich entwickelt. Manche prognostizieren ja ‚eine‘ IP für jedes einzelne Objekt dieser Welt, von der Wasserflasche bis zum Toaster. – Vielleicht wird es regionale IPs geben? Oder IPs in (semantischer) Kombination? Wie oben gesagt: IPv6 ist für mich nichts anderes als eine Erweiterung des Terrains. – Zudem kann man mit 340,28 Sextillionen Adressen aber erst mal arbeiten.

9.
Im Dr. Web Weblog schlug „Siegfried“ im Kommentar #15 am 8.09.2006 vor, die IPs nur an Personen zu binden. Im Sinne einer ontologischen Zuordnung wären personenabhängige Aspekte wie geschriebene Artikel und Kommentare dann mit dem Autor verknüpft. Über thematische Gemeinsamkeiten gelänge man über die Aspekte von einer Person zur anderen. Wie bewerten Sie diese Modifizierung Ihrer Vision?

Streng genommen geht das für mich dann nicht weit genug. Ob ich den Ort oder die Person dann verknüpfe ist dann nur eine neue Definition, kein neuer Ansatz. Das Problem beginnt dann bereits bei Gemeinschaftsarbeiten, verliert sich endgültig dann in Wiki-Projekten, bei denen dem Grunde nach unendlich viele Personen zuordenbar wären. Nur wenn man alle Informationen voneinander löst und nur noch in Korrelation über eine Systematik setzt, wäre es für mich eine Evolution.

10.
Hat sich Ihre Sicht auf Ihren Artikel in den zwei Jahren seit der Veröffentlichung geändert? Was würden Sie ergänzen, streichen oder verändern, wenn Sie heute eine gleiche Zukunftsvision formulieren sollten?

Ein Problem der „Theorie“ ist für mich ungelöst, das Problem des „Versioning“. Wie garantiere ich, dass die Content- und Web-Objekte alle am letzten Stand sind, oder wie entferne ich etwas wieder? Aber das sehe ich eher als Lücke des Artikels, die man schließen könnte mit einer Idee. Auch denke ich wären Details von Semantik- und IT-Experten besser auszuleuchten als von mir. Die Resonanz dieses Artikels – vor allem die bemerkenswert geringe Kritik daran in Anbetracht der Verbreitung – zeigt mir aber, dass die Idee dahinter so falsch nicht sein konnte.
Was ich heute anders oder differenzierter sehe ist die Wirtschaftsmacht, die dieser Entwicklung eine ganz andere Richtung geben könnte. Ich hielt damals weit mehr als heute es für eine fast unaufhaltsame Entwicklung, dass sich alles voneinander löst. Beobachtet man heute die Entwicklung und Bestrebungen der global internet player, kommt man vielleicht zu dem Schluß, dass das Gegenteil der Fall sein könnte: Statt Lösung eine Bündelung, Konzentration. Statt einer freien Verknüpfung gesteuerte Verknüpfungen, die allein darauf abzielt am Ende auch wirtschaftlich verwertbar zu sein (was der oberflächlichen „Qualität“ nicht unbedingt anzusehen sein muss). Das Netz dann (negativ ausgedrückt) nicht als semantisches Monster, das unkontrolliert eine Art Eigenleben entwickelt – Skynet (Terminator) lässt grüßen -, sondern ein Modell basierend auf nacktem wirtschaftlichen Kalkül alter Schule, nur eben ins Netz übertragen: Wer Information hat, verdient Geld – und wer die Kontrolle darüber hat, hat Macht – und wer die anderen verdrängen kann, ist auf dem Weg zu einem Monopol. – Es gibt also durchaus ‚gewichtige Gründe‘ dem freien Wildwuchs einer rein auf Logik basierten semantischen Verknüpfung von der ersten Stunde an den Kampf anzusagen. Aber der Widerstand kommt nicht seitens des Users, die bis dato eher wie Lämmer zur Schlachtbank folgen und alles relativ schmerzfrei mitmachen, und auch nicht seitens der Politik, die bisher weitgehend durch Ahnungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit auffallen – sondern durch die Wirtschaft.

Dieser Fragenkatalog ist Bestandteil der Seminararbeit von Lennart Brand zum Thema „Semantic Web und IPv6 – Ein Zukunftsszenario des Internets“ im Seminar „Multimediale Präsentationsformen / Content Management“ des Sommersemesters 2008 am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover.
Die aus dem telefonischen Interview erhaltenen Informationen werden ausschließlich für die inhaltliche Bearbeitung der Seminararbeit verwendet und dienen den Zwecken der Lehre und Ausbildung. Das Verwertungsrecht der Arbeit liegt bei dem Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover.

Also wenn die Welt unterginge … also so in echt

Also einfach mal so angenommen, die werfen morgen ihren Large Hadron Collider an und dann … ups … merken sie, dass das keine gute Idee war und eine Kettenreaktion hin zum schwarzen Loch beginnt, von denen keiner ne Ahnung hat, wie man sie aufhalten kann, weil man ja beim Start des Experiment nicht mal wusste, dass man sie a) auslöst und b) was da eigentlich passiert. Ist am Anfang nur so ein kleines schwarzes Loch, um das alles noch begeistert rumstehen und Experimente machen, dann aber rechnet einer einen kontinuierlichen Größenwachstum aus und die Laune sinkt.

Nachdem man dann so schuldvolle Blicke sich zuwirft und sich auf die Schultern entlastend klopft mit Sätzen wie „aber das konnte nun wirklich keiner ahnen“ und „die Wahrscheinlichkeit, dass das passieren würde, war doch unter 1%“, informiert man sicherheitshalber mal das jeweilige Ministerium und die schließen sich kurz und hoffen, dass alles nicht so schlimm ist. Ist es aber, weil mittlerweile das Gebäude einstürzt, dass die US Air force sicherheitshalber noch mal dem Boden gleichmacht – worüber die Schweiz echt sauer ist. Bringt aber nichts, ist ja keine Frage von Energie und Masse, wie man das so kannte beim üblichen Bombardieren, als die Welt noch in Ordnung war.

Am Anfang wollen die Regierungen dann keine Panik verbreiten und halten die Meldung zurück bis einer auf den Trichter (*hihi Wortspiel) kommt, dass es eigentlich scheißegal ist, ob man nun vor Schreck einen Herzinfarkt bekommt, von Plünderern gemeuchelt wird, in der Hysterie zertrampelt oder eben in ein (schwarzes) Loch fällt. Einer steckt es also doch der Presse, die allerdings eh schon seit Stunden drüber berichten, nun aber eben amtlich: „Sorry, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, da ist was ziemlich schief gelaufen. Normalerweise würden wir jetzt einen Untersuchungsausschuß gründen, der aber sowas von untersuchen würde, das glaube man kaum, aber bis allein der formale Beschluß dafür gefasst sein würde, wäre leider alles hier weg – und damit meine man auch wirklich alles. Lebt wohl wäre nicht so angebracht, eher ein freundlich gemeintes Tschüß“.

Und dann säße man so gegen Mittag oder früher Nachmittag in seinem Büro und würde sich denken: Scheiße! Bringt aber auch nichts. Chef würde sagen: Ich glaub ihr könnt heut früher heimgehen und das täten dann wohl alle. Und danach? Was macht man dann eigentlich bis das Unvermeidliche eintritt?

Kalendernotiz: Morgen Weltuntergang (#Large Hadron Collider)

Da hat ich ja noch mal Glück, dass mein Chef mich gerade darauf aufmerksam machte, dass morgen die Welt in einem riesigen schwarzen Loch untergeht nach Aktivierung des Large Hadron Collider. Blöd, dass er mir spontan aber keinen Urlaub geben will für heute und morgen – eigentlich fies, oder?

Was hält die Welt im Innersten zusammen? Die Antwort auf diese Frage wollen Wissenschaftler im Large Hadron Collider (LHC) finden. Das ist ein 27 Kilometer langer, ringförmiger Teilchenbeschleuniger in einem Tunnel, der in 50 bis 150 Metern Tiefe unter dem schweizerisch-französischen Grenzgebiet nahe Genf verläuft. Am 10. September 2008 wird der neue Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen. Kritiker fürchten jedoch, dass der LHC den Weltuntergang einläuten wird.
Quelle: Golem

Jo, da hoffen wir mal, dass die Kritiker nicht recht behalten. Aber wie man als Kind schon gelernt hat: Ausprobieren muss man alles mal! Wenigstens wissen wir es dann mal früher als die Amis, wenn es wirklich schief läuft.

In amerikanischen Blogs und Medien ist das Thema wohl ziemlich hype die letzten Tage, hierzulande muss man erst mal die SPD-Führungsprobleme lösen.

Mehr dazu bei ZDF abenteuer wissen:
Das groesste Experiment der Welt | Teil 1/3
Das groesste Experiment der Welt | Teil 2/3
Das groesste Experiment der Welt | Teil 3/3
(Muss ich mir morgen mal alle ansehen, schaff es heute nicht mehr …)

Doch wie sagte man einst zu Brian im Leben des Brian:
Kopfhoch, Brian! Du weißt doch wie es heißt. Ja. Es gibt Dinge im Leben, die sind nun mal nicht schön. Und das kann einen wirklich manchmal verrückt machen. Und dann passieren wieder Dinge, da schwörst und fluchst du nur. Und wenn du nun am Knorpel des Lebens rumkaust, sei nicht sauer deswegen. Nein. Pfeif dir doch eins. Denn pfeifen hilft dir, die Dinge auf einmal ganz anders zu sehen. Verstehst du? Uuund…

Der Large Hadron Rap:

Terminator-Klasse

Direktlink zu Youtube

via Chip.de:

»Forscher verschiedener US-Universitäten haben einen Roboter entwickelt, dessen Module sich in allen möglichen Formen neu arrangieren können. Mitch Zakin, Leiter des Projekts, nennt die Erfinung „programmierbare Materie“.«

Sieht zwar noch dezent unbeholfen aus, aber das Prinzip wird klar – vor allem nach dem Fußtritt. Jetzt alles noch etwas schneller und die Teile kleiner, sehr viel kleiner und sehr viel mehr Teilchen …

Aber so macht es mir noch keine Angst. :mrgreen:

Künstliche Intelligenz – Muß ich den Test verstehen?

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Also noch mal lesen bitte.

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Kapiert? Also ich nicht. Also wenn drei im Raum stehen und einer geht raus, was sagt mir das aus, wo eine verf*** Kanone liegt? Ist das sowas wie Schrödingers Katze für Nerds?

Also wenn der menschliche Avatar raus und rein geht, hat das für mich so viel für das Experiment zu bedeuten, wie die Frage nach den Farben seiner Schuhe. Jedenfalls im beschriebenen Experiment-Aufbau. Aber mal noch mal langsam.

Bei Golem.de dazu weiter:

Nein, ist es nicht. Denn der Roboter-Avatar wird von einer Software mit künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert, und diese hat soeben den Test über den falschen Glauben bestanden. Mit diesem Test prüfen Psychologen, ob jemand zwischen seinen eigenen Überzeugungen und den Überzeugungen anderer oder der Realität unterscheiden kann und ob er Abweichungen dazwischen in seine Handlungsvorhersagen mit einbezieht. Kinder bestehen diesen Test, der als wichtiger Schritt in der Bewusstseinsentwicklung gilt, im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren. Jüngere hingegen glauben, dass der Zurückgekehrte die Waffe in dem grünen Koffer suchen wird. Ihnen fehlt noch die Fähigkeit, von ihren eigenen Überzeugungen zu abstrahieren. Auch Menschen, die unter Autismus leiden, werden diesen Test nicht bestehen.

Ich glaube mir dünkt es. Der Roboter nimmt wahr, dass der andere verbliebene Avatar die Pistole vertauscht hat. Seine Erkenntnis der Wahrheit sagt ihm also: Wahr ist der grüne Koffer! Und die Möglichkeit, dass der Zurückkehrende diese Wahrheit nicht kennt, ist ihm nicht logisch. Die Wahrheit ist Koffer grün, warum also sollte der Avatar diese Wahrheit nicht kennen?

Ok, das klingt schon „intelligenter“. Aber hat man da nicht einfach dem Roboter gesagt: Bewerte nur das, was der andere wahr genommen hat? Also: Nehme für die Beantwortung der Frage die Position und Wahrnehmung des Avatars als Gegebenheiten an? Das wäre doch auch nicht intelligent!

Aber was ist eigentlich Intelligenz? Oder: Was würde einen überzeugen, dass ein Avatar in einer Welt wie Second Life oder WoW intelligent ist, obwohl dahinter kein Mensch sitzt? Mal davon abgesehen von der bösen Antwort: Er wäre nicht anwesend…
Intelligenz gehöre zu mindestens einem großen Teil zur Definition von Persönlichkeit, gibt Wikipedia Rat, und weiter:

Intelligenz (lat.: intelligentia „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere „verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen. Intelligenz kann auch als die Fähigkeit, den Verstand zu gebrauchen, angesehen werden. Sie zeigt sich im vernünftigen Handeln.

In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden.

Was also hätte der Roboter gemacht, wäre er rausgegangen, statt einer der beiden menschlichen Avatare. Dieser Test hätte für mich vielleicht mehr überzeugt. Hätte er versucht sich in das Denken der beiden hineinzuversetzen. Das klassischen Spiel mit der Nuß in einer der beiden Hände. Dieses Psycho-Spiel, wer sich was wohl am Ende denkt, und die resultierende Erkenntnis, dass es keine eindeutige Antwort geben kann und man beginnt ein Bauchgefühl zu entwickeln – man versucht aufgrund nicht wahrnehmbarer Indizien, wie bspw. den Gegenüber einfach einzuschätzen aufgrund seiner Gesamtheit.

Aber ist das dann Intelligenz? Ist es nicht auch ein reiner Prozeß aus Abwägungen und am Ende eine Frage der Wahrscheinlichkeit?

Für mich ist Intelligenz schon lange nicht mehr dem Menschen vorbehalten, sondern auch dem geschaffenen Produkt: dem Computer. „Die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen“ ist doch am Ende nur eine Abwägung von Wahrnehmungen, Erfahrungen und Informationen. Alles Dinge, die ein Computer grundsätzlich schon kann, vielleicht sogar schon besser als der Mensch, da in der Regel ohne biologischen Leistungsabfall wie Übermüdung und weit höherer Rechenleistung und nicht zuletzt besserem Erinnerungsvermögen.

Was für mich aber einen Menschen vielleicht intelligent macht ist die Fähigkeit – so komisch es klingen mag – Bauchentscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen, die trotz erkennbar anderer Faktenlage eine Intuition darstellt, die nicht beliebig ist, sondern auf eine schier einzigartige Kombinationsgabe von gesammelten, verworfenen, neu bewerteten und im komplett neuen Zusammenhang gebrachten Erfahrungswerten besteht. Selbst eine so „intelligente“ Suchmaschine, wie Google (mal neidlos anerkennt), ist der Manipulation des Menschen unterworfen. Jede eingeworfene Regel stellt nur den Stand der Kenntnis dar, der Mensch in all seiner unlogischen Funktions- und Denkweise, reagiert als einzelner bisweilen vollkommen unlogisch und konträr jeder Erwartung, was ihn unberechenbar macht, unkalkulierbar. Dies zu erspüren ist für mich Intelligenz. Eine Intelligenz, die im Übrigen auch manchen Menschen nicht anheim ist und die ich der Menschheit als Ganzes sowieso komplett abspreche. Trends zu erspüren, ja sogar zu setzen, ist zwar im gewissen Rahmen berechenbar, die Revolutionen sind aber oft vollkommen absurde Ansätze, die bei Schöpfung niemand auf dem Tableau hatte, dass es sich durchsetzen würde. Mode z.B. oder Designtrends.

Vielleicht ist das der natürliche Schutzmechanismus des Menschen vor künstlicher Intelligenz: Wer den Menschen verstehen will, also diese Art von Intelligenz haben will, muss einer sein.

Lieber 72.124.456.997.456.132ter (von links),

schön dass du mich auf deinen Studien zur Erfassung der ersten Jahrzehnte der digitalen Welt im Archiv gefunden hast. Ich hoffe Du hast viel Interessantes hier entdeckt, aber interessanter wird sicher für dich jetzt gerade die Frage sein, woher ich wusste, dass Du einmal hier sein würdest…

Aber eines nach dem anderen.

Der Tag des normalen Erdenbürgers, der Dir gerade schreibt, begann unspektakulär und doch phantastisch. Ich spielte Schach in der Bahn, wenn Dir das was sagt, also wenn es Schach in euren Zeiten noch geben sollte. Wundern würde es mich nicht, denn das Spiel hat schon einiges überlebt. Dieses Schach war nun nicht das phantastische, dennoch sei das erwähnt, denn mittlerweile kann man dieses Spiel auf seinen portablen kleinen Telefon-Computern auch schon in unseren Tagen spielen. Ich spielte das als Kind noch gegen andere Menschen oder auch gegen einen Schach-Computer an einem Brett mit echten Spielsteinen, dabei musste man – also beim Schachcomputer – die Felder mit dem Finger leicht andrücken. Schach hat aber allgemein etwas phantastisches, es schärft deine Aufmerksamkeit, hat quasi unzählige Möglichkeiten der Entwicklung und sagt vor allem auch eine Menge über einen selbst aus. Über Konzentration, über Logik, aber auch über deine Persönlichkeit. Der eine stürzt sich Hals über Kopf in die „Schlacht“, der andere spielt aus einer soliden Deckung und wartet auf die eine entscheidende Möglichkeit. Der eine sucht möglichst schnell das Brett übersichtlicher zu machen und Figuren zu tauschen, der andere liebt die Fülle an Optionen und möglicher Winkelzüge und will daher ein Abtauschen vermeiden. Das Spiel beginnt eigentlich oft ähnlich, man nennt das Damengambit, eine beliebte Eröffnungsvariante, die zunächst alle Möglichkeiten offen lässt für beide Spieler. Mein Spiel heute morgen endete mit einem sudden death. Eine einfache Situation, ich übersah einen eigentlich leicht zu parierenden Angriff und Schach Matt durch Dame vom Läufer quer über das Spielfeld gedeckt. Ich beendete nachdenklich das Spiel.

Das eigentlich phantastische kam dann auf dem Weg zwischen Bahnhof und meiner Arbeitsstelle (die man – ich weiß ja nicht wie das bei euch sein wird) in der Regel noch physisch aufsucht und dort seine meiste Zeit zubringt. Ich sinnierte gerade über dies und das und fühlte mich bei diesen unglaublich schönen Sonnenschein, der durch meine Sonnenbrille drang, hervorragend, vor allem weil das Wolkenschauspiel sich dieses mal selbst überbot mit seinem Wechsel aus tiefschwarz bis grellweiß und dazwischen immer wieder der Blick auf strahlendes Blau. Und dann drang er in meine Nase, dieser Duft frisch gerösteter Bohnen eines klassischen italienischen Cafés mit gediegener Holzeinrichtung, das sich in seinem Schwerpunkt auf eine gigantisch elegante Trese konzentriert. Dieser kleine Duft ließ aus allen Eindrücken und Gedanken des Morgens ein Zusammenhang werden. Vertrieb die Flüchtigkeit und machte aus einem ganz normalen Morgen eine kleine Besonderheit, von der Du nun lesen kannst.

Einen schönen Tag noch.

Der Wolf in Dir

Symbolfoto; Bild © Endl 2008

Ist der Mensch eigentlich ein kultivierter Wilder oder ein (bisweilen) wilder Kultivierter?

Sind wir in unserem innersten bestrebt nach Frieden und gesellschaftlichem Konsens, oder ist unser Sreben nach Ordnung (wie in einer Demokratie) nur das Produkt nacktem Kalküls? Das Ergebnis eines analytischen Prozesses und der daraus resultierenden Logik, dass wir zwar so unsere Triebe unterdrücken müssen und wider unsere Natur handeln sollen, aber uns dafür mit einem Mindestmaß an Sicherheit versorgt sehen. Sicherheit in Bezug auf unsere nahrungstechnische Versorgung, eines gewissen und notwendigen Fortschritts und unsere persönliche Sicherheit inkl. dem unserer Nachzucht.

Für den Kultivierten in uns spricht unsere Entwicklung, also die gesamtgesellschaftliche Tendenz weg von der Barbarei hin zur globalisierten Demokratie. Für den Wilden in uns spricht allerdings so ziemlich alles andere. Begonnen in den Kinderzimmern, wo kultiviertes Leben, die Vorteile eines organisierten Zusammenlebens mit Geben und Nehmen, erst mühsam und gegen Widerstand erzieherisch vermittelt werden muss. Fehlt dieser erzieherische Eingriff, kommt in der Regel erst in der staatlich verordneten Zwangsgemeinschaft für alle Beteiligten ein böses Erwachen – davor regiert von den Mitgeschwistern bis zum Spielplatz das ureigene Recht des Stärkeren.
Aber auch das ist ja noch evtl. als notwendiger Prozeß zu verstehen, ein Zeitraffer der Menschheit in Menschengestalt: Geboren, barbarisch, lernend, kultiviert.

Vielleicht lohnt ein Blick über den Tellerrand, was machen Erwachsene, sind sie in ihrer Balance aus Sicherheit und Angst vor „wer weiß was noch schlimmer werden könnte“ beraubt. Terrorismus bedroht unsere Gesellschaft und bringt sie in Unordnung. Führt dies zu Destabilisierung, wenn die vermeintliche Sicherheit als Fauspfand entfällt? Wohl Nein, weil der Bedrohung nur durch eine Solidargemeinschaft begegnet werden kann. Der Angriff von Außen ist eine Bedrohung der Sicherheit, keine Infragestellung.

Was, wenn der Mensch in eine Anarchie geworfen wird? Die Antwort ist wohl in vielen afrikanischen Staaten zu sehen. Wenn das politische System instabil ist, könnte man durchaus der These folgen, dass der Mensch ein Wilder ist. Wenn Menschen die Sanktion nicht fürchten, weil Legislative, Judikative und Exekutive nicht funktionieren, regiert der blanke Wahnsinn: Plünderungen, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch, Exekutionen.
Doch ist dies die Natur der breiten Bevölkerung? Oder strebt diese nicht gerade wieder (und damit die gesellschaftliche Evolution wiederholend) einer festen Ordnung zu, die eben wieder Sicherheit bietet? Das Volk wohl definitiv, aber man ist wohl auf der richtigen Fährte.

Was also kann man dem Menschen „antun“, um sein wahres Gesicht zu zeigen, seine wahre Natur zu offenbaren? Der Verlust von Sicherheit und Wohlstand ist es nicht, denn der führt wieder dazu danach zu streben – eine sich wiederholende Entwicklung und so nur eine Momentaufnahme.

Willst du den Charakter eines Menschen erkennen,
so gib ihm Macht.

Abraham Lincoln

Gib dem Menschen Macht. Erhebe ihn seiner kleinen Sorge um sein persönliches Heil, weil dies gesichert erscheint, und gebe ihm die Möglichkeit über dem System zu stehen.

Wie wird er sein, der Mensch? Wird er seine Macht nutzen, um sich selbst weitere Vorteile zu sichern, unermessliche und unersättliche Reichtümer anzuhäufen, während neben ihm die Menschen krepieren? Würde – überträgt man die Macht von einem einzelnen auf eine definierbare Gruppe, einem Unternehmen, einen Staat – man seinen Wohlstand und Einfluß in den Dienst der Gesamtheit stellen, oder würde man beginnen die Gesamtheit unter sich zu bringen, sich selbst zum einzig wahren Gottesstaat resp. Gods own country erklären und versuchen seinen Reichtum nur mit sich und seinesgleichen zu teilen? Würden Unternehmen, sind sie erst einmal enthoben von nationalen Regeln und Vorschriften, wenigstens ihren eigenen „Untertanen“ Schutz und Versorgung bieten, oder würde der Führungskopf damit beginnen sich und seinen Anteilseignern maximalen Gewinn bei größtmöglicher Ausbeutung seiner Untergebenen, seines Umfelds/“Wirts“ und der zur Verfügung stehender Ressourcen, versprechen?

Was würde der Mensch also wohl tun, wenn das Ausleben ureigenster „Instinkte“ ungehindert zum Erfolg führen würde, zu einem noch größeren und unermesslicheren Erfolg, als die Unterdrückung seiner „Triebe“?

Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit.

Kurzform „Homo homini lupus“:
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Titus Maccius Plautus