Startseite
Weblog
Newsletter
Fotogalerie
About / Vita
Impressum





STANDORT: ENDL.de | About/Vita | Vorträge
Vortrag: Standards im Internet
Kapitel 5

Inhalt

Kapitel 5: Auswirkungen und Nutzen

a. Plattformunabhängigkeit
b. Kommunikationsmittel für alle
c. Suchmaschinen
d. Cross-Media-Nutzung
e. Archivierung
f. Rechtssicherheit
g. Glaubwürdigkeit
h. Kritik



a. Plattformunabhängigkeit

Zusammenfassend ist festzustellen: Das Internet ist ein wildes Netzwerk, auch wenn Organisationen wie die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) versuchen etwas Linie hineinzubringen. (Die Arbeit der ICANN ist zudem sehr umstritten, nicht nur ihr Aufgabengebiet, auch die Einflussnahme der Wirtschaft und Länder - hier ist insbesondere die USA zu nennen - werden sehr kritisch beäugt.)
Ohne gemeinsame Standards ist es nicht möglich eine Entwicklung voranzutreiben. Anders ist das bspw. bei Software: Hier dominieren die Betriebssysteme nahezu nach Belieben und die Entwicklern müssen sich dem jedesmal neu annehmen – WindowsXP und OSX lassen grüßen. Aber auch hier hat man die Notwendigkeit gewisser Standards erkannt (.doc oder auch xml). Letzteres ist sicher für das Internet kein wünschenswerter Zustand.

Da es eine solche Plattform nicht gibt, wie zuletzt auch der Erfolg des Browsers Firefox wieder zeigte, der vor allem auf die Standards der W3C setzt, müssen übergeordnete Regeln gefunden werden.


|




b. Kommunikationsmittel für alle

Das Internet muss Kommunikationsmittel für alle sein. Wer Standards unterstützt, wie insbesondere Standards der Barrierefreiheit, setzt letztendlich eines der großen Ziele von Kommunikationsdesign in die Praxis um: Die Gewährleistung des Zugangs zu Informationen, unabhängig von Bildung, Herkunft oder persönlichen Fähigkeiten.


|




c. Suchmaschinen

Suchmaschinen sind von zentraler Bedeutung im Internet. Nur wer von Suchmaschinen erfasst ist, kann auch gefunden werden. Die Einhaltung von Standards verbessert generell die Indexierbarkeit. Auch hier ist Barrierefreiheit ein Vorteil: Textgrafiken sind bspw. für einen Suchrobot nicht zu erkennen und die Unterstützung der klassischen HTML-Auszeichnungen (wie 'H1') für eine Überschrift lässt auch die Suchmaschine erkennen, dass dieser Text-Teil eine besondere Bedeutung haben muss.


|




d. Cross-Media-Nutzung

Handys werden zum Internet-Browser, Fernseh-Geräte werden interaktiv, RSS-Reader fassen Nachrichten aus vielen Quellen zusammen.
Damit Inhalte von verschiedenen Ausgabegeräten genutzt und dargestellt werden können, müssen Standards die gemeinsame Basis bilden. Insbesondere die Grundstruktur der Trennung von Layout und Inhalten sorgt hier für einen wichtigen Schritt.


|




e. Archivierung

Wer hat noch irgendwo 3,5-Zoll-Disketten? Viele Daten wurden auf diesem Format archiviert, allein es fehlt heute das passende Laufwerk. Nicht anders ist es im Internet: Wer hier auf eine Technik gesetzt hat, die sich nicht nachhaltig auf bestehende Standards gestützt hat, geht ein Risiko ein.

Negativbeispiel: JAVA

JAVA von SUN galt vor Flash lange als die Plattform für interaktive Anwendungen, wie bspw. Spiele oder kleine Programme/Tools. Mit WindowsXP wurde SUNs Java kommentarlos nicht mehr gemeinsam mit dem Internet Explorer ausgeliefert - selbst die Links zum Nachladen gingen ins Leere. JAVA war mit einem Schlag nahezu Geschichte.



|




f. Rechtssicherheit

Die Ausführungen zum Thema rechtliche Standards sprechen eigentlich für sich: Wer sich hier an die Normen, Standards, Konventionen hält, wird auch im Sinne des Kunden ruhiger schlafen (sicher sein kann man sich nie…). Dabei gilt es nicht allein darum, alle Vorgaben auf Punkt und Komma zu treffen, allein ein Bemühen um Sorgfalt kann in einem rechtlichen Verfahren schon für einen sprechen.


|




g. Glaubwürdigkeit

Eine bemerkenswerte Studie der US Universität Stanford („How Do People Evaluate a Web Site's Credibility?“) hat sich mit der Glaubwürdigkeit von Websites auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dürften vor allem Gestaltern gefallen:

1. 46.1% Design
2. 28.5% Struktur der Inhalte
3. 25.1% Aufbereitung der Inhalte
4. 15.5% Unternehmensdarstellung
5. 14.8% Nützlichkeit der Inhalte

Natürlich kann nun jeder diese Ergebnisse für sich selbst auslegen, daher ein Blick in die Auswertung:

Thema Design:
»Interessant ist auch eine Erkenntnis, die vor allem dem klassischen US-amerikanischen Gestaltungsansatz an Corporate Websites schlechte Noten gibt: »It looks like it's designed by a marketing team, and not by people who want to get you the information that you need«. Die »polished and professional looking websites«, also Seiten, die mit Photoshop Effekten und Verläufen dem amerikanischen EyeCandy Trend folgen, werden vom User als zu sehr Marketing orientiert und zu wenig informationshaltig abgelehnt.«

Thema Struktur:
»Die Kategorie, die gleich nach dem Design am zweithäufigsten genannt wurde, betrifft die Struktur einer Website. Den Probanden ging es bei ihrer Bewertung vorwiegend um die Frage wie gut bestimmte Informationen zugänglich waren, wie leicht zu Navigieren ist und wie gut die gesamte Organisation der Inhalte wirkt.«

Erst danach folgen die Inhalte – bemerkenswert.

Quelle: http://credibility.stanford.edu/


|




h. Kritik

- Eintönigkeit der Gestaltung

Je mehr Vorgaben für eine Website bestehen desto größer wird das Problem für das Design, aber auch für Marketing und Werbung.
Werbung will nun einmal auffallen, und das tut sie nicht, wenn sie standardisiert wird. Diverse Studien haben gezeigt, dass ein Werbebanner 468x60 Pixel im Kopf der Website häufig nicht einmal mehr wahrgenommen wird. Eine an bestehendes Konventionen sich orientierende Gestaltung kann somit dazu führen, dass wesentliche Ziele (aus Sicht der Betreiber kann auch das Erzielen eines Werbeerfolgs ein solches Ziel sein), nicht mehr erreicht werden.

Das Drängen nach Standards – insbesondere durch die Vorgaben der Technik – führt schnell zur Eintönigkeit der Gestaltung. Mancher erinnert sich an erste Microsoft Frontpage-Websitevorlagen, die noch bis heute im Netz wiederzufinden sind. Ein einziger Blick genügte meistens, um Frontpage zu erkennen. Ähnlich heute mit Content-Management-Systemen: Die strukturellen Vorgaben der Systeme zwingen bisweilen eine Gestaltung nahezu auf. Oft nicht einmal aus Gründen der tatsächlichen Realisierbarkeit, wirtschaftliche Faktoren zwingen dazu, sich nahe an den bereits bestehenden Standard-Templates der CMS zu bewegen oder sich auf eine bestimmte Anzahl von Templates zu beschränken.


- Überkompensation von Vorgaben

Wohin geht die Reise?

Entwicklungen als Wellenform darzustellen trifft oft durchaus den Punkt. Defizite werden zwar erkannt und dann (meist spät) gegengesteuert, doch schießt das Ergebnis der ergriffenen Maßnahmen dann so deutlich über das Ziel hinaus, dass am Ende das Problem mit umgekehrten Vorzeichen besteht. Vielleicht liegen die Ursachen auch in unserer Gesellschaft, die einen gehörigen Druck braucht, um sich zu bewegen.

Ähnlich sehe ich die Entwicklung bei Barrierefreiheit. Die Defizite der ersten Jahre im Umgang mit den Problemen einzelner Bevölkerungsgruppen wurden weitgehend ignoriert. Erst ein zu wildes Netz, dann zu stark dominiert von wirtschaftlichen Interessen. Zu weit weg war lange die Politik und zu sachfremd die Äußerungen aus Politikerkreisen (nur ungern erinnere ich an eine Justizministerin, die forderte, man solle erst nach 23:00 Uhr nicht-jugendfreie Inhalte im Netz zeigen…).
Da auch die Interessenverbände, die zwar durchaus sachlich versiert diskutierten, nicht zu einem konkreten Vorschlag kamen, entstand wohl die BITV. Motto: Besser das als nichts.

Soweit von der BITV betroffen reagieren die entsprechenden Auftraggeber sehr sensibel. Man will nichts falsch machen und wählt daher stets den sichersten Weg. Der Umstand, dass dabei manche Problemlösung für den einen zum Problem des anderen wird (vgl. das Bsp. der Bordsteinkante), wird hingenommen. Zwischenzeitlich reihenweise aus dem Boden geschossene Beraterfirmen, die sich als Spezialisten darstellen und Websites bzgl. Barrierefreiheit analysieren, tun da ihr übrigens.

Es spricht also vieles dafür, dass die Entwicklung zu einer zunehmenden Standardisierung in punkto Aufbau, Navigation aber auch inhaltlicher Aufbereitung geht. Und derzeit ist das Feld weitgehend von Technikern, Interessenverbänden, Politikern und zunehmend Unternehmern besetzt. Die Auseinandersetzung aus dem Blickwinkel Design fehlt noch in der Breite, und so läuft man Gefahr, sich am Ende den geschaffenen Rahmenbedingungen beugen zu müssen. Tatsächlich bietet der aktuelle Stand der Diskussion aber noch viel Bewegungsspielraum, aber nur dann, wenn die Einwände und Forderungen der »Gestaltung« auch sachkompetent in Bezug auf Barrierefreiheit erfolgt. Denn dann, und das kann man in der Praxis erleben, ist viel mehr möglich als am Anfang gedacht.

Es ist also absolut wünschenswert, dass Vertreter des Kommunikationsdesign mehr und mehr eine führende Rolle in der Diskussion übernehmen. Die Sachkompetenz »visuelle Kommunikation« fehlt derzeit an vielen Stellen.
Dazu ist aber auch erforderlich, dass sich Gestalter offen an der Diskussion beteiligen, durch Argumente überzeugen und sich dazu auch mit den Rahmenvorgaben vorher auseinandersetzen.
Sonst droht im Webdesign eine noch zunehmendere Dominanz der Technik (und der Juristen).

An das Auditorium meinen Dank für die Aufmerksamkeit!

Alexander Endl



|




Informationen:

Skript zum Download in Kürze über die Websites

www.xplicit.de

www.endl.de

oder auf E-Mail-Anfrage:

info [at] endl.de


(c) Alexander Endl 2005

Dieses Skript ist nur für Studienzwecke bestimmt. Der Inhalt bleibt im Eigentum des Verfassers. Eine Bearbeitung, Verwertung, Vervielfältigung und gewerbsmäßige Verbreitung des Werkes – ganz oder auszugsweise – ist nur mit vorherigem Einverständnis der Verfassers als Urheber zulässig.



|



Inhalt



Copyright Alexander Endl 2005 | Version 5.01 07/2005